Sport­un­ter­richt

Sport­un­ter­richt

Schlimmer als Mathe

 

 

Dein Spiegel & Ina Hunger

Die Sport­wis­sen­schaft­lerin Ina Hunger erzählt im Gespräch mit „Dein Spiegel“, warum Mann­schafts­wahlen demü­ti­gend sein können – und wieso das Gefühl des Versa­gens bei einer Turn­übung schlimmer ausfallen kann als beim Vorrechnen an der Tafel.

Three sad, serious teenagers are sitting. Caucasian, African American, boy and girl with glasses.

Sollte es mehr oder weniger Sport­un­ter­richt in der Schule geben?
Wich­tiger als die Anzahl der Sport­stunden ist die Qualität. Wenn man fünf Stunden die Woche schlechten Sport­un­ter­richt hat, schadet das eher. Wenn es aber gute Stunden sind, von denen alle Kinder etwas haben, dann wäre es sicher­lich schön, wenn wir mehr davon hätten.

Wie sieht guter Sport­un­ter­richt aus?
Gut ist, wenn alle Kinder die Möglich­keit haben, etwas Neues im Sport kennen­zulernen. Wenn alle Kinder erfahren, dass es toll ist, sich körper­lich zu veraus­gaben oder Leis­tungen zu verbes­sern. Dass es span­nend ist, wenn man zusammen etwas macht oder sich vergleicht. In einem guten Sport­un­ter­richt fühlen sich die Kinder wohl, und niemand hat Angst oder wird gemobbt.

Sie forschen zu psychi­scher Gesund­heit im Sport­un­ter­richt. Was bedeutet das?
Ich unter­suche, ob Kinder durch ihren Sport­un­ter­richt verun­si­chert oder sogar psychisch verletzt werden. Ob sie zum Beispiel Angst vor dem Unter­richt ent­wickeln, ob sie sich in bestimmten Situa­tionen schämen oder ausge­grenzt werden. Wenn Kinder im Sport­un­ter­richt immer wieder leiden, etwa weil sie sich den Anfor­de­rungen nicht gewachsen fühlen, häufig blöde Kommen­tare zu hören bekommen, über ihre sport­liche Leis­tung oder über ihren Körper – dann ist das psychisch unge­sund.

Welche Probleme gibt es in den Stunden?
Zum Beispiel werden Kinder durch veral­tete Maßnahmen, wie »Mann­schafts­wahlen«, gede­mü­tigt. Wenn man als Letztes vor den Augen der ganzen Klasse in eine Mann­schaft »gewählt« wird, quält das die Betrof­fenen inner­lich sehr lange. Dabei gibt es 1000 andere Möglich­keiten, eine Klasse aufzu­teilen. Es kommt auch vor, dass Kinder vor der ganzen Klasse immer wieder eine Übung machen müssen, zu der sie über­haupt nicht in der Lage sind. Und es gibt Situa­tionen, in denen eine ganze Klasse jemanden auslacht oder beschimpft. Meist trauen sich die Betrof­fenen dann auch nicht zu sagen: »Das ist gemein!« Und die anderen Kinder setzen sich nur selten für ein gemobbtes Kind ein.

In Mathe an der Tafel vorrechnen zu müssen, kann auch unan­ge­nehm sein. Warum kann der Sport­un­ter­richt beson­ders schlimm sein?
Sport­lich zu sein und einen fitten Körper zu haben ist bei Kindern und Jugend­lichen oft viel, viel wich­tiger, als gute Noten in Mathe zu bekommen. Wenn ich in Mathe an der Tafel etwas nicht kann, kann ich mir immer noch sagen: Ich habe eben nicht geübt. Wenn ich aber im Sport­un­ter­richt versage, denke ich: Ich habe nicht den »rich­tigen« Körper, ich genüge nicht den Ansprü­chen, die andere an mich haben. Das Gefühl des Versa­gens geht im Sport also viel tiefer.

Gibt es einen Unter­schied zwischen Schul­sport und dem Sport, den die Kinder nach­mit­tags im Verein betreiben?
Ja! In den Verein geht man frei­willig. Man wählt eine Sportart aus, die man mag, trifft andere in ähnli­chem Alter, die sich auch für die Sportart inter­es­sieren, und man kann jeder­zeit weggehen. Schul­sport ist kein Hobby, sondern Pflicht. Er soll zur Allge­mein­bil­dung beitragen. Er wird benotet, und man macht ihn inner­halb der Klasse, mit der man über Jahre auch in anderen Fächern zusammen lernt.

Wie könnte man den Unter­richt besser gestalten?
Ein Sport­un­ter­richt, der Kinder dazu bringen soll, sich auch in der Frei­zeit zu bewegen, muss moti­vieren! Und allen Kindern deut­lich machen, dass es sich lohnt und Spaß macht, Sport zu treiben. Dazu gehört, dass Lehr­kräfte sensibel sind und Schul­kinder soli­da­ri­scher. Niemand wird gesünder oder selbst­bewusster oder übt frei­willig Sport aus, wenn er oder sie in der Schule Sport­stunden erlebt, die immer wieder be­lastend sind. Sport­un­ter­richt bietet einen wich­tigen Zugang zu Bewe­gung, kann aber auch wahn­sinnig viel kaputt machen.

Three sad, serious teenagers are sitting. Caucasian, African American, boy and girl with glasses.

Prof. Dr. Ina Hunger

Jahr­gang 1965, ist Sport­wis­sen­schaft­lerin an der Univer­sität Bremen. Sie forscht zu psychi­scher Gesund­heit im Sport­un­ter­richt, also dazu, wie die Erfah­rungen im Unter­richt sich auf die Gefühle der Schul­kinder auswirken.

 

“Dein SPIEGEL”

Das Nach­richten-Magazin für Kinder, heraus­ge­geben von „Der Spiegel“. „Dein Spiegel“ bietet verständ­lich geschrie­bene Geschichten aus aller Welt, Inter­views und News aus Politik und Gesell­schaft für Lese­rinnen und Leser ab 8 Jahren.

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Zuwan­de­rung & Cricket

Die Zukunft des Sports

Zuwan­de­rung & Cricket

Anja Kirig & Marcel Aberle

Die Zukunfts- und Trend­for­scher Anja Kirig und Marcel Aberle haben sich in einer Umfrage mit Exper­tinnen und Experten aus der Welt des Sports und der Sport­an­lagen mit nicht mehr und nicht weniger als der Zukunft des Sports ausein­an­der­ge­setzt, und das auf vielen Ebenen.

Zum Beispiel mit Zuwan­de­rung, Sport-Iden­tity und Kricket. Fort­set­zung folgt.

Wie werden Zuwan­de­rung und die Inklu­sion das Sport­an­gebot unserer Vereine verän­dern?

The Couch by MVRDV Photo: ©Daria Scagliola & Stijn Brakkee

Sport, als Spie­gel­bild eines gesell­schaft­li­chen Mikro­kosmos, hat das Poten­zial, kultu­relle Barrieren und Stereo­typen abzu­bauen und die Gesell­schaft tole­ranter zu gestalten.

Für eine erfolg­reiche Inklu­sion und Inte­gra­tion ist es jedoch notwendig, Situa­tionen immer wieder neu zu bewerten, insbe­son­dere unter Berück­sich­ti­gung des “kultu­rellen Kapi­tals”, das Menschen mitbringen. Studien (vgl. Smith, R., Spaaij, R. & McDo­nald, B. Migrant Inte­gra­tion and Cultural Capital in the Context of Sport and Physical Acti­vity: a Syste­matic Review. Int. Migra­tion & Inte­gra­tion 20, 851–868 (2019)) zeigen, dass Menschen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund eigene Sport­räume schaffen, die ihrem kultu­rellen Kapital entspre­chen.

Die Lebens­welt spielt hierbei jedoch eine Rolle. So kann die vorhan­dene Diver­sität in Städten die Unter­schiede zwischen Mehr­heits- und Minder­hei­ten­gruppen verrin­gern.

Eine Unter­su­chung (vgl. Tao Liu, Liangni Sally Liu: Trans­na­tional physical acti­vity and sport enga­ge­ment of new Asian migrants in Aotearoa/New Zealand. In: Asia Pacific View­point, Volume63, Issue2, 01 March 2022) in Neusee­land ergab, dass Migran­tinnen und Migranten tradi­tio­nelle Sport­arten aus ihrem Herkunfts­land bevor­zugen. Beispiels­weise spielen Personen aus China gerne Tisch­tennis, Fußball und Badminton, Personen aus Indien sind an Kricket inter­es­siert, und Personen aus dem Pazifik oder Südafrika bevor­zugen Rugby, eine in Neusee­land domi­nie­rende Sportart. Diese Präfe­renzen berei­chern das Angebot an trans­na­tio­nalen Sport­arten.

Die Inte­gra­tion in bestehende Sport­struk­turen bleibt eine Heraus­for­de­rung. Migran­tinnen und Migranten haben mögli­cher­weise kein Inter­esse an den Sport­arten des Aufnah­me­landes, zum Beispiel aufgrund von Unkenntnis der Regeln, Angst vor Verlet­zungen, Zeit‑, Geld- und Sprach­bar­rieren.

Um von der Diver­sität zu profi­tieren und gleich­zeitig inklusiv und inte­grativ zu sein, bedarf es großer Offen­heit, Sensi­bi­lität und Neugier. Es ist wichtig, ein Verständnis für die jewei­lige Situa­tion zu entwi­ckeln.

