Interview mit Ralf Maier

Interview mit Ralf Maier

Was das Herz berührt

Ein Gespräch mit Ralf Maier

Ralf Maier, Landschaftsarchitekt aus Köln, gestaltet Skatebahnen für soziale Projekte in der ganzen Welt. Warum Mädchen in Afghanistan auf Brettern, aber nicht auf dem Fahrrad fahren dürfen, wie man Handwerker für Afrika über Instagram findet und warum er vielleicht bald olympisch tätig sein könnte. Ein Gespräch über Integrationsarbeit auf ungewöhnlichem Terrain, geführt von Marcus Meyer (DOSB).

Herr Maier, Sie planen Skatebahnen, sind weltweit als Experte gefragt. Eine recht ausgefallene Tätigkeit für einen Landschaftsarchitekten. Das ist weniger exotisch, als Sie denken. In Deutschland gehört die Konzeption von Sportanlagen zur Aufgabe eines Landschaftsarchitekten; Sportplatz-, Landschafts- und Außenanlagenbau haben ähnliche Richtlinien. Die meisten Kollegen gestalten aber eher Spiel- und Freizeitanlagen auf Schulhöfen und in Kindertagesstätten, kümmern sich um Uferbegrünung und städtische Plätze.  

Wie sind Sie bei den Skateboardern gelandet? Ich komme aus dem BMX-Sport. Beide Sportarten, Skateboard- wie BMX-Fahren, fristeten in meiner Jugend ein Nischendasein in den Randbezirken der Städte, auf ziemlich langweiligen Bahnen. Der Grund: Die Rampen stammten von Spielgeräteherstellern. Und deren Normen sind weit strenger als jene für Sportplätze. Ich wollte es besser machen.

Sie haben eine Reihe von Skatebahnen in Afrika, Indien und Afghanistan in den Sand gesetzt. Wie kam es zu diesen Projekten? Den Ausschlag hat Titus Dittmann gegeben, der ja so eine Art Ahnenvater dieses Sports in Deutschland ist. Er war Anfang der 1980er-Jahre der größte Importeur von Skateboards und der dazugehörigen Schutzkleidung, die BMX-Fahrer ebenfalls benutzt haben. Titus hat uns damals ausgerüstet und gesponsert. Seitdem ist der Kontakt zu ihm nicht abgerissen. Irgendwann hat er mich angerufen und erzählt, dass er mit seiner Stiftung skate-aid einen Skatepark in Afghanistan bauen will. Sein Plan: Betonfertigteile aus Deutschland erst per Schiff, dann per Lkw 1.000 Kilometer durchs Land zu transportieren. Viel zu umständlich, habe ich gesagt, das klappt nicht. Solche Projekte muss man in Ortsbauweise umsetzen, mit Materialien aus der Umgebung.  

Und die Kinder in Ihre Planungen miteinbeziehen… Nur in Deutschland. Im Ausland geht das nicht, weil die Kinder meistens keine Ahnung von der Sportart haben. In Namibia haben wir die Anlage zudem für Kinder gebaut, die blind und taub sind. Wir planen aber generell so, dass jeder die Anlage seinen Fähigkeiten entsprechend nutzen kann, nicht so, als würden die Kinder bereits zehn Jahre auf dem Board stehen. Wenn sie wollen, können sie da auch nur rauf- und runterlaufen. Im Prinzip funktioniert die Anlage wie ein Sportplatz.

Ist der Auftrag mit dem Bau erledigt? Wer kümmert sich um die Nachhaltigkeit der Projekte? Dafür sorgen die Stiftungen. Es kommt aber öfter vor, dass Projektbetreuer nach kurzer Zeit den Ort verlassen. Jemand Neuen zu finden, ist nicht leicht. Außerdem erleben wir, wie versucht wird, Projekte für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. In Tansania etwa liegt die Skatebahn auf einem Kirchengelände. Irgendwann verlangte der Pfarrer, dass die Kinder vorm Spielen beten sollten. Das ist gegen unsere Prinzipien: Der Sport soll ohne Vorbedingungen und für alle Kinder möglich sein. Wir durchlaufen viele Lernprozesse: In Afghanistan haben wir den Kindern anfangs die Boards mit nach Hause gegeben, die wurden ihnen dann unterwegs von älteren Jugendlichen abgenommen. Nun werden die Bretter eingesammelt und nur zum Training rausgegeben.      

Was braucht es, um einen Park wie in Namibia zu bauen? Man benötigt Leute vor Ort, die das Projekt unterstützen, die die Netzwerke und Baupreise kennen. Unsere Erfahrung ist: Wenn man keine ansässigen Helfer findet, zahlt man schnell den drei- bis vierfachen Preis für die Materialien. In Namibia hat uns ein deutscher Verein geholfen, in Ruanda jemand vom SOS-Kinderdorf, das die Initiative auch angeschoben hatte.  

Und wie lösen Sie das handwerklich? Mit Spezialisten. Um die Oberfläche einer Skatebahn optimal herzurichten, sind mehrere Facharbeiter nötig, Könner an der Handkelle. Das ist absolute Feinarbeit, eigentlich mehr Kunst als Handwerk. Und die Leute müssen mit den klimatischen und kulturellen Bedingungen in den jeweiligen Ländern zurechtkommen, außerdem vertrauenswürdig und zuverlässig sein. Bei Letzterem haben wir schon negative Erfahrungen gemacht.  

Klingt nach einer schwierigen Suche. Wo findet man die richtigen Mitarbeiter für solche Projekte? Die Kontaktaufnahme läuft komplett über die sozialen Netzwerke. Mein Facebook- und Instagram-Account haben eine gute Reichweite. Wenn ich von unseren Projekten berichte, melden sich sofort Leute, die Lust haben mitzumachen. Die kommen überwiegend aus Europa, manche auch aus anderen Teilen der Welt. Beim letzten Skatepark in Bethlehem gehörten ein Engländer, ein Amerikaner, ein Deutscher, ein Syrer und ein Palästinenser zum Team.

Was treibt diese Menschen an? Wir realisieren die Projekte in den Wintermonaten, Januar bis März. Eine Zeit, in der Handwerker auf der nördlichen Halbkugel normalerweise weniger zu tun haben. Was sie lockt, würde ich als Mischung aus Abenteuerlust und Sozialengagement bezeichnen. Die haben einfach Spaß, dabei zu helfen, und sind deshalb bereit, für weniger Geld zu arbeiten. Wir bauen die Parks in der Regel für 30.000 bis 40.000 Euro. In Deutschland müssen sie mit dem vierfachen Preis kalkulieren.  

