Das Prinzip Pragmatismus
Das Schwimmbad des SSC Hörde

Planer
Deye Consulting
Borchersweg 110
D – 26209 Hatten
Bauherr & Betreiber
Schwimmbecken
Ausführung
Besonderheiten
- Pragmatische Bestandssanierung als wirtschaftliche Alternative zu Komplettsanierung oder Neubau
- Erhalt der bestehenden Stahlbetonkonstruktion
- Erhalt der Rinne statt aufwendigem Umbau der Beckenkonstruktion
- Maßgeschneiderte Integration des neuen Beckensystems in den Bestand
- Teilweise Weiterverwendung der vorhandenen keramischen Auskleidung
Kosten
835.000€ netto (gesamt), davon
- Schwimmbecken: 530.000€
- Rohrleitungsbau & Wasseraufbereitung: 230.000€
- Planung & Bauleitung: 50.000€
- Baustelleneinrichtung: 25.000€
Adresse
Hallenbad Hörde
Eichsfeld 5
D‑44265 Dortmund
Eröffnung
2026
Fotos
SSC Hörde 54/58 e.V.
Deye Consulting
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Text
Johannes Bühlbecker
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Die Sanierung des Schwimmbades des SSC Hörde in Dortmund steht für eine Aufgabe, die viele Schwimmbäder in den kommenden Jahren beschäftigen wird: Der Standort funktioniert und wird intensiv genutzt, doch zentrale Bauteile und technische Anlagen sind in die Jahre gekommen. Statt eines teuren Rundumschlags setzte der Verein als Betreiber deshalb auf eine substanzschonende Sanierung und auf Lösungen, die sich dem Bestand anpassen und nicht umgekehrt.
Das Ziel: möglichst viel erhalten, gezielt erneuern und mit überschaubarem Budget möglichst viel erreichen.
Die Rinne macht den Unterschied
30 Zentimeter mehr Wasser hätten eine Kettenreaktion ausgelöst und die Sanierung erheblich verteuert
Die besondere Herausforderung lag in der vorhandenen Wiesbadener Rinne. Hätte man die Überlaufkante mit einer (heute übllichen) Finnischen Rinne auf das Niveau des Beckenumgangs angehoben, wäre auch der Wasserspiegel um rund 30 Zentimeter gestiegen. Für das Schwimmen zunächst kein Drama, für die vorhandene Sprunganlage schon: Aus dem Ein-Meter-Brett wären rechnerisch nur noch 70 Zentimeter geworden, aus drei Metern nur noch 2,70 Meter.
Damit wäre die nächste Baustelle eröffnet gewesen, weil die Sprunganlage abgerissen und neu geplant werden müsste. Und weil die Deckenhöhe der Schwimmhalle auf die vorhandene Anlage abgestimmt ist, hätte auch eine neue Sprunganlage nicht ohne Weiteres in den bestehenden Raum gepasst. Eine scheinbar einfache Erneuerung der Überlaufrinne hätte also einen ganzen Rattenschwanz weiterer Eingriffe nach sich gezogen. Die Kosten drohten zu entgleiten.
Gemeinsam mit dem SSC Hörde entschied Deye Consulting deshalb, den Spieß umzudrehen. Nicht das bestehende Bad sollte einer neuen Standardkonstruktion angepasst werden, sondern die Sanierung an den Bestand.
(Die Bilder zeigen den Bestand.)

Nichts von der Stange
Wenn der Bestand bleiben soll, muss die neue Lösung zu ihm passen
Die vorhandene Stahlbetonkonstruktion war weiterhin nutzbar. Sie herauszureißen und durch ein vollständig neues Becken zu ersetzen, hätte einen erheblichen Eingriff in die Bausubstanz bedeutet und genau jene Folgemaßnahmen ausgelöst, die man vermeiden wollte. Also entwickelten Deye Consulting und Myrtha Pools eine maßgeschneiderte Anpassung des neuen Beckensystems an den vorhandenen Beton- und Fliesenkörper. Schnell war klar: Von der Stange geht hier nichts.
Für die neue Beckenauskleidung kam das RenovAction-System von Myrtha Pools zum Einsatz. Edelstahl, Keramik und PVC werden dabei so miteinander kombiniert, dass die neue Konstruktion innerhalb des vorhandenen Stahlbetonbeckens eingebaut werden konnte. Das alte Becken verschwand also nicht, sondern wurde zur Grundlage des neuen. Genau darin lag die planerische Aufgabe: Bestand und neues System mussten an ihren Übergängen präzise zusammengebracht werden.
Selbst die vorhandenen Fliesen mussten dafür nicht vollständig weichen. Entfernt wurde nur, was lose oder nicht mehr tragfähig war. Die übrigen Flächen wurden geglättet und für das neue System vorbereitet. Das klingt beinahe banal, hat aber handfeste Folgen: Jeder Quadratmeter Keramik, der im Becken bleiben kann, muss weder abgeschlagen noch entsorgt und anschließend neu aufgebaut werden. Der sorgfältige Umgang mit dem Bestand spart damit Material, Zeit und Geld – nicht nur im Schwimmbad des SSC Hörde.