Prognose

Wird die Gesell­schaft des Aufnah­me­landes unter Perspek­tive von Indi­vi­dua­li­sie­rung, Hete­ro­ge­nität, Diver­sität und auch Migra­ti­ons­hin­ter­grund beleuchtet, zeigt sich, dass die Frage von Inte­gra­tion kritisch beleuchtet werden muss.

In welche Gesell­schaft soll inte­griert werden, wenn diese in sich bereits sehr ausdif­fe­ren­ziert ist? Ange­bote, die eine Iden­ti­fi­ka­tion über den Sport geben und darüber das Gefühl von Zuge­hö­rig­keit, sind hierbei künftig entschei­dender als ein tradi­tio­nelles Verständnis von Inklu­sion.

Sport-Iden­tity*: Vom diffusen Lebens­ge­fühl zur konkreten Lebens­ein­stel­lung?

The Couch by MVRDV Photo: ©Daria Scagliola & Stijn Brakkee

Die These könnte noch spitzer formu­liert werden. Sport-Iden­tity wird unseren Beob­ach­tungen zu Folge künftig mehr als eine Einstel­lung oder Haltung sein, sondern ein Teil der Iden­tität und Persön­lich­keit. Spor­ti­vity*, Einstel­lung und Iden­tität sind zwar mitein­ander verknüpft, aber dennoch unter­schied­lich in den Auswir­kungen auf Lebens­stil und Selbst­ver­ständnis.

Während sich eine Einstel­lung ändert, etwas die Vorliebe für eine bestimmte Sportart, die Form der Bewe­gung oder der Sport­konsum, so basiert Sport als Teil der Iden­tität auf einem umfas­sen­deren und komple­xeren Konzept. Einstel­lungen können sich im Laufe der Zeit aufgrund neuer Erfah­rungen, unter­schied­li­cher Sicht­weisen oder Verän­de­rungen in der Umge­bung oder den Umständen des Einzelnen ändern. Sport-Iden­tity bezieht sich auf das Selbst­kon­zept einer Person, die Selbst­wahr­neh­mung dafür, wer sie ist.

Diese Iden­tität kann jedoch eben­falls flie­ßend und mehr­di­men­sional sein. Durch Indi­vi­dua­li­sie­rung und Konnek­ti­vität hat das Indi­vi­duum mehr Möglich­keiten, seine eigene Iden­tität zu formen und zu stärken und zu entwi­ckeln.

Gleich­zeitig führen durch Mega­trends ausge­löste Verän­de­rungen dazu, dass Menschen einen Iden­ti­täts­ver­lust erleben, wenn klas­si­sche Merk­male wie Geschlecht, Alter und Herkunft nicht mehr iden­ti­täts­stif­tend sind. Dies gene­riert Anti­t­rends, wie der Zunahme der Popu­la­rität tradi­tio­neller Rollen­bilder und der Sehn­sucht nach „starken“ Führungs­per­sön­lich­keiten, an denen sich Menschen orien­tieren können.

Im selben Kontext entwi­ckelt sich auch eine Sport- und Bewe­gungs­ver­wei­ge­rung. Der Unter­schied zu früher besteht darin, dass das Indi­vi­duum sich aufgrund der gesell­schaft­li­chen Entwick­lungen gezwungen sieht, eine Posi­tion zum Thema einzu­nehmen. Diese Anti­t­rends stehen jedoch in starker Korre­la­tion mit den trans­for­ma­tiven Kräften, die die Gesell­schaft voran­treiben und verän­dern.

Daher ist zu erwarten, dass sich die Sehn­sucht nach Iden­tität in Zukunft andere Anker suchen wird. Sport, Bewe­gung und Fitness bieten hierfür ideale Entwick­lungs­flä­chen. Bereits jetzt ist zu beob­achten, wie Iden­ti­täts­ver­lust durch Fitness­stu­dios und Kraft­trai­ning begegnet wird. Hier finden Trai­nie­rende eine Form der Zuge­hö­rig­keit, tempo­rären Heimat und derzeit im Kraft­trai­ning eine gemein­same Iden­tität.

Prognose

Fitness- und Bewe­gungs­ein­stel­lungen sowie ihr Einfluss auf eine „sport­liche“ Iden­tität sind wich­tige Aspekte des Lebens­stils und Selbst­kon­zepts einer Person.

Mit dem Aufkommen digi­taler Fitness­platt­formen und Online-Commu­ni­ties haben Einzel­per­sonen nun mehr Möglich­keiten, verschie­dene Aspekte ihrer Fitnessein­stel­lungen und „Sport“-Identitäten zu erkunden und auszu­drü­cken. Dies hat zu einem größeren Verständnis und einer größeren Akzep­tanz von Verän­de­rungen und Viel­falt in diesen Berei­chen geführt.

Es ist davon auszu­gehen, dass das Verständnis dieser Konzepte weiterhin zunehmen wird. Das Konzept einer „Sport“-Identität wird flexi­bler werden. Durch verbes­serten Zugang und eine brei­tere Defi­ni­tion von „Sport“ erhält der Einzelne zudem mehr Möglich­keiten, seine Iden­tität entspre­chend zu gestalten.

Inwie­weit werden in den nächsten Jahren“neue” Motiv­bilder des Sport­trei­bens entstehen, die uns zum aktu­ellen Zeit­punkt noch nicht bewusst sind?

The Couch by MVRDV Photo: ©Daria Scagliola & Stijn Brakkee

Unseren Beob­ach­tungen zufolge voll­zieht sich im Bereich Frei­zeit­sport, Bewe­gung und Frei­zeit­fit­ness ein spür­barer Wandel. Kata­ly­sa­toren hierfür sind u.a. die sich weiter­ent­wi­ckelnden Tech­no­lo­gien, ein stär­kerer Fokus auf Nach­hal­tig­keit und das gestie­gene Bewusst­sein für das mentale Wohl­be­finden. Dabei verän­dern sich nicht nur die Motive des Sport­rei­bens, sondern auch die Art und Weise, wie es in unser Leben inte­griert wird.

Themen wie Bewe­gungs­drang, Präven­tion, Leis­tung, Gemein­schaft und Spaß werden auch in Zukunft Bestand haben. Trans­for­ma­tive Treiber wie die Mega­trends Gesund­heit, Konnek­ti­vität, Indi­vi­dua­li­sie­rung und New Work/Wissenskultur bleiben präsent. Es sind jedoch die Entwick­lungen dieser Treiber und ihre gesell­schaft­li­chen Auswir­kungen, die den Grund­mo­tiven verän­derte Nuancen, Defi­ni­tionen und Inhalte verleihen.

Beispiels­weise steht heute nicht mehr nur die physi­sche Gesund­heit im Vorder­grund. Ganz­heit­liche Gesund­heit, insbe­son­dere Resi­lienz und mentales Wohl­be­finden, gewinnen an Bedeu­tung aufgrund sich wandelnder sozio­kul­tu­reller Gege­ben­heiten. Eine Entwick­lung, die in Zukunft an Bedeu­tung zunehmen wird.

Sport, ob gemein­schaft­lich oder indi­vi­duell betrieben oder in einer Kombi­na­tion aus beidem, erfüllt ein Bedürfnis nach Reso­nanz und ermög­licht Erfah­rungen. Diese sind grund­le­gend für persön­li­ches Wachstum und die Bildung/Stärkung der eigenen Iden­tität. Scheinbar para­doxe Motive, die mit dem Sport verbunden werden, können neben­ein­ander exis­tieren. Wir-Kultur und Indi­vi­dua­lismus schließen sich genauso wenig aus wie tech­no­lo­gi­sche Trans­for­ma­tion und Tradition/Kultur/Anker oder Wachstum und Entspan­nung. Eine Heraus­for­de­rung für die Zukunft wird darin bestehen, diese Aspekte mitein­ander zu verknüpfen.

Tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tionen wie KI, Extended Reali­ties oder Weara­bles werden herkömm­liche Routinen nicht abschaffen, sondern verän­dern und erwei­tern. Sie bieten Sport­trei­benden einen neuen Zugang zu Bewe­gung und dem Erleben von Bewe­gung. Neben den genannten klas­si­schen Gründen für das Sport­treiben wird der Mega­trend Neo-Ökologie die Zukunft der Motiv­bil­dung mitbe­stimmen und auch die Form der Sport­arten beein­flussen.

Prognose

Diese Verän­de­rungen gene­rieren nicht nur neue Sport­arten, sie werden auch tradi­tio­nelle Sport­arten umge­stalten. Insbe­son­dere Ange­bote, die auf einem Co-Kultur-Gedanken basieren und/oder sich nahtlos in das tägliche Leben einfügen, werden dabei entstehen.

Ökologie, Inklu­sion, Viel­falt und eine ganz­heit­liche Sicht­weise auf Gesund­heit werden zu zentralen Themen für den orga­ni­sierten Sport, die jedoch im Sinne des neo-ökolo­gi­schen Prin­zips verstanden werden müssen – vom Schuld­ge­fühl zum Handeln, vom Verzicht zum bewussten Verbrauch.

Autoren

Anja Kirig

Zukunfts- und Trend­for­schung

Marcel Aberle

Mega­trends & Trans­for­ma­tionen

Fotos

FREEP!K

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Gender Shift & Sport

Die Zukunft des Sports

Gender Shift & Inklu­sion

Anja Kirig & Marcel Aberle

Die Zukunfts- und Trend­for­scher Anja Kirig und Marcel Aberle haben sich in einer Umfrage mit Exper­tinnen und Experten aus der Welt des Sports und der Sport­an­lagen mit nicht mehr und nicht weniger als der Zukunft des Sports ausein­an­der­ge­setzt, und das auf vielen Ebenen.