Ist ihre Arbeit im Preis enthalten? Die Projekte sind alle über Stiftungen finanziert und können nur mit sozialem Engagement umgesetzt werden. Wir planen die Bahnen ehrenamtlich, sind dafür bei der Umsetzung nicht dabei. Vier oder sechs Wochen unbezahlt in der Welt unterwegs zu sein, könnten wir uns nicht leisten. Zum Teil nehmen sich meine Mitarbeiter aber Urlaub, oder die Werkstudenten nutzen ihre Semesterferien, um vor Ort zu unterstützen. Ich selbst war vor ein paar Monaten in Namibia bei der Fertigstellung eines Skateparks dabei.

Was ist Ihre Motivation? Um das anfängliche Beispiel aufzugreifen: In Namibia haben wir mit drei Schulen zusammengearbeitet, eine für taube, eine für sehbehinderte und die dritte für körperlich gehandicapte Kinder. Es ist unbeschreiblich, wie sehr sich diese Kinder über die Skatebahn gefreut haben. Der Abschied war so emotional, da standen allen die Tränen in den Augen. Skaten hilft Kindern, Selbstvertrauen aufzubauen, Anerkennung zu bekommen, was viele von ihnen nicht gewohnt sind. Ich suche mit dem Engagement auch einen Ausgleich zum normalen Geschäft. Ich möchte etwas tun, was das Herz berührt.    

Vermutlich zahlt sich Ihr Engagement trotzdem aus. Natürlich sind das Referenzprojekte: kein Geld, dafür Image. Wir heben uns von Mitbewerbern ab, werden bekannter und das zieht neue Aufträge nach sich. Man lernt zudem eine Menge durch die Projekte in fremden Ländern und Kulturen. International zu bauen, das macht sonst kein Landschaftsarchitekturbüro in Deutschland. 95 Prozent unserer Aufträge sind mittlerweile Skateparks – an der Ostsee, im Schwarzwald oder in Bayern.

Ab 2020 ist Skateboardfahren olympisch. Hat sich Ihr Know-how bis zum IOC rumgesprochen? Vielleicht, in Köln sitzt immerhin die IAKS (Internationale Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen, Anm. d. Redaktion). Die wird vom IOC gefördert und vergibt alle zwei Jahre einen Award für vorbildliche Sportstätten. Wir sind dreimal gekürt worden, für die Projekte in Bethlehem, Tansania und Afghanistan. Insofern könnte das IOC uns kennen (lacht). Aber ganz ehrlich: Skateboarden ist so ein kleiner Programmpunkt bei Olympia und wer baut sich heutzutage noch einen Olympiapark in die Stadt?

Umbrella Sky Project

Umbrella Sky Project

Keine Welpen

Guerilla-Marketing: das Umbrella Sky Project in Águeda

Mary Poppins

Inspiriert von der jungen Nanny Mary Poppins, die mit ihrem Regenschirm vom Himmel steigt, erschien das Umbrella Sky Project erstmals im Jahr 2011 im Rahmen des jährlichen Kunstfestivals in der portugiesischen Stadt Águeda. Jeden Sommer beglücken die Designer von Sextafeira seitdem eine Handvoll der engen Straßen der Stadt mit bunten Regenschirmen, die den Passanten Schatten spenden. An den Dächern befestigt und mit Seilen verbunden werfen Hunderte dieser Schirme einen kreativen und kostengünstigen Schatten auf die auserwählten Straßen Águedas.

Vor allem aber bildet das Meer der Schirme ein einzigartiges Farbspektakel, das sowohl Stadt als auch Designer sehr schnell berühmt machte. Inzwischen wurde des Projekt weltweit exportiert.

Guerilla-Marketing

Das Umbrella Sky Project besteht neben den Schirmen aus bunten künstlerischen Installationen, die über Águeda verstreut sind. Der Himmel  aus im Winde wehenden Regenschirmen ist allerdings das wirklich starke Element des Projekts, das es weltweit bekannt gemacht hat.

Sextafeira gründeten sich im Jahr 2004 „mit dem Willen, eine einzigartige Position in der heutigen, von Kommunikation durchdrungenen Gesellschaft einzunehmen. Wir nutzen Guerilla-Marketing, um die Herzen und Köpfe unserer Kunden zu erreichen.“ Haupttaktik ist der Einsatz ungewöhnlicher Mittel und Aktionen unter dem Motto „keine Flyer, keine Banner, keine Welpen“.

Jedes Jahr wird ein anderes Thema gewählt, an dem die Installationen und Dekorationen in Águeda ausgerichtet werden.

Farbe ins Spiel

Das Ziel der Designer ist es, Farbe ins Leben, in die Grauzonen der Stadt zu bringen – und Touristen und vorbeikommenden Bewohnern ein Lächeln zu entlocken. Eine einfache Idee, die Leben, Farbe, ein anderes Licht und sogar Schutz in den öffentlichen Raum bringt – mit einem enormen Wiedererkennungswert für die Stadt Águeda.

Das Meer der Regenschirme bringt Farbe in die engen Gassen. Während sie in der Luft magisch zu schweben scheinen, werden die Schirme tatsächlich von einer Schnur gehalten. Die leuchtende Idee zieht nicht nur Aufmerksamkeit auf sich, sondern verschönert auch den Alltag. Daher wird das Umbrella Sky Project von Touristen und Einheimischen gleichermaßen geliebt.

Wie Weihnachten

Das Umbrella Sky Project ist sehr schnell zu einer festen Institution geworden, zu einem wiederkehrenden Fest, auf das sich alle freuen.

Die Designer Sextafeira starteten Ableger in anderen Städten wie Lissabon, wo sie bunte Luftballons über städtische Gassen hängten. Bunte Schirme hingen bereits in vielen Ländern Europas, aber auch in den USA.

Das Projekt kostet nicht viel Geld und fördert Handel, Gewerbe und die Region selbst, sagen die Designer. Recht haben sie.

Projektdaten

Designer

SEXTAFEIRA
Jardim Conde Sucena, Águeda
PT  3754-130 Águada

Bauherr

Stadt Águeda

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Eröffnung

Jedes Jahr aufs Neue

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Autor

Sextafeira Produções

Johannes Bühlbecker,
More Sports Media

Standort

R. Luís de Camões 111
PT – 3750-101 Águeda

Luftbild

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Bilder

Installationen

Videos

La Doce

La Doce

Was Großes

La Doce in Mexiko-Stadt

Fußballl

„La Doce“ ist nicht nur ein Sportplatzbau in einer schwierigen Gegend. La Doce ist ein kollaboratives Projekt in Mexiko-Stadt, das auf zwei Säulen ruht: einem Netzwerk und dem Wunsch nach Veränderung. Veränderung meint in diesem Zusammenhang die Entwicklung qualitativ hochwertiger öffentlicher Räume in vernachlässigten städtischen Gebieten, und dies weltweit.

