Wärme aus dem Wiesental
Die energetische Erneuerung des Wiesentalbads in Bochum
Ausstattung & Besonderheiten
- 50 × 25 Meter großes Wettkampfbecken aus beschichteten Edelstahlmodulen
- Lehrschwimmbecken
- Beckenabdeckungen
- Traglufthalle
- Wärmeversorgung mit Erdwärme, Umgebungsluft und Wärmepumpen
Adresse
Freibad Wiesental
Am Wiesengrund 18
44795 Bochum
Wärmeversorgung
2026
Fotos
SV Blau-Weiß Bochum
Björn Boltz
More Sports Media
Text
Johannes Bühlbecker
More Sports Media
Erst ein neues Becken, dann Abdeckungen und schließlich eine neue Wärmeversorgung: Der SV Blau-Weiß Bochum hat sein Wiesentalbad über Jahre in drei Schritten erneuert. Der erste Betriebsvergleich zeigt 74 Prozent weniger Gasverbrauch.
Die Zukunft beginnt immer jetzt
Mehr Kontrolle über die eigenen Energiekosten zu gewinnen, ist für den SV Blau-Weiß Bochum als Betreiber des ganzjährig genutzten Freibad Wiesental keine abstrakte Zukunftsfrage. Die Coronajahre und die Entwicklung der Gaspreise haben dem Verein drastisch vor Augen geführt, wie verletzlich der Betrieb bei äußeren Krisen sein kann. Im Wiesental bestärkten diese Erfahrungen einen Kurs, den der Verein mit der Beckensanierung bereits 2021 eingeschlagen hatte: das Bad Schritt für Schritt auf Dauer tragfähig zu halten.
Das Wiesentalbad ist nur dem Namen nach ein reines Freibad. Von Oktober bis April überspannt eine Traglufthalle das Großbecken, damit Schwimmtraining und Wasserball auch im Winter stattfinden können. Der Verein bezifferte seinen früheren jährlichen Gasverbrauch auf rund 2,5 Millionen Kilowattstunden.

Ein Becken für viele Jahre
Die erste Etappe war die Sanierung des 50-Meter-Beckens. 2021 ersetzte Myrtha Pools das alte Folienbecken durch eine Konstruktion aus beschichteten Edelstahlmodulen. Die Elemente wurden vor Ort montiert und abgedichtet. Das ermöglichte eine kurze Bauzeit und schuf ein robustes Wettkampfbecken für Schwimmen und Wasserball. Über die Beckensanierung haben wir bereits berichtet.
Die Schwimmbadtechnik wurde zukunftssicher durch die Firme LEDOS installiert. Das Unternehmen aus Mülheim an der Ruhr ist auf Schwimmbadwassertechnik spezialisiert und arbeitet unter anderem an Wasseraufbereitung, Umwälzung sowie Mess- und Regeltechnik.
Die Entscheidung für ein dauerhaftes, wartungsarmes Becken senkte den Gasbedarf noch nicht wesentlich. Sie sicherte aber das Herzstück des Bads, dessen Betrieb der Verein im nächsten Schritt weniger energieintensiv machen konnte. Gerade bei einer Anlage, die im Winter unter einer Traglufthalle weitergenutzt wird, zählt die Perspektive über viele Jahre.


Abgedeckte Wärme bleibt im Wasser
Seit 2023 deckt der Verein die Becken abends und nachts mit Folien ab. Damit verdunstet weniger Wasser, zugleich entweicht weniger Wärme. Mitglieder übernehmen das Abdecken selbst, für beide Becken dauert das etwa eine halbe Stunde. Nach Angaben des Vereins verringerte allein diese Maßnahme den Gasverbrauch bereits um rund 20 Prozent in den Sommermonaten.
Die Abdeckungen waren damit mehr als eine Zwischenlösung. Sie senkten den Bedarf, bevor eine neue Anlage für seine Deckung geplant und gebaut wurde. Wer weniger Wärme verliert, muss sie auch nicht erst teuer erzeugen.


Wärme aus zwei Quellen
In der dritten Etappe stellte der Verein nun die Beheizung des Großbeckens um. Seit April 2026 verbindet die neue Anlage Erdwärme mit Wärme aus der Umgebungsluft. Für den Einbau der Erdwärmekollektoren wurden weite Teile der Liegewiese des Freibads aufgegraben. Erst nach umfangreichen Erdarbeiten konnte die Fläche wiederhergestellt und mit neuem Rasen versehen werden. Ein Rückkühler und eine Steuerung binden beide Wärmequellen in den Betrieb der Wärmepumpen ein. Das System hält rund zwei Millionen Liter Wasser auf etwa 26 Grad.
Für einen ersten Vergleichszeitraum meldet der Verein 74 Prozent weniger Gasverbrauch als im Durchschnitt der entsprechenden Zeiträume der Vorjahre. Darin steckt auch die Wirkung der zuvor eingebauten Abdeckungen. Dies ist zwar noch keine Jahresbilanz, aber zumindest ein spektakulärer Hinweis darauf, wie weit das Wiesentalbad und der Verein als Betreiber bereits gekommen sind.
Der Verein finanzierte den Umbau mit Fördermitteln, Darlehen und Eigenmitteln. Rund 170 Mitglieder und Menschen aus seinem Umfeld ermöglichten einen Teil der Finanzierung durch persönliche Bürgschaften. Aus dem Wunsch nach größerer Unabhängigkeit wurde so eine Aufgabe, die viele Schultern tragen.
Als Nächstes soll das Lehrschwimmbecken an die Anlage angebunden werden. Es fasst nur etwa ein Zehntel der Wassermenge des Großbeckens, benötigt aber Temperaturen von 30 Grad und mehr. Auch eine Photovoltaikanlage mit Speicher ist geplant. Der Weg zu einer weniger gasabhängigen Wärmeversorgung ist damit weit fortgeschritten, aber noch nicht zu Ende


Was wir hier lernen
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Das Wiesentalbad wurde nicht mit einer einzigen technischen Lösung zukunftsfähiger. Der Verein erneuerte zuerst die bauliche Grundlage, verringerte dann den Wärmeverlust und veränderte schließlich die Wärmeerzeugung. Wie sich der dritte Schritt auf Kosten und Emissionen auswirkt, wird sich nach einem vollständigen Betriebsjahr beurteilen lassen. Die ersten Zahlen sind jedoch mehr als vielversprechend.




