Sport hoch 4
Die Sport Arena Wien
Generalplaner
Karl und Bremhorst Architekten ZT GmbH
Projektleitung: DI Stefan Jirsa / DI Manuel Kainz
Bauherr
Stadt Wien, Sport Wien (MA 51)
Generalunternehmer
ARGE Sportarena Wien
Strabag – Granit
Feldgasse 14
8020 Graz

Ausstattung
-
Ballsportarena
44 × 63 × 10 m
bis zu 3.000 Zuschauer, mobile Teleskoptribünen -
Kunstturnhalle
56 × 27 × 7 m
bis zu 80 Aktive, bis zu 120 Zuschauer -
Leichtathletikhalle
105 × 55 × 10 m
bis zu 500 Aktive, bis zu 300 Zuschauer, 200-m-Rundlaufbahn mit Steilkurven, Trainings- und Aufwärmgalerie,
Freisport-Dachterrasse -
Leistungszentrum
Cardio- und Krafttraining, Functional Fitness. Leistungsdiagnostik, Physiotherapie, Kältekammer
Sportnutzfläche
13.600 m²
Baukosten
115 Mio. €
Grundfläche
26.000 m²
Adresse
Sport Arena Wien
Stephanie-Endres-Straße 3
A‑1020 Wien
Eröffnung
2025
Fotos
noch zu klären
Text
Johannes Bühlbecker
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Vier große Sportbereiche, 13.600 m² Sportnutzfläche und bis zu 3.000 Zuschauer passen in Wien auf ein Grundstück, das zuvor deutlich weniger Sport aufnehmen konnte. Die Sport Arena Wien stapelt Ballsport, Kunstturnen, Leistungstraining und Leichtathletik übereinander und macht räumliche Verdichtung zum architektonischen Prinzip.
Sport in Schichten
Ballsportarena, Kunstturnhalle, Cardio- und Kraftbereich sowie Leichtathletikhalle liegen nicht nebeneinander, sondern übereinander.
Zwischen Donau, Prater und Ernst-Happel-Stadion hat die Stadt Wien am Standort des ehemaligen Ferry-Dusika-Stadions ein neues Zentrum für den Breiten‑, Leistungs- und Spitzensport geschaffen. Wo früher eine einzelne große Sporthalle stand, sind heute mehrere eigenständige Sportwelten in einem kompakten Gebäude miteinander verbunden. Die Sportnutzfläche konnte dadurch auf 13.600 m² verdreifacht werden, bei gleichzeitig geringerer Versiegelung des Grundstücks.
Ein wichtiger Teil der Planung begann bereits vor dem Architekturwettbewerb: Die künftigen Nutzer wurden frühzeitig in die Definition der Anforderungen einbezogen. Dazu gehörten insbesondere der Turnverband, die Verbände für Handball, Volleyball, Basketball und Badminton sowie der Leichtathletikverband. Diese Beteiligung wurde während Planung und Ausführung fortgeführt. Dieser kontinuierliche Austausch hat wesentlich zur großen Akzeptanz der Sport Arena Wien bei ihren heutigen Nutzerinnen und Nutzern beigetragen.
Karl und Bremhorst Architekten machten diese Verdichtung zum zentralen Entwurfsgedanken. Die Sportbereiche liegen nicht nebeneinander, sondern übereinander. Die großen Hallenvolumen bilden einen horizontal gegliederten Baukörper, dessen oberer Abschluss die transluzent verkleidete Leichtathletikhalle ist. Im Inneren sorgen Sichtbeziehungen, Galerien und offene Verbindungen dafür, dass aus der Stapelung keine Sammlung voneinander isolierter Hallen wird.
Auch städtebaulich ist die Arena Teil eines größeren Zusammenhangs. Der Haupteingang orientiert sich zu einem großzügigen Vorplatz, auf der gegenüberliegenden Seite öffnet sich das Gebäude zum Park.

Jeder wie er mag
In der Ballsportarena Wien kann eine Großveranstaltung stattfinden, während die übrigen Bereiche weiter für das Training genutzt werden.
Das Herzstück der Sport Arena Wien liegt im Untergeschoss. Die 44 × 63 Meter große und zehn Meter hohe Ballsportarena ist auf den täglichen Trainingsbetrieb ebenso ausgelegt wie auf Veranstaltungen mit bis zu 3.000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Vorhänge und Netze teilen die Fläche bei Bedarf in vier Trainingsbereiche. Handball, Basketball, Volleyball, Badminton, Hallenhockey und Floorball können hier parallel oder in wechselnden Konfigurationen stattfinden.
Zwei feste Sitzreihen und mobile Teleskoptribünen verändern den Charakter der Halle je nach Nutzung. Im Veranstaltungsbetrieb kommen VIP- und Pressebereiche im ersten Obergeschoss hinzu. Entscheidend für die Mehrfachnutzung ist die Wegeorganisation: Publikum, Sportlerinnen und Sportler, VIP-Gäste, Mannschaften und Anlieferung erhalten getrennte Zugänge und Bewegungsräume.
So kann in der Ballsportarena eine Großveranstaltung stattfinden, während die übrigen Bereiche weiter für das Training genutzt werden.
Das Erschließungskonzept unterstützt zugleich eine weitgehend barrierefreie Nutzung der Anlage. Bereits in der Planung wurden Behindertensportverbände einbezogen und Anforderungen verschiedener Parasportarten berücksichtigt.
Direkt neben der großen Arena liegt die 56 × 27 Meter große Kunstturnhalle. Ihre Geräte und Trainingsbereiche für Turnen, Gymnastik und Akrobatik sind dauerhaft organisiert. Eine Galerie bietet Platz für bis zu 120 Zuschauer und schafft zugleich eine direkte Sichtverbindung vom Erdgeschoss in die Halle.

