Tammela Stadion

Zimmer mit Aussicht

Das Tammela Stadion in Tampere

Die Situa­tion: Jeder Baum zählt

Das Tammela Stadion liegt inmitten von Wohn­häu­sern und ist Spiel­stätte des Fußball­ver­eins Ilves in der finni­schen Stadt Tampere. Es entstand im Jahr 1931, bietet 5.000 Plätze auf unter­schied­li­chen Tribünen an zwei Seiten und soll durch einen Neubau ersetzt werden. 

Im neuen Tammela Stadion von avanto archi­tects geht es nicht nur um Fußball. Ein weiteres Ziel des Entwurfs ist es, durch geschlos­sene Bauweise die tradi­tio­nelle Stadt­struktur der Gemeinde Tammela (6.200 Einwohner) wieder­her­zu­stellen. Hier finden sich auch wieder die kleinen Läden wie in den histo­ri­schen Stadt­vier­teln, die zumeist abge­rissen wurden. Im Osten grenzt der Block an den Kaleva Boule­vard, in der glei­chen Linie mit einem alten Schul­ge­bäude nörd­lich des Stadions. Auf der West­seite wird der Block zurück­ge­zogen, um einen kleinen Vorplatz zu bilden und die bestehende Baum­reihe zu erhalten. Dies ist wichtig, da es nur wenige Grün­flä­chen in der Gegend gibt und jeder Baum zählt.

Das Spiel­feld als Innenhof

Das Spiel­feld wird dabei zum grünen “Innenhof”, der von einer konti­nu­ier­li­chen, nied­rigen Gebäu­de­masse umgeben ist. Die Umman­te­lung des Spiel­feldes mit Gebäuden an allen vier Seiten macht den Block effi­zient und finan­ziell trag­fähig, ohne das Stadion in dieser histo­ri­schen Umge­bung zu massiv wirken zu lassen. Die Stadt Tampere beab­sich­tigt, dieses öffent­liche Projekt zu finan­zieren, indem sie das Baurecht für die Wohn­flä­chen auf dem Dach des Stadions verkauft. Da das Publikum die Spieler von allen vier Seiten umgibt, ist die Atmo­sphäre im Tammela Stadion sehr intensiv. Die Höhe der Gebäu­de­flügel wurde sorg­fältig an die umge­benden Gebäude ange­passt. Die geschwun­gene Form der Riegel und die daraus resul­tie­renden unter­schied­li­chen Gebäu­de­höhen erhalten der Nach­bar­schaft ihre Blick­be­zie­hungen, der benach­barte Schulhof bekommt auch weiterhin direktes Sonnen­licht.

Design

avanto archi­tects ltd kale­van­katu 31 a 3 fi – 00100 helsinki finn­land

Bauherr

Stadt Tampere

Adresse

Kalevan puis­totie 21 33500 Tampere Finn­land

Luft­bild

Danke, Google!

Ecke, Tor

Das Tammela Stadion wird über alle vier Ecken erschlossen. Es ist einfach, die Eingänge zu finden, die sich unter den gewölbten Decken befinden. Die meisten öffent­li­chen Ange­bote wie das Restau­rant und die Sport­halle wurden in den Ecken der Blocks plat­ziert, wo sie leicht zu errei­chen sind. So sollen auch die Anwohner ange­lockt werden. Alle Räume sind flexibel und können von verschie­denen Nutzern zu unter­schied­li­chen Tages­zeiten genutzt werden, so dass das Nutzungs­ver­hältnis der Räume erhöht werden kann. Für inter­na­tio­nale Spiele nach den Regeln der UEFA ist es möglich, einen sepa­raten Eingang mit abge­trennter Tribüne für ein Besu­cher­team bereit zu stellen. Das Spiel­feld ist Nord-Süd orien­tiert, die Haupt­tri­büne mit den TV-Kameras befindet sich im Westen, wie von der UEFA gefor­dert. Da die brücken­ähn­li­chen Bauten aus Stahl­beton an den Stirn­seiten keine Stützen benö­tigen, haben auch die kurzen Tribünen freie Sicht auf das Feld.

