Floating Sauna Stockholm

Heiß begehrt

Die Floating Sauna in Stockholm

Architekten

DinellJohansson

Lokale Architekten

SWMS arkitektur

Ausstattung & Besonderheiten
  • Die schwimmende Sauna bietet Platz für bis zu 16 Gäste.
  • Ein frei zugängliches Sonnendeck und eine integrierte Pergola ergänzen den Saunabereich.
  • Zur Ausstattung gehören ein Umkleideraum sowie Personal-, Reinigungs- und Technikräume.
  • Die Sauna wird elektrisch beheizt; Außenduschen, Schwallkübel und ein abgegrenzter Badebereich ermöglichen die Abkühlung.
  • Rampe, Sauna und Besuchertoilette sind für Rollstühle zugänglich; die Saunabänke lassen sich entsprechend anpassen.
Adresse

Floating Sauna · Hornstullsbastun
Bergsunds strand 26
SE–117 38 Stockholm

Eröffnung

2026

Text

Johannes Bühlbecker
More Sports Media

Eine grüne Sauna, ein freies Sonnendeck und Stockholm direkt vor der Tür: Mit der Floating Sauna verwandeln DinellJohansson einen traditionsreichen Badeplatz in einen öffentlichen Treffpunkt auf dem Wasser.

Zurück ans Wasser

Am Hornstulls strand führt eine schwimmende Sauna die Badegeschichte des Ortes fort.

Das Liljeholmsbadet gehörte lange zum Ufer von Södermalm. Wegen seines Sanierungsbedarfs war das historische Bad seit 2016 geschlossen; im Oktober 2025 wurde es fortgeschleppt. Zurück blieb ein Standort mit Geschichte und der Frage, wie sich hier wieder öffentliches Leben am Wasser ermöglichen lässt.

Die Antwort ist kleiner als das alte Bad und reicht dennoch über den eigentlichen Saunabetrieb hinaus. Die Floating Sauna verbindet einen beheizten Innenraum mit Flächen zum Abkühlen, Sitzen und Verweilen. Seit dem 17. Juni 2026 empfängt die Anlage unter dem Namen Hornstullsbastun ihre Gäste. Stockholm betreibt sie als kommunales Pilotprojekt.

Grün mit Anschluss

Eine durchgehende Farbgebung verbindet den Pavillon mit seiner Pergola und gibt ihm eine klare Adresse am Ufer.

DinellJohansson entwickelten Gebäude und Steganlage gemeinsam mit der städtischen Verkehrsverwaltung und den Landschaftsarchitekten von SWMS. Der Entwurf bezieht sich auf Stockholms historische Wasserpavillons mit ihren gestrichenen Holzfassaden. Stockholms stad

Fassade und Dach tragen denselben hellen Grünspanton. Die Farbe fasst die Bauteile zusammen und macht die kleine Anlage am Wasser gut erkennbar. Eine formal in das Gebäude eingebundene Pergola führt die Architektur in den Außenraum weiter. So entsteht ein zusammenhängender Ort aus Sauna, überdecktem Aufenthalt und offenem Deck.

Rundum ansprechbar

Öffnungen, Nutzungen und Licht beziehen alle Gebäudeseiten in das Leben am Wasser ein.

Die Floating Sauna soll von der Promenade ebenso einladend wirken wie vom Steg. Deshalb behandelt der Entwurf sämtliche Seiten als Teil des öffentlichen Umfelds. Unterschiedliche Funktionen und Öffnungen sowie dekorative Beleuchtung vermeiden abweisende Rückseiten.

Zusammen mit der Aktivität im Inneren soll das Licht auch abends zu einer übersichtlichen und angenehmen Umgebung beitragen. Die Architektur folgt damit einem konkreten städtebaulichen Anliegen: Der neue Treffpunkt soll sich in die Gestaltung des Uferparks einfügen und den Aufenthalt entlang der Promenade bereichern.

Kleine Sauna mit Programm

Auf dem Ponton treffen ein kompaktes Raumangebot und ein für Rollstühle angepasster Zugang zusammen.

Bis zu 16 Menschen können gleichzeitig saunieren. Hinzu kommen ein gemeinsamer Umkleideraum, ein Personalbereich mit Toilette, ein Reinigungsraum und die Elektroverteilung. DinellJohansson planten Gebäude und Steg bis zu den Ausschreibungsunterlagen und entwickelten die Ausführung anschließend mit dem Bauunternehmen weiter.

Die Sauna wird elektrisch beheizt. Zum Abkühlen dienen Außenduschen, Schwallkübel und ein abgegrenzter Badebereich auf der Landseite. Rampe, Sauna und Besuchertoilette sind für Rollstühle zugänglich; die Saunabänke lassen sich so anpassen, dass ein Rollstuhl Platz findet. Stockholms stad Das in der Sauna verwendete Erlenholz stammt nach Angaben der Architekten aus der schwedischen Provinz Gävleborg.

Was wir hier lernen

  • Ein kleines Freizeitgebäude kann zusätzlichen öffentlichen Raum schaffen, wenn dieser von Anfang an mitgeplant wird.

    Die Stärke des Projekts liegt in der Verbindung von überschaubarem Raumprogramm und frei nutzbarem Außenbereich. Die Pergola, das Sonnendeck und die Gestaltung aller Gebäudeseiten machen die Sauna zu einem Baustein der Uferpromenade. Für andere Standorte ist vor allem diese Verknüpfung interessant: Ein klar organisierter Betrieb kann mit Aufenthaltsangeboten verbunden werden, die ohne Buchung und Eintritt zugänglich bleiben.

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Wiesentalbad Bochum

Wärme aus dem Wiesental

Die energetische Erneuerung des Wiesentalbads in Bochum

Schwimmbadtechnik

Ledos AG

Schwimmbecken

Myrtha Pools

Ausstattung & Besonderheiten

  • 50 × 25 Meter großes Wettkampfbecken aus beschichteten Edelstahlmodulen
  • Lehrschwimmbecken
  • Beckenabdeckungen
  • Traglufthalle
  • Wärmeversorgung mit Erdwärme, Umgebungsluft und Wärmepumpen
Adresse

Freibad Wiesental
Am Wiesengrund 18
44795 Bochum

Wärmeversorgung

2026

Fotos

SV Blau-Weiß Bochum
Björn Boltz
More Sports Media

Text

Johannes Bühlbecker
More Sports Media

Erst ein neues Becken, dann Abdeckungen und schließlich eine neue Wärmeversorgung: Der SV Blau-Weiß Bochum hat sein Wiesentalbad über Jahre in drei Schritten erneuert. Der erste Betriebsvergleich zeigt 74 Prozent weniger Gasverbrauch.

Die Zukunft beginnt immer jetzt

Mehr Kontrolle über die eigenen Energiekosten zu gewinnen, ist für den SV Blau-Weiß Bochum als Betreiber des ganzjährig genutzten Freibad Wiesental keine abstrakte Zukunftsfrage. Die Coronajahre und die Entwicklung der Gaspreise haben dem Verein drastisch vor Augen geführt, wie verletzlich der Betrieb bei äußeren Krisen sein kann. Im Wiesental bestärkten diese Erfahrungen einen Kurs, den der Verein mit der Beckensanierung bereits 2021 eingeschlagen hatte: das Bad Schritt für Schritt auf Dauer tragfähig zu halten.

Das Wiesentalbad ist nur dem Namen nach ein reines Freibad. Von Oktober bis April überspannt eine Traglufthalle das Großbecken, damit Schwimmtraining und Wasserball auch im Winter stattfinden können. Der Verein bezifferte seinen früheren jährlichen Gasverbrauch auf rund 2,5 Millionen Kilowattstunden.

Ein Becken für viele Jahre

Die erste Etappe war die Sanierung des 50-Meter-Beckens. 2021 ersetzte Myrtha Pools das alte Folienbecken durch eine Konstruktion aus beschichteten Edelstahlmodulen. Die Elemente wurden vor Ort montiert und abgedichtet. Das ermöglichte eine kurze Bauzeit und schuf ein robustes Wettkampfbecken für Schwimmen und Wasserball. Über die Beckensanierung haben wir bereits berichtet.

Die Schwimmbadtechnik wurde zukunftssicher durch die Firme LEDOS installiert. Das Unternehmen aus Mülheim an der Ruhr ist auf Schwimmbadwassertechnik spezialisiert und arbeitet unter anderem an Wasseraufbereitung, Umwälzung sowie Mess- und Regeltechnik.

Die Entscheidung für ein dauerhaftes, wartungsarmes Becken senkte den Gasbedarf noch nicht wesentlich. Sie sicherte aber das Herzstück des Bads, dessen Betrieb der Verein im nächsten Schritt weniger energieintensiv machen konnte. Gerade bei einer Anlage, die im Winter unter einer Traglufthalle weitergenutzt wird, zählt die Perspektive über viele Jahre.

Abgedeckte Wärme bleibt im Wasser

Seit 2023 deckt der Verein die Becken abends und nachts mit Folien ab. Damit verdunstet weniger Wasser, zugleich entweicht weniger Wärme. Mitglieder übernehmen das Abdecken selbst, für beide Becken dauert das etwa eine halbe Stunde. Nach Angaben des Vereins verringerte allein diese Maßnahme den Gasverbrauch bereits um rund 20 Prozent in den Sommermonaten.

Die Abdeckungen waren damit mehr als eine Zwischenlösung. Sie senkten den Bedarf, bevor eine neue Anlage für seine Deckung geplant und gebaut wurde. Wer weniger Wärme verliert, muss sie auch nicht erst teuer erzeugen.

Wärme aus zwei Quellen

In der dritten Etappe stellte der Verein nun die Beheizung des Großbeckens um. Seit April 2026 verbindet die neue Anlage Erdwärme mit Wärme aus der Umgebungsluft. Für den Einbau der Erdwärmekollektoren wurden weite Teile der Liegewiese des Freibads aufgegraben. Erst nach umfangreichen Erdarbeiten konnte die Fläche wiederhergestellt und mit neuem Rasen versehen werden. Ein Rückkühler und eine Steuerung binden beide Wärmequellen in den Betrieb der Wärmepumpen ein. Das System hält rund zwei Millionen Liter Wasser auf etwa 26 Grad.

Für einen ersten Vergleichszeitraum meldet der Verein 74 Prozent weniger Gasverbrauch als im Durchschnitt der entsprechenden Zeiträume der Vorjahre. Darin steckt auch die Wirkung der zuvor eingebauten Abdeckungen. Dies ist zwar noch keine Jahresbilanz, aber zumindest ein spektakulärer Hinweis darauf, wie weit das Wiesentalbad und der Verein als Betreiber bereits gekommen sind.

Der Verein finanzierte den Umbau mit Fördermitteln, Darlehen und Eigenmitteln. Rund 170 Mitglieder und Menschen aus seinem Umfeld ermöglichten einen Teil der Finanzierung durch persönliche Bürgschaften. Aus dem Wunsch nach größerer Unabhängigkeit wurde so eine Aufgabe, die viele Schultern tragen.

Als Nächstes soll das Lehrschwimmbecken an die Anlage angebunden werden. Es fasst nur etwa ein Zehntel der Wassermenge des Großbeckens, benötigt aber Temperaturen von 30 Grad und mehr. Auch eine Photovoltaikanlage mit Speicher ist geplant. Der Weg zu einer weniger gasabhängigen Wärmeversorgung ist damit weit fortgeschritten, aber noch nicht zu Ende

Was wir hier lernen

  • Das Wiesentalbad wurde nicht mit einer einzigen technischen Lösung zukunftsfähiger. Der Verein erneuerte zuerst die bauliche Grundlage, verringerte dann den Wärmeverlust und veränderte schließlich die Wärmeerzeugung. Wie sich der dritte Schritt auf Kosten und Emissionen auswirkt, wird sich nach einem vollständigen Betriebsjahr beurteilen lassen. Die ersten Zahlen sind jedoch mehr als vielversprechend.

