Dran bleiben 

Das Schwimmwerk Memmingen

Planer

Asböck Architekten GmbH

Bauherr & Betreiber

Stadtwerke Memmingen

Bauphysik & Passivhaus

Herz & Lang GmbH

Hallenbad
  • 25-Meter-Sport- und Wettkampfbecken mit acht Bahnen
  • Sprunganlage mit Ein- und Drei-Meter-Brett
  • NinjaCross-Anlage über dem Sportbecken
  • Lehrschwimmbecken
  • Separates Kursbecken mit stufenlos verstellbarem Hubboden
  • Kleinkinderbecken mit Rutsche, Spieltieren und Schiffchenkanal
  • Dampfbad
  • Barrierefreie Umkleiden mit Sanitärbereichen
Freibad
  • 50-Meter-Schwimmerbecken mit sechs Bahnen
  • Freizeitbecken mit Breitrutsche, Strömungskanal, Wasserkanonen, Schaukelbucht, Wasserpilz, Massagedüsen und Nackenduschen
  • Kleinkinderbecken 
  • mit Rutsche und Spieltieren
  • Rund 17.000 m² Freibadlandschaft und etwa 9.700 m² Liegewiese
  • Inklusive Spielelandschaft, Beachvolleyball, Tischtennis und Boccia
  • Kiosk, Schatten- und Picknickgarten
Adresse

Schwimmwerk Memmingen
Stadtbadallee 1
D – 87700 Memmingen

Eröffnung

2026

Fotos

Stefan Schilling
Bernhard Asböck

Text

Johannes Bühlbecker
More Sports Media

Gerade mal 18 Jahre nach dem Wettbewerbsgewinn wurde das Schwimmwerk Memmingen auch schon eröffnet. Der Entwurf von Asböck Architekten verbindet ein starkes Sportangebot mit gut lesbaren Wegen, einer gestaffelten Freibadlandschaft und einem Energiekonzept, das selbst für einen notorischen Großverbraucher namens Schwimmbad bemerkenswert sparsam ausfällt.

Das Warten hat sich gelohnt.

Gut Ding will Weile haben

Ein belastbarer Wettbewerbsentwurf kann auch eine sehr lange Projektentwicklung überstehen.

Manche Projekte brauchen einen langen Atem. Beim Schwimmwerk Memmingen waren es vom preisgekrönten Wettbewerbsentwurf 2008 bis zur Eröffnung im Juli 2026 genau 18 Jahre. Dazwischen lagen eine Finanzkrise, wechselnde Varianten, Kostendiskussionen, ein zeitweiliger Kurs in Richtung Bestandssanierung und schließlich die politische Entscheidung, die beiden sanierungsbedürftigen Memminger Bäder an einem Standort zusammenzuführen. Selbst Starkregen und Hochwasser auf der Baustelle im Juni 2024 konnten den Neubau nur vorübergehend bremsen.

Bemerkenswert ist deshalb nicht allein, dass das Bad fertig geworden ist. Bemerkenswert ist, wie klar die Grundideen des Siegerentwurfs von Asböck Architekten und Landschaftsarchitekt Wolfgang Wagenhäuser die lange Planungszeit überstanden haben. Das kompakte Hallenbad besetzt weiterhin die nordwestliche Ecke des Grundstücks und liegt leicht erhöht über dem Freibad. Die Außenbecken staffeln sich über mehrere Plateaus zur Liegewiese hinab. Große Glasflächen öffnen die Halle zum alten Baumbestand, während das sichtbare Dachtragwerk dem Innenraum Richtung und Charakter gibt.

Andere Entwürfe altern während einer solchen Zeitspanne gleich mehrfach. Dieser ist im Wesentlichen bei sich geblieben.

„Das Schwimmwerk Memmingen hat uns über einen ungewöhnlich langen
Zeitraum begleitet. Entscheidend war, die Grundidee des Wettbewerbs von
2008 trotz wechselnder Rahmenbedingungen zu bewahren: ein kompaktes
Hallenbad als städtebaulicher Abschluss der Stadtbadallee, offen zur
Freibadlandschaft und klar in seinen Wegen. Dass diese Idee nach 18 Jahren
noch immer deutlich ablesbar ist, ist für uns die eigentliche Qualität des
Projekts.“

Alles offensichtlich

Gute Orientierung entsteht nicht erst durch Leitsysteme. 