Wohnen im Stadion

Das üppige Gebäu­de­vo­lumen lässt viele verschie­dene Wohn­formen zu. Die vorge­schla­genen Studen­ten­woh­nungen glei­chen die aktu­elle demo­gra­phi­sche Struktur des Gebiets mit über­wie­gend älteren Menschen aus. Beson­deres Augen­merk wurde auf die soziale Nach­hal­tig­keit des Projekts gelegt. Gemein­sam­keit entsteht auch durch Gemein­schafts­räume wie grüne Winter­gärten oder Saunen mit groß­zü­gigen Dach­ter­rassen. Der groß­zü­gige Erschlie­ßungs­gang bietet zusätz­li­chen Platz für die Aufbe­wah­rung eines Fahr­rads oder die städ­ti­sche Garten­ar­beit. Man kann ihn aber auch als Loge zur Beob­ach­tung eines Spiels im Tammela Stadion mit den Nach­barn nutzen. Das spart auch noch das Eintritts­geld.

Grund­risse

Ansichten + Schnitte

Löyly

Demnächst Fels in der Bran­dung

Löyly Sauna in Helsinki

Sauna­kultur

In die Sauna zu gehen, ist ein wesent­li­cher Bestand­teil finni­scher Kultur und natio­naler Iden­tität. Es gibt 5,4 Millionen Finnen und 3,3 Millionen Saunen – in Finn­land. Früher waren öffent­liche Saunen sehr verbreitet. Inzwi­schen sind sie weit­ge­hend aus dem Stadt­bild verschwunden, weil die meisten neuen Häuser und Wohnungen über eine eigene Sauna verfügen. Ande­rer­seits wird das Gefühl von Gemein­schaft zu einem wieder wich­tiger werdenden Bestand­teil städ­ti­schen Lebens, und die öffent­liche Sauna erlebt eine Renais­sance. Mit „Löyly“ (so bezeichnen die Finnen den Dampf, der entsteht, wenn man in einer Sauna Wasser auf heiße Steine schüttet) bietet Helsinki seinen Besu­chern ein ganz­jäh­riges öffent­li­ches Sauna­er­lebnis – ein abso­lutes Muss bei einem Besuch in Finn­land.

Prozess

Das Projekt geht auf die Initia­tive der Stadt Helsinki zur Entwick­lung des Geländes zurück. Herne­saari ist ein ehema­liges Indus­trie­ge­biet an der Küste von Helsinki, das zu einem Wohn­ge­biet ausge­baut wird. Hier gibt es auch einen Kreuz­fahrt­hafen. Für das Gebiet werden neue Nutzungen entwi­ckelt, die auf zukünf­tige Verän­de­rungen reagieren können.

Avanto Archi­tects star­teten das Projekt 2011 mit der Planung eines tempo­rären Sauna­dorfes am äußersten Ende der Halb­insel. Das Konzept war aller­dings finan­ziell nicht trag­fähig, der erste Bauherr sprang ab. Für den zweiten Bauherrn entwi­ckelte avanto eine schwim­mende Sauna. Dieses Konzept war nicht reali­sierbar, weil der Standort zum offenen Meer hin ausge­richtet war und die schwim­mende Struktur den hohen Wellen und dem Druck von Eispa­ckungen nicht stand­halten würde. Schließ­lich entwi­ckelten die Archi­tekten ein neues Frei­form­kon­zept mit drei­eckigen Flächen. Der Bauherr wech­selte erneut und mit Unter­stüt­zung von Öffent­lich­keit und Politik konnten die Bauar­beiten schließ­lich beginnen.

Archi­tekt

Avanto Archi­tects Ltd
Ville Hara and Anu Puus­tinen, Archi­tects SAFA
Kale­van­katu 31 a 3
FI-00100 Helsinki

Team

Qtio Oy (Projekt­ma­nage­ment)
Antti Wester­lund, Hiroko Mori,Laura Nenonen, Xiaowen Xu