Der Fußball hat die Kraft, solche Veränderungen anzuschieben: Es ist die weltweit populärste Sportart, hat die meisten „Follower“ und bewegt emotional wie wirtschaftlich. So sehr, dass er sogar als Motor der Stadtentwicklung taugt – La Doce ist dafür ein weiteres schönes Beispiel.

Teilnahme

Beim Fußball und bei La Doce geht es ums Teilnehmen, um das Dabeisein. Wir können mitspielen oder zuschauen – und wir beobachten, dass es jenseits des Spiels diese enorme soziale Komponente gibt. La Doce ist der Rahmen für ein „Hobby“, das es uns ermöglicht, zu kommunizieren und uns zu vernetzen – ein Ereignis, das die sozialen Schichten nicht trennt, sondern verbindet. Mannschaftssport halt.

love.fútbol

Dieses „Manifest“ ist die Grundlage, auf der das Netzwerk aktiv wird. „love.fútbol“ ist eine Non-Profit-Organisation, die in Marokko entstand und inzwischen Dutzende von Projekten in Lateinamerika, Asien und Afrika realisiert hat. Allen Projekten gemeinsam sind ihre Ziele: freier Zugang, Betrieb und Pflege durch die Gemeinde sowie Raum zum Wachsen.

love.fútbol will die Gemeinden mobilisieren und dazu verpflichten, ihre eigenen Fußballfelder als nachhaltige Plattformen für den sozialen Wandel zu planen, zu bauen und eben auch zu betreiben. Durch die Verwaltung und das Sponsoring verschiedener Einrichtungen fördert und verwirklicht love.fútbol die Sanierung und Wiederherstellung von brachliegenden Sportplätzen in vernachlässigten städtischen Gebieten weltweit und baut qualitativ hochwertige öffentliche Räume.

Projektdaten

Architekt

All Arquitectura 

Team: Josemaria Quintanilla, Rodrigo Guardado, Salvador Guardado, Alejandro Guardado, Eduardo Ugalde & Judith Valerio

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Fotograf

Luftbilder: © Zaickz Moz
Sonstige Bilder: © Marcos Betanzos 

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Autor

Johannes Bühlbecker
More Sports Media

All Arquitectura 

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Eröffnung

2018

La Mannschaft

love.fútbol ist der Promotor, das junge Architekturbüro All Arquitectura aus Mexiko-Stadt der Gestalter. Mit diesem Team, und mit der Unterstützung des englischen Premier-League-Clubs Manchester City, startete das Projekt. Die Integration lokaler Partner ist für die Arbeit von love.fútbol von großer Bedeutung, also wurde die Bürgerinitiative Natlik als Ansprechpartner vor Ort „engagiert“.

Standort

Das Projekt befindet sich in der Gemeinde Valle de Chalco, am östlichen Rand der mexikanischen Hauptstadt. Die Gegend ist durch den Zuzug vieler indigener Gruppen aus allen Landesteilen dramatisch angewachsen – soziale und gesellschaftliche Angebote fehlen. Das Ergebnis sind eine geringe soziale Identität und eine hohe Kriminalitätsrate.

La Doce ist die koordinierte Anstrengung von Designern, Architekten, Künstlern, Organisationen und Nachbarn, die diese Missstände durch Gemeinsamkeit, Verantwortung und Fußball ändern will – und geändert hat.

Projekt

Das Projekt besteht aus zwei Bereichen: dem Spielfeld und dem Drumherum. Das Spielfeld misst 15 x 25 Meter und ist dank der Tore und Körbe für Fußball, Basketball und andere Aktivitäten nutzbar. Es wurde ganz nah an die Grundstücksgrenzen heran gebaut, so dass viele Platz für anderes bleibt.

Das Grundstück schafft für Fußgänger eine Verbindung zwischen den angrenzenden Straßen im Norden und Süden. Im Süden wird die Anlage über eine Freifläche erschlossen, die unter anderem Sandsäcke für das Boxtraining zu bieten hat. Zwischen Vorplatz und Spielfeld liegt ein offener Pavillon, der unter einem großen Dach mehrere Funktionen integriert: ein kleines Büro, ein Lager, Toiletten und eine Werkstatt. Eine betonierte Fläche im Westen des Spielfelds fasst einige Zuschauerplätze und eine Bühne für Begegnungen und Aufführungen – nach Wunsch der Planer zum Beispiel für künstlerische Präsentationen der vielen ethnischen Ursprünge, die das Valle de Chalco ausmachen. Auf dem Nachbargrundstück befinden sich eine verlassene Bibliothek und ungenutzte Flächen, die in einer zukünftigen Phase in das Projekt integriert werden können und sollen.

Zeichen

Auffällig und aufmerksamkeitsstark ist vor allem die farbliche Gestaltung des Spielfelds. Dieser hohe Wiedererkennungswert schafft Identifikation, schützt (hoffentlich) vor Vandalismus und sensibilisiert Sponsoren und Öffentlichkeit.

Das alles können Sport und Architektur schaffen, wenn sie von einem tatkräftigem Netzwerk getragen werden.

Bilder

Videos

Carpa Olivera

Carpa Olivera

Rutsche und Meerjungfrau

Carpa Olivera in Mexiko

Geschichte

Ursprünglich 1915 erbaut und inspiriert von den Meeresbecken in Lissabon, war und ist die Carpa Olivera ein mit Gezeitenwasser gespeistes Schwimmbecken am Strand von Olas Altas im historischen Zentrum von Mazatlan, einer Stadt im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa. Viele berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit versammelten sich hier, die Touristen kamen in Strömen. Im Jahr 1954 wurde Carpa Olivera von einem Hurrikan verwüstet und zunächst nicht wieder aufgebaut. Mit der Zeit aber kamen die Leute wieder, um den Pool zu benutzen. Im Jahr 2004 wurde die Anlage wieder aufgebaut und modifiziert, fiel aber bald Verwahrlosung und Vandalismus zum Opfer.

Idee

Dieser unbefriedigende Zustand rief das Colectivo Urbano auf den Plan – einen Zusammenschluss von Architekten, Landschafts- und Stadtplanern, das Ideen zur Verbesserung seiner Stadt, also Mazatlan, entwickelt. Dieses Kollektiv schlug dem Eigentümer (Mazatlan Investment Unit) vor, den bedeutenden öffentlichen Raum durch eine Erweiterung zu retten. Dazu sollte der Gezeiten-Pool wieder hergestellt werden und um ein neues spielerisches Element bereichert werden: eine spiralförmige Rutsche, die neben dem traditionellen Publikum (Einheimische und Touristen) auch Familien und Kinder anlockt.