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Schwimmwerk Memmingen

Dran bleiben 

Das Schwimmwerk Memmingen

Planer

Asböck Architekten GmbH

Bauherr & Betreiber

Stadtwerke Memmingen

Bauphysik & Passivhaus

Herz & Lang GmbH

Hallenbad
  • 25-Meter-Sport- und Wettkampfbecken mit acht Bahnen
  • Sprunganlage mit Ein- und Drei-Meter-Brett
  • NinjaCross-Anlage über dem Sportbecken
  • Lehrschwimmbecken
  • Separates Kursbecken mit stufenlos verstellbarem Hubboden
  • Kleinkinderbecken mit Rutsche, Spieltieren und Schiffchenkanal
  • Dampfbad
  • Barrierefreie Umkleiden mit Sanitärbereichen
Freibad
  • 50-Meter-Schwimmerbecken mit sechs Bahnen
  • Freizeitbecken mit Breitrutsche, Strömungskanal, Wasserkanonen, Schaukelbucht, Wasserpilz, Massagedüsen und Nackenduschen
  • Kleinkinderbecken 
  • mit Rutsche und Spieltieren
  • Rund 17.000 m² Freibadlandschaft und etwa 9.700 m² Liegewiese
  • Inklusive Spielelandschaft, Beachvolleyball, Tischtennis und Boccia
  • Kiosk, Schatten- und Picknickgarten
Adresse

Schwimmwerk Memmingen
Stadtbadallee 1
D – 87700 Memmingen

Eröffnung

2026

Fotos

Stefan Schilling
Bernhard Asböck

Text

Johannes Bühlbecker
More Sports Media

Gerade mal 18 Jahre nach dem Wettbewerbsgewinn wurde das Schwimmwerk Memmingen auch schon eröffnet. Der Entwurf von Asböck Architekten verbindet ein starkes Sportangebot mit gut lesbaren Wegen, einer gestaffelten Freibadlandschaft und einem Energiekonzept, das selbst für einen notorischen Großverbraucher namens Schwimmbad bemerkenswert sparsam ausfällt.

Das Warten hat sich gelohnt.

Gut Ding will Weile haben

Ein belastbarer Wettbewerbsentwurf kann auch eine sehr lange Projektentwicklung überstehen.

Manche Projekte brauchen einen langen Atem. Beim Schwimmwerk Memmingen waren es vom preisgekrönten Wettbewerbsentwurf 2008 bis zur Eröffnung im Juli 2026 genau 18 Jahre. Dazwischen lagen eine Finanzkrise, wechselnde Varianten, Kostendiskussionen, ein zeitweiliger Kurs in Richtung Bestandssanierung und schließlich die politische Entscheidung, die beiden sanierungsbedürftigen Memminger Bäder an einem Standort zusammenzuführen. Selbst Starkregen und Hochwasser auf der Baustelle im Juni 2024 konnten den Neubau nur vorübergehend bremsen.

Bemerkenswert ist deshalb nicht allein, dass das Bad fertig geworden ist. Bemerkenswert ist, wie klar die Grundideen des Siegerentwurfs von Asböck Architekten und Landschaftsarchitekt Wolfgang Wagenhäuser die lange Planungszeit überstanden haben. Das kompakte Hallenbad besetzt weiterhin die nordwestliche Ecke des Grundstücks und liegt leicht erhöht über dem Freibad. Die Außenbecken staffeln sich über mehrere Plateaus zur Liegewiese hinab. Große Glasflächen öffnen die Halle zum alten Baumbestand, während das sichtbare Dachtragwerk dem Innenraum Richtung und Charakter gibt.

Andere Entwürfe altern während einer solchen Zeitspanne gleich mehrfach. Dieser ist im Wesentlichen bei sich geblieben.

„Das Schwimmwerk Memmingen hat uns über einen ungewöhnlich langen
Zeitraum begleitet. Entscheidend war, die Grundidee des Wettbewerbs von
2008 trotz wechselnder Rahmenbedingungen zu bewahren: ein kompaktes
Hallenbad als städtebaulicher Abschluss der Stadtbadallee, offen zur
Freibadlandschaft und klar in seinen Wegen. Dass diese Idee nach 18 Jahren
noch immer deutlich ablesbar ist, ist für uns die eigentliche Qualität des
Projekts.“

Alles offensichtlich

Gute Orientierung entsteht nicht erst durch Leitsysteme. 

Das Schwimmwerk Memmingen empfängt seine Gäste an der baumbestandenen Stadtbadallee. Auf dem ruhigen Vorplatz markiert der restaurierte Seehundbrunnen ein Stück Erinnerung an den früheren Standort. Dahinter gibt das großzügige Foyer mit seinem weißen Kassentresen bereits den ersten Blick in die Badehalle frei. Die Orientierung beginnt also nicht mit Beschilderung, sondern mit Architektur.

Vom Foyer aus trennen sich die Wege nachvollziehbar: Einzel- und Familienumkleiden liegen auf der einen, Sammelumkleiden für Gruppen auf der anderen Seite. Lange Fenster begleiten die Flure und halten den Kontakt zur grünen Umgebung. Zwei barrierefreie Umkleiden führen auf kurzem Weg in die Badehalle. Glas, Sichtbeton und helle hölzerne Akustikdecken bilden eine robuste, aber nicht robust-aussehende Materialwelt. Türkisblaues Mosaik führt durch die Sanitärbereiche und taucht an Einbauten, Ablagen und Becken wieder auf. Die Leitfarbe ist nicht gerade überraschend für ein Schwimmbad, wird hier aber konsequent und wohldosiert eingesetzt.

Spannweiten

Ein sichtbares Tragwerk gewinnt dann räumliche Qualität, wenn es nicht nur spektakulär aussieht.

Den stärksten räumlichen Auftritt hat das sichtbare Holztragwerk. Bis zu rund 28 Meter weit gespannte Brettschichtholzbinder laufen diagonal aufeinander zu und wieder auseinander. Ihre unterschiedlichen Höhen folgen den statischen Erfordernissen. Markante V-Stützen aus Sichtbeton bündeln jeweils vier Träger und leiten die Lasten in einem Fußpunkt ab. Das Tragwerk erklärt damit ziemlich anschaulich, was es tut. Es trägt, überspannt und ordnet, ohne zur statischen Lehrveranstaltung zu werden.

Unter dem rund 1.800 m² großen Dach liegt die Badehalle weitgehend frei von störenden Stützen. Süd- und Ostfassade sind großflächig verglast. Tageslicht fällt tief in den Raum, spiegelt sich auf den Wasserflächen und hält die Freibadlandschaft auch im Winter präsent. Die Konstruktion bringt Wärme in eine ansonsten bewusst reduzierte Architektur aus Beton, Glas, Holz und wenigen klar gesetzten Farben.

Spaß und Wettkampf

Alle Nutzergruppen kommen auf ihre Kosten.

Herzstück des Hallenbades ist das 25-Meter-Wettkampfbecken mit acht Bahnen. Integriert sind ein Sprungbereich mit Ein- und Drei-Meter-Brett sowie eine bewegliche NinjaCross-Anlage, die den Luftraum über dem Wasser zeitweise zum Parcours macht. Nebenan bietet das 8 mal 16,6 Meter große Lehrschwimmbecken Platz für Ausbildung und entspanntes Baden. Das separat gelegene Kursbecken misst 8 mal 12,5 Meter und lässt sich mit seinem stufenlos verstellbaren Hubboden für unterschiedliche Trainingsangebote und Kurse einrichten.

Das Kinderbecken liegt bewusst etwas abseits vom Sportbetrieb. Eine türkisblaue Beckenfläche, Rutsche, Spieltiere und Schiffchenkanal schaffen einen geschützten Bereich für die jüngsten Gäste. Dampfbad und Lounge mit Panoramafenster zum Freibad ergänzen das Angebot, ohne den sportlichen Schwerpunkt des Hauses zu – verwässern.

Drinnen und draußen

Die Verbindung von Hallen- und Freibad gelingt als zusammenhängende Landschaft.

Auch außen folgt das Schwimmwerk Memmingen einer klaren Ordnung. Die knapp 17.000 m² große Freibadlandschaft vermittelt zwischen dem erhöhten Hallenbad und der rund 9.700 m² großen Liegewiese. Treppen, Rampen, Sitzmauern und Betonblockelemente verbinden die verschiedenen Niveaus selbstverständlich und barrierefrei. Großformatige Betonplatten, Natursteinpflaster und wassergebundene Decken bilden einen zurückhaltenden Rahmen für Wasser, Vegetation und Bewegung.

Das Schwimmerbecken bietet sechs Bahnen und 844 m² Wasserfläche. Ein 486 m² großes Freizeitbecken ergänzt es um Breitrutsche, Strömungskanal, Schaukelbucht, Wasserpilz, Massagedüsen und Nackenduschen. Für Kinder gibt es ein eigenes, 97 m² großes Becken mit Rutsche und Spieltieren. Beachvolleyball, Tischtennis, Boccia, Kiosk und Schattengarten erweitern den Badetag jenseits des Wassers. Die große inklusive Spielelandschaft ist als Schiff gestaltet und setzt das Thema damit fort.

Der wertvolle Baumbestand wurde weitgehend erhalten und um klimaresiliente Pflanzungen ergänzt. 77 Hochstämme und Solitärbäume, 415 Heckenpflanzen, 75 Klettergehölze und rund 9.300 Gräser sollen dafür sorgen, dass die Anlage mit den Jahren nicht nur älter, sondern besser wird.

Farbe mit Bodenhaftung

Fliesen und Mosaike verbinden robuste Oberflächen mit Farbe und Orientierung.

Im Schwimmwerk Memmingen übernehmen Fliesen und Mosaike weit mehr als die übliche Rolle einer robusten, gut zu reinigenden Oberfläche. Sie führen die Gestaltung durch Bereiche, in denen hohe technische Anforderungen, intensive Nutzung und Orientierung zusammenkommen. Ausgeführt wurden die Fliesenarbeiten von der Fliesen Lang GmbH aus Vilshofen.

Besonders prägend ist das türkisblaue Mosaik in den Sanitärbereichen. Die Farbe setzt sich an Einbauten, Ablagen und Becken fort und verbindet damit unterschiedliche Funktionsbereiche zu einem wiedererkennbaren Ganzen. Was zunächst wie ein selbstverständliches Gestaltungsmittel wirkt, verlangt in der Ausführung viel Genauigkeit: Anschlüsse, Übergänge, Kanten und Fugen müssen auch dort sauber funktionieren, wo Feuchtigkeit, Reinigungszyklen und täglicher Badebetrieb wenig Raum für Nachlässigkeit lassen. Im Schwimmbad endet Gestaltung schließlich nicht an der Wasserlinie.

Fliesen Lang brachte dabei die Erfahrung eines seit 1990 bestehenden Meisterbetriebs ein. Das Unternehmen beschäftigt rund 85 Mitarbeitende und ist neben privaten Bauvorhaben vor allem im Objektbereich tätig. Beim Schwimmwerk Memmingen zeigt sich diese Kompetenz an Oberflächen, die Farbe und Orientierung in das Gebäude bringen, sich im Alltag aber vor allem eines erlauben dürfen: möglichst wenig Aufhebens um sich selbst.

So sparsam wie möglich

Was Gebäudehülle, Wärmepumpe und Monitoring erreichen können.

Hallenbäder sind energetisch ungefähr das Gegenteil einer Thermoskanne: große Wasserflächen, hohe Raumtemperaturen, viel Feuchtigkeit und ein Betrieb, der kaum Pausen kennt. Das Schwimmwerk Memmingen begegnet diesem Problem nicht mit einer einzelnen Vorzeigemaßnahme, sondern als Passivhaus-Hallenbad mit einem abgestimmten Gesamtsystem.

Die hochgedämmte, wärmebrückenarme Gebäudehülle erreicht im Luftdichtheitstest einen nL50-Wert von 0,11 pro Stunde und liegt damit weit unter dem Passivhaus-Grenzwert von 0,6. Eine gezielte Luftführung führt feuchte Luft nahe der Wasseroberfläche ab und reduziert Verdunstung sowie Energiebedarf. Zwei Grundwasser-Wärmepumpen mit zusammen rund einem Megawatt Leistung versorgen Becken, Lüftung und Gebäudeheizung. Auf den Dächern erzeugt eine Photovoltaikanlage mit mehr als 500 kWp Strom, der wegen der kontinuierlichen Grundlast des Bades zu großen Teilen direkt genutzt werden kann.

Wärme aus Duschwasser und Filterspülabwasser wird zurückgewonnen. Aufbereitetes Spülwasser dient anschließend als Grauwasser für WC- und Urinalspülungen. Die Abdeckung des großen Freibadbeckens verringert außerhalb der Öffnungszeiten Wärmeverluste und Verdunstung. Laut Planung reduziert das Passivhauskonzept den Wärmebedarf gegenüber einem konventionellen Hallenbad um etwa 70 Prozent und den Strombedarf um rund 30 Prozent. Entscheidend wird nun das Monitoring im Betrieb sein. Denn erst zwischen Frühschwimmen, Schulklasse und Hochsommertag zeigt sich, ob gute Energiekonzepte auch gute Alltagskonzepte sind.