Stahlbau

SS-Teracon Oy
Hatan­pään valtatie 34 D
FI-33100 Tampere

JETZIGE STADTSTRUKTUR
ZUKÜNFTIGE STADTSTRUKTUR

Kontext

Die Gegend ist einzig­artig. Weniger als zwei Kilo­meter vom Stadt­zen­trum entfernt ist die Lage zentral, gleich­zeitig bietet sich eine ganze Menge Land­schaft. Das Grund­stück befindet sich in einem künf­tigen Küsten­streifen, der Teil eines brei­teren “Helsinki-Parks” sein wird, welcher die Haupt­stadt mit dem Meer verbindet. Das Gebäude sollte schlank und lang gestreckt sein, um den schmalen Park­streifen nicht zu durch­schneiden. Die Geräusch­ent­wick­lung wird so gering wie möglich gehalten, um Konflikte mit der zukünf­tigen Wohn­be­bauung zu vermeiden. Statt ein konven­tio­nelles Gebäude zu bauen, wurde die Sauna in diesem Kontext zu einer lockeren, facet­tierten Konstruk­tion entwi­ckelt, die mehr Teil des Parks ist als ein tradi­tio­neller Hochbau. Wenn das Holz­ge­bäude grau wird, wird es aussehen wie ein Fels in der Bran­dung.

Bauherr

Antero Vartia und Jasper Pääk­könen
Kidvek­keli Oy

Betreiber

Royal Restau­rants

GRUNDRISS

Archi­tektur

Die archi­tek­to­ni­sche Idee ist einfach: Eine recht­eckige schwarze Box mit den warmen Räumen wird von einem frei geformten Mantel aus Holz über­zogen. Die skulp­tu­rale Struktur aus wärme­be­han­deltem Kiefern­holz hat mehrere Funk­tionen. Sie bietet den Menschen visu­elle Privat­sphäre, die für eine Sauna natür­lich von großer Bedeu­tung ist. Dabei wirken die Lamellen wie Jalou­sien und versperren den Blick von außen, lassen jedoch den Blick aufs Meer von innen zu. Zwischen dem warmen Inneren und dem Gebäu­de­mantel befinden sich geschützte Außen­be­reiche, die zwischen den Sauna­bä­dern zum Abkühlen einladen. Der Mantel bildet intime Terrassen zwischen den Hängen, die als Sitz­ge­le­gen­heit dienen.

Die Struktur schützt das Gebäude vor dem rauen Küsten­klima. Die große Glas­fläche hilft, den Ener­gie­ver­brauch des Gebäudes zu redu­zieren. Darüber hinaus bildet die Fassade eine Treppe, über die man auf das Dach und die Terrassen auf dem Dach des Gebäudes klet­tern kann. Rund 4.000 Hölzer wurden von einer compu­ter­ge­steu­erten Maschine exakt auf die einzelnen Formen zuge­schnitten wurden. Die große Holz­ter­rasse liegt teil­weise auf dem Meer. Man kann das Rauschen der Wellen unter sich hören.

Adresse

Herne­saa­ren­ranta 4
Helsinki
Finn­land

SAUNA

Atmo­sphäre

Das Gebäude besteht aus zwei Teilen: den öffent­li­chen Saunen und dem Restau­rant. Die Saunen und öffent­li­chen Räume öffnen sich zum Meer hin, mit inter­es­santen Ausbli­cken auf das Stadt­zen­trum und eben das offene Meer. Die Atmo­sphäre ist ruhig, die Räume sind nur mäßig beleuchtet. Zwischen den geschlos­senen Räumen bieten sich inter­es­sante Blick­be­zie­hungen, wenn die Besu­cher sich von einem Bereich zum nächsten bewegen.

Umklei­de­ka­binen und Duschen sind nach Geschlech­tern getrennt. Ein lederner Vorhang über der Tür weist auf den Eintritt in den Unisex-Bereich hin, an dem die Besu­cher einen Bade­anzug tragen müssen. Tradi­tio­nell baden Männer und Frauen getrennt und nackt. avanto Archi­tekten haben eine Sauna­kultur ange­stoßen, in der es möglich ist, gemeinsam mit Freunden geschlechts­un­ab­hängig zu baden.

Inte­rieur

Die Innen­ar­chi­tektur des Restau­rants und der Sauna­lounge stammt von Joanna Laajisto Crea­tive Studio. Ihr Ziel war es, mit einer Art weichem Mini­ma­lismus ein stim­mungs­volles Restau­rant zu schaffen, das die starke Archi­tektur des Gebäudes ergänzt. Die Heraus­for­de­rung bestand darin, intime Sitz­be­reiche in der großen Halle mit zwei Wänden aus Wand- und Decken­segel zu schaffen.