Rutsche

Die Rutsche steht da wie eine robuste und einzigartige Skulptur am Meer. Das ist gut. Das neue, familiäre Publikum übt zudem eine gewisse soziale Kontrolle über die Anlage aus. Eine weiterer, für den nachhaltigen Erfolg der Anlage wichtiger Punkt ist natürlich ihre Wirtschaftlichkeit. Die wird nun durch eine Art Kiosk direkt am Schwimmbecken verbessert. Darüber befindet sich ein offener Bereich mit der schon vorhandenen Skulptur einer Meerjungfrau. Hier gibt es auch Sitzplätze und jede Menge bester Aussicht über die Küstenlandschaft und auf das Meer.

Rampe

Eine Rampe verbindet die Aussichtsebene mit der Beckenebene und der Rutsche. Auch hier sind nun Sitzgelegenheiten vorhanden, von denen aus man sich erholen oder seine Kinder beaufsichtigen kann. Neben dem Kiosk gibt es hier Schatten unter Kokospalmen, Toiletten und Duschen – auch dies wichtige Infrastruktur.

Projektdaten

Architekt

Colectivo Urbano
Architektur:
[H] arquitectos
Jacqueline Meixueiro, Roberto Díaz, Javier Hidalgo
EPArquitectos
Emilio Castañón, Erick Pérez , David Escobar.

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Team

Catalina López, Sacnité Flores, Francisco Pérez, Manuel Bernal, Georg Glaubitz

Hauptnutzer

Mazatlan Investment Unit

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Eröffnung

2014

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Autor

Colectivo Urbano

Johannes Bühlbecker,
More Sports Media

Adresse

Mazatlán
Sinaloa
Mexiko

Luftbild

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Bilder

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Red Carpet

Red Carpet

Dream a little dream (of me)

Der Red Carpet in Shanghai

East Nanjing Road

Der Red Carpet (Roter Teppich) entsteht am Century Square auf der East Nanjing Road, der wohl berühmtesten und glamourösesten Fußgängerzone im Herzen von Shanghai. Diese Straße war schon immer ein wichtiges historisches Bindeglied zwischen Ost und West. Sie verband den Hafen mit der Stadt und wuchs zur Haupthandelsplattform mit kultureller und sozialer Bedeutung. Die Bedeutung der Straße ist bis heute enorm geblieben. Aktuell ist die East Nanjing Road die Geschäftsstraße in Shanghai, die täglich Tausende von Fußgängern, Einheimischen und Touristen empfängt und durch ihre multikulturellen Besucherströme und ihre kommerziellen Geschäfte besticht. Derzeit ist der Century Square eine ebene, autofreie Freifläche mit einer kleinen Bühne, die allerdings nur selten genutzt wird, obwohl die gesamte East Nanjing Road bisher keine weiteren Bühnen bereit hält. Es fehlt ein attraktiver Veranstaltungs- und Aufenthaltsort, ein neues Wahrzeichen für den städtischen Raum hier.

Red Carpet – der rote Teppich

Das Projekt „Red Carpet“ nimmt die Bedeutung von Straße und Platz auf und bereichert den Century Square um einen spektakulären Veranstaltungsort – und um Verkehrs- und Verkaufsflächen sowie terrassierte Bereiche. Dadurch entsteht ein neues, sehr intensives Segment in der Fußgängerzone von Nanjing. Der vorhandene Raum wird erweitert und erhält ganz neue, stimulierende Eigenschaften: Gucken, Sitzen, Picknicken, Flanieren, Sehen und gesehen werden… Ausdrücklich lässt der Red Carpet nach Aussage der Planer von „100 architects“ auch Träume zu. Sie wollen eine Plattform schaffen, die den Wunsch „nach Ruhm und Anerkennung in die bestehende soziale Dynamik der East Nanjing Road integriert“. Dies erklärt die Form des offene Amphitheaters, die Passanten einlädt, in der surrealen Atmosphäre von Design, Schmuck und Glamour lebendige Shows zu genießen – oder eben zu prägen. Hier kann jeder ein Star sein. Theoretisch.

Architekt

100 architects Shanghai

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Autor

Johannes Bühlbecker More Sports Media

Starke Identität

Das dominante Rot schafft eine ganz eigene Ästhetik und ein sehr starke Identität, die außergewöhnliche Erlebnisse und Events ermöglichen sollen. Der rote Teppich mit seinen gigantischen Ausmaßen entfaltet sich von den Fassaden des Gebäudes im Norden von oben nach unten über den Square bis hinauf zu den höchsten Terrassen. Der „überdachte“ Raum im Süden, also der Bereich unter Terrassen oder Tribünen, ermöglicht verschiedene Nutzungen. Nahe am Square, wo sich der direkte Kontakt zu den Passanten ergibt, befinden sich Markt, Geschäfte und ähnliches, die darüber hinaus den sicher manchmal sehr willkommenen Sonnenschutz bieten. Weiter im Inneren finden sich dann gastronomische Angebote, öffentliche Toiletten und andere Annehmlichkeiten.

Raum und Struktur

Die Struktur des Red Carpet besteht aus Metallbindern, die das Gerüst für die Betonfertigteile bilden. Aus diesen wiederum werden die horizontalen Terrassen, Sitze und Flächen geformt, während die anderen Elemente aus rotem Holz und roten Metallplatten bestehen. Im vorderen Teil verhüllt die vertikale Metallkonstruktion die Gebäude mit perforierten Metallpaneelen, die viel Licht und Luft von außen hereinlassen. So wird es möglich, diese riesige Fläche inklusive der Fassaden für öffentliche Feste, Projektionen und Aufführungen zu nutzen. In den ersten beiden Ebenen gibt es Öffnungen, die den direkten Zugang zum bereits bestehenden Einzelhandel ermöglichen und dessen Marktwert so sicher nicht schmälern, sondern eher erhöhen. Der Century Square auf der East Nanjing Road ist schon jetzt ein Ort zum Träumen, zum Beispiel von einem Leben in Luxus. Der Red Carpet bietet diesem und anderen Träumen eine Bühne. Gleichzeitig transformiert er historisch bedeutsame Strukturen sehr spektakulär in die Welt von Konsum und Marktwirtschaft.

Pavillon d’Eau

Pavillon d’Eau

Zu Gast beim Weltkulturerbe

Der Pavillon d’Eau am Genfer See

Ort

Der Pavillon d’Eau ist bzw. war ein temporärer Pavillon aus Holz und Porzellan, der im Jahr 2017 auf dem Genfer See errichtet wurde. Es wurde im Rahmen einer Abschlussarbeit an der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) realisiert. Der Pavillon d’Eau entstand aus der Zusammenarbeit der beiden wichtigsten Schweizer Universitäten EPFL und Haute école d’art et de design – Genève (HEAD) mit der Gemeinde Saint Saphorin (393 Einwohner).