Bezahlbar sanieren
Warum sollte für ein Schwimmbad etwas grundsätzlich anderes gelten als für ein Eigenheim?
Dass viele deutsche Schwimmbäder sanierungsbedürftig sind und Kommunen oder Vereine solche Aufgaben häufig nur mit öffentlicher Förderung stemmen können, ist keine neue Erkenntnis. Der SSC Hörde betreibt ein Bad aus den 1970er-Jahren. Nicht alles darin entspricht dem neuesten Stand. Aber vieles funktioniert. Und genau das wurde zum Kapital des Projekts.
Das Prinzip kennt jeder Eigenheimbesitzer: Niemand wartet vernünftigerweise, bis Fenster, Dach und Heizung gleichzeitig auseinanderfallen. Man investiert nach und nach, dort, wo es notwendig ist und so, wie es der Geldbeutel zulässt. Nicht weil das besonders spektakulär wäre, sondern weil man sein Haus nicht alle paar Jahrzehnte neu bauen kann. Warum sollte für ein Schwimmbad grundsätzlich etwas anderes gelten?
Im Schwimmbad des SSC Hörde wurde auf diese Weise gewachsene Strukturen mit neuer Technik verbunden. Das gesamte Investitionsvolumen der Sanierung liegt bei rund 835.000 Euro netto. Davon entfallen rund 530.000 Euro auf das 25-Meter-Schwimmbecken, rund 230.000 Euro auf Rohrleitungsbau und Wasseraufbereitung, rund 50.000 Euro auf Planung und Bauleitung sowie rund 25.000 Euro auf Baustelleneinrichtung und Gerüststellung. Die Stadt Dortmund unterstützt das Projekt mit Fördermitteln in Höhe von bis zu einer Million Euro.
Alt, neu, weiter
Die vorhandene Struktur bleibt, doch technisch und sportlich kann das Becken heute mehr als je zuvor.
Die Stahlbetonkonstruktion ist geblieben. Die Sprunganlage ist geblieben. Teile des keramischen Bestands sind geblieben. Hinzugekommen sind ein neues Beckensystem, angepasste Technik und Lösungen für jene Stellen, an denen Alt und Neu miteinander verbunden werden mussten.
Aus dem Schwimmerbecken der 1970er-Jahre wurde kein Neubau, sondern ein technisch erneuertes und funktional weiterentwickeltes Becken innerhalb seiner vorhandenen Struktur.
Hörde zeigt damit eine Sanierungsstrategie, die für viele ältere Schwimmbäder interessant sein dürfte: erst genau hinsehen, dann entscheiden. Weiterverwenden, was funktioniert. Ersetzen, was ersetzt werden muss. Und dort Maßarbeit leisten, wo Standardlösungen den Bestand unnötig teuer machen würden.

Von Dortmund lernen
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Bestand ist nicht automatisch Ballast. Was technisch noch funktioniert, kann zur Grundlage einer wirtschaftlichen Sanierung werden.
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Die teuerste Lösung ist nicht zwangsläufig die beste. In Hörde verhinderte gerade der Erhalt der bestehenden Konstruktion eine ganze Kette weiterer Eingriffe.
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Sanieren heißt Schnittstellen planen. Die Qualität liegt vor allem darin, vorhandene Konstruktion und neue Technik sauber zusammenzubringen.
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Pragmatismus ist ein Planungsprinzip. Wer genau hinsieht, vorhandene Substanz nutzt und maßgeschneiderte Lösungen zulässt, kann Bauzeit und Kosten begrenzen, ohne auf eine technische Weiterentwicklung zu verzichten.
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