Klarheit mit langem Atem

Über die Architekten

Asböck Architekten steht für eine Architektur, die nicht von der großen Geste ausgeht, sondern von Ort, Nutzung und konstruktiver Logik. Das 1981 gegründete und heute von Bernhard Asböck und Joachim Daubenmerkl geführte Büro bearbeitet vor allem öffentliche Bauaufgaben, bei denen viele Funktionen, unterschiedliche Interessen und hohetechnische Anforderungen zu einem selbstverständlichen Ganzen zusammenfinden.

Im Mittelpunkt stehen klar organisierte Grundrisse, nachvollziehbare Wege und sorgfältig ausgewählte und kombinierte Materialien, die nicht nur auf dem Foto, sondern auch im täglichen Betrieb bestehen. Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Zusatz verstanden, sondern als Teil einer langlebigen, wirtschaftlichen und angemessenen Architektur.

Das Schwimmwerk Memmingen bringt diese Haltung auf den Punkt: kompakt im Baukörper, offen zur Freibadlandschaft, eindeutig in seiner Orientierung und trotz eines feines Detailierungsgrades robust genug für einen Alltag, der selten auf Zehenspitzen daherkommt

Ein gutes Werk

Selbstverständlichkeit als Qualitätsmerkmal

Der Name Schwimmwerk verweist auf die Stadtwerke als Betreiber, auf die benachbarten Werksflächen und auf die klare, blockhafte Architektur. Vor allem passt er zu einem Haus, in dem vieles sichtbar zusammenarbeitet: Tragwerk, Tageslicht, Wegeführung, Landschaft und Technik.

Das Ergebnis ist kein Erlebnisbad, das immer noch eine Attraktion mehr braucht. Das Schwimmwerk Memmingen setzt auf gute Wasserflächen, räumliche Klarheit und dauerhaft nutzbare Angebote für Schulen, Vereine, Sporttreibende, Familien und Erholungssuchende. Nach 18 Jahren Planungsgeschichte ist das vielleicht die schönste Pointe: Am Ende ist kein Denkmal für die Planungsdauer entstanden, sondern ein ziemlich selbstverständliches Bad.

Was wir hier lernen

  • Gute Orientierung entsteht nicht erst durch Leitsysteme. Sichtbeziehungen, Tageslicht und eine nachvollziehbare Wegeorganisation machen das Gebäude bereits beim Eintritt verständlich.
  • Ein sichtbares Tragwerk gewinnt dann räumliche Qualität, wenn es nicht nur spektakulär aussieht, sondern Lastabtragung, Spannweite und Ordnung plausibel vermittelt.
  • Die Verbindung von Hallen- und Freibad gelingt besonders überzeugend, wenn Gebäude, Beckenplateaus, Liegewiese und Bestandsvegetation als zusammenhängende Landschaft geplant werden.
  • Energieeffizienz im Hallenbad braucht ein Gesamtsystem aus Hülle, Lüftung, Wärmeerzeugung, Wärmerückgewinnung, Wassertechnik und Betriebsmonitoring. Einzelmaßnahmen allein machen noch kein sparsames Bad.

Weitere Projekte von Asböck Architekten

Dreifach-Sporthalle mit Mensa, Arnstorf

Am Hang entwickelt Asböck Architekten einen klar geschichteten Baukörper aus massivem Sockel, gläsernem Band und scheinbar schwebendem Dach. Drei große Stahlfachwerkträger überspannen die Halle; bei Veranstaltungen finden hier bis zu 1.500 Menschen Platz. Sportlich im Programm, erstaunlich gelassen im Auftritt.

Projekt be Asböck Architekten

Grundschule Von-der-Pfordten-Straße, München-Laim

Der kompakte Schulbau organisiert sich um eine zentrale Erschließung, zwei Höfe und ein Oberlicht. Horizontale Fluchtbalkone gliedern die Fassade, während die bestehende Sport- und Schwimmhalle barrierefrei angebunden und energetisch erneuert wurde – abschnittsweise und bei laufendem Schulbetrieb.

Projekt be Asböck Architekten

Passivhaus-Kinderkrippe „Pusteblume“, Arnstorf

Die eingeschossige Erweiterung verbindet sich über einen gemeinsamen Eingang mit dem bestehenden Kindergarten und bildet dabei zwei geschützte Höfe. Im Inneren wird ein zentraler Spielflur zum kleinen Dorfplatz; Holz, Sichtbeton, weiße Flächen und grünes Linoleum sorgen für eine freundliche, robuste Umgebung ohne pädagogischen Zeigefinger.

Projekt be Asböck Architekten

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Schwimmsportkomplex Chemnitz-Bernsdorf

Jedem seine Bahn

Der Schwimmsportkomplex Chemnitz-Bernsdorf

Ausstattung & Besonderheiten

  • Die Wettkampfhalle mit sechs 25-Meter-Bahnen lässt sich unabhängig von der Freizeithalle nutzen.

  • Lehrschwimm-, Sprung- und Planschbecken bieten eigene Bereiche für Unterricht, Springen und Familien.

  • Erhöhte Aufenthaltsbereiche und zwei barrierefreie Übergänge verbinden Hallenbad und Freibad.

  • Ein gemeinsames Technikgeschoss versorgt die Wasseraufbereitung von Hallenbad und Freibad; 150 kWp Photovoltaik ergänzen die Energieversorgung.

Adresse

Schwimmsportkomplex Chemnitz-Bernsdorf
Bernsdorfer Straße 213
D – 09126 Chemnitz

Eröffnung

2024

Text

Johannes Bühlbecker
More Sports Media

Sechs Bahnen für den Wettkampf, nebenan die ersten Schwimmversuche: Im Schwimmsportkomplex Chemnitz-Bernsdorf entscheidet der Grundriss, wie viel gleichzeitig geht. CODE UNIQUE Architekten geben Sport und Freizeit eigene Räume und einem hundertjährigen Badestandort eine neue Perspektive.

Hundert Jahre weiter

Seit 1925 wird in Bernsdorf unter freiem Himmel gebadet. Als Ersatz für die inzwischen geschlossene alte Schwimmhalle erhielt dieser Standort ein neues Hallenbad. Die Aufgabe ging damit über zusätzliche überdachte Wasserfläche hinaus: Schul- und Vereinssport, Wettkämpfe und öffentliches Baden sollten zusammenfinden und das bestehende Freibad zu einem ganzjährig nutzbaren Badestandort ergänzen.

Den Neubau beschloss der Chemnitzer Stadtrat im Jahr 2016. Zwei Jahre später gewannen CODE UNIQUE Architekten den Realisierungswettbewerb. Das Preisgericht würdigte neben der Einbindung in die Landschaft ausdrücklich die Möglichkeit, Sport- und Freizeitbereich getrennt zu betreiben.

Im September 2024 eröffnete das Hallenbad, im Juni 2025 folgte das sanierte Freibad. Zum hundertjährigen Bestehen war der Standort damit räumlich und funktional neu aufgestellt. Die wichtigste Neuerung liegt allerdings weniger im Kalender als im Belegungsplan: Das Haus kann mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen.

Aus dem Gelände gewachsen

Die polygonale Gebäudeform folgt dem Grundstück, die Höhenstaffelung dem Raumprogramm. Zur Bernsdorfer Straße liegt der niedrige Foyer- und Umkleidetrakt, dahinter erheben sich die beiden Badehallen. Graue Klinkerriemchen an den geschlossenen Wandflächen und ein umlaufendes Glasband verbinden die unterschiedlich hohen Gebäudeteile.

Der Vorplatz nutzt den alten Baumbestand. Eine breite Treppe mit Sitzstufen überwindet den Geländeunterschied und führt zum Eingang unter dem auskragenden Dach. Die Straßenbahnhaltestelle liegt unmittelbar in der Nähe. Der Weg ins Bad ist damit auch für Schulklassen und Vereinsgruppen gut angebunden.

Im Inneren wird die Topografie zum Bestandteil der Raumaufteilung. Gastronomie und Liegebereich liegen etwas oberhalb der Badeplatte, bereits auf dem Niveau des Freibads. Stufen und eine Rampe verbinden die Ebenen. Auch die Wärmebänke in der Wettkampfhalle vermitteln zwischen den unterschiedlichen Höhen und dienen zugleich als Zuschauerplätze. Aus dem Geländeversprung entstehen nutzbare Raumkanten.

Parallel statt nacheinander

Das Raumprogramm verteilt sich auf drei Bereiche: Foyer und Umkleiden, Freizeithalle und Wettkampfhalle. Diese Ordnung erlaubt gemeinsame Wege, ohne sämtliche Nutzer in denselben Betrieb zu zwingen.

Die Wettkampfhalle bietet ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen, ausgelegt für Schwimmen und Wasserball. Regie- und Lagerräume sind unmittelbar zugeordnet. Bei Veranstaltungen lässt sich die Halle vom Freizeitbereich abtrennen. Für Schulen, Vereine und Öffentlichkeit ist das ein handfester Vorteil: Unterschiedliche Nutzungen lassen sich räumlich organisieren, statt sie ausschließlich über die Uhrzeit auseinanderzuhalten.

In der Freizeithalle liegen Lehrschwimmbecken, Sprungbecken und Kinderplanschbecken. Das Lehrschwimmbecken bietet mit Wassertiefen zwischen 60 und 135 Zentimetern einen eigenen Bereich für Unterricht und Kurse. Drei-Meter-Plattform und Ein-Meter-Brett erhalten ein separates, 3,80 Meter tiefes Sprungbecken. Wer Schwimmen lernt, muss also nicht nebenbei den Sprungbetrieb verfolgen.

Gastronomie und Ruhezone besetzen gegenüberliegende Ränder der Halle. Ihre erhöhte Lage schafft Überblick und etwas Abstand zum Geschehen am Wasser. Der zentrale Aufsichts- und Erste-Hilfe-Raum ermöglicht den Blick auf alle Innenbecken. Zwei barrierefreie Übergänge, aus der Wettkampfhalle und dem Gastronomiebereich, stellen die Verbindung zum Freibad her.

Mehr als nur ein Durchgang

Das Foyer ist als Aufenthaltsbereich angelegt. Große Innenverglasungen geben den Blick auf die Becken frei; nach außen öffnet sich der Raum zum Freibad. Wer auf den Nachwuchs wartet, sitzt damit nicht vor verschlossenen Türen.

Die Gastronomie erreicht von ihrer Position aus das Foyer, den Familienbereich und die Freibadseite. Ein großes Raummöbel bündelt Schließfächer, Automaten, Informationsvitrinen und Sitzplätze und schirmt zugleich Toiletten und Nebenräume ab. Dahinter beginnt die nachvollziehbare Abfolge aus Föhnplätzen, Umkleiden und Duschen. Gruppen erhalten eigene Umkleiden; Wechselkabinen und eine barrierefreie Umkleide ergänzen das Angebot.

Die Materialwahl unterstützt diese räumliche Ordnung. Anthrazitgraue Steinzeugfliesen im wilden Verband und Sichtbeton bilden die durchgehende Grundlage. Türkisfarbene Mosaike markieren den Planschbecken-, Gastronomie- und Duschbereich.

Über den großen Wasserflächen liegen weiß lackierte Gitterrostdecken, die für Wartungsarbeiten begehbar sind. Holzlamellen prägen dagegen Foyer, Umkleiden sowie Planschbecken- und Gastronomiebereich. Die unterschiedlichen Deckensysteme geben den Räumen ihren jeweiligen Charakter und halten zugleich Platz für technische Installationen frei. Gestaltung und Wartungszugang sind hier gemeinsam geplant.

Was wir hier lernen

  • Die Trennung von Sport- und Freizeitbetrieb gehört in den Grundriss. In Bernsdorf schaffen zwei abtrennbare Hallen die Voraussetzung dafür, unterschiedliche Nutzergruppen parallel unterzubringen.

  • Höhenunterschiede lassen sich in das Raumangebot einarbeiten. Erhöhte Ruhe- und Gastronomiebereiche, Sitzstufen und Wärmebänke nutzen die Topografie und vermitteln zum Freibad.

  • Aufenthalt beginnt vor der Zugangskontrolle. Ein Foyer mit Einblicken, Sitzplätzen und Gastronomie gibt auch Begleitpersonen und Wartenden einen Platz im Bad.