Der vom EPFL-Studenten Alexander Wolhoff entworfene Pavillon ist das Ergebnis von sechs Monaten Forschung, Prototyping und dem Dialog zwischen verschiedenen lokalen und akademischen Institutionen und Akteuren. Geboren an der EPFL und insbesondere in den Labors ALICE und LHT3, wurde das Projekt auch durch eine Partnerschaft mit dem CERCCO-Labor (HEAD) voran getrieben. Hier wurden die Porzellanfliesen einzeln von Hand gefertigt. Die Dicke der Fliesen variiert zwischen 1,3 mm und 2 mm; die 150 Stück messen 213 mm auf 293 mm.

Entwurf

Die UNESCO-Weltkulturerbe-Gemeinde Saint-Saphorin en Lavaux am Genfer See war Gastgeber des ephemeren Pavillons. Der Entwurf und die Materialien Holz und Porzellan wollten die geschichtliche und kulturelle Bedeutung des Ortes südöstlich von Lausanne hervorheben und sein kristallines Relief aus Wellen und Alpenkämmen aufwerten. Das gesamte Projekt sollte keinerlei Spuren am See hinterlassen. Das Äußere des Pavillons wird von seinem Tragwerk strukturiert, sein Innerer ist nur im Wasser sichtbar und durchaus ornamental. Die Porzellanfliesen – Bleu de Sèvre emailliert – und ihre besondere Form spielen mit der Brechung der Sonnenstrahlen und des Sees als Versuch, die Blendung des Ortes einzufangen.

Architekt

Alexander Wolhoff
École polytechnique fédérale de Lausanne

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Team

EPFL: D. Dietz, Raffel Baur
LHT3; R. Gargiani, Me R. Fiechter
HEAD: M. Gerber, I.Schnederle, J-P. Greff.

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Fotograf

Alexander Wolhoff

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Autor

Alexander Wolhoff

Adresse

Lake of Geneva (Léman)
Plage des Bains Reymon
CH – Saint-Saphorin

Luftbild

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Eröffnung

2017

Bilder

Zalige-Brücke

Zalige-Brücke

Hochwasser als Spektakel

Die Zalige-Brücke in Nijmegen

Leben mit dem Wasser

Die Niederländer wissen, wie man mit dem Wasser lebt. Die Zalige-Brücke in Nijmegen von NEXT Architekten, in Zusammenarbeit mit H+N+S Landscape Architects, ist ein weiterer Beweis dafür. Die Brücke taucht langsam in das ansteigende Wasser des Flusses Waal ein und ist bei Hochwasser nur durch Trittsteine erreichbar. Der ultimative Ort, um Hochwasser als Spektakel zu erleben.

In Nijmegen werden Wasserstände von bis zu 11,50 m NAP+ gemessen. Diese Höhe wurde in den letzten 15 Jahren nur einmal erreicht. Früher wäre das eine Bedrohung gewesen, jetzt wird das Hochwasser zur Attraktion. Die Menschen spazieren über die Brücke und durch den Flusspark, um das Hochwasser zu sehen und zu erleben.

Ein Bypass für den Fluss

Das Klima verändert sich und bewirkt, dass Flüsse mehr und mehr Wasser mit sich führen. Um Überschwemmungen vorzubeugen, räumt das landesweite Projekt „Room for the River“ den Flüssen mehr Raum ein. Die Zalige-Brücke ist Teil der Maßnahme. „Raum für die Waal“ ist das größte Teil-Projekt und beinhaltete die Verlegung des Deiches und den Bau eines Nebenkanals in den Überschwemmungsgebieten: ein Bypass für den Fluss. Die Zalige-Brücke wurde im März 2016 fertiggestellt. Michel Schreinemachers, Partner bei NEXT architects, betont die Beziehung zwischen Brücke und Landschaft: „Diese Brücke wurde in die Auen gebaut. Wir wollten eine Brücke entwerfen, die einen Weg über das Wasser ermöglicht und mit der Flusslandschaft interagiert.“ Normalerweise hat der Fluss eine durchschnittliche Höhe von 7 m NAP+. Dann steht die Brücke hoch über dem Wasser. Die Brückenpodeste und die Trittsteine sind perfekt auf das Profil der Landschaft abgestimmt. Wenn der Wasserpegel steigt, gehen Teile der Brücke unter, ihr Aussehen und ihre Nutzung verändern sich. „Die Brücke macht die wechselnden Wasserstände erlebbar“, sagt Schreinemachers.

Architekt

NEXT architects  Paul van Vlissingenstraat 2a NL – 1096 BK Amsterdam

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Team

Michel Schreinemachers, Marijn Schenk, Bart Reuser, Jurriaan Hillerström, Luuc Sonke, Maarten Vermeulen, Ingeborg Kuijlaars

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Bauherr

Stadt Nijmegen

Bauunternehmen

I-Lent (Dura Vermeer Divisie Infra BV en Ploegam BV)

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Fotograf

© NEXT architects / Photographs: Jan Daanen
© NEXT architects / Photographs: Rutger Hollander
© NEXT architects / Photographs: Jeroen Bosch
© NEXT architects / Photographs: Jennie Burgers

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Autor

NEXT architects 

Adresse

Zaligebrug NL – 6541 AH Nijmegen

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Eröffnung

2016

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Baukosten

4.700.000 €

Kein Hochwasser / Hochwasser

Schnitt

Hochwasser als Spektakel

Im Januar 2018 hat sich die Zalige Brücke erstmals bewährt. Der Wasserstand stieg auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Das Hochwasser wurde zur Attraktion und die Brücke zum ultimativen Erlebnisort. Das ganze Jahr über hat die Waal eine durchschnittliche Höhe von 7 m +NAP und die Brücke steht hoch über dem Wasser. Als der Fluss 10,5 m +NAP erreichte, tauchten die Brückenpodeste unter und die Trittsteine wurden der einzige intermittierende Weg, der den Zugang zur Brücke ermöglichte. Die Menschen gingen über die Brücke und durch den Flusspark, um das Hochwasser zu sehen und zu erleben. Als die Trittsteine unter Wasser kamen, wurde die Brücke unzugänglich.

Mehr Geschichten erzählen

„Das Bewusstsein für die Fragen des Wassers ist leider noch immer gering“, sagte Henk Ovink, Sonderbeauftragter für internationale Wasserangelegenheiten in den Niederlanden. „Also müssen wir mehr Geschichten erzählen, damit die Leute verstehen, wie wichtig das Thema Wasser ist.“ Genau das tut die Zalige-Brücke: Sie unterstreicht den dynamischen Charakter des Wassers, indem sie die Menschen die sich verändernde Flusslandschaft sehen und erleben lässt. Damit zeigt sie Wege auf, mit dem Wasser zu leben – nämlich indem wir ihm genügend Raum geben. If you can’t beat them, join them.