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Was bedeutet Gender Shift für die Fankultur?

The Couch by MVRDV Photo: ©Daria Scagliola & Stijn Brakkee

Der Mega­trend Gender Shift stoppt nicht vor der Fankultur im Sport.

Die Sportfan­land­schaft hat sich diver­si­fi­ziert. Genaue Daten über das Wachstum der weib­li­chen und LGBT*-Sportfans in den letzten zwanzig Jahren sind schwer zu finden. Mehrere Studien geben jedoch Hinweise, dass sich mit einer breiter zugäng­li­chen, konsum­ori­en­tierten Fankultur sowie durch Inter­ak­ti­ons­mög­lich­keiten der sozialen neue Möglich­keiten für Fans jeden Geschlechts und jeder sexu­ellen Orien­tie­rung auftaten.

Fans jedes Geschlechts beginnen die Geschlech­ter­ste­reo­type im Sport zu hinter­fragen. Die Annahme, Frauen seien desin­ter­es­siert oder unwis­send im Sport, wird durch das Auftreten enga­gierter, weib­li­cher* Fans, Analys­tinnen und Kommen­ta­to­rinnen wider­legt. Diese Entwick­lung trägt dazu bei, veral­tete Geschlech­ter­ste­reo­typen im Sport aufzu­bre­chen.

Die Forde­rung nach stär­kerer Reprä­sen­ta­tion von Frau­en­sport in den Sport­me­dien hat auch zu einem Anstieg weib­li­cher Sport­jour­na­listen und einer inten­si­veren Bericht­erstat­tung über Frau­en­sport geführt. Ereig­nisse wie der Frau­en­fuß­ball und die Tour de France für Frauen erfahren dadurch mehr Aufmerk­sam­keit. Im Übrigen mit einem direkten Einfluss auf die Anzahl Frauen, welche den Sport dann auch selbst ausüben (möchten). Auch die Debatte um gleiche Bezah­lung im Sport, insbe­son­dere im Fußball, verdeut­licht den Wandel gesell­schaft­li­cher Erwar­tungen hinsicht­lich der Geschlech­ter­gleich­heit.

Dieser Diskurs wird von Fans aktiv mitge­staltet und voran­ge­trieben. Gruppen wie die Gay Gooners des FC Arsenal setzen sich aktiv gegen Homo­phobie ein und fördern die Inklu­sion im Fußball. Diese Gruppen tragen dazu bei, das Bewusst­sein für Diver­sität und Inklu­sion im Sport zu erhöhen.

Prognose

Trotz der posi­tiven Entwick­lungen gibt es noch viel unge­nutztes Poten­zial. Die Inte­gra­tion einer diversen Fankultur erfor­dert jedoch mehr proak­tive Maßnahmen von Sport­or­ga­ni­sa­tionen, ‑vereinen und ‑verbänden.

Eine einzelne Frau­en­be­auf­tragte in einem Verein reicht nicht aus, um das volle Poten­zial einer diversen Fanbasis auszu­schöpfen.

Wie weit sollen die Sport­stätten geschlecht­er­neu­tral sein, z.B. Umkleiden und Duschen? Wenn erfor­der­lich, was wird gewünscht?

The Couch by MVRDV Photo: ©Daria Scagliola & Stijn Brakkee

Im Kontext des Gender Shifts werde Geschlech­ter­rollen sowie auch Geschlechts­iden­ti­täten heraus­ge­for­dert. Geraden im Sport­kon­text ist diese Entwick­lung von Bedeu­tung. Nicht nur eine Viel­zahl an Sport­arten ist an einem binären Verständnis von Geschlecht gekop­pelt, ob sozial konstru­iert oder aufgrund von Wett­kampf­be­din­gungen insti­tu­tio­nell veran­kert.

Ein wesent­li­cher Ansatz liegt auf der Aner­ken­nung der Diver­sität. Denn insbe­son­dere die jüngere Gene­ra­tion sieht sich zuneh­mend nicht mehr ausschließ­lich in binären Geschlech­ter­ka­te­go­rien. Geschlecht­er­neu­trale Ansätze, wie beispiels­weise öffent­liche Schwimm­bäder mit Einzel­um­kleiden und ‑duschen, können dazu beitragen, dass sich Menschen unab­hängig von ihrer Geschlechts­iden­tität in Sport­stätten wohl und sicher fühlen.

Der Prozess beinhaltet mehr als nur die Schaf­fung geschlecht­er­neu­traler Räume. Es geht um die Aner­ken­nung und Wert­schät­zung der Viel­falt von Geschlechts­iden­ti­täten. Ein konti­nu­ier­li­cher Dialog mit der Sport-Commu­nity ist dabei Notwen­dig­keit. Nur so lassen sich die Bedürf­nisse verschie­dener Gruppen zu verstehen.

Es gibt keine univer­selle Lösung, daher ist die Einbe­zie­hung der Nutzer in den Gestal­tungs­pro­zess von so großer Bedeu­tung. Erfolg­reiche Initia­tiven wie die Euro­Games zeigen, wie durch die Berück­sich­ti­gung von Diver­sität und Inklu­sion posi­tive Verän­de­rungen herbei­ge­führt werden können.

Die Akzep­tanz von Trans­gender-Personen und nicht-binären Iden­ti­täten im Sport ist weiterhin umstritten, und die tradi­tio­nelle Bina­rität im Wett­kampf führt oft zu Ausschluss. Daher ist es wichtig, bestehende Struk­turen kritisch zu hinter­fragen und dort anzu­setzen, wo Verän­de­rungen möglich und notwendig sind, um eine inklu­sive und respekt­volle Sport­um­ge­bung zu fördern. Die Sensi­bi­li­sie­rung für geschlechts­spe­zi­fi­sche Viel­falt, nicht-hete­ro­nor­ma­tive Lebens­stile und Iden­ti­täten bleibt von zentraler Bedeu­tung.

Prognose

Mögliche Gegen­ar­gu­mente könnten sein, dass die Mehr­heit immer noch inner­halb der tradi­tio­nellen Geschlech­ter­grenzen in der Sport­welt agiert.

Die Frage geht jedoch über den reinen Aspekt von Gender­neu­tra­lität und Gender­sen­si­bi­lität hinaus. Es steht viel­mehr zur Diskus­sion, ob man die Grund­sätze der Viel­falt und Inte­gra­tion unter­stützen möchte.

Diver­sität und Inklu­sion: Wo fängt das an, wo hört es auf?

The Couch by MVRDV Photo: ©Daria Scagliola & Stijn Brakkee

Diver­sität startet dort, wo Akzep­tanz dafür exis­tiert, dass Menschen unter­schied­lich sind. Inklu­sion hingegen beginnt dort, wo Hete­ro­ge­nität zusam­men­spielen darf.

Schwie­riger wird es mit der Beant­wor­tung der Frage, wo Diver­sität und Inklu­sion aufhören. Die Grenzen dieser Konzepte sind flie­ßend und entwi­ckeln sich mit den sich verän­dernden gesell­schaft­li­chen Bedin­gungen weiter. Sie könnten als über­holt gelten, wenn Unge­rech­tig­keit, Diskri­mi­nie­rung und Ausgren­zung nicht mehr exis­tieren – ein idea­lis­ti­sches Ziel, das in sich wider­sprüch­lich sein kann, da die Entschei­dung über dessen Errei­chung subjektiv ist.

Die Bedeu­tungen von Diver­sität und Inklu­sion haben sich im Laufe der Zeit gewan­delt. Sie spie­geln stets auch ein spezi­fi­sches Werte­ver­ständnis wider. Früher bezog sich Diver­sität haupt­säch­lich auf demo­gra­fi­sche Aspekte wie Herkunft, Geschlecht, Reli­gion und Alter. Heut­zu­tage umfassen diese Konzepte eine brei­tere Palette an Merk­malen, einschließ­lich sexu­eller Orien­tie­rung, Geschlechts­iden­tität, sozio­öko­no­mi­schem Status, körper­li­chen und kogni­tive Verar­bei­tungs­muster (Neuro­di­ver­sität) sowie psychi­scher Gesund­heit.

Inter­sek­tio­na­lität, die Aner­ken­nung von sich über­schnei­denden, die eigene Iden­tität und das Selbst­bild prägenden Erfah­rungen, wird gleich­falls im Kontext Diver­sität berück­sich­tigt. Bei diesem Thema geht es nicht mehr haupt­säch­lich darum, mehr Leute aus einer homo­genen, bestimmten Gruppe einzu­be­ziehen, die bisher nicht so stark vertreten war. Viel­mehr ist es wichtig, anzu­er­kennen, dass es Mehr­fach­dis­kri­mi­nie­rung gibt, welche es notwendig werden lässt, eine entspre­chende Umge­bung zu schaffen, in der sich wirk­lich jede Person als Indi­vi­duum reprä­sen­tiert fühlt.

Dieser Prozess stellt etablierte Normen in Frage, deckt Vorur­teile auf und beleuchtet ungleiche Macht­struk­turen. Kritik­punkte wie die Befürch­tung umge­kehrter Diskri­mi­nie­rung oder der Einsatz von Diver­sität als Selbst­zweck, der echte Inklu­sion verhin­dern könnte, sind Teil der Diskus­sion.

Prognose

Das Verständnis von Diver­sität und Inklu­sion vari­iert je nach kultu­rellem Hinter­grund. In einer globa­li­sierten und vernetzten Welt werden diese Konzepte jedoch inter­na­tional rezi­piert.