Das Schwimmwerk Memmingen empfängt seine Gäste an der baumbestandenen Stadtbadallee. Auf dem ruhigen Vorplatz markiert der restaurierte Seehundbrunnen ein Stück Erinnerung an den früheren Standort. Dahinter gibt das großzügige Foyer mit seinem weißen Kassentresen bereits den ersten Blick in die Badehalle frei. Die Orientierung beginnt also nicht mit Beschilderung, sondern mit Architektur.

Vom Foyer aus trennen sich die Wege nachvollziehbar: Einzel- und Familienumkleiden liegen auf der einen, Sammelumkleiden für Gruppen auf der anderen Seite. Lange Fenster begleiten die Flure und halten den Kontakt zur grünen Umgebung. Zwei barrierefreie Umkleiden führen auf kurzem Weg in die Badehalle. Glas, Sichtbeton und helle hölzerne Akustikdecken bilden eine robuste, aber nicht robust-aussehende Materialwelt. Türkisblaues Mosaik führt durch die Sanitärbereiche und taucht an Einbauten, Ablagen und Becken wieder auf. Die Leitfarbe ist nicht gerade überraschend für ein Schwimmbad, wird hier aber konsequent und wohldosiert eingesetzt.

Spannweiten

Ein sichtbares Tragwerk gewinnt dann räumliche Qualität, wenn es nicht nur spektakulär aussieht.

Den stärksten räumlichen Auftritt hat das sichtbare Holztragwerk. Bis zu rund 28 Meter weit gespannte Brettschichtholzbinder laufen diagonal aufeinander zu und wieder auseinander. Ihre unterschiedlichen Höhen folgen den statischen Erfordernissen. Markante V-Stützen aus Sichtbeton bündeln jeweils vier Träger und leiten die Lasten in einem Fußpunkt ab. Das Tragwerk erklärt damit ziemlich anschaulich, was es tut. Es trägt, überspannt und ordnet, ohne zur statischen Lehrveranstaltung zu werden.

Unter dem rund 1.800 m² großen Dach liegt die Badehalle weitgehend frei von störenden Stützen. Süd- und Ostfassade sind großflächig verglast. Tageslicht fällt tief in den Raum, spiegelt sich auf den Wasserflächen und hält die Freibadlandschaft auch im Winter präsent. Die Konstruktion bringt Wärme in eine ansonsten bewusst reduzierte Architektur aus Beton, Glas, Holz und wenigen klar gesetzten Farben.

Spaß und Wettkampf

Alle Nutzergruppen kommen auf ihre Kosten.

Herzstück des Hallenbades ist das 25-Meter-Wettkampfbecken mit acht Bahnen. Integriert sind ein Sprungbereich mit Ein- und Drei-Meter-Brett sowie eine bewegliche NinjaCross-Anlage, die den Luftraum über dem Wasser zeitweise zum Parcours macht. Nebenan bietet das 8 mal 16,6 Meter große Lehrschwimmbecken Platz für Ausbildung und entspanntes Baden. Das separat gelegene Kursbecken misst 8 mal 12,5 Meter und lässt sich mit seinem stufenlos verstellbaren Hubboden für unterschiedliche Trainingsangebote und Kurse einrichten.

Das Kinderbecken liegt bewusst etwas abseits vom Sportbetrieb. Eine türkisblaue Beckenfläche, Rutsche, Spieltiere und Schiffchenkanal schaffen einen geschützten Bereich für die jüngsten Gäste. Dampfbad und Lounge mit Panoramafenster zum Freibad ergänzen das Angebot, ohne den sportlichen Schwerpunkt des Hauses zu – verwässern.

Drinnen und draußen

Die Verbindung von Hallen- und Freibad gelingt als zusammenhängende Landschaft.

Auch außen folgt das Schwimmwerk Memmingen einer klaren Ordnung. Die knapp 17.000 m² große Freibadlandschaft vermittelt zwischen dem erhöhten Hallenbad und der rund 9.700 m² großen Liegewiese. Treppen, Rampen, Sitzmauern und Betonblockelemente verbinden die verschiedenen Niveaus selbstverständlich und barrierefrei. Großformatige Betonplatten, Natursteinpflaster und wassergebundene Decken bilden einen zurückhaltenden Rahmen für Wasser, Vegetation und Bewegung.