Bilder

Cirkelbroen

Cirkelbroen

Creative Reality

Cirkelbroen in Christianshavn

Ein Fest für Fußgänger

Cirkelbroen ist eine Fußgängerbrücke mit fünf runden Plattformen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Sie überspannt den Kanal im Stadtviertel Christianshavn und verbindet Christiansbro mit Applebys Plads. Seit Jahren war es Ziel der Stadt Kopenhagen, eine zusammenhängende Uferpromenade zu schaffen.

Cirkelbroen ist ein Fest für Fußgänger. Die Bücke spiegelt das tägliche Leben rund um den Kanal und die Umgebung von Christianshavn mit seinen Hausbooten, den Segelbooten und den Stadtmauern wider. Der Hafen von Kopenhagen war einst ein Zentrum maritimer Aktivitäten, und Cirkelbroen ist ein Zeugnis dieser Geschichte. Bei Entwurf und Realisierung der Brücke erinnerte sich der Künstler und Planer Olafur Eliasson an die Fischerboote, die er als Kind in Island sah. Im Hafen lagen die Boote oft direkt nebeneinander, und manchmal schien es, als könnte man den Hafen durchqueren, indem man einfach von Boot zu Boot hüpft.

Eine andere Perspektive

Cirkelbroen mit seinen fünf runden Plattformen ist Teil eines größeren Kreises, der eine Fußgängerroute rund um den Hafen von Kopenhagen bildet. Hier können die Menschen beim Radfahren, Laufen oder Gehen die Stadt aus einer anderen Perspektive sehen.

Täglich überqueren bis zu 5.000 Menschen diese Brücke. Sie sollen Cirkelbroen als Treffpunkt nutzen. Die Zickzackgestaltung will die Geschwindigkeit der Passanten reduzieren und sie dazu bringen, eine Pause einlegen. „Auf unserem Weg zu zögern bedeutet, sich auf ein körperliches Empfinden einzulassen.“ So sieht das Olafur Eliasson. Solche Wahrnehmungen nennt der Planer dieser Brücke einen wesentlichen Bestandteil einer lebendigen Stadt.

Designer

Studio Olafur Eliasson
Christinenstraße 18/19, Haus 2
D – 10119 Berlin

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Team

Sebastian Behmann, Robert Banović, Jan Bünnig

Bauherr

Nordea-fonden

Hauptnutzer

Stadt Kopenhagen

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Autor

Olafur Eliasson

Fotograf

Anders Sune Berg

Adresse

Cirkelbroen
Johan Semps Gade
DK – København K

Luftbild

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Eröffnung

2015

Inklusion und Tradition

In Dänemark gibt es eine starke Tradition der Inklusion und Akzeptanz: Ideen, die wir noch nicht hatten, Menschen, denen wir noch nicht begegnet sind, und unvorhersehbare Begegnungen. Es ist etwas, woran wir alle gemeinsam arbeiten müssen, und eine Möglichkeit, dies anzugehen, besteht darin, wie wir den öffentlichen Raum planen. Cirkelbroen wird zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Entwicklung einer gastfreundlichen und integrativen Stadt beitragen.

Emotionale Qualitäten

Überhaupt Kopenhagen. Was die Qualität städtischer Räume und ihre Atmosphäre ausmacht, hat die dänische Hauptstadt viele Vorbilder zu bieten. Hier ist ein weiteres. Natürlich kann man Atmosphäre nicht planen, da sie von den Menschen, die den Raum nutzen, koproduziert wird. Es ist aber offenbar möglich, eine Atmosphäre zu pflegen und wachsen zu lassen. Als Künstler arbeitet der Designer Olafur Eliasson mit abstrakten und emotionalen Qualitäten, und die bringt er hier ein. Politiker, Stadtplaner und Entwickler sollen ihre Bordmittel erweitern, indem sie die „Creative Reality Producers“ in die Entwicklung urbaner Räume einbeziehen: Künstler, Sozialwissenschaftler, Soziologen, Anthropologen, Historiker, Tänzer, Dichter, Umweltaktivisten und Philosophen. Guter Plan.

Bilder

Videos

Moses Bridge

Moses Bridge

Die durch das Wasser gehen

Die Moses Bridge bei Bergen op Zoom

Geschichte

Die Moses Bridge entstand in geschichtsträchtiger Umgebung im Südwesten der Niederlande im Rahmen der Rekonstruktion historisch bedeutender Anlagen, die heute als Freizeitgebiet zugänglich sind.

Die „West Brabantse Waterlinie“ ist eine historische Verteidigungslinie, die aus einer Reihe von Festungen und Städten mit Überschwemmungsgebieten rund um Bergen op Zoom besteht. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde während des 80-jährigen Krieges errichtet, um die Spanier aufzuhalten. Fast 400 Jahre später wurden und werden die Fort und Verteidigungs- und Wasserlinien nun schließlich – zu friedlichen Zwecken – wiederhergestellt. Dabei wurde auch eine Zugangsbrücke über den Graben einer der damals fast 50 Festungen, nämlich des Fort de Roovere, benötigt: Das Ergebnis ist die Moses Bridge.

Festung

Die Festung ist nun keine Festung mehr, sondern Teil eines Freizeitgebietes mit zahlreichen überregionalen Rad- und Wanderwegen. Es war früher – als die Verteidigungsanlagen noch Verteidigungsanlagen waren – natürlich höchst unzulässig, Brücken über die Gräben dieser Verteidigungsanlagen zu bauen. Dies galt insbesondere für die Seite der Festung, von der der Feind erwartet wurde.

Architekt

RO+AD Architecten
Van der Rijtstraat 40 
4611PR 
NL – Bergen op Zoom 

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Team

Ro Koster, Ad Kil, Martin van Overveld

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Bauherr

Stadt Bergen op Zoom

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Eröffnung

2011

Adresse

Schansbaan 8
NL – 4661 PN Halsteren

Luftbild

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Fotograf

Katja Effting

Autor

Johannes Bühlbecker
More Sports Media

Schnitte

Idee

Diese geschichtlichen Voraussetzungen nahmen die niederländischen Architekten Ro Koster und Ad Kil zum Anlass, die Moses Bridge als eine annähernd unsichtbare Brücke zu entwerfen und zu bauen. Die Brücke liegt wie ein Graben in der Festung, der sich in die Umrisse der Landschaft einfügt. Die Konstruktion ist komplett aus Holz und mit EPDM-Folie abgedichtet. Die Moses Bridge ist aus der Ferne nicht zu sehen, da der Boden und das Wasser bis an den Rand reichen. Damit der Wasserpegel gleich und die Besucher trocken bleiben, wurden auf beiden Seiten des Grabens Überläufe angelegt, die das überschüssige Wasser ableiten.