Pläne

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Hirschbachbad Aalen

Und alles fließt

Das Hirschbachbad in Aalen

Architekten

4a Architekten

Bauherr

Stadt Aalen

Betreiber

Stadtwerke Aalen

Ausstattung & Besonderheiten

  • In den Hang gestaffeltes Kombibad mit begrünten Dachflächen und Terrassen
  • 25-Meter-Sportbecken, Lehrschwimmbecken mit Hubboden und Sprungbecken
  • 50-Meter-Freibadbecken, Freizeit- und Kinderbecken
  • Rund 60 Meter lange Röhrenrutsche und weitere Innen- und Außenrutschen
  • Saunalandschaft mit Panoramasauna, Dampfbad und Außentauchbecken
  • Fachwerkträger mit bis zu 40 Metern Spannweite
  • Photovoltaik, Solarabsorber und Wärmerückgewinnung
Adresse

Hirschbachbad Aalen
Hirschbachstraße 68
D – 73431 Aalen

Eröffnung

2025

Text

Johannes Bühlbecker
More Sports Media

Das Hirschbachbad Aalen wächst aus dem Hang heraus: Seine gestaffelten Baukörper verbinden Hallenbad, Freibad und Sauna mit der Landschaft. Was mühelos wirkt, beruht auf einer präzisen Abstimmung von Wegen, Tragwerk und Technik.

Das Tal als Ausgangspunkt

Ein Bad, das aus seinem Ort entsteht

Im Hirschbachtal wird seit mehr als 130 Jahren gebadet. Mit dem Neubau des Hirschbachbads Aalen bekommt diese Geschichte einen neuen Ort. Das Gelände fällt zum Tal hin ab; 4a Architekten nehmen diese Bewegung auf und staffeln das Gebäude entlang des Hangs. Dachflächen, Terrassen und Freibadbereiche setzen die Höhenlinien fort. Vom gegenüberliegenden Hang zeigt sich das Bad als zusammenhängende Anlage, deren Größe durch die Gliederung der Baukörper und die begrünten Übergänge aufgefangen wird.

Diese Entscheidung trägt das ganze Projekt. Der Hang bestimmt, wo Gäste ankommen, wie sich Innen- und Außenräume verbinden und welche Ausblicke sich aus den Badehallen öffnen. Er schafft geschützte Bereiche und verlangt zugleich eine Konstruktion, die tief im Gelände bestehen kann. Architektur, Freiraum und Tragwerk folgen hier derselben Idee. Die Leichtigkeit, mit der sich das Bad heute in das Tal einfügt, ist das Ergebnis ihrer gemeinsamen Planung und sorgfältigen Ausführung.

„Das Hirschbachtal war für uns nicht nur der Standort, sondern der Ausgangspunkt des Entwurfs. Unser Ziel war es, das große Raumprogramm des Kombibads so in die Topografie einzubetten, dass die landschaftliche Qualität und die wichtige Frischluftschneise des Tals erhalten bleiben. Deshalb entwickelt sich das Gebäude mit seinen Geschossen, begrünten Dachflächen und Terrassen aus dem Hang heraus und verzahnt Innen- und Außenräume miteinander.“

Ein Weg, viele Möglichkeiten

Die räumliche Ordnung macht Vielfalt erlebbar

Hallenbad, Freibad und Sauna treffen im Hirschbachbad auf unterschiedliche Gäste und Tagesabläufe. Eine Schulklasse kommt mit einem festen Zeitplan, eine Familie bleibt für einen langen Badetag, andere ziehen ihre Bahnen oder suchen Ruhe. Der gemeinsame Eingang gibt ihnen einen klaren Ausgangspunkt. Von dort führen die Wege in die jeweiligen Bereiche: Schulen und Vereine nutzen eigene Sammelumkleiden und Wartezonen, während auf der Badeebene Umkleiden und Sanitärräume für die weiteren Gäste liegen. Aufzüge und stufenlose Verbindungen erschließen die wesentlichen Angebote.

Die Organisation bleibt beim Rundgang spürbar, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sichtbezüge helfen bei der Orientierung; Große Glasflächen holen das Tal bis an die Wasserflächen heran. Innen liegen Sport-, Lehrschwimm- und Sprungbecken neben den Bereichen für Freizeit, Kinder und Rutsche. Draußen folgen das 50-Meter-Becken, weitere Wasserangebote und Liegewiesen der Geländebewegung. So entsteht aus vielen Nutzungen ein gemeinsames Bad, in dem jeder seinen eigenen Rhythmus finden kann.

Gebaute Leichtigkeit

Hinter offenen Räumen steckt präzise Arbeit

Wer durch die Badehallen blickt, nimmt zuerst Licht, Wasser und Landschaft wahr. Damit diese Offenheit möglich wird, überspannt ein Fachwerkträger den Versatz zwischen zwei Dachhöhen von bis zu 40 Metern. Auf der Hangseite müssen die rückwärtigen Geschosse Erddruck aufnehmen; Ortbetonbohrpfähle sichern die Gründung. Das Tragwerk löst damit Anforderungen, die im fertigen Bad kaum sichtbar sind, und ermöglicht zugleich die großzügigen, übersichtlichen Räume.

Auch im Ausbau entsteht die räumliche Qualität durch das Zusammenspiel vieler Beiträge. Dachfugen und Oberlichter bringen Tageslicht tief ins Gebäude. Robuste Oberflächen halten dem Badealltag stand, akustisch wirksame Decken mildern die Geräuschkulisse, und Verglasungen bewahren den Bezug zum Freiraum. Die erzfarbene Gebäudehülle nimmt Aalens Bergbaugeschichte auf. Innen geben ruhige Flächen den Wasserwelten Raum, während gezielte Farben besonders den Kinder- und Rutschenbereich prägen. Konstruktion, Hülle und Ausstattung erzählen dabei keine getrennten Geschichten. Gemeinsam schaffen sie die Atmosphäre, die Gäste erleben.

Für jeden Tag gemacht

Strom erzeugen, Wärme nutzen

Ein öffentliches Bad braucht ständig Energie: Pumpen bewegen und reinigen das Wasser, Lüftungsanlagen halten die feuchte Luft in Bewegung, die Becken müssen beheizt werden. Das Energiekonzept des Hirschbachbads kommt ganzheitlich daher: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt Strom, und Solarabsorber nutzen die Sonne, um das Wasser der Freibadbecken zu erwärmen. Die Wärmerückgewinnung macht Wärme aus dem Betrieb erneut nutzbar - effiziente Wärmetauscher übertragen sie zwischen den technischen Kreisläufen.

Die Anlagen erfüllen damit verschiedene Aufgaben, greifen aber in dieselbe Bilanz ein: Sie verringern den Strom- und Wärmebedarf, der von außen gedeckt werden muss. Zusammen mit der kompakten Organisation und den langlebigen Oberflächen gehört diese Technik zur Idee des Hauses. Das Hirschbachbad ist nicht allein für den Blick über das Wasser entworfen, sondern auch für - den Betrieb.

Bäder als Architekturaufgabe

Über die Architekten

4a Architekten beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Planung von Sport-, Freizeit- und Thermalbädern. Dabei versteht das Stuttgarter Büro Bäder nicht als isolierte Funktionsgebäude, sondern als öffentliche Orte, in denen Sport, Freizeit und Erholung mit Aufenthaltsqualität und einem starken Bezug zum jeweiligen Standort zusammenkommen. Das Portfolio reicht vom Freizeitbad Stegermatt in Offenburg über das F.3 in Fellbach und die Therme Lindau bis zu aktuellen Projekten wie dem Main Bad Bornheim in Frankfurt und dem Kombibad Herzogenried in Mannheim. 

Beim Hirschbachbad wird diese Haltung besonders im Umgang mit der Landschaft sichtbar. Statt das umfangreiche Raumprogramm als großen Solitär in das Tal zu setzen, entwickelten 4a Architekten den Baukörper aus der vorhandenen Topografie. Begrünte Dächer, Terrassen und Freibereiche führen die Landschaft über und entlang des Gebäudes weiter. Gleichzeitig organisiert der Entwurf sehr unterschiedliche Anforderungen vom Schul- und Vereinssport über Familien- und Freizeitangebote bis zur Sauna unter einem gemeinsamen architektonischen Dach.

Was wir hier lernen

  • Die Hanglage wird zur Stärke, wenn Gebäude, Freiraum und Tragwerk gemeinsam entwickelt werden.
  • Ein Bad für viele Nutzergruppen braucht klare Wege, damit Sport, Freizeit und Erholung zugleich Platz finden.
  • Die Qualität des Entwurfs zeigt sich im Alltag: in robusten Oberflächen, guter Akustik und zuverlässig abgestimmter Technik.

    Weitere Projekte von 4a Architekten

    Main Bad Bornheim, Frankfurt
    Aktuelles Sport- und Erlebnisbad mit Saunalandschaft. Interessant ist unter anderem die kompakte Organisation: Wegen schwieriger Bodenverhältnisse liegt die Technik im Erdgeschoss und die Badehalle darüber.
    Projekt bei 4a Architekten

    Freizeitbad Stegermatt, Offenburg
    Sport-, Freizeit- und Saunabad im Bürgerpark. Architektur und Landschaft werden über große Glasflächen, auskragende Dächer und die Gliederung in Sport, Freizeit und Wellness miteinander verzahnt.
    Projekt bei 4a Architekten

    Familien- und Freizeitbad, Fellbach
    Sportbad, Erlebnisbereich und Saunawelt werden in einer fließenden Gebäudeform zusammengeführt, deren Gestaltung aus dem Landschaftsraum und den Weinbergstrukturen am Kappelberg entwickelt wurde.
    Projekt bei 4a Architekten

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    Pläne

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    Trosten Sauna

    Badstue til folket

    Die Trosten Sauna in Oslo

    Architekten

    estudio Herreros
    Juan Herreros und Jens Richter

    Lokale Architekten

    White Arkitekter

    Ausstattung & Besonderheiten

    • schwimmende Sauna als Teil des Saunadorfs Sukkerbiten
    • erste universell zugängliche schwimmende Sauna Norwegens
    • Saunaraum für bis zu 24 Personen und zwei Rollstühle
    • Umluftsystem zur gleichmäßigen Wärmeverteilung auf allen Sitzhöhen
    • öffentlich zugängliches Amphitheater für rund 50 Personen
    • direkter Zugang zum Oslofjord
    Adresse

    Trosten Sauna
    Nylandsveien 28, 0150 Oslo, Norwegen

    Eröffnung

    2024

    Text

    Johannes Bühlbecker
    More Sports Media

    Mit der Trosten Sauna hat estudio Herreros im Oslofjord eine schwimmende Sauna gebaut, die Saunakultur, öffentlichen Stadtraum und konsequente Barrierefreiheit miteinander verbindet. Das kompakte Gebäude liegt ausgerechnet vor dem Munch Museum, das vom selben spanischen Architekturbüro entworfen wurde.

    Vom Treibholz zum Saunadorf

    Das Saunadorf ist Teil der Transformation des ehemaligen Osloer Containerhafens

    Die Geschichte der Trosten Sauna beginnt acht Jahre vor ihrer Eröffnung. 2016 gründete sich die gemeinnützige Oslo Badstuforening aus einer ungewöhnlichen Mischung von Künstlern und Diplomaten des Eisbadeclubs des norwegischen Außenministeriums. Ihre erste Sauna Måken bauten die Beteiligten selbst aus Treibholz, das sie in Bjørvika gefunden hatten.

    Aus diesem improvisierten Floß entwickelte sich eine Bewegung. Saunieren und Eisbaden wurden in Oslo zunehmend populär, aus Måken wurde ein ganzes schwimmendes Saunadorf. Die Trosten Sauna ist dessen architektonisch ambitionierte Weiterentwicklung und war bei ihrer Eröffnung 2024 bereits die 19. Sauna des Vereins. Allein 2023 zählte die Oslo Badstuforening rund 15.000 Mitglieder und 250.000 Besuche. Das Motto ist bis heute erfreulich unkompliziert: „Badstue til folket“, Sauna für die Menschen.

    Auch städtebaulich steht diese Entwicklung in einem größeren Zusammenhang. Das Saunadorf liegt an der Mündung des Akerselva und ist Teil der Transformation des ehemaligen Osloer Containerhafens. Entlang des Fjords entstand eine rund sieben Kilometer lange Hafenpromenade mit Wegen zum Spazieren, Laufen und Radfahren, Aufenthaltsflächen, Stränden und Badeplattformen. Die Saunen erweitern diesen öffentlichen Raum aufs Wasser.