Sowohl Diver­sität wie auch Inklu­sion bleiben kontro­vers disku­tiert. Es ist zwar ein fort­lau­fender Prozess, der sich jedoch nicht immer linear bewegt.

Autoren

Anja Kirig

Zukunfts- und Trend­for­schung

Marcel Aberle

Mega­trends & Trans­for­ma­tionen

Fotos

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Was bringt mir Social Media?

Grund­aus­stat­tung

Was bringt mir Social Media?

Mitt­ler­weile ein wich­tiges Werk­zeug für das Bauhand­werk: Social Media und die Digi­ta­li­sie­rung. Welche Vorteile smarte, digi­tale Lösungen unter anderem in der Kunden­an­sprache bringen, erklärt uns Eric Sturm im Gespräch anläss­lich der Fach­messe „DACH+HOLZ Inter­na­tional“, die vom 20. bis 23. Februar in Köln statt­fand. Dipl.-Ing. Eric Sturm, Archi­tektur-Blogger aus Berlin, refe­rierte dort über Social-Media-Marke­ting für Hand­werks­be­triebe.

 

Herr Sturm, Sie sind seit 15 Jahren als Blogger im Bereich Archi­tektur und Bauen aktiv. Wie sind Sie dazu gekommen?

Meine Archi­tektur-Diplom­ar­beit im Jahr 2000 hieß “unternull.de – ein Schwimmbad unter dem Alex­an­der­platz”. Ich habe dafür nicht nur Pläne gezeichnet und Modelle gebaut, sondern auch meine erste Website gestaltet. Die kam super an, erstaun­li­cher­weise auch bei den Medien, vom Lokal­fern­sehen und ‑radio über Tages­zei­tungen bis hin zur BILD-Zeitung. Da habe ich gemerkt: Archi­tektur inter­es­siert die Leute, wenn man sie gut verständ­lich und mit tollen Bildern im Netz präsen­tiert.

 

Welche posi­tiven und nega­tiven Erfah­rungen haben Sie mit Social Media gemacht?

Spontan fallen mir eigent­lich nur posi­tive Dinge ein: Als ich mich 2007 selb­ständig gemacht habe, kamen via XING die ersten Kunden­kon­takte und Aufträge. Bis heute nutze ich die Platt­form gerne für das digi­tale Networ­king. Via Twitter hole ich mir seit zehn Jahren Fach­in­for­ma­tionen, entdecke inter­es­sante Leute, Firmen oder Themen. Insta­gram ist für mich eine super Inspi­ra­ti­ons­quelle in Sachen Archi­tektur. Und über Face­book kann man bestens mit alten Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben, finde ich. Auf allen Platt­formen veröf­fent­liche ich natür­lich auch selbst, zum Beispiel Bilder von fertig­ge­stellten Websites oder Semi­nar­ter­mine. Eine bessere und güns­ti­gere Werbe­form als Social Media kann ich mir gar nicht vorstellen. 

 

Warum empfehlen Sie, soziale Netz­werke aktiv zu nutzen? Wie können sie davon profi­tieren?

Alle Dienst­leister leben von ihrem guten Ruf – oder neudeutsch ausge­drückt: von ihrem Image. Und das Bild, das Inter­es­senten oder Kunden von einem Betrieb haben, wird heut­zu­tage eben auch im Internet geprägt, weil sich viele Kunden zuerst online infor­mieren. Eine Website gehört also als Grund­aus­stat­tung unbe­dingt dazu und wer ein biss­chen mehr tun will, sollte auch die eine oder andere Social Media-Platt­form nutzen. Das lohnt sich übri­gens auch jetzt, wo die Auftrags­bü­cher wegen des Baubooms voll sind: Ein moderner Betrieb, der im Netz sympa­thisch rüber­kommt, findet leichter gute Mitar­beiter, als ein Hand­werker, der nur in einem Bran­chen­buch steht! 

 

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Autor

Eric Sturm
Webde­si­gner, Blogger und Fach­jour­na­list
Dipl.-Ing. Eric Sturm
Sene­fel­d­er­straße 9
D‑10437 Berlin
Das Inter­view erschien zuerst hier.

Foto­graf

Foto Eric Sturm:
Fred Wagner, WWS Film BERLIN
Alle anderen Bilder:
pixabay

Wie viel Fach­wissen ist für Social Media notwendig?

 Eigent­lich recht wenig, denn die Platt­formen sind inzwi­schen so “laien­taug­lich”, dass jeder, der ein Smart­phone (zum Foto­gra­fieren) und einen Computer hat, einfach loslegen kann. Kleiner Tipp: Einsteiger sollte nicht gleich die eigene Unter­neh­mens­seite auf Face­book oder Twitter anlegen. Zum “Üben” macht es Sinn, erst mal ein privates Profil anzu­legen und die verschie­denen Funk­tionen auszu­pro­bieren. Ganz wichtig auch: Erst mal gucken, was die anderen so machen, also die Wett­be­werber aus der eigenen Branche. 

 

Welche Kanäle und Akti­vi­täten lohnen sich? Wie viel Zeit und Geld kostet das?

Kurze Antwort: An Face­book kommt (noch) niemand vorbei, da sollte man unbe­dingt vertreten sein. Insta­gram ist super, wenn man jüngere Leute errei­chen will und gutes Bild­ma­te­rial hat. Und Twitter ist optimal, um Poli­tiker, Verbands­leute und vor allem Jour­na­listen zu errei­chen. Zum Thema Kosten: Ein paar Stunden pro Monat und – wenn man einen Dienst­leister beauf­tragt – ein paar Hundert Euro muss man dafür natür­lich schon inves­tieren. Aber ich finde, es lohnt sich. Und man kann viel­leicht an einer anderen Stelle sparen, zum Beispiel bei den Stel­len­an­zeigen in den klas­si­schen Medien. 

 Ist es für Betriebe oder Firmen ratsam, seine Kunden und Follower durch Social Media hinter die Kulissen blicken zu lassen, zum Beispiel mit Werk­statt­bil­dern und Impres­sionen vom Arbeits­alltag?

Solche Sachen finde ich super und sie kommen meis­tens am besten an. Natür­lich wird jeder Betrieb seine eigene Stra­tegie entwi­ckeln: Die einen wollen als beson­ders inno­vativ wahr­ge­nommen werden und posten auch mal tech­ni­sche Details, die anderen setzen viel­leicht einen Schwer­punkt auf die Perso­nal­ge­win­nung, da steht dann mehr das Team im Vorder­grund. Aber grund­sätz­lich gilt: Eine gute Mischung von “Hoch­glanz-Bildern”, zum Beispiel von neuen Projekten, und dem Blick hinter die Kulissen ist optimal. 

 

Wo erhalten wir fach­liche Unter­stüt­zung beim Thema Social Media?

Natür­lich bei Webde­si­gnern wie mir! (lacht). Aber man muss auch nicht gleich zu einer Agentur oder einem Berater gehen. Um einen Über­blick zu bekommen, rate ich zu einem Semi­nar­be­such. Insti­tu­tionen wie die örtliche Hand­werks­kammer oder die Volks­hoch­schulen bieten dafür gute Schu­lungen und Vorträge an. Übri­gens sind auch die Semi­nare der Archi­tek­ten­kam­mern, wo ich meine Semi­nare halte, für Nicht-Mitglieder offen. Nach so einem Seminar hat man das erfor­der­liche Grund­la­gen­wissen und kann mit Social Media loslegen! 

Herr Sturm, besten Dank für das Gespräch! 

 

Spor­ti­vity

Der Sport muss zum Menschen kommen

Spor­ti­vity: Warum Sport und Bewe­gung neu gedacht werden müssen

Sport beschäf­tigt uns

Die guten Nach­richten zuerst: Sport beschäf­tigt uns im Alltag, wie selten zuvor. Er ist ein Lebens­ge­fühl des 21. Jahr­hun­derts, zu dem jeder eine Posi­tion bezieht. Sport oder Spor­ti­vity ist Thema bei Partys, defi­niert das Körpe­rideal in der Vorstands­etage, prägt die Mode und ist Dauer­thema in den Medien – ob aufgrund eines Sport­er­eig­nisses, Tipps zur Gesund­heit oder dem nicht enden wollenden Lamen­tieren über die bewe­gungs­faule Gesell­schaft. Fakt ist, dass 75 % der Zentral­eu­ro­päer laut Umfragen gerne mehr Sport betreiben würden.

 

„Mega­trends“ gene­rieren neue Sport­mo­tive

Hinter­grund für den derzeit radi­kalen Wandel der Sport­ge­sell­schaft in Rich­tung Spor­ti­vity sind „Mega­trends“ wie etwa Gesund­heit, Indi­vi­dua­li­sie­rung, Konnek­ti­vität, New Work, Sicher­heit oder Urba­ni­sie­rung. Diese großen Umwäl­zungen unseres Alltags schaffen neue sozio­kul­tu­relle Entwick­lungen und gene­rieren verän­derte Bedürf­nisse bei den Menschen. Diese Trans­for­ma­tion zur „Spor­ti­vity“ modu­liert die Motive des Einzelnen für die Ausein­an­der­set­zung mit Sport:

  • Sport bleibt Unter­hal­tung und Event, bei dem sich der einst passive Fan mehr und mehr aktiv einbringt und zum co-aktiven Zuschauer wird.
  • Sport ist eine Frage des Images, ein Mittel zur Selbst­dar­stel­lung und lässt damit Sport­muffel zu Sport­sty­listen werden.
  • Bewe­gung ist eine Form der Zustands­re­gu­la­tion des Einzelnen, wenn sie dem Ausgleich und Wohl­be­finden dient.
  • Sport ist mehr denn je Verpflich­tung zum Zwecke der Gesund­erhal­tung und wird dadurch zum Thema der Arbeit.
  • Sport bleibt wichtig als verbin­dendes Element für Gemein­schaft, das neue Wir-Gefühl wird jedoch anders als einst erzeugt.
  • Sport hat natür­lich auch das Ziel der Verbes­se­rung, des Gewin­nens, insbe­son­dere dann, wenn neue Tech­niken Leis­tungen ermög­li­chen, die vorher nicht denkbar waren.
  • Und Sport hat den Thrill und Adre­na­lin­kick als Motiv, wodurch die Grenzen verschoben werden und das Nicht­ge­dachte auspro­biert wird.

