Stade Jean-Dauger
Stade Jean-Dauger in Bayonne
Neue Nähe
Patrick Arotcharen Agence d‘Architecture

Vom Übungsplatz zum Rugbystadion
Das Stade Jean-Dauger ist ein zentraler Bestandteil der Geschichte, Identität und Stadtkultur von Bayonne, einer Stadt im französischen Teils des Baskenlandes (53.000 Einwohner). Und ein modernisiertes Rugby-Stadion.
Seine Ursprünge reichen bis in das Jahr 1897 zurück, als der Student Pierre Fabre den Rugbysport in die Region zwischen Nive und Adour brachte. Aus den ersten Spielen junger Bayonner am Camp Saint-Léon entstand 1905 der Verein Stade Bayonnais, später Aviron Bayonnais, heute einer der traditionsreichsten Rugby-Clubs Frankreichs.
Das ursprüngliche Stadion wurde 1937 am südlichen Rand der Altstadt errichtet – eingebettet in den historischen Grüngürtel Bayonnes, der ursprünglich militärisch genutzt wurde und später als Park- und Sportlandschaft diente. In seiner frühen Phase vereinte das Stadion Rugby, Leichtathletik und Radsport; die Radrennbahn war sogar Ziel mehrerer Etappen der Tour de France. Mit der Zeit entwickelte sich das Areal jedoch zu einer reinen Rugby-Spielstätte, deren emotionale Bedeutung für die Region stetig wuchs. Nach seiner Renovierung fasst das Stade Jean-Dauger, die Heimat des Top-14-Clubs Aviron Bayonnais, nun rund 16.900 Zuschauer.
Die Planung stammt von Patrick Arotcharen Agence d‘Architecture.

14 Meter nach Westen
Die jüngste Um- und Neugestaltung des Sportkomplexes ist Teil einer übergeordneten städtebaulichen Strategie, die den historischen Grüngürtel Bayonnes stärkt und zugleich für zeitgemäße Mobilität, Aufenthaltsqualität und Mehrfachnutzung öffnet. Ziel war es, das Stadion nicht als isoliertes Sportobjekt, sondern als integralen Bestandteil des städtischen Freiraums zu begreifen.
Die grundlegende Veränderung bestand in der Verschiebung des Spielfelds um 14 Meter nach Westen. So konnten die Tribünen deutlich näher an das Spielfeld heranrücken – eine bewusste Abkehr von der früheren Geometrie eines Leichtathletik- oder Radsportstadions hin zu einem kompakten Kessel für Rugby. Diese neue Nähe zwischen Publikum und Spielfeld intensiviert Atmosphäre, Akustik und Identifikation.

Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist die enge Verzahnung von Architektur und Landschaft. Die neuen Tribünen sind zweirangig organisiert, mit großzügigen Umgangsflächen und einem weit auskragenden Dach. Von Osten und von der Straße aus scheint der Baukörper teilweise im begrünten Geländesprung zu verschwinden – seine Massivität wird durch Böschungen, Vegetation und Höhenstaffelung bewusst reduziert.
Ungewöhnlich für Stadionbauten dieser Größenordnung ist die Erschließung: Treppen, Stege und Umläufe liegen außerhalb der Tribünenkörper und führen die Besucherinnen und Besucher quasi durch den Park. Filigrane Stahlkonstruktionen, Sichtbeziehungen durch Baumkronen und Einblicke in die Innenräume der Tribünen erzeugen ein vielschichtiges räumliches Erlebnis zwischen Stadt, Park und Stadion.
Die vorgelagerten Plätze, Böschungen und Promenaden sind nicht nur funktionale Erschließungsräume, sondern urbane Aufenthaltsorte. Sie verbinden Stadion und Stadt und machen das Areal auch außerhalb von Spieltagen nutzbar – als öffentlicher Raum, Treffpunkt und Veranstaltungsort.

Vielfältigkeit und Atmosphäre
Ein weiteres zentrales Projektziel war die Öffnung des Stadions für vielfältige Nutzungen jenseits des Spielbetriebs. In den neuen Tribünen sind gastronomische Angebote, Lounges, Konferenz- und Veranstaltungsräume und außerdem verschiedene sportliche Angebote integriert. Besonders die Osttribüne beherbergt großzügige Innenräume mit ganz außergewöhnlicher und warmer Atmosphäre.
Die Räume sind bewusst verglast und sowohl vom Park als auch vom Spielfeld aus einsehbar. Massive Betonbögen strukturieren die Innenbereiche und verleihen ihnen eine starke architektonische Identität. Diese Sichtbarkeit des „Inneren“ – Konstruktion, Nutzung, Bewegung – macht das Stadion auch im Alltag lesbar und belebt.
Die Südtribüne nimmt eine besondere Rolle ein. Ihre unteren Ränge sind teilweise ins Gelände eingegraben, während die Hospitality-Bereiche direkt an das Straßenniveau anschließen. Es entsteht ein urbanes Szenario aus Vorplatz, Lounge, Arkaden und Spielfeldblick – auch von außen wahrnehmbar.
Die gerundete Ecke im Südosten verbindet die beiden Tribünen und beherbergt ein Restaurant, dessen gewölbter Raum die architektonische Linie der Arkaden fortsetzt und gleichzeitig Transparenz an den Stirnseiten ermöglicht.

AB Campus
Ergänzt wird das Stadionensemble durch den AB Campus auf der Westseite des Areals. Dieses Trainings- und Leistungszentrum vereint Amateur- und Profisport unter einem Dach und bietet Trainingshallen, Fitness- und Regenerationsbereiche, medizinische Einrichtungen, Büros und eine Kantine.
Architektonisch tritt der Bau bewusst zurück: Seine gewölbte Form folgt der Topografie und den neu geschaffenen Landschaftshügeln entlang der Busspur. Statt eines dominanten Solitärs entsteht ein Baukörper, der sich in den Grüngürtel einfügt und die historische Haupttribüne visuell freistellt. Materialität und Sprache sind reduziert – Sichtbeton, Holz, dunkelgrünes Mauerwerk und ein großes Aluminiumdach –, um Landschaft und Bestand wirken zu lassen.

Park, Olympia und Gemeinschaft
Da die Umgestaltung des Stade Jean-Dauger einige Jahre dauern würde, wurde das Gesamtprojekt bewusst in Bauabschnitte gegliedert. So konnte die Kapazität schrittweise von ursprünglich 13.500 auf heute 16.500 Plätze erhöht werden, ohne die Zukunftsfähigkeit des Gesamtkonzepts zu gefährden. Diese Strategie erlaubt es, auf finanzielle, sportliche und städtische Entwicklungen flexibel zu reagieren.
Heute präsentiert sich das Stade Jean-Dauger als modernes Rugby-Stadion internationalen Standards, das 2024 als Trainingsstätte für die Olympischen Spiele in Paris diente. Gleichzeitig bleibt es ein identitätsstiftender Ort für Bayonne – ein Stadion im Park, ein urbanes Bauwerk im Grünen und ein lebendiger Treffpunkt für Sport, Stadt und Gemeinschaft.
Projektdaten
Planer
Patrick Arotcharen
Agence d’architecture
4 Rue Monréjau
F- 64 100 Bayonne
Bauherr
SASP Aviron Bayonnais Rugby Pro
Eröffnung
Eröffnung
Adresse
Stade Jean-Dauger
8 Av. Fernand Forgues
F‑64100 Bayonne
Eröffnung
2025
Fotos
Text
Johannes Bühlbecker
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