    Munch's baby

    Die gestaffelte Sitzlandschaft übersetzt damit die soziale Funktion der Sauna nach außen

    Für Trosten kehrte estudio Herreros an einen bestens bekannten Ort zurück. Das spanische Büro hatte wenige Meter entfernt bereits das 2021 eröffnete Munch Museum geplant. Während der Bauzeit bekam die kleine Sauna deshalb den Spitznamen „Munch's baby“.

    Der Vergleich passt zumindest hinsichtlich der Verwandtschaft, weniger beim Maßstab. Trosten ist ein kleines, aber bewusst eigenständiges Gebäude mit markanter Silhouette und kräftig grün beziehungsweise türkis schimmernder Aluminiumhaut. Im Inneren finden bis zu 24 Personen Platz.

    Zum Programm gehören außerdem eine eigene Badeterrasse mit direktem Zugang zum Fjord und ein außenliegendes Amphitheater für rund 50 Personen. Dieses bleibt öffentlich zugänglich und macht Trosten auch unabhängig vom Saunabetrieb zu einem Treffpunkt am Wasser. Die gestaffelte Sitzlandschaft übersetzt damit die soziale Funktion der Sauna nach außen und schafft einen kleinen Zuschauerraum mit Fjord und Stadt als Kulisse.

    Sauna ohne Barrieren

    Wärme steigt nach oben, weshalb die höheren Sitzbänke die heißeren Plätze sind. Pech gehabt?

    Trosten wurde als erste schwimmende Sauna Norwegens konsequent nach den Prinzipien des Universal Design entwickelt. Zwei Rollstühle können gleichzeitig im Saunaraum Platz finden. Dafür lassen sich Teile der unteren Sitzbank einschieben.

    Damit allein wäre das eigentliche Problem einer Sauna jedoch noch nicht gelöst. Wärme steigt nach oben, weshalb die höheren Sitzbänke die heißeren Plätze sind. Für Menschen, die auf der unteren Ebene bleiben müssen, wäre eine formal barrierefreie Sauna deshalb noch lange nicht gleichwertig nutzbar.

    Elektrische Ventilatoren wälzen die warme Luft im Raum um und sorgen auch im unteren Bereich für ausreichende Temperaturen. Hinzu kommen beheizte Außenflächen, Handläufe und ein automatischer Türöffner. Auch die erste Reihe des Amphitheaters ist für Rollstuhlnutzer zugänglich. Barrierefreiheit betrifft hier also nicht nur Erschließung und Bewegungsflächen, sondern die eigentliche Funktion des Gebäudes.

    Vorgefertigt und weitergedacht

    „Trosten“ ist das norwegische Wort für Drossel, und die verbindet

    Auch die Konstruktion folgt einem ungewöhnlichen Ablauf. Die Holzstruktur wurde zunächst in einem Trockendock außerhalb des Osloer Zentrums montiert und anschließend auf eine vorgefertigte schwimmende Betonplattform gesetzt. Dort wurden Fassade und Innenausbau fertiggestellt. Erst danach wurde das komplette Bauwerk über das Wasser zu seinem Standort am Sukkerbiten geschleppt und dort verankert. Dadurch konnte das bereits intensiv genutzte Saunadorf während der Bauphase weitgehend ungestört weiterbetrieben werden.

    Die Tragstruktur besteht aus zertifiziertem Holz. Im Innenraum kommen großformatige Terrazzoplatten zum Einsatz, deren Masse zugleich zur Wärmespeicherung beiträgt. Die Außenhaut besteht aus recyceltem, anodisiertem Aluminium. Besonders interessant sind die verwendeten Profile: Sie wurden ursprünglich für Bordwandsysteme von Lastwagen entwickelt und für die Trosten Sauna einer neuen Verwendung zugeführt.

    Auch der Name verweist auf eine Verbindung zwischen Herkunft und Standort der Architekten. „Trosten“ ist das norwegische Wort für Drossel. Der Zugvogel wandert zwischen der Iberischen Halbinsel und Nordeuropa und steht damit sinnbildlich für die Verbindung zwischen dem spanischen estudio Herreros und Oslo. Seine jährliche Rückkehr gilt in Norwegen traditionell als gutes Zeichen.

    Was wir hier lernen

    • Barrierefreiheit ist erst dann erreicht, wenn nicht nur der Zugang, sondern auch die eigentliche Nutzung gleichwertig möglich ist. In der Trosten Sauna gehört deshalb die Wärmeverteilung genauso zum Universal Design wie Türen, Handläufe und Bewegungsflächen.

    • Auch kleinere Freizeitbauten können wichtige Bausteine des öffentlichen Raums sein. Das frei zugängliche Amphitheater macht die Sauna auch für Menschen nutzbar, die gar nicht saunieren wollen.

    • Vorfertigung kann an intensiv genutzten Standorten weit mehr leisten als nur Bauzeit zu sparen. Die weitgehende Fertigstellung im Trockendock hielt die Eingriffe im bestehenden Saunadorf gering.

    • Wiederverwendung muss nicht unsichtbar bleiben. Die ursprünglich für Lkw entwickelten Aluminiumprofile prägen als neue Außenhaut den architektonischen Ausdruck von Trosten.

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    Schwimmbad des SSC Hörde

    Das Prinzip Pragmatismus

    Das Schwimmbad des SSC Hörde

    Planer

    Deye Consulting
    Borchersweg 110
    D – 26209 Hatten

    Bauherr & Betreiber

    SSC Hörde 54/58 e.V.

    Schwimmbecken

    Myrtha Pools

    Besonderheiten
    • Pragmatische Bestandssanierung als wirtschaftliche Alternative zu Komplettsanierung oder Neubau
    • Erhalt der bestehenden Stahlbetonkonstruktion
    • Erhalt der Rinne statt aufwendigem Umbau der Beckenkonstruktion
    • Maßgeschneiderte Integration des neuen Beckensystems in den Bestand
    • Teilweise Weiterverwendung der vorhandenen keramischen Auskleidung
    Kosten

    835.000€ netto (gesamt), davon

    • Schwimmbecken: 530.000€
    • Rohrleitungsbau & Wasseraufbereitung: 230.000€
    • Planung & Bauleitung: 50.000€
    • Baustelleneinrichtung: 25.000€
    Adresse

    Hallenbad Hörde
    Eichsfeld 5
    D‑44265 Dortmund

    Eröffnung

    2026

    Fotos

    SSC Hörde 54/58 e.V.
    Deye Consulting
    More Sports Media

    Text

    Johannes Bühlbecker
    More Sports Media

    Die Sanierung des Schwimmbades des SSC Hörde in Dortmund steht für eine Aufgabe, die viele Schwimmbäder in den kommenden Jahren beschäftigen wird: Der Standort funktioniert und wird intensiv genutzt, doch zentrale Bauteile und technische Anlagen sind in die Jahre gekommen. Statt eines teuren Rundumschlags setzte der Verein als Betreiber deshalb auf eine substanzschonende Sanierung und auf Lösungen, die sich dem Bestand anpassen und nicht umgekehrt.

    Das Ziel: möglichst viel erhalten, gezielt erneuern und mit überschaubarem Budget möglichst viel erreichen.

    Die Rinne macht den Unterschied

    30 Zentimeter mehr Wasser hätten eine Kettenreaktion ausgelöst und die Sanierung erheblich verteuert

    Die besondere Herausforderung lag in der vorhandenen Wiesbadener Rinne. Hätte man die Überlaufkante mit einer (heute übllichen) Finnischen Rinne auf das Niveau des Beckenumgangs angehoben, wäre auch der Wasserspiegel um rund 30 Zentimeter gestiegen. Für das Schwimmen zunächst kein Drama, für die vorhandene Sprunganlage schon: Aus dem Ein-Meter-Brett wären rechnerisch nur noch 70 Zentimeter geworden, aus drei Metern nur noch 2,70 Meter.

    Damit wäre die nächste Baustelle eröffnet gewesen, weil die Sprunganlage abgerissen und neu geplant werden müsste. Und weil die Deckenhöhe der Schwimmhalle auf die vorhandene Anlage abgestimmt ist, hätte auch eine neue Sprunganlage nicht ohne Weiteres in den bestehenden Raum gepasst. Eine scheinbar einfache Erneuerung der Überlaufrinne hätte also einen ganzen Rattenschwanz weiterer Eingriffe nach sich gezogen. Die Kosten drohten zu entgleiten.

    Gemeinsam mit dem SSC Hörde entschied Deye Consulting deshalb, den Spieß umzudrehen. Nicht das bestehende Bad sollte einer neuen Standardkonstruktion angepasst werden, sondern die Sanierung an den Bestand.

    (Die Bilder zeigen den Bestand.)

    Nichts von der Stange

    Wenn der Bestand bleiben soll, muss die neue Lösung zu ihm passen

    Die vorhandene Stahlbetonkonstruktion war weiterhin nutzbar. Sie herauszureißen und durch ein vollständig neues Becken zu ersetzen, hätte einen erheblichen Eingriff in die Bausubstanz bedeutet und genau jene Folgemaßnahmen ausgelöst, die man vermeiden wollte. Also entwickelten Deye Consulting und Myrtha Pools eine maßgeschneiderte Anpassung des neuen Beckensystems an den vorhandenen Beton- und Fliesenkörper. Schnell war klar: Von der Stange geht hier nichts.

    Für die neue Beckenauskleidung kam das RenovAction-System von Myrtha Pools zum Einsatz. Edelstahl, Keramik und PVC werden dabei so miteinander kombiniert, dass die neue Konstruktion innerhalb des vorhandenen Stahlbetonbeckens eingebaut werden konnte. Das alte Becken verschwand also nicht, sondern wurde zur Grundlage des neuen. Genau darin lag die planerische Aufgabe: Bestand und neues System mussten an ihren Übergängen präzise zusammengebracht werden.

    Selbst die vorhandenen Fliesen mussten dafür nicht vollständig weichen. Entfernt wurde nur, was lose oder nicht mehr tragfähig war. Die übrigen Flächen wurden geglättet und für das neue System vorbereitet. Das klingt beinahe banal, hat aber handfeste Folgen: Jeder Quadratmeter Keramik, der im Becken bleiben kann, muss weder abgeschlagen noch entsorgt und anschließend neu aufgebaut werden. Der sorgfältige Umgang mit dem Bestand spart damit Material, Zeit und Geld - nicht nur im Schwimmbad des SSC Hörde.

    Bezahlbar sanieren

    Warum sollte für ein Schwimmbad etwas grundsätzlich anderes gelten als für ein Eigenheim?

    Dass viele deutsche Schwimmbäder sanierungsbedürftig sind und Kommunen oder Vereine solche Aufgaben häufig nur mit öffentlicher Förderung stemmen können, ist keine neue Erkenntnis. Der SSC Hörde betreibt ein Bad aus den 1970er-Jahren. Nicht alles darin entspricht dem neuesten Stand. Aber vieles funktioniert. Und genau das wurde zum Kapital des Projekts.

    Das Prinzip kennt jeder Eigenheimbesitzer: Niemand wartet vernünftigerweise, bis Fenster, Dach und Heizung gleichzeitig auseinanderfallen. Man investiert nach und nach, dort, wo es notwendig ist und so, wie es der Geldbeutel zulässt. Nicht weil das besonders spektakulär wäre, sondern weil man sein Haus nicht alle paar Jahrzehnte neu bauen kann. Warum sollte für ein Schwimmbad grundsätzlich etwas anderes gelten?

    Im Schwimmbad des SSC Hörde wurde auf diese Weise gewachsene Strukturen mit neuer Technik verbunden. Das gesamte Investitionsvolumen der Sanierung liegt bei rund 835.000 Euro netto. Davon entfallen rund 530.000 Euro auf das 25-Meter-Schwimmbecken, rund 230.000 Euro auf Rohrleitungsbau und Wasseraufbereitung, rund 50.000 Euro auf Planung und Bauleitung sowie rund 25.000 Euro auf Baustelleneinrichtung und Gerüststellung. Die Stadt Dortmund unterstützt das Projekt mit Fördermitteln in Höhe von bis zu einer Million Euro.

    Alt, neu, weiter

    Die vorhandene Struktur bleibt, doch technisch und sportlich kann das Becken heute mehr als je zuvor.