 

Spor­ti­vity: Neue Quali­täten des Sports erfor­dern neue Bedin­gungen für Sport

Die verbin­denden Elemente dieser Bedürf­nisse und Motive der Menschen an den Sport basieren auf drei Werten: Leis­tung, Iden­tität und Lebens­en­ergie. Die Kombi­na­tion dieser drei Quali­täten bildet die Grund­pfeiler der Spor­ti­vity und die Voraus­set­zung für die funk­tio­nie­rende Zivil­ge­sell­schaft der Zukunft. Um das zu errei­chen, müssen unter Berück­sich­ti­gung der Mega­trends und ihrer Auswir­kungen auf die Sport­mo­tive der Menschen jedoch neue Bedin­gungen geschaffen werden, unter welchen Sport zukünftig möglich wird.

 

Die Autorin

ANJA KIRIG
ANJA KIRIG
Anja Kirig ist seit 2005 als Trend- und Zukunfts­for­scherin tätig. Schwer­punkte ihrer Arbeit sind die Themen Tourismus, Sport, Frei­zeit, Neo-Ökologie, Gesund­heit, Ernäh­rung und neue Geschlech­ter­rollen. Im Fokus stehen dabei sozio­kul­tu­relle Entwick­lungen, deren Auswir­kungen auf Lebens­stile und die sich daraus entwi­ckelnden neuen. Bedürf­nis­struk­turen. Die Poli­to­login lebt und arbeitet in Stutt­gart.

Der Sport muss zum Menschen kommen, nicht der Mensch zum Sport

Wir leben in einer Zeit, in der Orts- und Zeit­fle­xi­bi­lität in jedem Aspekt unseres Alltags umsetzbar sein muss. Die großen Trend­ent­wick­lungen wie etwa Mobi­lität, Globa­li­sie­rung und Konnek­ti­vität erfor­dern und ermög­li­chen, dass wir von überall aus arbeiten, einkaufen, kommu­ni­zieren können. Diesen Ansprü­chen muss auch der Sport gerecht werden, indem er dem Konsu­menten ein Höchstmaß an Flexi­bi­lität ermög­licht. Umfragen zeigen schon heute, dass ein Groß­teil der Euro­päer Sport zu Hause oder unter­wegs zwischen zwei Orten betreibt. Der Sport der Zukunft muss den Menschen dort errei­chen, wo dieser sich aufhält.

 

Sport ist eine Aufgabe der Arbeit

Und damit werden Sport und Spor­ti­vity auch zu einer der großen Aufgaben der Arbeits­welt. Die Inte­gra­tion der Bewe­gung in den Berufs­alltag muss ähnlich konse­quent verfolgt werden wie Sport­an­ge­bote im Bildungs­system gefor­dert werden. Denn die große Lücke der Nicht­sportler ist genau hier zu finden. Mit Eintritt in die Berufs­tä­tig­keit sinkt die Akti­vi­täts­phase rapide ab, steigt erst wieder in der Rente an. Arbeit als Hinde­rungs­grund für Sport wird von rund jedem Zweitem genannt. Dabei geht es nicht nur um gesund­heit­liche Quali­täten, sondern auch um die Förde­rung eines inno­va­tiven und krea­tiven Arbeits­geistes. Hierbei muss auf die indi­vi­du­ellen Bedürf­nisse des Einzelnen Rück­sicht genommen und ihm genü­gend Selbst­ver­ant­wor­tung für Zeiten und Inten­sität über­tragen werden. Wichtig ist vor allem, dass Sport als bezahlter Teil der Arbeit und nicht als eine Extra­leis­tung nach Feier­abend ange­sehen wird.

 

Stand­orte und Desti­na­tionen benö­tigen eine Sport-Infra­struktur

Eine funk­tio­nie­rende Sport-Infra­struktur trägt auch zum Erfolg einer ganzen Desti­na­tion bei. Die nach­fol­genden Gene­ra­tionen haben hohe Ansprüche an Arbeits- und Lebens­welten. Der Zugang zu Sport­mög­lich­keiten muss hier gegeben sein. Auch hier ist wieder zu beachten, dass die Palette der Sport­be­dürf­nisse abge­deckt wird und sowohl die Flexi­bi­lität, wie auch die Einbin­dung in die Unter­neh­mens­kultur garan­tiert ist.

 

Spor­tivty fordert Sport­ver­eine heraus

Das Bedürfnis nach Flexi­bi­lität hat in den letzten Jahren Indi­vi­du­al­sport­arten populär gemacht. Doch die Sehn­sucht nach Gemein­schaft bleibt, und kombi­niert mit neuen digi­talen Möglich­keiten haben sich über soziale Netz­werke neue, infor­melle Sport­gruppen etabliert. Unab­hängig von Vereinen lässt es sich spontan und ohne weitere Verpflich­tungen gemeinsam trai­nieren. Die Unkom­pli­ziert­heit von Gemein­schaften, denen man jeder­zeit beitreten und sie auch wieder verlassen kann, ist ein wich­tiges Krite­rium. Die Konnek­ti­vität trägt hier maßgeb­lich zu neuen Trai­nings­ver­bänden bei, fordert aber auch auf anderer Ebene noch die Vereine in ihren alten Struk­turen heraus. Auch weil Technik immer mehr zum Trainer wird: Etwa durch „Weara­bles“, die künftig nicht mehr nur am Hand­ge­lenk sitzen, sondern sich im Ball, am Körper oder sogar im Körper befinden werden.

 

Amagar Bakke, Aha-Effekte und Atmo­sphäre

Ein Gespräch mit Anja Kirig

Erzählen Sie uns von Ihren Lieb­lings-Sport­an­lagen.

Amager Bakke (Bild links) faszi­niert mich. Alle Konzepte, in denen Work-Life-Blen­ding möglich ist, wo die Arbeit zum Sport oder der Sport zur Arbeit kommt. Für die Bevöl­ke­rung nieder­schwellig und am besten kostenlos nutz­bare Sport­an­lagen, die von Vereinen wie inof­fi­zi­ellen Sport­gruppen glei­cher­maßen genutzt und gepflegt werden.

 

Welche Archi­tekten und Gebäude haben Sie nach­haltig beein­druckt?

Ästhe­tisch anspre­chende, gleich­zeitig multi­funk­tional nutz­bare Gebäude, die sich am besten noch mit den Bedürf­nissen der Zeit anpassen.

 

Was und wen halten Sie für die Trends und Trend­setter der Branche?

Neues Arbeiten, Indi­vi­dua­li­sie­rung, Konnek­ti­vität, Mobi­lität und klar: ein neues Gesund­heits­ver­ständnis.

 

Welches Buch sollten Archi­tekten in dieser Branche gelesen haben?

Archi­tekten sollten sich ständig mit den zukünf­tigen Bedürf­nissen und Trend­ent­wick­lungen der Gesell­schaft ausein­an­der­setzen. Gute Anre­gungen und Aha-Effekte kommen häufig aus fach­fremder Lite­ratur. Das geht mir oft ganz ähnlich.

 

Was ist/war Ihr Lieb­lings­lied beim Schreiben?

Ich höre grund­sätz­lich keine Musik beim Arbeiten, mag aber den „urban Sound“ um mich herum: Menschen auf den Straßen, Busse, mitunter auch der Geräusch­pegel eines Cafés. Ich schätze die Atmo­sphäre von Büche­reien ebenso wie das Arbeiten in Zügen.

Sicher­heit und Qualität werden zu Kern­themen

Tech­ni­sche Inno­va­tionen bringen mehr Menschen zum Sport, erhöhen die Sicher­heit, stellen aber gleich­zeitig auch mögliche Gefahren dar. Technik braucht Qualität, genauso wie Trainer neue Quali­täten mitbringen müssen, wenn sie auf Kunden treffen, die inno­vativ trai­nieren möchten. Zusätz­lich bedarf es Ideen, wie auch Indi­vi­du­al­sport­arten ein Höchstmaß an Sicher­heit bieten können. Denn gerade durch den verein­fachten Zugang, beispiels­weise zu Wasser- oder Berg­sport erhöht sich die Nach­frage nach Sicher­heit und Qualität in Ausrüs­tung und Unter­wei­sung, auch mit Hilfe digi­taler Methoden.  

Kommu­ni­ka­tion richtet sich an Lebens­stile und nicht an Ziel­gruppen

Wichtig für die Zukunft des Sports ist, dass in der Sport­ge­sell­schaft nicht mehr äußere Faktoren wie Alter, Herkunft oder Geschlecht maßgeb­lich sein dürfen, sondern der Mensch in seinem jewei­ligen Lebens­stil ange­spro­chen werden muss. Das verbin­dende Element zwischen der 70-jährigen Rent­nerin, dem homo­se­xu­ellen Fami­li­en­vater, der syri­schen Studentin und dem blinden Unter­nehmer ist die Leiden­schaft für Fußball, Klet­tern oder Schwimmen.  