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Sichtbares Tragwerk oder so etwas wie eine Brüstung oder ein Geländer gibt es nicht.  Wenn man näher kommt, öffnet sich die Festung durch einen schmalen Graben. Die Besucher können wie Moses über das Wasser laufen. Eigentlich laufen sie allerdings nicht über das Wasser, sondern durch das Wasser. Das Wasser zu teilen, hat aber auch was.

Bilder

Video

Stade du Merlan

Stade du Merlan

Von den Schildkröten lernen

Neues Gebäude für das Stade du Merlan in Marseille

Schwierige Nachbarn

Planung und Bau des neuen Nebengebäudes für das Stade du Merlan in Marseille gingen von zwei grundsätzlichen Voraussetzungen aus: der Wunsch des öffentlichen Auftraggebers, eine (schwierige) Nachbarschaft nicht zu stigmatisieren, und der Wunsch, sich für Architektur zu entscheiden. Der Standort war lange Zeit sich selbst überlassen worden und Schauplatz von verbrannten Autos und Kleinkriminellen aller Art. Die Randbedingungen waren bekannt, die Spezifikationen klar definiert:

  • Ein benachteiligtes Viertel, das von Kriminalität geplagt ist.
  • Das notwendige „Management“ unerwünschter Eindringlinge
  • Ein Gitter, das unmöglich zu überqueren und gegen Angriffe resistent ist
  • Ein Gebäude, das Einbrüchen, Graffitis, zerbrochenen Fenstern, Hausbesetzungen widersteht
  • Einfache Wartung, einfache Instandhaltung

Bunker vs. Schildkröte

Die Bedeutung von Architektur nimmt unter solchen Voraussetzungen eindeutig zu. Das ATELIER NAOM* (New Architectes Of’ Marseille) entschied sich gegen die in Gegenden wie dieser verbreiteten Bunker-Architektur – und für das Vorbild der Schildkröten. Das neue Umkleidegebäude für das Stade du Merlan wurde fast komplett eingegraben, nur die Zugänge sind sinnigerweise gut erreichbar. Das schützt Fassaden und Dächer vor den bereits genannten Problemen und macht den Zugang leichter zu kontrollieren. Darüber hinaus entstand auf dem Gebäude eine Grünfläche, die hier bisher sehr fehlte. Diese überraschende und doch so funktionale Antwort verändert auch die Ästhetik des Ortes: es entstand eine Luftblase, ein besonderer Ort des Sports und der Erholung, der den Schulen und Bewohnern gewidmet ist. Das Projekt leiht sich ein pflanzliches Vokabular, um einen sehr besonderen Freiraum zu schaffen.

Architekt

ATELIER NAOM* (New Architectes Of’ Marseille) 467 avenue de mazargues 13008 Marseille Frankreich
et-

Bauherr

STB Northeast 20 Bd Françoise Duparc 13 004 Marseille Frankreich
fa-

Adresse

Avenue de l’escadrille Normandie-Niemen Marseille 13e Frankreich

Luftbild

Danke, Google!
fa-

Autor

ATELIER NAOM*
fa-

Fotograf

ATELIER NAOM*
fa-

Baukosten

3.265.000 €
fa-

Eröffnung

2016
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Materialien

Die verwendeten Materialien rund um das Stade du Merlan wirken – wie das Konzept – auf den ersten Blick ein wenig bizarr, haben aber absolut Sinn: Die Patina aus Cortenstahl, in warmen Farbtönen von Orange bis Braun, die an die Farbe der Erde erinnern, verbindet sich mit den grünen Hängen, die von Blumen und Brachland übersät bzw. geprägt sind. Die einzelnen Teile des Zauns, die von weitem wie eine geschlossene Fläche wirken, verflüchtigen sich schnell wie Zweige und lassen Ein- und Durchblicke zu. Vor allem erlauben sie, das Gelände zu schließen. Das macht man anderswo auch, hier hat der Zaun auch eine wahrnehmbare und gut gestaltete Verbindung zum nahen städtischen Kontext. Die Ästhetik dieses Zauns will uns sagen: NAOM* wollen keine Barrikaden bauen, sondern im Gegenteil Verbindungen schaffen.

Die Sirenen der Standardkataloge

Auch aus praktischer Sicht ist die Wahl eines Werkstoffes wie Cortenstahl eine nachhaltige Entscheidung, denn er ist langlebig und pflegeleicht: Nach dem Schleifen (z.B. eines Graffitis) regeneriert sich die Patina von selbst. Die gesamte Stadtmöblierung wurde für diesen Standort, für das Stade du Merlan, entworfen. Die Architekten legen Wert darauf, auch in jedem Detail vom Baumraster bis zur Beschilderung im Inneren ihrer Rolle als Designer gerecht zu werden und „den Sirenen der Standardkataloge“ zu widerstehen. Das hat geklappt.

Fotos

Barrancabermeja

Barrancabermeja

Architektur ist Action

Überdachung für die Parks von Barrancabermeja

Barrancabermeja

Diese überdachte Fläche mit Freizeit- und Sporteinrichtungen befindet sich in Barrancabermeja, einer Stadt mit 191.000 Einwohnern im Norden Kolumbiens, am Ufer des Flusses Magdalena. Das insgesamt 7.000 Quadratmeter große öffentliche Zentrum ist durch eine modulare Struktur geschützt, die auf schlanken Säulen ruht und zukünftige Erweiterungen ermöglicht. Das System der langgestreckten Rhomben beinhaltet Öffnungen zum Filtern des Sonnenlichts und außerdem Ventilatoren, Sprinkler, Lautsprecher und eine Beleuchtungsanlage.

Prototyp

Ziel dieses Projektes ist es, den Prototyp eines offenen Raums für die Parks von Barrancabermeja in einem schwierigen sozialen Umfeld zu schaffen, der der Rolle der Gemeinschaft stärkt. Das modulare System besteht aus einem langgestreckten Rhombus, das sich vervielfacht und in einem Grundmodul oder einem Komplementärmodul wiedervereinigt. So entsteht eine anpassungsfähige und progressiv wachsende Struktur. Das Ergebnis ist das Dach über der Anlage. Besonders macht diese Überdachung die Abfolge von physischen Wahrnehmungen, die auf natürlichen Faktoren wie Feuchtigkeit, Hitze, Kälte oder Licht beruhen. Kontrollierte Elemente wie Lichtfiltration, Ventilatoren, Schallabsorber und Wasserimplementierungen schaffen eine Atmosphäre, die den Menschen für die Beziehung des eigenen Körpers zur Natur sensibilisiert.

