Das Sportstadel am Hang
Die Turnhalle Königsdorf

Ein Sportstadel am Hang: Die neue Turnhalle Königsdorf wurde nicht einfach auf das Gelände gesetzt, sondern in die Landschaft hineingeschrieben. Zwischen Voralpenkulisse, Holzfassade und eingeschnittener Topografie entstand ein Gebäude, das Sport, Betreuung und Dorfarchitektur miteinander verbindet.
Gegen den Standard
Am Ortsrand von Königsdorf, im Übergang zur oberbayerischen Voralpenlandschaft, ist ein Gebäude entstanden, das sich bewusst gegen die Logik vieler standardisierter Sporthallen stellt. Keine isolierte Großform, kein technischer Solitär, sondern ein Bauwerk, das auf Landschaft, Maßstab und lokale Bautraditionen reagiert.
Die neue Turnhalle der Grund- und Mittelschule Königsdorf wurde gemeinsam mit Räumen für die schulische Mittagsbetreuung auf einem ausgesprochen engen Grundstück realisiert.
Verantwortlich für den Entwurf zeichnen Hrycyk Architekten.

Für die Mittagsbetreuung
Die zentrale Idee entstand aus der Topografie: Das abfallende Gelände wurde nicht nivelliert, sondern genutzt. Umkleiden, Technik- und Nebenräume sowie Teile der Hallenebene liegen in den Hang eingeschoben und erscheinen nach außen weit weniger massiv, als es ihr tatsächliches Raumprogramm vermuten lässt. Die Architektur arbeitet mit dem Gelände.
Die Anlage besteht aus zwei Baukörpern: der Sporthalle und dem Gebäude der Mittagsbetreuung. Beide reagieren auf die kleinteilige Umgebung mit Einfamilienhäusern und nehmen deren Maßstab auf. Verbunden werden sie über eine gemeinsame Sockelzone und eine räumliche Fuge, die zugleich Erschließung und Übergangsraum ist.

Für die Vielseitigkeit
Wer sich der Anlage von der Schule nähert, erreicht auf oberer Ebene direkt die Mittagsbetreuung. Der Zugang zur Halle erfolgt dagegen tiefer liegend von der Mooseuracher Straße aus. Diese Verschiebung erzeugt unterschiedliche Wegebeziehungen und macht aus dem Gebäude beinahe eine kleine räumliche Landschaft.
Auch funktional geht die Halle über das klassische Sportprogramm hinaus. Neben der eigentlichen Spielfläche verfügt sie über eine Tribüne und einen zusätzlichen Konditionsraum. Durch eine Teilung mittels Trennvorhang können bis zu drei Gruppen parallel Sport treiben – ein wichtiger Faktor für den Schul- und Vereinssport im Ort.

Für Tradition und Moderne
Besonders interessant ist jedoch die gestalterische Übersetzung regionaler Bautraditionen. Die Architekten orientierten sich an typischen oberbayerischen Hofanlagen, namentlich dem Zusammenspiel von verputztem Wohngebäude und hölzernem Stadel. Die Turnhalle Königsdorf erscheint daher nicht als Sportmaschine, sondern eher als gelungene zeitgenössische Interpretation eines ländlichen Wirtschaftsgebäudes.
Die offene Fassade aus Lärchenholz erzeugt mit einfachen Schrägschnitten eine subtile Ornamentik an den Stirnseiten. Vor dem Gebäude der Mittagsbetreuung greifen feststehende Holzlamellen traditionelle Fensterläden auf und übersetzen sie in eine moderne Architektursprache. Das Hallendach reagiert mit unterschiedlichen Überständen auf Hanglage, Gebäudehöhe und innere Funktionen. Eine farblich akzentuierte Stahltreppe setzt dabei einen bewusst zeitgenössischen Kontrapunkt.

Für Zurückhaltung
Die neue Turnhalle der Grund- und Mittelschule Königsdorf nutzt die Hanglage als Entwurfsmotor: eingegrabene Nebenräume, ein an traditionelle Hofstellen angelehntes Erscheinungsbild und eine enge Verknüpfung von Schulsport, Vereinssport und Mittagsbetreuung schaffen einen ungewöhnlichen Ort für Bildung, Beisammensein und Sport.
Mit wohltuender Zurückhaltung.

Projektdaten
(Links sind unterstrichen)
Planer
Hrycyk Architekten BDA
Sommerstraße 9
D‑81543 München
Bauherr
Gemeinde Königsdorf
Eröffnung
2025
Adresse
Mooseuracher Straße 15 & 17
D‑82549 Königsdorf
Fotos
Sebastian Schels
Text
Johannes Bühlbecker
More Sports Media
Pläne
Abonnieren Sie unseren Newsletter.
Wir informieren alle drei Wochen über neue und beispielhafte Projekte und Produkte. Mit Herz und Schwung und Sachverstand.