Perspek­tive

Das Phänomen Sport war noch nie so komplex und mehr­di­men­sional, wie es sich in der Gesell­schaft des fort­schrei­tenden 21. Jahr­hun­derts präsen­tiert. Sport zeigt sich in seiner Ausübung sehr paradox, vereint in der Praxis aber auch schein­bare Wider­sprüche. So lässt sich einer­seits eine Verein­fa­chung wie auch Profes­sio­na­li­sie­rung beob­achten; es findet sowohl eine Verlang­sa­mung wie auch Extre­mi­sie­rung statt und parallel zur Sehn­sucht nach mehr Selbst­be­stim­mung im Sport, steigt der Wunsch nach mehr Sicher­heit. Andere Aspekte wiederum, etwa On- und Offline, Indi­vi­duum und Gemein­schaft, Passi­vität und Akti­vität sowie Frei­zeit und Arbeit vermi­schen sich, gehen inein­ander über und stellen dadurch die „alte“ Sport­kultur vor große Heraus­for­de­rungen und sogar in Frage. Die Sport­ge­sell­schaften der Zukunft sind aber auch eine Chance für Kultur, Gemein­schaft, Bildung und Arbeit, wenn recht­zeitig auf die Phäno­mene reagiert und der Zugang zur Spor­ti­vity ermög­licht wird.

Eye-Tracking in der Archi­tektur

Game-Chan­ging

Eye-Tracking in der Archi­tektur

Form follows brain func­tion

Während sich viele Archi­tekten noch immer an den Satz “Form follows func­tion” klam­mern, könnte „Form follows brain func­tion“ das Motto heutiger Werbe­trei­bender und Auto­mo­bil­her­steller sein. Die setzen zuneh­mend High­tech-Werk­zeuge einsetzen, um verbor­gene mensch­liche Verhal­tens­weisen zu verstehen und ihre Produkte entspre­chend zu gestalten – ohne jemals unsere Erlaubnis einzu­holen.

Biome­tri­sche Werk­zeuge wie ein EEG (Elek­tro­en­ze­pha­logramm), das Gehirn­wellen misst, eine Mimik-Analyse-Soft­ware, die unseren sich ändernden Ausdrü­cken folgt, und das Eye-Tracking, das es uns ermög­licht, “unbe­wusste” Augen­be­we­gungen aufzu­zeichnen, sind bereits heute in der Werbung und Produkt­ent­wick­lung allge­gen­wärtig. Mit Eye-Tracking bezeichnet man das Aufzeichnen der haupt­säch­lich aus Fixa­tionen (Punkte, die man genau betrachtet), Sakkaden (schnellen Augen­be­we­gungen) und Regres­sionen bestehenden Blick­be­we­gungen einer Person. Als Eyetra­cker werden Geräte und Systeme bezeichnet, die die Aufzeich­nung vornehmen und eine Analyse der Blick­be­we­gungen ermög­li­chen. Das Eye-Tracking wird als wissen­schaft­liche Methode in den Neuro­wis­sen­schaften, der Wahrnehmungs‑, Kogni­tions- und Werbe­psy­cho­logie, im Produkt­de­sign und der Lese­for­schung einge­setzt.

Was passiert, wenn man biome­tri­sche Messungen wie das Eye-Tracking auf die Archi­tektur anwendet? Mehr als wir erwartet haben.…

Wir haben seit 2015 vier Pilot­stu­dien durch­ge­führt, die sich mit Gebäuden in Stadt und Vorort (New York City, Boston, Somer­ville und Devens, MA) beschäf­tigen – und wir sind der Meinung, dass diese Tech­no­lo­gien unser Verständnis der Wirkung von Archi­tektur auf die Menschen gehörig durch­ein­an­der­wir­beln.

Wir können schon jetzt mensch­liche Reak­tionen vorher­sagen, zum Beispiel, ob Menschen außer­halb eines neuen Gebäudes verweilen oder sofort die Flucht ergreifen wollen. (Mehr über unsere erste Eye-Tracking-Studie in der Titel­ge­schichte des Plan­ning Maga­zine, Juni 2016.)

Sehen Sie, wie wir Gebäude sehen. Hier sind drei uner­war­tete Erkennt­nisse aus dem Eye-Tracking in der Archi­tektur.

Fotos

Ann Sussman
(unless other­wise noticed)

Vielen Dank an

  • Common Edge (hier erschien der Artikel zuerst)
  • Boston’s Insti­tute for Human-Centered Design
  • The Devens Enter­prise Commis­sion
  • Prof Justin B. Hollander und Hanna Carr ‘20, Tufts Univer­sity
  • Dan Bartman, City of Somer­ville Plan­ning Depart­ment
  • Für “game-chan­ging tech­no­lo­gical tools”: iMotions und 3M VAS

1. Menschen igno­rieren leere Fassaden

Menschen neigen über­haupt nicht dazu, auf große, leere Dinge oder Flächen zu blicken, zum Beispiel auf Fassaden ohne Funk­tion oder auf sich wieder­ho­lende Glas­fas­saden. Dafür sind unsere Gehirne nach 3,6 Milli­arden Jahren Evolu­tion einfach nicht geschaffen. Das liegt wahr­schein­lich daran, dass uns große, leere und nichts­sa­gende Dinge selten getötet haben. Oder anders ausge­drückt: Unsere heutige moderne Archi­tektur gibt es noch nicht lange genug, um unsere Verhal­tens­weisen und unser zentrales Nerven­system zu beein­flussen, das sich über Jahr­tau­sende entwi­ckelt hat, um unser Über­leben in freier Wild­bahn zu sichern. Aus der visu­ellen Perspek­tive des Gehirns könnten leere oder blanke Flächen genauso gut nicht vorhanden sein.

Das Bild oben zeigt zwei Ansichten der NYCs Stap­leton-Biblio­thek: eine mit den vorhan­denen Fens­tern rechts und links, eine ohne sie (mit Photo­shop retu­schiert). Die leuch­tend gelben Punkte stellen “Fixa­tionen” dar, die zeigen, wo die Augen in einem 15-Sekunden-Inter­vall ruhen, die Linien dazwi­schen sind die “Sakkaden”, die der Bewe­gung zwischen den Fixie­rungen folgen. Im Durch­schnitt bewegten die Zuschauer ihre Augen 45-mal pro Test­in­ter­vall, mit wenig bis keiner bewussten Anstren­gung. Im Bild links, ohne Fenster, igno­rierten die Test­teil­nehmer das Äußere mehr oder weniger, abge­sehen von der Türöff­nung. Dies ist bei dem Bild rechts nicht der Fall.

Die Fotos darunter zeigen Heat Maps, die die Betrach­tungs­daten mehrerer Personen zusam­men­fassen. Diese Karten leuchten am hellsten, wo die Menschen am meisten hinsahen. Sie deuten darauf hin, wie wichtig eine struk­tu­rierte Fassade sind, denn diese fixiert unsere Blicke und sorgt für Kontrast­be­reiche. Danach suchen unsere Augen, darauf bleiben unsere Blicke haften. Immer wieder stellten unsere Studien fest, dass Gebäude mit gelochten Fens­tern (oder symme­tri­schen Berei­chen mit hohem Kontrast) ins Auge fallen und solche ohne Fenster nicht.

2. Fixa­tion schafft Inter­esse

Warum ist es wichtig, wo Menschen unbe­wusst hinschauen? Das ist die ulti­ma­tive Frage. Im Laufe unserer Forschung haben wir uns ein kogni­tives Mantra ange­eignet: “Fixa­tion schafft Inter­esse.” Wir haben gelernt, dass unbe­wusste, versteckte Sehge­wohn­heiten (wie eben das Fixieren) darüber bestimmen, wohin unsere Aufmerk­sam­keit geht – und das ist enorm wichtig.

Warum? Unbe­wusste Fixie­rungen lenken bewusstes Handeln und Verhalten. Kein Wunder, dass Honda und GM diese Tech­no­logie nutzen. Kein Wunder, dass die Werbe­trei­benden das auch tun. Sie wollen wissen, wo wir hinsehen und wo wir suchen. Auf diese Art und Weise wollen sie unser Verhalten steuern und sicher­stellen, dass ihre Anzeige die gewünschte Aufmerk­sam­keit erregt, und diese dementspre­chend gestalten und plat­zieren.

Und was ist mit der Archi­tektur? 
Eye-Tracking kann uns helfen, die Sekun­den­bruch­teile von Erfah­rungen zu entwirren, die unser Verhalten Gebäuden gegen­über auf eine Art und Weise bestimmen, die wir viel­leicht nie reali­sieren werden. Um zu sehen, welche Aufschlüsse unser Verhalten zulässt, nehmen wir die Szene oben; links ist der Davis Square in Somer­ville, MA, ein dichtes Wohn­viertel in der Nähe von Cambridge, wo viele Colleges und Geschäfte ange­sie­delt sind. Rechts im Bild ist eine Photo­shop-Version der glei­chen Szene zu sehen. Im vergan­genen Jahr haben wir mehr als 300 Personen bei Vorträgen gefragt, wo sie lieber stehen und auf einen Freund warten: vor einem leeren Gebäude oder vor einem Gebäude mit dem bunten Matisse-ähnli­chen Wand­bild. Erstaun­li­cher­weise – ohne jede Rück­kop­pe­lung – warten ausnahmslos alle Befragten lieber vor dem Wand­bild. 

