Galopp ins Grün
Der neue Stadtpark Neuss

Bauherr & Betreiber
Römerspielplatz
Garten- und Landschaftsbau
Konzept
Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
Besonderheiten
- Umnutzung und Weiterentwicklung einer ehemaligen Galopprennbahn zum Stadt- und Bürgerpark
- Neue Sport‑, Spiel- und Freizeitangebote
- Erhalt prägender Rennbahnrelikte
- Intensive Nutzerbeteiligung
- Generationsübergreifende Nutzung
Projektgröße
380.000 m²
Kosten (gesamt)
60 Mio. €
Adresse
Landesgartenschau Neuss 2026 / Stadtpark Neuss
Hammer Landstraße / Stresemannallee
D‑41460 Neuss
Eröffnung
2026
Fotos
Thomas Mayer
Thomas van Offen
Marc Leppin
Custom Bars
Imma Schmidt
Markus van Offern
More Sports Media
Text
Johannes Bühlbecker
More Sports Media
Eine ehemalige Galopprennbahn wird zum grünen Herzen der Stadt: Mit der Landesgartenschau 2026 verwandelt Neuss das 38 Hektar große Areal in einen Bürgerpark. Die Geschichte des Ortes bleibt dabei sichtbar, während neue Sport‑, Spiel- und Bewegungsangebote den Park für alle Generationen öffnen.
Rennbahn wird Stadtpark
Die Landesgartenschau nutzt die ehemalige Galopprennbahn als Ausgangspunkt für einen dauerhaften Bürgerpark zwischen Innenstadt, Hammfeld und Rhein.
Landesgartenschauen sind längst mehr als temporäre Blumenschauen. In Neuss wird die Veranstaltung zum Motor einer größeren Stadtentwicklung: Das 38 Hektar große Gelände der ehemaligen Galopprennbahn wird dauerhaft zum Stadtpark Neuss und soll zugleich die Verbindung von der Innenstadt über das künftige Quartier Hammfeld bis zum Rhein stärken.
Die Rennbahn wurde 2019 endgültig geschlossen. Mit dem 2023 erstplatzierten Wettbewerbsentwurf von Franz Reschke Landschaftsarchitektur begann 2023 schließlich die umfassende Weiterentwicklung zum Bürgerpark.
Dabei wurde die Geschichte des Ortes nicht weggeräumt. Die große offene Mitte erinnert weiterhin an die Weite der Rennbahn, das ehemalige Geläuf mit Rasen- und Sandbahn bleibt als Parkfuge ablesbar. Auch Flutlichtmasten, Teile des vorhandenen Wegenetzes, das Wettbüro sowie Kamera- und Richtertürme wurden erhalten oder neu interpretiert. Fünf unterschiedlich programmierte Haine fassen heute die offene Mitte und nehmen die intensiveren Nutzungen auf. Rund 2.200 neu gepflanzte Bäume ergänzen den weitgehend erhaltenen Gehölzbestand.
Das Planungsprinzip ist also: weniger Neuanlage als Weiterbauen. Die Landesgartenschau legt eine neue Nutzungsschicht über einen Ort, dessen frühere Funktion weiterhin erkennbar bleibt.


Sport für Generationen
Sport, Spiel und Aufenthalt werden im neuen Stadtpark nicht voneinander getrennt. Die Bewegungsangebote sind in den Park eingebettet und mit großzügigen Aufenthaltsbereichen verbunden.
Mehr als 16.000 m² sind im neuen Stadtpark Neuss für Spiel, Sport und Action vorgesehen. Ein Schwerpunkt liegt im Sporthain. Hier treffen ein Fußballfeld, Basketball und Beachvolleyball auf zwei sogenannte Fusionsanlagen, die klassische Calisthenics-Elemente mit Klettern, Hangeln, Balancieren sowie Kraft- und Koordinationstraining verbinden. Reckstangen, Netze und Seile gehören ebenso dazu wie Boxsäcke, Battle Ropes, Sprungelemente und Bodentrampoline. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade sollen dafür sorgen, dass die Anlagen nicht nur von trainierten Sportlern genutzt werden können. Die EPDM-Flächen ermöglichen zudem einen barrierefreien Zugang zu den Trainingselementen.
Dabei endet der Sportbereich nicht an der Auslinie des Spielfeldes. Sitzgelegenheiten, Terrassen und Wege begleiten die Sport- und Bewegungsflächen und verbinden sie mit dem übrigen Park. Dieses Prinzip zieht sich durch die gesamte Anlage: Großzügige Sitzstufen, individuell entwickeltes Parkmobiliar, Gastronomie und unterschiedlich ausgeprägte Aufenthaltsbereiche ergänzen die aktiven Nutzungen. Im Sporthain können deshalb verschiedene Generationen gleichzeitig trainieren, spielen, sich treffen oder den anderen zuschauen. Sport wird hier nicht als separates Programm in den Park gestellt, sondern mit Aufenthalt und öffentlichem Leben verbunden.
Dass diese Angebote auf ihre späteren Nutzer zugeschnitten wurden, hat auch mit dem Planungsprozess zu tun. Vertreter örtlicher Sportgemeinschaften waren an der Entwicklung beteiligt und diskutierten die Sportangebote mit den Planern. Die gleiche Vorgehensweise wurde beim bestehenden Skatepark gewählt, dessen Erweiterung mit der lokalen Szene abgestimmt wurde.