Laufen über den Dächern
Architektonisch unterscheidet sich das oberste Volumen deutlich von den darunterliegenden Geschossen.
Den spektakulärsten Teil der vertikalen Sportlandschaft bildet die Leichtathletikhalle im zweiten Obergeschoss. Auf einer Fläche von rund 105 × 55 Metern finden sich eine 200-Meter-Rundlaufbahn mit Steilkurven sowie Anlagen für Sprint und Hürden, Weit- und Dreisprung, Stabhochsprung und Kugelstoßen; die Rundlaufbahn wird darüber hinaus auch für Parasport, etwa mit Race Runnern, genutzt. Bis zu 500 Aktive können den Bereich nutzen, bei Wettkämpfen stehen rund 300 Zuschauerplätze zur Verfügung.
Die Leichtathletikhalle ist damit nicht nur Trainingsstätte, sondern ermöglicht erstmals einen kontinuierlichen Hallenbetrieb mit Wettkämpfen vor Publikum. Eine Galerie dient zusätzlich zum Aufwärmen und Trainieren. Direkt anschließend führt der Sport hinaus: Eine Dachterrasse erweitert die Halle um Freisportflächen.
Architektonisch unterscheidet sich das oberste Volumen deutlich von den darunterliegenden Geschossen. Die transluzente Polycarbonatfassade bringt diffuses Tageslicht in die Halle und lässt den Baukörper am Abend selbst zum Lichtkörper werden. Die großflächigen Verglasungen der übrigen Ebenen setzen dieses Prinzip fort. Trotz der enormen Hallentiefen bleiben Park, Grünraum und Stadt an vielen Stellen präsent.
Auf dem Dach der Leichtathletikhalle ergänzt eine Photovoltaik-Thermie-Anlage das ambitionierte Energiesystem.

Mehr als Hallen
Auch die Außenräume gehören zum Sportkonzept.
Zwischen den großen Sportbereichen befinden sich Cardio- und Krafttraining sowie ein teilbarer Functional-Fitness-Bereich. Ergänzt werden sie durch Räume für Physiotherapie und Leistungsdiagnostik, einen Regenerationsbereich mit Kältekammer und Infrarotkabinen sowie Büro- und Untersuchungsräume.
Vier teilbare Multifunktionsräume können im Veranstaltungsbetrieb gemeinsam mit einem vorgelagerten Balkon als VIP- und Pressebereich dienen. Hinzu kommt ein Seminarraum für rund 100 Personen. Damit werden Räume, die im täglichen Trainingsbetrieb dem Leistungszentrum dienen, bei Veranstaltungen Teil der Infrastruktur der Arena.
Auch die Außenräume der Sport Arena Wien gehören zum Sportkonzept. Eine große Loggia öffnet den Cardio- und Kraftbereich zum Park, Dachterrassen und Freisportflächen erweitern die Innenräume. Der Entwurf versteht den Freiraum damit nicht als Restfläche rund um eine Großhalle, sondern als zusätzlichen Trainings- und Aufenthaltsraum.

Was lernen wir hier?
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Frühe Nutzerbeteiligung zahlt sich aus. Werden Sportverbände und künftige Nutzer bereits vor dem Wettbewerb in die Definition der Anforderungen einbezogen und bleiben sie auch während Planung und Ausführung beteiligt, entstehen Lösungen, die den tatsächlichen Sportbetrieb besser treffen.Verdichtung kann zusätzliche Sportflächen schaffen, ohne zusätzliche Grundstücksfläche zu beanspruchen.
- Verdichtung kann zusätzliche Sportflächen schaffen, ohne zusätzliche Grundstücksfläche zu beanspruchen.
- Ein gutes Erschließungskonzept organisiert nicht nur unterschiedliche Betriebsabläufe. Es kann zugleich die Voraussetzung dafür schaffen, dass eine komplexe Sportanlage selbstverständlich von Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen genutzt werden kann.
- Außenräume können Teil des Trainingskonzepts sein. Loggia, Dachterrasse und Freisportflächen erweitern die Hallen und schaffen direkte Beziehungen zwischen Innenraum, Park und Stadt.
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