Dach schafft Land­schaft

Der Floa­ting Pavi­lion in Songyang

Planer

Studio RE+N
Hang­zhou, Zhejiang, China

Yuting Zhang, Pu Zhang

Bauherr

Xinxing Town Govern­ment, Songyang County

Trag­werk

Lihui Feng

Ausfüh­rung

Hang­zhou Baiguyuan Cons­truc­tion Co., Ltd
Zhejiang Huafang Cons­truc­tion Co., Ltd.

 

Beson­der­heiten
  • Offener Aussichts­pa­villon
  • Schwe­bende, vorge­fer­tigte  Stahl­kon­struk­tion
  • Dünnes Sand­wich­dach aus Stahl
  • Gestufte Aufent­halts­platt­formen
  • Montage ohne schwere Bauma­schinen
  • Mini­maler Eingriff in die Land­schaft
Adresse

Organic Tea Valley
Xinxing Town
Songyang County
CN-Lishui, Zhejiang

Eröff­nung

2025

Fotos

Kejia Mei

Pläne

Studio RE+NKejia Mei

Text

Johannes Bühl­be­cker
More Sports Media

Nicht jede Über­da­chung schützt vor allem vor Regen. Manchmal schafft sie vor allem einen Ort.

Der Floa­ting Pavi­lion im chine­si­schen Songyang zeigt, wie ein einziges, schwe­bendes Dach ausreicht, um einer Land­schaft eine neue Qualität zu geben: als Aussichts­punkt, Treff­punkt und Rast­platz glei­cher­maßen.

Ein Dach als Land­schaft

Wer den Floa­ting Pavi­lion besucht, erreicht ihn nicht über eine Straße oder einen Vorplatz. Der Weg führt durch steile Teeplan­tagen hinauf auf einen Berg­rü­cken rund 500 Meter über dem Meeres­spiegel. Erst zwischen den Terrassen erscheint nach und nach ein schmaler weißer Baukörper, der scheinbar schwe­relos über den Feldern schwebt.

Das Beson­dere ist dabei weniger das Gebäude selbst als seine Haltung gegen­über der Land­schaft. Statt einen domi­nanten Aussichts­punkt zu errichten, beschränkt sich Studio RE+N auf ein einziges präzise geformtes Dach, das den Ort defi­niert, ohne ihn zu verän­dern. Genau diese Zurück­hal­tung macht den Pavillon zu einem span­nenden Beispiel für über­dachte Frei­räume.

Dach schafft Raum

Die Konstruk­tion besteht aus einer extrem schlanken Stahl-Sand­wich­kon­struk­tion, die ledig­lich von wenigen Stützen getragen wird. Das Dach wirkt dadurch fast wie ein Blatt Papier, das über den Teeplan­tagen schwebt.

Darunter entstehen unter­schied­lich große Aufent­halts­be­reiche. Stufen folgen der Topo­grafie der Terrassen und führen Besu­cher langsam nach unten. Mit jeder Ebene erwei­tert sich der Blick über das Tal, bis sich am tiefsten Punkt das gesamte Panorama öffnet.

Die Archi­tektur entsteht hier nicht durch Wände oder Räume, sondern allein durch Dach, Gelände und Aussicht.

Leicht gebaut

Auch der Baupro­zess folgt dem Gedanken mini­maler Eingriffe. Weil schweres Gerät den steilen Hang nicht errei­chen konnte, wurden sämt­liche Stahl­bau­teile vorge­fer­tigt und mit kleinen Trans­port­wagen sowie Seil­sys­temen auf den Berg gebracht. Vor Ort mussten nur noch wenige Arbeiten ausge­führt werden.

So blieb der Eingriff in die bestehende Kultur­land­schaft äußerst gering. Gleich­zeitig entstand eine dauer­hafte Infra­struktur, die heute sowohl Besu­cher als auch Teebauern nutzen.

Ein Ort auch für den Alltag

Seit seiner Fertig­stel­lung hat sich der Pavi­lion schnell vom archi­tek­to­ni­schen Objekt zum selbst­ver­ständ­li­chen Bestand­teil des Ortes entwi­ckelt. Wanderer nutzen ihn als Rast­platz, Besu­cher erleben hier Sonnenauf- und ‑unter­gänge und während der Ernte dient der neue Weg gleich­zeitig als bessere Erschlie­ßung der Teeplan­tagen.

Gerade diese Mehr­fach­nut­zung macht den Entwurf inter­es­sant. Das Dach schafft nicht nur einen Aussichts­punkt, sondern verbes­sert ganz nebenbei auch die Nutzung der Land­schaft.

Was hier hier lernen:

Manchmal braucht es gar kein Gebäude. Ein gutes Dach reicht schon. Der Floa­ting Pavi­lion zeigt eindrucks­voll, wie wenig Archi­tektur notwendig ist, um einen Ort völlig neu erlebbar zu machen. Die größte Leis­tung des Projekts besteht viel­leicht sogar darin, dass es sich nicht in den Vorder­grund drängt. Es schafft einen Aufent­haltsort, verbes­sert ganz nebenbei die Erschlie­ßung der Teeplan­tagen und wirkt dabei, als hätte es schon immer dort gestanden.

Mit einem einzigen, fast schwe­relos wirkenden Dach entsteht ein Ort, der die Land­schaft nicht über­formt, sondern sie insze­niert. Selten zeigt Archi­tektur so über­zeu­gend, dass Reduk­tion kein Verzicht ist, sondern eine beson­dere Form von Qualität. 

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