Das Schwimmerbecken bietet sechs Bahnen und 844 m² Wasserfläche. Ein 486 m² großes Freizeitbecken ergänzt es um Breitrutsche, Strömungskanal, Schaukelbucht, Wasserpilz, Massagedüsen und Nackenduschen. Für Kinder gibt es ein eigenes, 97 m² großes Becken mit Rutsche und Spieltieren. Beachvolleyball, Tischtennis, Boccia, Kiosk und Schattengarten erweitern den Badetag jenseits des Wassers. Die große inklusive Spielelandschaft ist als Schiff gestaltet und setzt das Thema damit fort.

Der wertvolle Baumbestand wurde weitgehend erhalten und um klimaresiliente Pflanzungen ergänzt. 77 Hochstämme und Solitärbäume, 415 Heckenpflanzen, 75 Klettergehölze und rund 9.300 Gräser sollen dafür sorgen, dass die Anlage mit den Jahren nicht nur älter, sondern besser wird.

Farbe mit Bodenhaftung

Fliesen und Mosaike verbinden robuste Oberflächen mit Farbe und Orientierung.

Im Schwimmwerk Memmingen übernehmen Fliesen und Mosaike weit mehr als die übliche Rolle einer robusten, gut zu reinigenden Oberfläche. Sie führen die Gestaltung durch Bereiche, in denen hohe technische Anforderungen, intensive Nutzung und Orientierung zusammenkommen. Ausgeführt wurden die Fliesenarbeiten von der Fliesen Lang GmbH aus Vilshofen.

Besonders prägend ist das türkisblaue Mosaik in den Sanitärbereichen. Die Farbe setzt sich an Einbauten, Ablagen und Becken fort und verbindet damit unterschiedliche Funktionsbereiche zu einem wiedererkennbaren Ganzen. Was zunächst wie ein selbstverständliches Gestaltungsmittel wirkt, verlangt in der Ausführung viel Genauigkeit: Anschlüsse, Übergänge, Kanten und Fugen müssen auch dort sauber funktionieren, wo Feuchtigkeit, Reinigungszyklen und täglicher Badebetrieb wenig Raum für Nachlässigkeit lassen. Im Schwimmbad endet Gestaltung schließlich nicht an der Wasserlinie.

Fliesen Lang brachte dabei die Erfahrung eines seit 1990 bestehenden Meisterbetriebs ein. Das Unternehmen beschäftigt rund 85 Mitarbeitende und ist neben privaten Bauvorhaben vor allem im Objektbereich tätig. Beim Schwimmwerk Memmingen zeigt sich diese Kompetenz an Oberflächen, die Farbe und Orientierung in das Gebäude bringen, sich im Alltag aber vor allem eines erlauben dürfen: möglichst wenig Aufhebens um sich selbst.

So sparsam wie möglich

Was Gebäudehülle, Wärmepumpe und Monitoring erreichen können.

Hallenbäder sind energetisch ungefähr das Gegenteil einer Thermoskanne: große Wasserflächen, hohe Raumtemperaturen, viel Feuchtigkeit und ein Betrieb, der kaum Pausen kennt. Das Schwimmwerk Memmingen begegnet diesem Problem nicht mit einer einzelnen Vorzeigemaßnahme, sondern als Passivhaus-Hallenbad mit einem abgestimmten Gesamtsystem.

Die hochgedämmte, wärmebrückenarme Gebäudehülle erreicht im Luftdichtheitstest einen nL50-Wert von 0,11 pro Stunde und liegt damit weit unter dem Passivhaus-Grenzwert von 0,6. Eine gezielte Luftführung führt feuchte Luft nahe der Wasseroberfläche ab und reduziert Verdunstung sowie Energiebedarf. Zwei Grundwasser-Wärmepumpen mit zusammen rund einem Megawatt Leistung versorgen Becken, Lüftung und Gebäudeheizung. Auf den Dächern erzeugt eine Photovoltaikanlage mit mehr als 500 kWp Strom, der wegen der kontinuierlichen Grundlast des Bades zu großen Teilen direkt genutzt werden kann.

