Doppel­de­cker aus Käfer­holz

Die Sport­hallen BZT Frau­en­feld

Ausstat­tung & Beson­der­heiten

  • Zwei gesta­pelte Sport­hallen, kompakter Flächen­be­darf, Holz-Beton-Verbund­decke, Käfer­holz aus dem Thur­gauer Staats­wald
  • Kombie­las­ti­scher Sport­boden, fest instal­lierte Sport­ge­räte, ball­wurf­si­chere Leuchten, Sonnen­schutz, Garde­ro­ben­bänke aus Eschen­holz
Adresse

Sport­hallen BZT Frau­en­feld
Maiholz­strasse 15
CH-8500 Frau­en­feld

Eröff­nung

2024

Text

Johannes Bühl­be­cker
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Bei den Sport­hallen BZT Frau­en­feld liegen zwei Hallen über­ein­ander. Das spart Platz im Ober­wie­sen­quar­tier und schafft Raum für eine Holz­kon­struk­tion, deren Mate­rial zum großen Teil aus dem Thur­gauer Staats­wald stammt.

Platz für mehr

Wer zwei Sport­hallen braucht, muss sie nicht unbe­dingt neben­ein­ander bauen. Das Bildungs­zen­trum für Technik benö­tigte zusätz­liche Flächen für den Schul­sport, wollte aber möglichst wenig von den Frei­flä­chen im Ober­wie­sen­quar­tier bean­spru­chen. kit archi­tects entschieden sich deshalb für einen Doppel­de­cker: Eine Halle liegt unter dem Eingangs­ni­veau, die zweite darüber. Der Grund­riss bleibt kompakt, der angren­zende Allwet­ter­platz findet seinen Platz, und auf dem Grund­stück besteht weiterhin die Möglich­keit, das Angebot eines Tages um eine dritte Halle zu ergänzen.

Die Sport­hallen BZT Frau­en­feld zeigt damit, dass Flächen­sparen auch ein archi­tek­to­ni­scher Ausgangs­punkt sein kann. Der Baukörper staf­felt sich in der Höhe; Fens­ter­bänder und ein hell verklei­deter Mittel­teil glie­dern seine Fassaden. Die Holz­kon­struk­tion bleibt ablesbar und gibt dem Gebäude einen Maßstab, der zum Quar­tier passt. Dass im Inneren gleich zwei voll­wer­tige Sport­hallen stecken, sieht man dem Neubau von außen nicht sofort an.

Wege mit Aussicht

Das Foyer liegt zwischen den beiden Hallen und erschließt sie auf kurzen Wegen. Wer das Gebäude von Osten betritt, kann sich schnell orien­tieren. Von der Galerie fällt der Blick in die untere Halle; deren Fens­ter­band verbindet den Sport­raum mit dem Außen­raum und bringt Tages­licht hinein. So wird das Ankommen zur Gele­gen­heit, erst einmal zu schauen, was unten gespielt wird. Zuschauen gehört schließ­lich auch zum Sport.

Die Geschosse folgen einer ähnli­chen Ordnung. Garde­roben und Neben­räume sind in das konstruk­tive Raster einge­bunden, eine weitere Treppe ergänzt die Wege im Schul­alltag. Diese Über­sicht­lich­keit ist bei einem Gebäude mit zwei über­ein­an­der­lie­genden Hallen beson­ders wichtig: Klassen müssen ihre Halle finden, Wege sollen sich nicht unnötig kreuzen, und der Betrieb muss auch dann funk­tio­nieren, wenn beide Ebenen gleich­zeitig genutzt werden.

Holz hält mit

In den Sport­hallen BZT Frau­en­feld ist Holz mehr als eine warme Ober­fläche. Fich­ten­holz prägt die Konstruk­tion, die Beklei­dungen und damit auch die Atmo­sphäre der Räume. Sicht­bare Träger geben den Hallen einen klaren Rhythmus; die hellen Flächen und die umlau­fenden Fenster sorgen dafür, dass sich die großen Sport­räume offen und freund­lich anfühlen. Die Archi­tektur lässt das Mate­rial für sich spre­chen, ohne dem Sport­be­trieb die Bühne zu nehmen.

Konstruktiv ist das Stapeln eine anspruchs­volle Aufgabe. Große Spann­weiten treffen auf die Bewe­gungen und Belas­tungen zweier Sport­hallen, die gleich­zeitig genutzt werden. Zwischen den Hallen wurde (nach Angaben der Projekt­be­tei­ligten) erst­mals in der Schweiz bei einer solchen Bauauf­gabe eine Holz-Beton-Verbund­decke einge­setzt. Sie ist leichter als eine konven­tio­nelle Stahl­be­ton­lö­sung. Ihr Schwin­gungs­ver­halten wurde dyna­misch unter­sucht, damit oben wie unten verläss­lich Sport getrieben werden kann.

Auch an einen späteren Rückbau wurde gedacht. Primär- und Sekun­där­struktur sind getrennt, viele Bauteile folgen einer wieder­hol­baren Ordnung. Das erleich­tert es, Mate­ria­lien künftig vonein­ander zu lösen und gege­be­nen­falls erneut zu verwenden. Für ein Gebäude, das auf lange Nutzung ausge­legt ist, bleibt das eine ferne Perspek­tive. Gut ist, dass sie schon bei der Planung berück­sich­tigt wurde.

Wald in der Halle

Der Kanton Thurgau ließ für den Neubau Holz aus dem eigenen Staats­wald einsetzen, darunter soge­nanntes Käfer­holz. Von insge­samt 603 Kubik­me­tern verbautem Holz stammen 565 Kubik­meter aus diesem Bestand. Das Mate­rial wurde regional verar­beitet, die Trans­port­wege blieben kurz. Ein Holz­vorrat, der andern­orts leicht als Problem erscheinen könnte, erhielt hier eine anspruchs­volle Aufgabe.

Die Mate­ri­al­wahl passt zur Grund­idee des Gebäudes. Die Sport­hallen BZT Frau­en­feld bean­sprucht wenig Boden und nutzt für ihre Konstruk­tion einen Rohstoff aus der Region. Beides war Teil der Planung und nicht erst eine nach­träg­lich erzählte Nach­hal­tig­keits­ge­schichte. Der Entwurf gewann 2017 den offenen Wett­be­werb; 2024 wurden die Hallen fertig­ge­stellt. Seitdem zeigt sich im Schul­alltag, worauf es bei aller konstruk­tiven Beson­der­heit ankommt: Es gibt zwei gut nutz­bare Hallen, und draußen ist noch Platz.

Was wir hier lernen

  • Zwei über­ein­ander ange­ord­nete Sport­hallen können Frei­flä­chen erhalten und Raum für spätere Entwick­lungen lassen. Dafür müssen Erschlie­ßung, Schwin­gungen und Schall­schutz von Beginn an zusammen gedacht werden.

  • Eine Holz-Beton-Verbund­decke kann die Anfor­de­rungen einer gesta­pelten Sport­halle erfüllen. Das dyna­mi­sche Verhalten muss dabei für die tatsäch­liche Nutzung nach­ge­wiesen werden.

  • Regio­nales Käfer­holz wird zur konkreten Projekt­res­source, wenn Bauherr­schaft, Planung und Verar­bei­tung seine Verwen­dung früh­zeitig orga­ni­sieren.

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