Warum ist das so?
Eyetracking liefert einige inter­es­sante Antworten. Das Wärme­bild zeigt an, dass das Wand­bild Fixpunkte bietet, auf die wir uns konzen­trieren können. Diese geben uns eine Art von Bindung, die wir mögen und die wir viel­leicht brau­chen; ohne diese Verbin­dungen wissen die Menschen anschei­nend nicht, wohin sie gehen sollen. Diese Macht der Fixpunkte ist erstaun­lich, aber offen­sicht­lich. Sie treibt unseren Erkun­dungs­geist voran, ob in Anzeigen oder in der Archi­tektur.

3.Menschen suchen Menschen – immer

Die wich­tigste Erkenntnis, die uns unsere Eye-Tracking-Studien in Bezug auf Archi­tektur bescherte, hat ironi­scher­weise nichts mit Gebäuden zu tun: Menschen suchen zual­ler­erst nach Menschen. Wir sind eine soziale Spezies, unsere Wahr­neh­mung ist rela­tional. Mit anderen Worten: Sie wurde für die Wahr­neh­mung anderer Menschen entwi­ckelt. Eye-Tracking-Studien belegen dies immer wieder. Ja, Archi­tektur ist wichtig, aber aus der Sicht unseres Gehirns sind Menschen wich­tiger. Egal, wo sie sind.

Wir sahen diesen Blick auf Bostons berühmten Copley Square mit seiner histo­ri­schen Trinity Church (ca. 1877) und dem ebenso histo­ri­schen Hancock Tower (ca. 1976), der kürz­lich den Besitzer wech­selte und heute 200 Clarendon heißt (siehe Bilder oben). Im Jahr 2015 zeigte der Turm eine tempo­räre Kunst­in­stal­la­tion eines Mannes, der auf einem schwim­menden Last­kahn steht. Raten Sie mal, wo die Leute gesucht haben.

Wenn Sie sich für die kleine Silhou­ette des Mannes entschieden haben, haben Sie Recht. Richard­so­nian Roma­nesque, ein Archi­tek­tur­stil der Neuro­manik, hat seinen Reiz, aber wenn es um mensch­liche Körper geht, dann ist es das, worauf Ihr Gehirn sich konzen­trieren möchte – das zeigt der rötlichste Bereich auf dem Wärme­bild sehr deut­lich. Dort guckten die Leute hin, den Rest des Glas­turms würdigten sie kaum eines Blickes – er bietet einfach kein Futter, jeden­falls nicht aus der 3,6 Milli­arden Jahre alten Perspek­tive unseres Gehirns.

Was lernen wir daraus?
Die Evolu­tion ist real und wir sind Teil des Prozesses. Das Eye-Tracking von Archi­tektur zeigt uralte Algo­rithmen, die uns leiten, obwohl wir sie nicht wahr­nehmen. Humane Archi­tektur berück­sich­tigt unsere tieri­sche Natur und unsere bemer­kens­werte Geschichte. Unsere Vorfahren lernten auf die harte Tour, ihre Umge­bung sofort nach Kontrasten und anderen Lebe­wesen, insbe­son­dere Gesich­tern, abzu­su­chen, und sie gaben diese arterhal­tenden Eigen­schaften an uns weiter. Diese Verhal­tens­weisen werden nicht so schnell verschwinden.

Das stehen wir also: Moderne Menschen, denen wir mit modernster Technik nach­weisen, dass sie auf die Silhou­ette eines Menschen 35 Etagen über uns glotzen. Das hat nicht allzu viel Sinn. Es sei denn, wir berück­sich­tigen unsere Herkunft und Evolu­tion – und den Über­le­bens­kampf, den wir offenbar auch heute noch zu kämpfen haben.

Ann Sussman

Ann Sussman ist Autorin, Archi­tektin und Forscherin auf dem Gebiet der Biome­trie. Ihr Buch „Cogni­tive Archi­tec­ture, Desig­ning for How We Respond to the Built Envi­ron­ment“ (2015), gemeinsam mit Justin B. Hollander verfasst, gewann 2016 den EDRA-Preis für Forschung.
Weitere Infor­ma­tionen: annsussman.com. Blog: geneticsofdesign.com.

FÜNF ANTWORTEN
  1. Erzählen Sie uns von Ihren Top 5 Sport­an­lagen.
    Es gibt eine Arena, die schon immer Teil meines Lebens war: das Kolos­seum in Rom!  Meine Mutter fand einen Druck von Pira­nesi, als ich ein Kind war und wir in Europa lebten; wir brachten ihn mit uns in die Verei­nigten Staaten zurück, wo sie ihn ins Wohn­zimmer hängte. Heute schmückt dieser Druck mein Esszimmer. Bei der Beant­wor­tung dieser Frage wird mir klar, dass ein 2.000 Jahre altes Amphi­theater das Gebäude ist, das ich mir am häufigsten ange­sehen habe!
  2. Welche Archi­tekten und Gebäude haben Sie nach­haltig beein­druckt?
    Das andere Gebäude, das einen blei­benden Eindruck hinter­lassen hat, ist Palla­dios Villa Rotunda oder Villa Capra in Italien. Ich habe mich in sie verliebt, als ich Archi­tektur studiert habe. Ich habe sogar Palla­dios Pläne zu einem lokalen Bäcker gebracht, damit er sie auf meine Hoch­zeits­torte bringt! Dieses Gebäude beein­flusste das Design unzäh­liger anderer Bauten auf der ganzen Welt, auch in den USA, auch das Weiße Haus. Und die palla­di­sche Fassade des Hauses des ameri­ka­ni­schen Präsi­denten ist heute auf jeder ‑Note. Ich konnte nicht verstehen, warum ein Landgut, das für einen pensio­nierten Vatikan-Kleriker im 16. Jahr­hun­dert entworfen wurde, die ameri­ka­ni­sche Demo­kratie reprä­sen­tieren könnte! Also haben wir die Villa ausfindig gemacht – und eine faszi­nie­rende Antwort erhalten: In der prä-atten­tiven Verar­bei­tung (die ersten 3–5 Sekunden, in denen man etwas betrachtet), sugge­riert die Villa ein Gesicht!  Und wegen der Verka­be­lung unseres Gehirns kann uns kein anderes Bild so packen – und kein anderes Muster wird das jemals tun.
  3. Was und wen halten Sie für die Trends und Trend­setter der Branche?
    Zu den wich­tigsten Trends in der Archi­tek­tur­branche gehört die Nach­hal­tig­keit, das Design zur Förde­rung der mensch­li­chen Gesund­heit und des Wohl­be­fin­dens sowie neue Erkennt­nisse in der Kogni­ti­ons­wis­sen­schaft, die uns zu verstehen helfen, was unser Gehirn sehen soll. Weitere Infor­ma­tionen zu letz­teren finden Sie auf unserer Website: geneticsofdesign.com.
  4. Welches Buch sollten Archi­tekten in dieser Branche gelesen haben?
    Ich muss das Buch empfehlen, das ich zusammen mit dem Tufts Univer­sity Professor Justin B. Hollander, geschrieben habe: Cogni­tive Archi­tec­ture, Desig­ning for How We Respond to the Built Envi­ron­ment (Rutledge, 2015), und eines von einem Nobel­preis­träger für Neuro­wis­sen­schaftler über die Gründe, warum Kunst­werke entstehen: Eric Kandel, The Age of Insight (2012).  Es gibt auch ein gutes kleines Einfüh­rungs­buch von Oxford Univer­sity Press.
  5. Was ist/war Ihre Lieb­lings­musik beim Entwerfen?
    Das Summen eines kleinen Cafés; das Murmeln der Menschen, die reden und das Klirren der Kaffee­tassen ist irgendwie sehr beru­hi­gend und bringt mich dazu, das Beste zu denken.

Janice M. Ward 
ist Schrift­stel­lerin, Desi­gnerin, Blog­gerin und MINT-Befür­wor­terin. Gemeinsam mit Ann Sussman ist sie Autorin der Titel­story der Juni 2016-Ausgabe des Plan­ning Maga­zine: Mit Eyetracking und anderen biome­tri­schen Tools helfen sie Planern, gebaute Umge­bungen zu gestalten. Mehr Infos unter acanthi.com und geneticsofdesign.com.

FÜNF ANTWORTEN
  1. Erzählen Sie uns von Ihren Top 5 Sport­an­lagen.
    Ich wurde in Boston geboren, also zieht es mich in den Fenway Park, der als eines der 10 wich­tigsten histo­ri­schen nord­ame­ri­ka­ni­schen Stadien gelistet ist. Es ist der lokale, senti­men­tale Favorit.
  2. Welche Archi­tekten und Gebäude haben Sie nach­haltig beein­druckt?
    Zu unserem 20. Hoch­zeits­tages besuchten mein Mann und ich Frank Lloyd Wright’s Falling Water. Atem­be­rau­bend. Nicht bequem nach heutigen Maßstäben, aber erstaun­lich. Stellen Sie sich ein 5.300 m² großes Haus vor, das über einem Wasser­fall mit Gewächs­haus und einer Treppe gebaut wurde, die hinunter zu einem Bach führt.
  3. Was und wen halten Sie für die Trends und Trend­setter der Branche?
    Archi­tektur sollte mit dem tech­no­lo­gi­schen Wandel Schritt halten. Nicht nur die Gebäu­de­technik. Design-Schulen sollten Initia­tiven aus den Berei­chen Wissen­schaft, Tech­no­logie, Inge­nieur­wesen, Mathe­matik (STEM), einschließ­lich Neuro­wis­sen­schaften, Biologie, Infor­matik und biome­tri­sche Werk­zeuge inte­grieren, um menschen­zen­trierte, daten­ge­steu­erte Umge­bungen zu entwi­ckeln.
  4. Welches Buch sollten Archi­tekten in dieser Branche gelesen haben?
    Die Technik entwi­ckelt sich so schnell, dass ich dazu tendiere, Online-Inhalte in Websites, Blogs und Maga­zinen zu lesen. Zwei Favo­riten sind Archi­tec­tural Record und Dwell. “The Hidden Life of Trees: What They Feel, How They Commu­ni­cate” von Peter Wohl­leben ist das Buch, das ich gerade genieße.
  5. Was ist/war Ihre Lieb­lings­musik beim Entwerfen?
    Während des Schrei­bens höre ich oft Bach, Eliot Fisk oder Andre Segovia. Sanfte, instru­men­tale Musik ohne Ablen­kung.