    Die Stahlbetonkonstruktion ist geblieben. Die Sprunganlage ist geblieben. Teile des keramischen Bestands sind geblieben. Hinzugekommen sind ein neues Beckensystem, angepasste Technik und Lösungen für jene Stellen, an denen Alt und Neu miteinander verbunden werden mussten.

    Aus dem Schwimmerbecken der 1970er-Jahre wurde kein Neubau, sondern ein technisch erneuertes und funktional weiterentwickeltes Becken innerhalb seiner vorhandenen Struktur.

    Hörde zeigt damit eine Sanierungsstrategie, die für viele ältere Schwimmbäder interessant sein dürfte: erst genau hinsehen, dann entscheiden. Weiterverwenden, was funktioniert. Ersetzen, was ersetzt werden muss. Und dort Maßarbeit leisten, wo Standardlösungen den Bestand unnötig teuer machen würden.

    Von Dortmund lernen

    • Bestand ist nicht automatisch Ballast. Was technisch noch funktioniert, kann zur Grundlage einer wirtschaftlichen Sanierung werden.

    • Die teuerste Lösung ist nicht zwangsläufig die beste. In Hörde verhinderte gerade der Erhalt der bestehenden Konstruktion eine ganze Kette weiterer Eingriffe.

    • Sanieren heißt Schnittstellen planen. Die Qualität liegt vor allem darin, vorhandene Konstruktion und neue Technik sauber zusammenzubringen.

    • Pragmatismus ist ein Planungsprinzip. Wer genau hinsieht, vorhandene Substanz nutzt und maßgeschneiderte Lösungen zulässt, kann Bauzeit und Kosten begrenzen, ohne auf eine technische Weiterentwicklung zu verzichten.

    Pläne

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    Sportpark Ost Regensburg

    Architektur sorgt für Bewegung

    Der Sportpark Ost Regensburg

    Landschaftsplaner

    Lichtgrün Landschaftsarchitektur
    Linzer Straße 13
    D–93055 Regensburg

    Bauherr & Betreiber

    das Stadtwerk.Bäder und Arenen GmbH
    Greflingerstraße 26
    D–93055 Regensburg

    Ausstattung
    • Schwimmhalle:
      630 m² Wasserfläche:
      25-m-Schwimmerbecken
      Lehrschwimmbecken
      Nichtschwimmerbecken mit Hubboden
      Sauna mit Tauchbecken
    • Leichtathletikhalle:
      Rundlaufbahn
      Sprintbahnen
      Weitsprunganlage
      Hochsprunganlage
      Stabhochsprunganlage
      Kugelstoßanlage
      Kraft- und Gymnastikbereich
      Zuschauertribüne
    Eröffnung

    2025

    Fotos

    David Matthiessen, Stuttgart
    Lichtgrün
    Behnisch Architekturbüro

    Text

    Johannes Bühlbecker
    More Sports Media

    Der Sportpark Ost Regensburg ist kein Solitär, sondern der erste öffentliche Baustein eines neuen Quartiers. Seine Qualität entsteht dort, wo Architektur, Landschaft und Technik nicht nebeneinander geplant werden, sondern miteinander.

    Der erste Baustein eines neuen Quartiers

    Wenn ehemalige Militärflächen zu lebendigen Stadtquartieren werden, braucht es Orte, die Identität stiften. Im Regensburger Osten übernimmt diese Aufgabe der Sportpark Ost. Auf dem Gelände der früheren Prinz-Leopold-Kaserne entstand ein neues Zentrum für Schwimm- und Leichtathletiksport, das zugleich als öffentlicher Treffpunkt und räumlicher Anker des neuen Stadtteils fungiert. Bereits 2019 überzeugte der Entwurf von Behnisch Architekten im Wettbewerb und wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Nach rund drei Jahren Bauzeit wurde die Anlage 2025 fertiggestellt.

    Statt einer monolithischen Großstruktur entschieden sich die Architekten bewusst für zwei eigenständige Baukörper: eine Leichtathletikhalle und ein Hallenbad. Beide besitzen ihren eigenen architektonischen Charakter und werden über ein transparentes, zweigeschossiges Foyer miteinander verbunden. Dieses dient weit mehr als nur der Erschließung, es ist Verteiler, Aufenthaltsbereich und sozialer Mittelpunkt der gesamten Anlage. Gastronomie und Terrassen öffnen sich zum Vorplatz und schaffen fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum.

    Zwei Hallen, zwei Atmosphären

    Die unterschiedlichen Nutzungen spiegeln sich konsequent in Materialität und Raumwirkung wider.

    Die Leichtathletikhalle präsentiert sich als großzügiger, stützenfreier Trainingsraum. Spannweiten von bis zu 65 Metern ermöglichen maximale Flexibilität für den Trainingsbetrieb. Großformatige Oberlichter sorgen für gleichmäßiges Tageslicht, während der gelbe Sportboden das natürliche Licht reflektiert und eine helle, warme Atmosphäre erzeugt. Dunklere Wandflächen reduzieren gleichzeitig die wahrgenommene Raumhöhe, während die weiß gehaltene Dachkonstruktion die Leichtigkeit des Tragwerks betont.

    Ganz anders die Schwimmhalle. Hier bestimmen großzügige Fensterflächen und der Blick ins Grün den Raumeindruck. Sichtbare Holzbinder, helle Grüntöne rund um die Becken sowie wellenförmig angeordnete Akustikelemente schaffen eine ruhige, fast landschaftliche Atmosphäre. Die Farb- und Materialgestaltung nimmt bewusst Bezug zum Außenraum und verbindet Gebäude und Landschaft zu einer gestalterischen Einheit.

    Auf rund 630 m² Wasserfläche bietet das Hallenbad ein 25-Meter-Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmerbecken mit Hubboden, ein Lehrschwimmbecken sowie eine Sportlersauna mit Tauchbecken. Alle Becken wurden in Edelstahl ausgeführt – eine Entscheidung zugunsten von Langlebigkeit, Hygiene und dauerhaft geringem Wartungsaufwand.

    Landschaft als Architektur

    Die Freianlagen von Lichtgrün Landschaftsarchitektur sind weit mehr als Erschließungsflächen. Sie bilden den eigentlichen Auftakt des Sportparks und verknüpfen das Gebäude mit seinem zukünftigen Quartier.

    Ein großzügiger, verkehrsfreier Vorplatz organisiert die Ankunft der Besucherinnen und Besucher. Barrierefreie Wege, Fahrradstellplätze und ein taktiles Leitsystem sorgen für eine selbstverständliche Nutzung durch unterschiedlichste Zielgruppen. Gleichzeitig strukturieren erhöhte "Grüne Inseln" den Platz. Sie lenken Besucherströme, schaffen schattige Aufenthaltsbereiche und integrieren Sitzmöglichkeiten in die Bepflanzung.

    Besonderes Augenmerk lag auf der ökologischen Qualität der Außenräume. Heimische Bäume, Stauden, Gräser und Blühpflanzen schaffen gemeinsam mit Steinhügeln für Eidechsen und Nisthölzern für Insekten wertvolle Lebensräume. Eine Parcoursfläche erweitert das Angebot zusätzlich um ein frei nutzbares Bewegungsangebot für das Quartier. Damit wird der Sportpark nicht nur Sportstätte, sondern öffentlicher Freiraum.

    Schwammstadt und mehr

    Der Sportpark Ost verfolgt Nachhaltigkeit nicht über einzelne Maßnahmen, sondern als durchgängige Planungsstrategie.

    Zum Einsatz kommen Holztragwerke, vorgefertigte Holzfassaden sowie Recyclingbeton aus dem Rückbau der gegenüber liegenden Kasernengebäude. Dadurch konnten regionale Stoffkreisläufe geschlossen und gleichzeitig langlebige, sortenrein trennbare Konstruktionen geschaffen werden. Flexible Grundrisse ermöglichen zudem zukünftige Anpassungen der Nutzung.

    Auch energetisch setzt das Projekt Maßstäbe. Rund 45 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs werden über Solarthermie erzeugt. Die großflächigen Solarkollektoren überspannen gleichzeitig die Parkplatzanlagen und übernehmen dort zusätzlich eine Verschattungsfunktion. Ergänzt wird das System durch einen Hackschnitzelkessel, einen 500 m³ großen Wärmespeicher sowie Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen. Hocheffiziente Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, eine hochgedämmte Gebäudehülle und energieoptimierte Gebäudetechnik reduzieren den laufenden Energiebedarf zusätzlich.

    Auch das Regenwassermanagement wurde von Beginn an als integraler Bestandteil des Entwurfs verstanden.

    Sämtliche Niederschläge versickern auf dem eigenen Grundstück. Dachflächen und Freianlagen entwässern in zwei Zisternen, Versickerungsmulden und groß dimensionierte Rigolensysteme. Das gespeicherte Regenwasser dient der automatischen Bewässerung der Grünflächen und Fassadenbegrünung, Überschüsse werden kontrolliert versickert. Versickerungsfähige Beläge auf Stellplätzen und Platzflächen entlasten zusätzlich das Kanalnetz.

    Rund 30 Prozent der Fassadenflächen werden begrünt. Zusammen mit den klimaresilienten Pflanzungen entsteht ein Freiraumsystem, das Biodiversität, Mikroklima und Aufenthaltsqualität gleichermaßen verbessert.

    Was hier hier lernen:

    Der Sportpark Ost Regensburg zeigt, dass gute Sportstätten nicht allein durch gute Architektur entstehen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Planungsdisziplinen und der ausführenden Firmen. Architektur, Landschaftsarchitektur und technische Fachplanung wurden hier von Beginn an gemeinsam entwickelt und greifen  ineinander. Dadurch wirken Freianlagen, Gebäude und Technik nicht wie einzelne Bausteine, sondern wie ein zusammenhängendes Gesamtkonzept.

    Ebenso deutlich wird, welchen Unterschied engagierte Planer machen können. Behnisch Architekten und die beteiligten Fachplaner haben ihre jeweiligen Kompetenzen nicht nebeneinander gestellt, sondern miteinander verknüpft. Das Ergebnis ist ein Sportpark, der weit über seine eigentliche Funktion hinausgeht und sowohl dem Sport als auch der Stadtentwicklung einen langfristigen Mehrwert bietet.

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    Pläne

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    Main Bad Bornheim

    Nachhaltig entschieden

    Main Bad Bornheim in Frankfurt

    Ausstattung

    Schwimmen
    25-Meter-Sportbecken, Hubboden, Sprunganlage, Lehrschwimmbecken, Erlebnisbecken, Spraypark, und Rutschen.

    Wellness
    Zwei finnische Saunen, Sanarium, Sauna mit 360°-Projektion, Dampfbad, Kalt- und Tauchbecken, begrüntes Atrium, Ruhebereiche, Kaminlounge, Sonnenterrasse und Gastronomie.

    Adresse

    Main Bad Bornheim
    Am Bornheimer Hang 2
    60386 Frankfurt am Main

    Eröffnung

    2025

    Fotos

    David Matthiessen, Stuttgart

    Text

    Johannes Bühlbecker
    More Sports Media

    Nicht jede Herausforderung ist ein Problem. Manchmal wird sie auch zum Ausgangspunkt einer besseren Lösung. Beim Main Bad Bornheim führten schwierige Bodenverhältnisse zu einem ungewöhnlichen Gebäudekonzept, das heute Architektur, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit auf bemerkenswerte Weise miteinander verbindet.

    Wenn schwieriger Baugrund zu besseren Lösungen führt

    Nicht jede planerische Herausforderung ist ein Nachteil. Manchmal entstehen gerade daraus die überzeugendsten Lösungen. Beim neuen Main Bad Bornheim zwang der Baugrund mit Trümmerschutt und Altlasten das Planungsteam dazu, auf eine klassische Unterkellerung zu verzichten. Statt eines aufwendig herzustellenden Untergeschosses wurden die Technikflächen vollständig im Erdgeschoss untergebracht, während die Badeebene in das erste Obergeschoss rückte.

    Diese ungewöhnliche Anordnung brachte gleich mehrere Vorteile mit sich. Sie reduzierte nicht nur den baulichen Aufwand und den Ressourcenverbrauch erheblich, sondern eröffnete den Badegästen gleichzeitig neue Perspektiven. Großzügige Verglasungen holen Tageslicht tief in das Gebäude und geben den Blick über die Grünflächen des Bornheimer Hangs frei. Aus einer technischen Notwendigkeit entstand so ein prägendes architektonisches Merkmal des gesamten Projekts.