Skaten, rollen, spielen
Ein bestehender Skatepark wurde erweitert und mit Dirtpark und Pumptrack zu einem größeren Rollsportbereich verbunden. Drei Themenspielplätze für die Jüngeren ergänzen das Bewegungsangebot im Park.
Der Skatepark gehört zu den Sportanlagen, die bereits vor der Landesgartenschau auf dem ehemaligen Rennbahngelände vorhanden waren. Seine Beton-Bowl aus den 2000er-Jahren wurde erhalten und um eine Streetplaza erweitert. Manual Pad, Curved Rail, verlängerte Ledge, niedrigere Transitions und sanfte Roll-ins ergänzen insbesondere die Möglichkeiten für weniger erfahrene Nutzer. Die Wege innerhalb und am Rand der Anlage bestehen aus Ortbeton und können in die Lines einbezogen werden. Sitzmöglichkeiten sind unmittelbar in die Anlage integriert, ein großes Flugdach bietet Schutz vor Sonne und leichtem Regen.
Unmittelbar daneben entstand ein Dirtpark mit zwei unterschiedlich anspruchsvollen Lines und jeweils zwei Table-Jumps. Steilkurven führen zurück zum Ausgangspunkt, Roller und Wobbles ergänzen die Strecken. Ein kompakter Asphalt-Pumptrack erweitert das Spektrum nach unten: Er kann mit Laufrädern, Scootern, Skateboards und Mountainbikes genutzt werden und eignet sich damit auch für Kinder und Einsteiger. Skatepark, Dirtpark und Pumptrack bilden zusammen einen rund 13.000 m² großen Aktionsbereich, in dem unterschiedliche Rollsportarten und Könnensstufen nebeneinander Platz finden.
Ergänzt wird das Sportangebot durch drei inklusive Themenspielplätze mit insgesamt rund 2.000 m² Fläche. Der Römerspielplatz bezieht sich auf das Legionslager Novaesium, der Kaninchenspielplatz auf die Kaninchen, die nach Einstellung des Rennbetriebs das Gelände eroberten, und der Rennbahnspielplatz greift mit Pferden, Bewegung und Wettbewerb noch einmal die Geschichte des Ortes auf. Rund 50 Kinder waren im Vorfeld an der Entwicklung der Anforderungen beteiligt.

Spielen wie die Römer
Eine Römerstraße verbindet Lager, Dorf und Marktplatz zu einer zusammenhängenden Spiellandschaft. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Spielangebote öffnen den Römerspielplatz für verschiedene Altersgruppen und Fähigkeiten.
Der von hochkant entwickelte und realisierte Römer-Spielplatz macht die Geschichte der Stadt Neuss entlang einer symbolischen Römerstraße spielerisch erlebbar. Sie führt vom Tor eines römischen Lagers vorbei an einem kleinen Dorf und durch den vorhandenen Baumbestand bis zum Marktplatz mit Sand- und Matschbereich. Ein Raster von zwei mal zwei Metern bildet die Grundlage für die individuell entworfenen Spielgeräte. Naturbelassenes Lärchenholz prägt die Anlage, weiß lasierte Holzelemente zitieren römische Architektur, braune Netze und Seile erinnern in ihrer Farbigkeit an Leder.
Die einzelnen Bereiche richten sich an unterschiedliche Altersgruppen und Fähigkeiten. Römerlager und Niedrigseilparcours bieten anspruchsvollere Kletter‑, Balancier- und Bewegungsmöglichkeiten, während der Kleinkinderbereich sowie Sand- und Wasserspiel niedrigschwelliger angelegt sind. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade und sensorische Angebote erweitern die Nutzungsmöglichkeiten für Kinder mit verschiedenen Fähigkeiten. Kleine Details führen das Thema weiter: Integrierte Brettspiele greifen etwa die „Römische Mühle“ auf, ein Memory verbindet römische Motive mit ihren Bezeichnungen und bei einer eigens gestalteten Variante von „Vier gewinnt“ treten Römer und Germanen gegeneinander an.
Inklusion wird hier also nicht als separates Angebot verstanden, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der Gestaltung, die Kindern mit unterschiedlichen Talenten und Neigungen vielfältige Zugänge zu Spiel und Bewegung ermöglicht.
Auch der vorhandene Baumbestand wurde Teil der Planung. Die Elemente entlang der Römerstraße kommen weitgehend ohne aufwendige Fundamente aus, um die Wurzelbereiche zu schonen. Zusätzliche Baumpflanzungen sollen künftig mehr Schatten schaffen. Wartungsfreundliche Konstruktionen und austauschbare Einzelteile sind auf eine dauerhafte Nutzung über die Landesgartenschau hinaus ausgelegt.


Botschaften aus Neuss
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Die Umnutzung der ehemaligen Rennbahn zeigt, dass die Geschichte eines Ortes nicht verschwinden muss, wenn sich seine Funktion grundlegend verändert. Spuren der Vergangenheit können dem neuen Freiraum Identität geben.
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Sportangebote gewinnen im öffentlichen Raum an Qualität, wenn Bewegung und Aufenthalt gemeinsam gedacht werden. Wer trainiert, spielt, zuschaut oder sich lediglich trifft, nutzt denselben Park.
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Generationsübergreifende Bewegungsräume brauchen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, inklusive Zugänge und Angebote ohne feste Nutzungsvorgaben. So können sehr unterschiedliche Nutzergruppen denselben Ort selbstverständlich miteinander teilen.
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Beteiligung und Mitsprache hatten in Neuss konkrete Auswirkungen auf die Planung. Sportgemeinschaften, die lokale Skate-Szene und Kinder konnten Anforderungen und Angebote mitprägen. Das ist richtig und wichtig.
Videos
Pläne




