Architektur sorgt für Bewegung
Der Sportpark Ost Regensburg
Planer
Landschaftsplaner
Lichtgrün Landschaftsarchitektur
Ludwigstraße 6
D–93047 Regensburg
Bauherr & Betreiber
das Stadtwerk.Bäder und Arenen GmbH
Greflingerstraße 26
D–93055 Regensburg
Ausstattung
Schwimmhalle:
630 m² Wasserfläche:
25-m-Schwimmerbecken
Lehrschwimmbecken
Nichtschwimmerbecken mit Hubboden
Sauna mit Tauchbecken
Leichtathletikhalle:
Rundlaufbahn
Sprintbahnen
Weitsprunganlage
Hochsprunganlage
Stabhochsprunganlage
Kugelstoßanlage
Kraft- und Gymnastikbereich
Zuschauertribüne
Eröffnung
2025
Fotos
David Matthiessen, Stuttgart
Lichtgrün
Behnisch Architekturbüro
Text
Johannes Bühlbecker
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Der erste Baustein eines neuen Quartiers
Wenn ehemalige Militärflächen zu lebendigen Stadtquartieren werden, braucht es Orte, die Identität stiften. Im Regensburger Osten übernimmt diese Aufgabe der Sportpark Ost. Auf dem Gelände der früheren Prinz-Leopold-Kaserne entstand ein neues Zentrum für Schwimm- und Leichtathletiksport, das zugleich als öffentlicher Treffpunkt und räumlicher Anker des neuen Stadtteils fungiert. Bereits 2019 überzeugte der Entwurf von Behnisch Architekten im Wettbewerb und wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Nach rund drei Jahren Bauzeit wurde die Anlage 2025 fertiggestellt.
Statt einer monolithischen Großstruktur entschieden sich die Architekten bewusst für zwei eigenständige Baukörper: eine Leichtathletikhalle und ein Hallenbad. Beide besitzen ihren eigenen architektonischen Charakter und werden über ein transparentes, zweigeschossiges Foyer miteinander verbunden. Dieses dient weit mehr als nur der Erschließung, es ist Verteiler, Aufenthaltsbereich und sozialer Mittelpunkt der gesamten Anlage. Gastronomie und Terrassen öffnen sich zum Vorplatz und schaffen fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum.
Zwei Hallen, zwei Atmosphären
Die unterschiedlichen Nutzungen spiegeln sich konsequent in Materialität und Raumwirkung wider.
Die Leichtathletikhalle präsentiert sich als großzügiger, stützenfreier Trainingsraum. Spannweiten von bis zu 65 Metern ermöglichen maximale Flexibilität für den Trainingsbetrieb. Großformatige Oberlichter sorgen für gleichmäßiges Tageslicht, während der gelbe Sportboden das natürliche Licht reflektiert und eine helle, warme Atmosphäre erzeugt. Dunklere Wandflächen reduzieren gleichzeitig die wahrgenommene Raumhöhe, während die weiß gehaltene Dachkonstruktion die Leichtigkeit des Tragwerks betont.
Ganz anders die Schwimmhalle. Hier bestimmen großzügige Fensterflächen und der Blick ins Grün den Raumeindruck. Sichtbare Holzbinder, helle Grüntöne rund um die Becken sowie wellenförmig angeordnete Akustikelemente schaffen eine ruhige, fast landschaftliche Atmosphäre. Die Farb- und Materialgestaltung nimmt bewusst Bezug zum Außenraum und verbindet Gebäude und Landschaft zu einer gestalterischen Einheit.
Auf rund 630 m² Wasserfläche bietet das Hallenbad ein 25-Meter-Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmerbecken mit Hubboden, ein Lehrschwimmbecken sowie eine Sportlersauna mit Tauchbecken. Alle Becken wurden in Edelstahl ausgeführt – eine Entscheidung zugunsten von Langlebigkeit, Hygiene und dauerhaft geringem Wartungsaufwand.
Landschaft als Architektur
Die Freianlagen von Lichtgrün Landschaftsarchitektur sind weit mehr als Erschließungsflächen. Sie bilden den eigentlichen Auftakt des Sportparks und verknüpfen das Gebäude mit seinem zukünftigen Quartier.