    Architektur & Nachhaltigkeit

    • ca. 10.500 m² Bruttogrundfläche
    • ca. 875 m² Wasserfläche
    • Dreigeschossiger Neubau ohne Unterkellerung
    • Technikflächen im Erdgeschoss
    • 450 Photovoltaikmodule (ca. 150.000 kWh/Jahr)
    • Blockheizkraftwerk
    • Wärmerückgewinnung
    • Vorbereitung zur Nutzung der Abwärme der benachbarten Eissporthalle
    • Regenwassernutzung
    • Regenrückhaltesystem
    • DGNB-zertifizierte Baustelle

    Sport, Freizeit und Erholung unter einem Dach

    Mit rund 900 m² Wasserfläche richtet sich das Main Bad Bornheim gleichermaßen an Familien, Freizeitschwimmer, Schulen, Vereine und ambitionierte Sportler. Die Freizeitbadehalle kombiniert Erlebnisbecken, Kinderbereich, Spraypark sowie zwei Rutschen zu einer abwechslungsreichen Wasserlandschaft, während sich die Sporthalle bewusst zurücknimmt.

    Das 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen, Sprunganlage und Hubboden schafft flexible Trainings- und Wettkampfbedingungen. Ergänzt wird das Angebot durch ein separates Lehrschwimmbecken. Eine großzügige Glaswand trennt Freizeit- und Sportbereich optisch transparent, sorgt gleichzeitig aber für die notwendige akustische Trennung.

    Die ebenfalls im Obergeschoss angeordnete Saunalandschaft mit Innen- und Außensaunen, Dampfbad, begrüntem Atrium sowie großzügigen Ruhebereichen ergänzt das Angebot um einen eigenständigen Erholungsbereich, der sich harmonisch in das Gesamtkonzept einfügt.

    Ausstattung Schwimmen

    • 25-Meter-Sportbecken (6 Bahnen)
    • Hubboden
    • Ein- und Drei-Meter-Sprunganlage
    • Lehrschwimmbecken
    • Erlebnisbecken
    • Warmwasserbecken
    • Spaßbecken
    • Kleinkinderbereich
    • Spraypark
    • Breitwellenrutsche
    • Röhrenrutsche

    Architektur und Ausführung als gemeinsamer Prozess

    Die Qualität des Main Bads Bornheim beruht nicht auf einer einzelnen Idee, sondern auf dem Zusammenspiel vieler Entscheidungen. Bereits die kompakte, dreigeschossige Bauform reduziert die Gebäudehülle und damit dauerhaft Wärmeverluste. Oberlichter bringen Tageslicht tief in das Gebäude, während robuste, pflegeleichte Materialien den Wartungs- und Reinigungsaufwand über den gesamten Lebenszyklus minimieren.

    Solche Lösungen entstehen nicht isoliert am Planungstisch. Sie entwickeln sich im engen Austausch zwischen Architekten, Fachplanern und den ausführenden Unternehmen, die ihre Erfahrung in Konstruktion, Materialwahl und Umsetzung einbringen. Gerade bei einem technisch anspruchsvollen Bauwerk wie einem Hallenbad entscheidet dieses partnerschaftliche Zusammenspiel darüber, ob gestalterische Qualität, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit am Ende tatsächlich erreicht werden.

    Das Main Bad Bornheim  ist also auch das Ergebnis einer präzisen und kooperativen Ausführung – von den ersten Planungsüberlegungen bis zur handwerklichen Umsetzung auf der Baustelle.

    Ausstattung Wellness

    • Zwei finnische Saunen
    • Sanarium
    • Sauna mit 360°-Projektion
    • Dampfbad
    • Kaltbecken
    • Tauchbecken
    • Begrüntes Atrium
    • Ruhebereiche
    • Kaminlounge
    • Sonnenterrasse
    • Gastronomie

    Nachhaltigkeit als Gesamtkonzept

    Auch die technische Gebäudeausrüstung folgt konsequent dem Ziel eines ressourcenschonenden Betriebs. Eine Photovoltaikanlage mit 450 Modulen erzeugt jährlich bis zu 150.000 Kilowattstunden Strom. Ergänzt wird sie durch ein Blockheizkraftwerk sowie umfangreiche Wärmerückgewinnung aus Lüftungs- und Badewassertechnik. Darüber hinaus wurden bereits die technischen Voraussetzungen geschaffen, künftig die Abwärme der benachbarten Eissporthalle zu nutzen.

    Regenwasser wird für die Reinigung und Bewässerung der Außenanlagen eingesetzt, während ein Regenrückhaltesystem das Kanalnetz bei Starkregen entlastet. Energieeffiziente LED-Beleuchtung und langlebige Materialien runden das Nachhaltigkeitskonzept ab. Bereits während der Bauphase spielte dieses Thema eine wichtige Rolle: Die Baustelle wurde ressourcenschonend organisiert und von der DGNB als nachhaltige Baustelle zertifiziert.

    Was hier hier lernen:

    Das Main Bad Bornheim zeigt, dass Nachhaltigkeit weit vor der technischen Gebäudeausrüstung beginnt. Gute Entscheidungen in der frühen Planung, wie der Verzicht auf ein Untergeschoss oder die Entscheidung für eine kompakte Bauform, können Ressourcen sparen und gleichzeitig die Qualität eines Gebäudes erhöhen.

    Dauerhaft wirtschaftlich wird ein Projekt jedoch erst, wenn Architektur, Technik und handwerkliche Ausführung von Beginn an zusammengedacht werden. Genau dieses Zusammenspiel macht aus einer guten Idee ein Bad, das langfristig funktioniert.

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    Annette K

    Schwimmen auf der Seine

    Annette K in Paris

    Mit dem Badeschiff Annette K hat Paris nicht einfach ein Schwimmbecken auf das Wasser gesetzt. Am Port de Javel Bas entstand ein 110 Meter langes schwimmendes Sport-, Gesundheits- und Freizeitgebäude, das ein 50-Meter-Becken mit Fitness, Physiotherapie, Wellness und Gastronomie verbindet. Die Seine wird dabei nicht bloß zur attraktiven Kulisse. Ihre Bewegung, ihr Licht und ihre besondere Stellung im Stadtraum bestimmen die Architektur des gesamten Hauses.

    Entwurf:
    Seine Design

    Ein Schiff als Sportzentrum

    Annette K liegt im 15. Arrondissement am südwestlichen Rand des Pariser Zentrums, wenige Kilometer flussabwärts vom Eiffelturm. Das Projekt ging aus dem 2017 entschiedenen Wettbewerb „Réinventer la Seine“ hervor. Entworfen wurde es vom auf schwimmende Architektur spezialisierten Pariser Büro Seine Design unter Leitung von Gérard Ronzatti und Matthieu Ronzatti. Nach dem Baubeginn 2020 wurde die Anlage 2023 fertiggestellt. Auftraggeber und Betreiber ist Javel Entertainment.

    Auf einer Fläche von rund 4.500 Quadratmetern versammelt das Badeschiff ein ungewöhnlich breites Programm: ein 50 Meter langes Freibad, Sonnendecks, Fitness- und Sporträume, Physiotherapie, Balneotherapie, Sauna, Umkleiden, Café, Restaurant und großzügige Terrassen. Der Bau soll damit nicht nur dem Training dienen, sondern Bewegung, Regeneration, Gesundheit und Geselligkeit über den gesamten Tagesverlauf miteinander verbinden. Die angegebenen Baukosten liegen bei 16 Millionen Euro.

    Das Schwimmbecken als tragende Struktur

    Die entscheidende architektonische Idee liegt in der Position des Schwimmbeckens. Es wurde nicht in den Rumpf des Schiffes eingelassen, sondern gleichsam auf das Gebäude gelegt.

    Von außen wirkt die lang gestreckte Edelstahlwanne wie der umgedrehte Rumpf eines zweiten Schiffes, das auf dem eigentlichen Ponton ruht. Stahl, Holz und Glas verstärken diesen maritimen Charakter.

    Das Becken ist dabei weit mehr als ein Behälter für Wasser. Seine Unterkonstruktion bildet zugleich das Tragwerk und die technische Infrastruktur der darunterliegenden Geschosse. Stützen, Leitungen, Kabel und Installationen bleiben weitgehend sichtbar; abgehängte Decken und zusätzliche Doppelböden konnten dadurch vermieden werden.

    Die sonst oft verborgene Technik eines Schwimmbades wird zu einem prägenden Bestandteil der Innenräume.

    Die Konstruktion musste nicht nur das erhebliche Gewicht des Wassers aufnehmen, sondern auch auf wechselnde Belastungen reagieren. Ein dynamisches Ballastsystem gleicht Bewegungen von Besuchern und technischen Anlagen aus. Über hydraulisch justierbare Elemente lässt sich die horizontale Lage des Edelstahlbeckens kontrollieren.

    Gerade diese Verbindung von Schiffbau, Gebäudetechnik und Schwimmbadkonstruktion war ein Grund dafür, dass Annette K 2023 bei den französischen Trophées Eiffel de l’Architecture in der Kategorie „Dynamique“ ausgezeichnet wurde.

    Schwimmen zwischen Stadt und Fluss

    Zwei leichte, bogenförmige Überdachungen schützen die Endbereiche des Beckens und Teile der angrenzenden Terrassen. Dazwischen öffnet sich der Blick auf den Himmel, das Wasser und die Uferlandschaft. Rund um das obere Deck führt eine Laufbahn, die das Gebäude wie ein schmales Band umschließt und Ausblicke in alle Richtungen bietet. Das sportliche Programm setzt sich damit bis an die äußere Kante des Schiffes fort.

    Auch in den unteren Ebenen bleibt das Wasser präsent. Bullaugen und verglaste Öffnungen lassen Tageslicht durch das Schwimmbecken in die darunterliegenden Räume fallen. Bewegungen der Schwimmer, Reflexe auf der Wasseroberfläche und das wechselnde Licht der Seine überlagern sich. Auf den Innenflächen entstehen flirrende Bilder, die das Büro selbst mit den Wasserstudien der Impressionisten in Verbindung bringt.

    Offenheit ist Teil des Programms

    Der Anspruch, Sport, Gesundheit und Alltag miteinander zu verbinden, zeigt sich auch in der Erschließung. Das Schwimmbecken ist von zahlreichen Bereichen des Gebäudes aus sichtbar und über unterschiedliche Wege erreichbar. Bei der Planung arbeitete Seine Design mit Fachleuten für Behinderten- und Inklusionssport zusammen. Zugänge, Bewegungsflächen und die Nutzung des Beckens sollten nicht nur formal barrierefrei, sondern für unterschiedliche körperliche Voraussetzungen tatsächlich praktikabel sein.

    Diese Offenheit bezieht sich zugleich auf die Mischung der Nutzungen. Im selben Gebäude treffen sportlich ambitionierte Schwimmer auf Fitnessgäste, physiotherapeutische Patienten, Restaurantbesucher und Menschen, die lediglich Zeit am Wasser verbringen möchten. Annette K ist deshalb weder reines Schwimmbad noch klassisches Gesundheitszentrum und auch keine gewöhnliche Freizeitgastronomie. Gerade aus der Überlagerung dieser Angebote entsteht sein urbaner Charakter.

    Pariser Tradition, neu interpretiert

    Schwimmende Bäder haben in Paris eine lange Geschichte. Bereits seit dem 17. Jahrhundert gab es Badeanstalten auf der Seine. Ihr berühmtester Vertreter war die Piscine Deligny, ein 50-Meter-Bad mit Kabinen, Sonnendecks, Gastronomie und gesellschaftlichem Leben. Das zuletzt nahe der Place de la Concorde verankerte Bad sank 1993 innerhalb weniger Minuten und wurde nicht wieder aufgebaut. 2006 knüpfte das ebenfalls schwimmende Schwimmbad Joséphine Baker an diese Tradition an.

    Annette K übernimmt von Deligny weniger die historische Architektur als vielmehr die Idee des Bades als gesellschaftlichem Ort. Das Schwimmen ist der Kern, aber nicht die einzige Daseinsberechtigung. Man trainiert, sonnt sich, isst, trifft andere Menschen oder betrachtet die Stadt vom Wasser aus. Der Name erinnert zudem an die australische Schwimmerin, Schauspielerin und Gesundheitsaktivistin Annette Kellerman, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts für sportliche Bewegungsfreiheit und eine praktischere Badebekleidung für Frauen eintrat.

