Archi­tektur als Stan­dard

Die Frei­luft­halle Alhama de Murcia

Ausstat­tung
  • Über­dachter Multi­funk­tions-Sport­platz (Frei­luft­halle)
  • Selbst­tra­gende Stahl­ge­wöl­be­kon­struk­tion
  • Fertig­beton-Trag­werk
  • Barrie­re­freier Zugang
  • Inte­grierte Dach­ent­wäs­se­rung
  • Sitz­be­reiche am Spiel­feld
  • Erhalt der bestehenden Sport­fläche
Adresse

Colegio Ginés Díaz – San Cris­tóbal
Calle Miguel Hernández
ES-30840 Alhama de Murcia, Murcia

Eröff­nung

2022

Text

Johannes Bühl­be­cker
More Sports Media
(Adver­to­rial)

Manchmal beginnt Archi­tektur (vor allem gute) mit einem erstaun­lich einfa­chen Wunsch – zum Beispiel dem Wunsch nach ein biss­chen mehr Schatten.

Im spani­schen Alhama de Murcia entstand daraus eine Frei­luft­halle, die nicht nur den Schul­sport ange­nehmer macht, sondern den gesamten Pausenhof verän­dert. „Un Sombrero para la Pista“ (Ein Hut für den Sport­platz) zeigt, wie aus einer funk­tio­nalen Aufgabe ein Ort mit eigener Iden­tität werden kann.

Eigent­lich ging es nur um Schatten (und die Vermei­dung von UFOs)

Wer schon einmal einen Sommer in Südspa­nien erlebt hat, weiß, wie gnadenlos die Sonne selbst alltäg­liche Orte verän­dern kann. Was morgens noch ein ange­nehmer Schulhof ist, wird mittags schnell zur heißen Fläche, auf der Bewe­gung kaum noch Freude macht.

Genau deshalb wünschte sich die Grund­schule CEIP Ginés Díaz-San Cris­tóbal in Alhama de Murcia eine Über­da­chung ihres Sport­platzes. Möglich wurde das Projekt durch ein kommu­nales Betei­li­gungs­budget. Dabei stellt die Stadt einen Teil ihres Haus­halts für Vorschläge aus der Bürger­schaft zur Verfü­gung. Projekte werden einge­reicht, disku­tiert und schließ­lich ausge­wählt – in diesem Fall mit Erfolg für die Schule.

Doch aus dem Wunsch nach Schatten wurde schnell weit mehr als die Planung eines Daches: die Frei­luft­halle Alhama de Murciat.

Die Archi­tekten von HA_HA Arqui­tec­tura näherten sich der Aufgabe sehr sorg­fältig. Die Über­da­chung sollte möglichst viel Schatten spenden, gleich­zeitig aber den angren­zenden Klas­sen­räumen genü­gend Tages­licht lassen. Und noch etwas wollten sie vermeiden.

Wie sie selbst schreiben, sollten die Kinder keines­falls das Gefühl bekommen, auf ihrem geliebten Schulhof sei plötz­lich ein UFO gelandet.

Entspre­chend viele Ideen wanderten zunächst über den Zeichen­tisch. Eine Holz­kon­struk­tion schied aus Kosten­gründen aus. Unter­schied­lich geneigte Dach­formen wurden ebenso unter­sucht wie Vari­anten mit Ober­lich­tern aus Poly­car­bonat. Erst der Hinweis eines befreun­deten Inge­nieur­büros brachte die entschei­dende Idee: eine selbst­tra­gende Stahl­ge­wöl­be­kon­struk­tion, die deut­lich weniger Mate­rial benö­tigt als herkömm­liche Trag­werke.

Alles erstaun­lich selbst­ver­ständ­lich

Auf den ersten Blick wirkt die Konstruk­tion erstaun­lich selbst­ver­ständ­lich. Acht Fertig­be­ton­stützen tragen vier massive Spann­be­ton­träger, darüber spannen sich drei flache Stahl­ge­wölbe über die Sport­fläche.

Gerade diese Einfach­heit ist die Stärke der Frei­luft­halle Alhama de Murciat. Die Planer entschieden sich bewusst für einen hohen Vorfer­ti­gungs­grad. Das verkürzte die Bauzeit, redu­zierte Mate­ri­al­ver­brauch und Kosten und verrin­gerte gleich­zeitig den CO₂-Fußab­druck der Baustelle. Auch die bestehende Sport­fläche blieb als Unter­grund erhalten und musste nicht voll­ständig zurück­ge­baut werden. Statt­dessen wurde sie in die neue Gestal­tung inte­griert.

Selbst die Entwäs­se­rung wurde Teil der Gestal­tung. Das Dach neigt sich leicht zum Schul­ge­bäude, sammelt Regen­wasser in den Beton­trä­gern und führt es über sichtbar geführte Fall­rohre ab, die fast wie kleine Skulp­turen wirken.

Mit dem neuen Dach verän­derte sich nicht nur der Sport­platz. Neue Sitz­mög­lich­keiten entstanden entlang der Funda­mente, eine breite Rampe verbes­sert die Erreich­bar­keit und verbindet die unter­schied­li­chen Ebenen des Schul­hofs. Aus einer einzelnen Baumaß­nahme wurde ein neuer Aufent­haltsort.

Viel­leicht ist genau das die eigent­liche Qualität des Projekts. Es geht nicht darum, möglichst spek­ta­kulär zu sein. Es geht darum, eine alltäg­liche Aufgabe so zu lösen, dass sie sich selbst­ver­ständ­lich anfühlt – und den Ort trotzdem nach­haltig verän­dert.

Und viel­leicht zeigt „Un Sombrero para la Pista“ noch etwas anderes: Frei­luft­hallen können heute ganz unter­schied­lich aussehen. Manche entstehen als wirt­schaft­liche System­lö­sungen, andere werden speziell für ihren Standort entwi­ckelt. Dieses Projekt gehört eindeutig zur zweiten Kate­gorie – und beweist, dass auch mit einfa­chen Mate­ria­lien und begrenztem Budget Archi­tektur entstehen kann, die in Erin­ne­rung bleibt.

Was hier hier lernen:

Nicht jede gute Sport­an­lage muss mit außer­ge­wöhn­li­chen Mate­ria­lien oder spek­ta­ku­lären Formen über­zeugen. Oft liegt die Qualität im sorg­fäl­tigen Umgang mit dem Ort. In Alhama de Murcia entstand aus einem vergleichs­weise einfa­chen Baupro­gramm ein neuer Mittel­punkt des Schul­hofs.

Die Frei­luft­halle Alhama de Murciat zeigt, wie konse­quente Planung, wirt­schaft­liche Konstruk­tion und archi­tek­to­ni­scher Anspruch zusam­men­finden können – und dass manchmal schon ein „Hut“ genügt, um einen Ort grund­le­gend zu verän­dern.

Video

Pläne

Bilder der Baustelle

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