Ein großzügiger, verkehrsfreier Vorplatz organisiert die Ankunft der Besucherinnen und Besucher. Barrierefreie Wege, Fahrradstellplätze und ein taktiles Leitsystem sorgen für eine selbstverständliche Nutzung durch unterschiedlichste Zielgruppen. Gleichzeitig strukturieren erhöhte “Grüne Inseln” den Platz. Sie lenken Besucherströme, schaffen schattige Aufenthaltsbereiche und integrieren Sitzmöglichkeiten in die Bepflanzung.
Besonderes Augenmerk lag auf der ökologischen Qualität der Außenräume. Heimische Bäume, Stauden, Gräser und Blühpflanzen schaffen gemeinsam mit Steinhügeln für Eidechsen und Nisthölzern für Insekten wertvolle Lebensräume. Eine Parcoursfläche erweitert das Angebot zusätzlich um ein frei nutzbares Bewegungsangebot für das Quartier. Damit wird der Sportpark nicht nur Sportstätte, sondern öffentlicher Freiraum.
Schwammstadt und mehr
Der Sportpark Ost verfolgt Nachhaltigkeit nicht über einzelne Maßnahmen, sondern als durchgängige Planungsstrategie.
Zum Einsatz kommen Holztragwerke, vorgefertigte Holzfassaden sowie Recyclingbeton aus dem Rückbau der gegenüber liegenden Kasernengebäude. Dadurch konnten regionale Stoffkreisläufe geschlossen und gleichzeitig langlebige, sortenrein trennbare Konstruktionen geschaffen werden. Flexible Grundrisse ermöglichen zudem zukünftige Anpassungen der Nutzung.
Auch energetisch setzt das Projekt Maßstäbe. Rund 45 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs werden über Solarthermie erzeugt. Die großflächigen Solarkollektoren überspannen gleichzeitig die Parkplatzanlagen und übernehmen dort zusätzlich eine Verschattungsfunktion. Ergänzt wird das System durch einen Hackschnitzelkessel, einen 500 m³ großen Wärmespeicher sowie Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen. Hocheffiziente Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, eine hochgedämmte Gebäudehülle und energieoptimierte Gebäudetechnik reduzieren den laufenden Energiebedarf zusätzlich.
Auch das Regenwassermanagement wurde von Beginn an als integraler Bestandteil des Entwurfs verstanden.
Sämtliche Niederschläge versickern auf dem Grundstück. Dachflächen und Freianlagen entwässern in zwei Zisternen, Versickerungsmulden und groß dimensionierte Rigolensysteme. Das gespeicherte Regenwasser dient der automatischen Bewässerung der Grünflächen und Fassadenbegrünung, Überschüsse werden kontrolliert versickert. Versickerungsfähige Beläge auf Stellplätzen und Platzflächen entlasten zusätzlich das Kanalnetz.
Rund 30 Prozent der Fassadenflächen werden begrünt. Zusammen mit den klimaresilienten Pflanzungen entsteht ein Freiraumsystem, das Biodiversität, Mikroklima und Aufenthaltsqualität gleichermaßen verbessert.
Was hier hier lernen:
Der Sportpark Ost Regensburg zeigt, dass gute Sportstätten nicht allein durch gute Architektur entstehen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Planungsdisziplinen und der ausführenden Firmen. Architektur, Landschaftsarchitektur und technische Fachplanung wurden hier von Beginn an gemeinsam entwickelt und greifen ineinander. Dadurch wirken Freianlagen, Gebäude und Technik nicht wie einzelne Bausteine, sondern wie ein zusammenhängendes Gesamtkonzept.
Ebenso deutlich wird, welchen Unterschied engagierte Planer machen können. Behnisch Architekturbüro und die beteiligten Fachplaner haben ihre jeweiligen Kompetenzen nicht nebeneinander gestellt, sondern miteinander verknüpft. Das Ergebnis ist ein Sportpark, der weit über seine eigentliche Funktion hinausgeht und sowohl dem Sport als auch der Stadtentwicklung einen langfristigen Mehrwert bietet.
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