    Projektdaten

    (Links sind unterstrichen)

    Planer

    Seine Design
    Gérard Ronzatti, Matthieu Ronzatti
    Port de la Rapée
    F-75012 Paris

    Bauherr

    Javel Entertainment

    Eröffnung
    2023
    Adresse

    Annette K Seine
    Port de Javel Bas
    F-75015 Paris

    Fotos

    Seine Design

    Text

    Johannes Bühlbecker
    More Sports Media

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    Forest Pool

    Zwischen Wald und Wasser

    Forest Pool in Liberec

    Es gibt Projekte, die vor allem durch ihre Architektur beeindrucken. Und es gibt Projekte, deren eigentliche Stärke in der Geschichte liegt, die sie erzählen. Der Forest Pool im tschechischen Liberec gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Hier entstand nicht einfach ein neues Funktionsgebäude für ein Freibad – vielmehr wurde ein seit Jahrzehnten identitätsstiftender Ort durch das Zusammenspiel von bürgerschaftlichem Engagement, intelligenter Holzarchitektur und öffentlicher Unterstützung wieder zu einem lebendigen Treffpunkt.

    Entwurf:
    Mjölk architekti

     

    Lesní koupaliště

    Am Zusammenfluss zweier Bäche, am Rand des Villenviertels Lidové sady in Liberec, liegt das „Lesní koupaliště“ – der Forest Pool. Eingebettet zwischen jahrhundertealten Fichten gehört das Naturbad seit Generationen zum kollektiven Gedächtnis der Stadt. Das Wasser gilt als außergewöhnlich kalt, die Lage als einzigartig.

    Die Geschichte reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Bad teilweise militärisch genutzt, blieb aber gleichzeitig ein beliebter Ort der Naherholung. Nach mehreren Erweiterungen verfiel die Anlage zunehmend. 2007 wurde sie geschlossen, 2010 zerstörte ein Brand das ehemalige Betriebsgebäude. Lediglich die Betonfundamente blieben erhalten. Erst ab 2016 begann eine schrittweise Wiederbelebung des Geländes, bevor das Naturbad 2018 wieder für Besucher geöffnet werden konnte.

    Architektur beginnt mit Eigeninitiative

    Den entscheidenden Impuls setzte 2020 das von Mjölk architekti gegründete Bürgerprojekt Lesní koupaliště. Statt auf große Förderprogramme zu warten, übernahmen die Architekten gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen selbst den Betrieb der Anlage.

    Mangels finanzieller Mittel entstanden zunächst provisorische Möbel, einfache Gastronomieeinrichtungen und erste Verbesserungen in Eigenleistung. Parallel wurden Planungen entwickelt, Fördermittel beantragt und private Spenden gesammelt. Ein wesentlicher Teil der Finanzierung kam schließlich über den Bürgerhaushalt der Stadt Liberec zustande. Nachdem 2022 die Baugenehmigung erteilt worden war, begann der eigentliche Neubau. Als das Budget erneut knapp wurde, half schließlich eine einmalige finanzielle Unterstützung der Stadt, das Projekt bis zur Eröffnung 2025 fertigzustellen.

    Schlichtes Gebäude, große Wirkung

    Der Neubau versteht sich bewusst nicht als architektonisches Statement, sondern als funktionales Rückgrat des gesamten Naturbades.

    Auf einer Fläche von lediglich 320 m² entstand eine leichte Holzkonstruktion, deren Geometrie den vorhandenen Betonfundamenten folgt. Die Architekten kombinierten CLT-Massivholzplatten mit einer leichten Holzrahmenkonstruktion. Darin integriert sind Lagerflächen, Sanitäranlagen, Bistro, Sauna und Aufenthaltsräume.

    Besonders prägend ist das weit auskragende Dach auf einer filigranen Stahlkonstruktion. Es schützt Besucher gleichermaßen vor Sonne und Regen und schafft einen großzügigen halböffentlichen Außenraum. Duschen, Umkleiden und Schließfächer liegen vollständig unter diesem Dach und bleiben dadurch eng mit der umgebenden Landschaft verbunden.

    Weniger Architektur, mehr Landschaft

    Die Gestaltung verzichtet bewusst auf gestalterische Effekte. Die weiß gestrichenen Fassaden mit ihren rhythmischen Rundbögen greifen klassische Motive öffentlicher Freibäder auf, wirken dabei jedoch zeitlos und selbstverständlich.

    Von weitem tritt das Gebäude fast vollständig hinter den hohen Nadelbäumen zurück. Erst beim Näherkommen entfaltet sich die Qualität der offenen Architektur: Die großzügigen Überdachungen, die transparenten Übergänge zwischen Innen- und Außenbereich und die direkte Beziehung zum Wasser schaffen eine Atmosphäre, die eher an einen geschützten Waldpavillon als an ein klassisches Freibad erinnert.

    Ein Freibad für alle Jahreszeiten

    Mit der neuen Infrastruktur gewinnt der Forest Pool deutlich an Funktionalität. Neben Umkleiden, Sanitärbereichen und Gastronomie sorgt insbesondere die integrierte Sauna dafür, dass das Gelände künftig weit über die Sommermonate hinaus genutzt werden kann.

    Weitere Entwicklungsschritte sind bereits vorgesehen: Kinderspielbereiche mit Wasser, terrassierte Sitzstufen sowie zusätzliche Sport- und Freizeitangebote sollen die Anlage langfristig ergänzen. Das Projekt versteht sich ausdrücklich nicht als abgeschlossene Baumaßnahme, sondern als kontinuierlicher Entwicklungsprozess - für die und mit den Menschen, die Forest Pool nutzen.

    Projektdaten

    (Links sind unterstrichen)

    Planer

    Mjölk architekti
    Marie Vondráková

    Bauherr

    Stadt Liberec
    Městské lesy Liberec

    Eröffnung
    2025
    Adresse

    Lesní koupaliště
    U Koupaliště 536
    460 14 Liberec-Ruprechtice
    Tschechien

    Fotos

    BoysPlayNice

    Text

    Johannes Bühlbecker
    More Sports Media

    Pläne

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    Trainingsschwimmhalle Großfeldsiedlung

    Mehr Wasser

    Trainingsschwimmhalle Großfeldsiedlung in Wien

    Mit der Erweiterung des Kombibads Großfeldsiedlung setzt die Stadt Wien einen wichtigen Baustein ihrer Bäderstrategie 2030 um. Ziel des Programms ist es, die Schwimminfrastruktur einer wachsenden Metropole auszubauen, mehr Kapazitäten für den Schul- und Vereinssport zu schaffen und gleichzeitig bestehende Anlagen nachhaltig zu modernisieren. Die neue Trainingsschwimmhalle im 21. Wiener Gemeindebezirk zeigt exemplarisch, wie sich funktionale Anforderungen, architektonische Qualität und ressourcenschonendes Bauen miteinander verbinden lassen.

    Entwurf:
    illiz architektur ZT

     

    Zwei Brücken schaffen ein neues Ensemble

    Anstatt einen eigenständigen Solitär zu errichten, entwickelte das Wiener Büro illiz architektur einen kompakten, dreigeschossigen Erweiterungsbau, der auf einer bereits versiegelten Parkplatzfläche entsteht und über zwei freitragende Brücken mit dem Bestandsgebäude verbunden ist. Diese übernehmen weit mehr als eine reine Erschließungsfunktion: Sie verknüpfen Alt- und Neubau zu einem zusammenhängenden Ensemble, entflechten die Besucherströme und ermöglichen eine barrierefreie Verbindung zwischen dem neuen Foyer und der bestehenden Kassenzone.

    Zwischen beiden Baukörpern entsteht eine begrünte Gasse, die die Wege zum Hallen- und Sommerbad bündelt und Besucher intuitiv zum neuen Haupteingang führt. Gleichzeitig schaffen die Brücken spannende Blickbeziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen und machen den Weg durch das Gebäude zu einem räumlichen Erlebnis.

    Glasfassade

    Eine großzügige Glasfassade prägt den ersten Eindruck. Dahinter öffnet sich ein lichtdurchflutetes, dreigeschossiges Foyer, dessen skulptural wirkende Treppe den Blick unmittelbar auf die Beckenebene im Obergeschoss lenkt. Von hier aus erschließt sich die gesamte Anlage mit ihren unterschiedlichen Funktionsbereichen.

    Foyers, Wartezonen, Brücken und Schwimmhallen sind dabei visuell miteinander verwoben und schaffen eine klare Orientierung.

    Becken

    Herzstück des Neubaus ist ein 25 x 12,5 Meter großes Trainingsbecken, das vor allem dem Schul- und Vereinssport dient. Mit der zusätzlichen Wasserfläche reagiert Wien auf den steigenden Bedarf an Schwimmausbildung und Trainingsmöglichkeiten.

    Außerhalb der reservierten Zeiten steht das Becken auch der Öffentlichkeit zur Verfügung und ergänzt damit das Angebot des bestehenden Kombibads erheblich. Seit Herbst 2024 befindet sich die neue Trainingsschwimmhalle im regulären Betrieb.

    Tragwerk

    Den Charakter der neuen Schwimmhalle bestimmt ein klar ablesbares Holztragwerk, das hinter einer raumhohen Glasfassade sichtbar bleibt. Umlaufende, geflieste Sitzbänke fassen den Beckenumgang ein und dienen zugleich als konstruktives Auflager für die schlanken Holzstützen.

    Helle Holzoberflächen und geometrisch abgestimmte Fliesen in Weiß- und Grautönen schaffen eine freundliche, ruhige Atmosphäre, die den sportlichen Charakter der Halle unterstreicht.

    Bestand und Neubau wachsen zusammen

    Parallel zum Neubau wurde auch die bestehende Schwimmhalle umfassend modernisiert. Ein neues, höheres Dach verbessert die Raumwirkung des Mehrzweckbeckens deutlich. Über seitliche transluzente Lichtbänder gelangt blendfreies Tageslicht bis an die Wasseroberfläche. Gleichzeitig wurden Eingangsbereich, Umkleiden und Sanitäranlagen modernisiert, sodass die gesamte Anlage funktional und gestalterisch aufgewertet wurde.

    Architektur mit nachhaltigem Anspruch

    Auch gestalterisch knüpft der Neubau an den Bestand an. Eine weit auskragende Dachscheibe aus Holz sowie umlaufende Oberlichtbänder nehmen charakteristische Elemente des bestehenden Bades auf und interpretieren sie zeitgemäß neu. Besonders markant ist die vorgelagerte begrünte Stahlkonstruktion, deren Rankpflanzen das Gebäude umhüllen und den technischen Baukörper in eine lebendige Fassadenlandschaft verwandeln.

    Das nachhaltige Gesamtkonzept setzt sich auch in der Gebäudetechnik fort. Eine Photovoltaikanlage auf dem begrünten Dach, energieeffiziente Haustechnik sowie die ressourcenschonende Holzkonstruktion tragen dazu bei, den ökologischen Fußabdruck des Gebäudes zu reduzieren.

    Für diesen ganzheitlichen Ansatz erhielt die Trainingsschwimmhalle die klimaaktiv-Gold-Auszeichnung, wurde mit dem wienwood25 – Holzbaupreis Wien ausgezeichnet, für den Österreichischen Staatspreis Holzbau 2026 nominiert und schaffte es auf die Top-40-Shortlist der EUmies Awards 2026

    Vorbild für die Weiterentwicklung kommunaler Bäder

    Mit einer Nutzfläche von rund 2.110 m² und einer Bruttogeschossfläche von 2.550 m² entstand innerhalb von knapp zwei Jahren Bauzeit ein beispielhaftes Projekt für die behutsame Weiterentwicklung bestehender Sport- und Freizeitanlagen. Die Trainingsschwimmhalle Großfeldsiedlung zeigt, wie zusätzliche Wasserflächen geschaffen werden können, ohne neue Flächen zu versiegeln oder den Bestand zu verdrängen.

    Stattdessen entstand ein stimmiges Ensemble, in dem Alt und Neu funktional, räumlich und architektonisch miteinander verbunden werden – ganz im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Bäderentwicklung.

    Projektdaten

    (Links sind unterstrichen)

    Planer

    illiz architektur ZT GmbH
    Getreidemarkt 1/11
    A-1060 Wien

    Bauherr

    Stadt Wien, MA 44 - Bäder

    Eröffnung
    2024
    Adresse

    Trainingsschwimmhalle Großfeldsiedlung
    Oswald-Redlich-Straße 44
    A-1210 Wien

    Fotos

    Hertha Hurnaus
    Köstlergasse 3/9
    A-1060 Wien

    Text

    Johannes Bühlbecker
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