Wärme aus Duschwasser und Filterspülabwasser wird zurückgewonnen. Aufbereitetes Spülwasser dient anschließend als Grauwasser für WC- und Urinalspülungen. Die Abdeckung des großen Freibadbeckens verringert außerhalb der Öffnungszeiten Wärmeverluste und Verdunstung. Laut Planung reduziert das Passivhauskonzept den Wärmebedarf gegenüber einem konventionellen Hallenbad um etwa 70 Prozent und den Strombedarf um rund 30 Prozent. Entscheidend wird nun das Monitoring im Betrieb sein. Denn erst zwischen Frühschwimmen, Schulklasse und Hochsommertag zeigt sich, ob gute Energiekonzepte auch gute Alltagskonzepte sind.

Klarheit mit langem Atem

Über die Architekten

Asböck Architekten steht für eine Architektur, die nicht von der großen Geste ausgeht, sondern von Ort, Nutzung und konstruktiver Logik. Das 1981 gegründete und heute von Bernhard Asböck und Joachim Daubenmerkl geführte Büro bearbeitet vor allem öffentliche Bauaufgaben, bei denen viele Funktionen, unterschiedliche Interessen und hohetechnische Anforderungen zu einem selbstverständlichen Ganzen zusammenfinden.

Im Mittelpunkt stehen klar organisierte Grundrisse, nachvollziehbare Wege und sorgfältig ausgewählte und kombinierte Materialien, die nicht nur auf dem Foto, sondern auch im täglichen Betrieb bestehen. Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Zusatz verstanden, sondern als Teil einer langlebigen, wirtschaftlichen und angemessenen Architektur.

Das Schwimmwerk Memmingen bringt diese Haltung auf den Punkt: kompakt im Baukörper, offen zur Freibadlandschaft, eindeutig in seiner Orientierung und trotz eines feines Detailierungsgrades robust genug für einen Alltag, der selten auf Zehenspitzen daherkommt

Ein gutes Werk

Selbstverständlichkeit als Qualitätsmerkmal

Der Name Schwimmwerk verweist auf die Stadtwerke als Betreiber, auf die benachbarten Werksflächen und auf die klare, blockhafte Architektur. Vor allem passt er zu einem Haus, in dem vieles sichtbar zusammenarbeitet: Tragwerk, Tageslicht, Wegeführung, Landschaft und Technik.

Das Ergebnis ist kein Erlebnisbad, das immer noch eine Attraktion mehr braucht. Das Schwimmwerk Memmingen setzt auf gute Wasserflächen, räumliche Klarheit und dauerhaft nutzbare Angebote für Schulen, Vereine, Sporttreibende, Familien und Erholungssuchende. Nach 18 Jahren Planungsgeschichte ist das vielleicht die schönste Pointe: Am Ende ist kein Denkmal für die Planungsdauer entstanden, sondern ein ziemlich selbstverständliches Bad.

Was wir hier lernen

  • Gute Orientierung entsteht nicht erst durch Leitsysteme. Sichtbeziehungen, Tageslicht und eine nachvollziehbare Wegeorganisation machen das Gebäude bereits beim Eintritt verständlich.
  • Ein sichtbares Tragwerk gewinnt dann räumliche Qualität, wenn es nicht nur spektakulär aussieht, sondern Lastabtragung, Spannweite und Ordnung plausibel vermittelt.
  • Die Verbindung von Hallen- und Freibad gelingt besonders überzeugend, wenn Gebäude, Beckenplateaus, Liegewiese und Bestandsvegetation als zusammenhängende Landschaft geplant werden.
  • Energieeffizienz im Hallenbad braucht ein Gesamtsystem aus Hülle, Lüftung, Wärmeerzeugung, Wärmerückgewinnung, Wassertechnik und Betriebsmonitoring. Einzelmaßnahmen allein machen noch kein sparsames Bad.

Weitere Projekte von Asböck Architekten

Dreifach-Sporthalle mit Mensa, Arnstorf

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Grundschule Von-der-Pfordten-Straße, München-Laim

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Passivhaus-Kinderkrippe „Pusteblume“, Arnstorf

Die eingeschossige Erweiterung verbindet sich über einen gemeinsamen Eingang mit dem bestehenden Kindergarten und bildet dabei zwei geschützte Höfe. Im Inneren wird ein zentraler Spielflur zum kleinen Dorfplatz; Holz, Sichtbeton, weiße Flächen und grünes Linoleum sorgen für eine freundliche, robuste Umgebung ohne pädagogischen Zeigefinger.

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