Bauen mit Social Media

Auch Archi­tekten brau­chen Likes

Bauen mit Social Media

von Katie Dabbs

Digi­ta­li­sierte Biester

Wir haben uns zu digi­ta­li­sierten Bies­tern entwi­ckelt, die in Sekun­den­schnelle persön­liche State­ments senden können. Bilder, Posts, Einla­dungen und Tweets: Wir sind in der Lage, Meinungen und Ideen – Halb­gares wie Voll­wer­tiges – im Hand­um­drehen zu verbreiten. Wir kommu­ni­zieren täglich mit einem Publikum, das wir zum Teil kennen, zum Teil aber auch nicht. Wir posten Selfies, folgen unter­schied­lich promi­nenten Menschen oder bekunden unsere Liebe zu einem bestimmten Donut-Shop. Die Public Rela­tions Mana­gerin Katie Dabbs macht sich Gedanken darüber, wie sich diese Entwick­lungen auf Archi­tektur und Design auswirken: Bauen mit Social Media.  

Norman Foster vs Bjarke Ingels

Die Tage des Zeichen­bretts, der glit­zernden hand­ge­fer­tigten Modelle und der Hard­cover-Refe­renz­mappen sind vorbei. Es gibt 3D DruckOculus Rift, geren­derte Videos und Social Media. Ein Beispiel: Rupert Murdochs Medi­en­un­ter­nehmen 21st Century und Fox beauf­tragen nicht etwa den 80-jährigen Sir Norman Foster mit der Planung ihres vierten und letzten Wolken­krat­zers, sondern den jungen Parvenu Bjarke Ingels. Für die Vanity Fair und ihren Autor Paul Gold­berger ist dies „mehr als ein ödipales Grum­meln in der Archi­tek­tur­welt. Es sagt viel aus über die Welt der Medien, und nicht nur über Murdochs Medien.” Als PR-Mana­gerin, die ihre kurze bishe­rige Karriere in Archi­tek­tur­büros verbracht hat, ist es meine Aufgabe, das Entstehen eines Gebäudes in den Medien abzu­bilden. Das Hand­werk, die Mate­ria­lien, die Methoden, die Technik, das Team­work, die Part­ner­schaften, die Manpower. Mit Social Media haben wir ein mäch­tiges Werk­zeug, das die verbrau­cher- und konsum­ori­en­tiertem Unter­nehmen sofort genutzt haben. Bauen mit Social Media holt nun auf.

 

Kim Karda­shian kennt den Weg

„Twitter wurde für einen Moment mein Google”, sagte immerhin die Social-Media-Monar­chin Kim Karda­shian in einem kürz­lich veröf­fent­lichten Inter­view. Sie hatte ihre 34,7 Millionen Anhänger inter­viewt und nach Film­be­wer­tungen, Restau­rants und dem rich­tigen Rosaton einer Parfüm­fla­sche befragt. So trivial ihre Fragen auch erscheinen mögen: Die Geschichte zeigt ihr spezi­elles Talent, in Sekun­den­schnelle wert­volle Markt- und Marken­ein­blicke zu sammeln. Auch in der Archi­tektur spielt die öffent­liche Meinung eine immer wich­tiger werdende Rolle. Vorschriften, Kontrollen und gesell­schaft­liche Entwick­lungen können den Verlauf eines Baupro­jekts erheb­lich beein­flussen, vor allem im Bereich der öffent­li­chen Archi­tektur (denken Sie an Kongress­zen­tren, Stadien, Museen oder Flug­häfen). Für die geplante Erwei­te­rung der Frick Coll­ec­tion in Manhattan sollte ein wert­voller Garten weichen. Der öffent­liche Aufschrei war enorm und wurde durch die sozialen Medien sehr schnell öffent­lich. Den Verant­wort­li­chen blieb keine andere Wahl: Sie entwarfen sehr schnell einen neuen Plan, der den geliebten Garten schonte und auf die Sorgen der Öffent­lich­keit reagierte.

Stellt Euch dar!

Die öffent­liche Meinung ist mächtig. Die Umset­zung öffent­li­cher Baupro­jekte dauert Jahre, verschlingt Tausende von Arbeits­stunden und viel Geld – und hat erheb­liche Auswir­kungen auf die Gemein­schaft, für die es entsteht. Öffent­liche Archi­tektur beein­flusst also das Leben der Menschen nach­haltig, im Guten wie im Schlechten. Planer und Archi­tekten müssen das wissen und berück­sich­tigen, heute mehr als je zuvor. Es ist für Archi­tekten und Desi­gner unmög­lich, jeden Stör­fall voraus­zu­sehen, den ihr Projekt verur­sa­chen könnte. Umso wich­tiger ist es daher, auf die öffent­liche Meinung zu achten, bevor diese bedroh­lich wird. Dies gilt natür­lich auch und beson­ders für öffent­liche Auftrag­geber: Sie wollen, dass ihre Planer und Desi­gner in den öffent­li­chen Dialog treten, um Miss­ver­ständ­nissen vorzu­beugen und Nutzer­wün­sche recht­zeitig berück­sich­tigen zu können. Wenn dieser Dialog jeder­zeit nach­prüfbar (weil öffent­lich) ist, umso besser. Archi­tekten wie Bauherren müssen ihre krea­tiven Prozesse und Entschei­dungen darstellen und den öffent­li­chen Dialog suchen und führen. Die späteren Nutzer sollten von Beginn an „im Boot“ sein und Wünsche äußern können – dann können sie auch nachher nicht sagen, sie hätten von nichts gewusst. Hier kommt Bauen mit Social Media ins Spiel. Nie war es einfa­cher, die Meinungen kriti­scher Massen von Menschen zu sammeln, zu analy­sieren und auch zu beein­flussen. Die Nutzer sozialer Medien drücken sich bisweilen unge­fil­tert aus, über­treten Grenzen und sind pole­misch. Direkte und ehrliche Stim­mungen und Strö­mungen gibt es aber immer, frei Haus und ohne teure und wenig aussa­ge­kräf­tige Umfra­ge­tools.

 

Auch Archi­tekten brau­chen „Likes“

Archi­tekten und Desi­gner können und müssen Social Media nutzen. Unser Beruf verlässt sich seit langem auf Daten, Umfragen und andere Para­meter, um den Einfluss von Archi­tektur zu messen. Jetzt können wir das Bauen mit Social Media nutzen, um Meinungen und Kritiken über Entwürfe und fertig­ge­stellte Bauten zu erfahren. Insta­gram und Face­book bieten das Feed­back der Commu­nity in Form eines “like” oder Kommen­tars, Pinte­rest bietet Pins. Bauen mit Social Media hat die Macht, die Tage der mühsamen Daten­er­he­bung zu beenden: Es gibt zu jedem Thema eine Gruppe. Sie benö­tigen eine Meinung zu einem Mate­rial, das Sie in Betracht ziehen? Eine Fassaden-Option, die Sie einem Kunden vermit­teln wollen? Sie wollen verstehen, wie die Nutzer mit ihren Räumen inter­agieren? Stellen Sie Ihren Anhän­gern, Fans und Follo­wern Fragen. Lassen Sie sie reagieren. Vermit­teln Sie Meinungen. Planen Sie voraus.

 

Verstand und Herz

Der wohl meist­ge­suchte Archi­tek­tur­fo­to­graf ist Iwan Baan. Für Top-Stars wie Rem Kool­haas, Zaha Hadid und Herzog & de Meuron ist er gera­dezu unent­behr­lich. Seine Fotos werden sofort und exklusiv an Zeit­schriften und Zeitungen verteilt. Seine Social-Media-Stra­tegie ist meiner Meinung nach die beste der Design­branche: In seinem Insta­gram-Account verzichtet er komplett auf seine ausge­feilten Hoch­glanz­bilder und offen­bart eine andere Seite der Archi­tektur. Seine Fotos führen uns hinter die Kulissen: an Orte, die er besucht hat, zu Menschen, denen er auf seinen Reisen begegnet ist, und natür­lich auch zu den Gebäuden, die er foto­gra­fiert hat. Alles anders, alles ohne Glanz. Verstand trifft Herz, Mensch verbindet sich mit Archi­tektur. Mein Gefühl sagt mir, dass dies der Weg der Zukunft ist. So werden wir auch Gebäude bauen. Wir werden unsere Fans befragen, das Publikum herein­lassen, ihre Tempe­ratur messen, sie mit ihren Gebäuden verbinden, bevor sie gebaut werden, und sie bereits i beim Entwurf mit auf die Reise nehmen. So werden wir diesen viel­schich­tigen und unglaub­lich nuan­cierten Prozess letzt­lich einfa­cher machen. Mehr Infor­ma­tion führt zu fundier­teren Entschei­dungen. Wir werden die Reak­tionen in Echt­zeit messen, bevor wir weiter­ma­chen. Unser Publikum wird uns leiten.

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