Architekt

El Equipo Mazzanti
Calle 69 No. 10 – 06 
Bogotá
Kolumbien

fa-

Team

Giancarlo Mazzanti, Carlos Medellín, Humberto Mora, Simón Escabi, Juan Carlos Zapata, Luz Rocío Lamprea, Juan Carlos Zapata, Laura Pachón, Lorena Mendoza, Manuela Dangond, Andrés Melo,  Juan Esteban Parra, Julian Quiroz, Pablo Maal

Structural engineer
Nicolás Parra

et-

Bauherr

Municipio de Barrancabermeja

fa-

Autor

El Equipo Mazzanti

fa-

Fotograf

Alejandro Arango – Pequeño Robot
Dirección de fotografía: Mariana Bravo

fa-

Eröffnung

2016

Video
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Struktur

Die Struktur fungiert als Instrument zur Förderung jeglicher Aktivitäten in Barrancabermeja, die von sportlichen, spielerischen, wirtschaftlichen, akademischen und kulturellen Aktivitäten bis hin zu sozialen Aktivitäten reichen. Alles profitiert von ihrer offenen Art, die auf Interaktionen zwischen Menschen und mit der Natur hinaus will.

El Equipo Mazzanti

Die Architekten von El Equipo Mazzanti sehen das so: „Architektur ist Aktion. Wir induzieren Handlungen, Geschehnisse und Beziehungen, aus denen wir Formen, Muster und offene materielle Organisationen entwickeln, die sozialen Zielen folgen. Damit wollen wir neue Verhaltensweisen und neue Dynamiken auslösen, die Menschen ermutigen, auf eine Art und Weise zu handeln, die sie sich niemals vorstellen konnten.“

Tenri Station Plaza CoFuFun

Tenri Station Plaza CoFuFun

Pizza precisamente

Tenri Station Plaza CoFuFun

Die Situation

CoFuFun bereichert die bisher unwirtliche Bahnhofsgegend von Tenri um vielfältige neue Nutzungsangebote wie Spielplatz, Bibliothek und Straßencafé. Die Gefahr, den Zug zu verpassen, dürfte seit der Eröffnung im Jahr 2017 gestiegen sein.

Tenri ist eine Stadt in der japanischen Präfektur Nara mit knapp 67.000 Einwohnern und etwa 30.000 Haushalten. Vor CoFuFun war der Platz vor dem Bahnhof ein Ort, an dem die Menschen auf dem Weg zur Arbeit im nahegelegenen Osaka meist hastig vorbeigingen. Die Gemeinde wollte die Gegend beleben und veranstaltete einen Gestaltungswettbewerb. Nendo gewann.

Der Entwurf

Tenris Stadtgrenzen umfassen eine Reihe von antiken japanischen Gräbern, die als „Cofun“ bekannt sind. Diese einzigartigen Gräber sind ein Entwurfsmotiv, die charakteristische Geographie des Gebiets ein weiteres: Tenri liegt im Nara-Becken, das von Bergen auf allen Seiten umgeben ist.

Auf dem 6.000 Quadratmeter großen Areal sind Fahrradverleih, Café und andere Geschäfte, ein Informationskiosk, ein Spielplatz, Außenbühnen und Besprechungsräume entstanden. Ziel des Projekts war es, durch diese Maßnahmen und Angebote die Revitalisierung von Gegend und Bevölkerung zu fördern.

CoFuFun wurde aus Betonfertigteilen geformt, die – nach Meinung der Designer –  einer riesigen Pizza ähneln. Die Fertigteile wurden im Werk geformt und vor Ort montiert. Ihre Strukturen sind präzise, ihre Form kann mehrfach verwendet werden – also ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Große Räume können ohne Stützen oder Balken gebildet werden. Die runde Form ist auch aus statischer Sicht günstig.

Design

nendo
7-2-21-6F Akasaka Minato-ku
Tokyo 107-0052
Japan

et-

Bauherr

Stadt Tenri
fa-

Adresse

Tenri Station Square Kofufun
803 Kawaharajocho
Tenri, Nara Prefecture 632-0016
Japan

Luftbild

Danke, Google!
fa-

Autor

nendo
fa-

Fotograf

Takumi Ota
Daici Ano
Tadashi Endo

fa-

Video

Takahisa Araki, Toru Shiomi,
mindo
fa-

Eröffnung

2017
Video

Angebot

Die verschiedenen Ebenen des CoFuFun dienen unterschiedlichen Zwecken: Es sind Treppen und Sitzbänke, Räume und Grenzen für spielende Kinder, Überdachungen für Café und Bühne sowie Kulisse für Präsentationen. Am Abend und in der Nacht, wenn der Platz vom Licht durchflutet wird oder werden kann, entfalten sie eine ganz besondere Wirkung. Diese Vielfalt schafft eine anregende Umgebung; Besucher erkunden die verschiedenen Räume und huschen nicht mehr nur vorbei. CoFuFun besteht nun aus:

  • einem Spielplatz für Kinder
  • einem Aufenthalts- und Studienraum zum Lesen
  • einer Bühne für Konzerte oder öffentliche Vorführungen
  • dem Tenri Souvenir-Shop.

Wegweiser und Schilder weisen sanfte Rundungen auf, die an den Cofun erinnern. Sie sind dunkelgrau gefärbt, was einen natürlichen Kontrast erzeugt und sich dennoch gut in die Umgebung einfügt. Außerdem sind Schilder und Angebote in vier verschiedenen Höhen angeordnet, um den Lärmpegel zu minimieren.

Bei allen Entwürfen wurde darauf geachtet, dass die Materialien und die Farbgebung der Innenräume so gut wie möglich mit denen des Platzes übereinstimmen. So wurden Möbel und Einrichtungsgegenstände aus Holz aus der Präfektur Nara gefertigt, um ein Gefühl der Einheitlichkeit zu schaffen.

Der Name

Der Name des Platzes, CoFuFun, verbindet das Hauptdesignmotiv, den Cofun, mit umgangssprachlichen japanischen Ausdrücken. „Fufun“ meint ein fröhliches, unbewusstes Summen: Die Gestaltung des Platzes soll eine gesellige Atmosphäre bieten, die den Besucher zum Summen bringt. Die Schreibweise „CoFuFun“ bringt auch das „Co“ von „Kooperation“ und „Gemeinschaft“ sowie – natürlich – „Spaß“ (Fun) selbst ein. Das Ergebnis ist ein Name, dessen japanische und alphabetische Schreibweise ähnliche Bedeutungen haben, so dass auch ausländische Besucher des Platzes ihn in gleicher Weise verstehen können.

Fotos

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