Die Menschen fühlen sich meist am wohlsten, wenn sie mit dem Rücken zur Wand sitzen. Die Planer schufen eine erhöhte Platt­form für den Barbe­reich, die den Raum in zwei verschie­dene Bereiche unter­teilt. Eine hölzerne Abtren­nung veran­kert die langen, indi­vi­duell gestal­teten Sofas, die einen tollen Blick auf das Meer bieten.

Die wich­tigsten Mate­ria­lien, die in den Innen­räumen verwendet werden, sind schwarzer Beton, helles skan­di­na­vi­sches Birken­holz, geschwärzter Stahl und Wolle. Alle Mate­ria­lien sind. Das verwen­dete Birken­holz ist gepresst, verleimt und wärme­be­han­delt. Dies ist eine nach­hal­tige finni­sche Inno­va­tion aus Rest­ma­te­ria­lien der Sperr­holz­in­dus­trie, die norma­ler­weise zur Ener­gie­ge­win­nung verbrannt werden. So wird aus Abfall ein schönes Recy­cling­ma­te­rial. Der Herstel­lungs­pro­zess produ­ziert einen schönen kühlen hellen Farbton und eine lange Lebens­dauer.

Baukosten

€6,000,000

Eröff­nung

2016

GEBÄUDE

Saunen

Es gibt drei verschie­dene Saunen, alle werden mit Holz beheizt: eine durch­ge­hend beheizte Sauna, eine andere, die nur morgens beheizt wird und den ganzen Tag warm bleibt und eine tradi­tio­nelle Rauch­sauna – eine echte Selten­heit in einer Stadt­sauna. Auf diese Weise können Besu­cher alle Arten von finni­schem Löyly bei einem einzigen Besuch erleben. Zwischen den Saunen befindet sich ein Well­ness­be­reich mit Kalt­was­ser­be­cken und einem Kamin­zimmer zum Entspannen. Gäste können im Meer schwimmen. Im Winter erwartet den Besu­cher ein “avanto”, das Eisloch zum Winter­baden, ein beliebtes Hobby in Finn­land – und der Name des Archi­tek­tur­büros.

Nach­hal­tig­keit

Das Gebäude wird mit Fern­wärme beheizt. Strom wird mit Wasser- und Wind­kraft erzeugt. Das Gebäude ist das erste FSC-zerti­fi­zierte Gebäude in Finn­land und das zweite in Skan­di­na­vien. Das Zerti­fikat des Forest Steward­ship Council bestä­tigt, dass das verwen­detet Holz aus verant­wor­tungs­voll bewirt­schaf­teten Wäldern stammt. Das Restau­rant serviert Bio-Lebens­mittel und nach­haltig gefan­genen Fisch.

Autor

Ville Hara und Anu Puus­tinen, Avanto Archi­tects

RESTAURANT

DIE ARCHI­TEkTEN
Avanto Architects
Avanto Archi­tects
Avanto Archi­tects wurden 2004 von Ville Hara und Anu Puus­tinen gegründet, nachdem sie einen Wett­be­werb für eine Fried­hofs­ka­pelle gewonnen hatten. Das Büro bear­beitet Projekte unter­schied­lichster Größen­ord­nung vom Produkt­de­sign bis zur Stadt­pla­nung für öffent­liche Einrich­tungen, private Unter­nehmen und Privat­kunden. Avanto Archi­tects bietet archi­tek­to­ni­sche Planung und gestal­te­ri­sche Dienst­leis­tungen von der Skizze bis zur Umset­zung. Dabei greifen die Archi­tekten auf aktu­ellste Soft­ware vom Entwurf über Visua­li­sie­rungen bis zur Doku­men­ta­tion zurück. Avanto bezeichnet das Loch im Eis, das im Winter zum Baden „einlädt“ – ein in Finn­land beliebtes Hobby. „Es symbo­li­siert unsere Design-Philo­so­phie. Wir wollen eine emotio­nale Umge­bung schaffen, indem wir uns in die Welt der Menschen einfühlen, die den Raum nutzen. Wir genießen die Natur und wollen auch zukünf­tigen Gene­ra­tionen die Möglich­keit dazu geben.
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