Jedem seine Bahn
Der Schwimmsportkomplex Chemnitz-Bernsdorf
Architekten
Ausstattung & Besonderheiten
-
Die Wettkampfhalle mit sechs 25-Meter-Bahnen lässt sich unabhängig von der Freizeithalle nutzen.
-
Lehrschwimm-, Sprung- und Planschbecken bieten eigene Bereiche für Unterricht, Springen und Familien.
-
Erhöhte Aufenthaltsbereiche und zwei barrierefreie Übergänge verbinden Hallenbad und Freibad.
-
Ein gemeinsames Technikgeschoss versorgt die Wasseraufbereitung von Hallenbad und Freibad; 150 kWp Photovoltaik ergänzen die Energieversorgung.
Adresse
Schwimmsportkomplex Chemnitz-Bernsdorf
Bernsdorfer Straße 213
D – 09126 Chemnitz
Eröffnung
2024
Fotos
Text
Johannes Bühlbecker
More Sports Media
Sechs Bahnen für den Wettkampf, nebenan die ersten Schwimmversuche: Im Schwimmsportkomplex Chemnitz-Bernsdorf entscheidet der Grundriss, wie viel gleichzeitig geht. CODE UNIQUE Architekten geben Sport und Freizeit eigene Räume und einem hundertjährigen Badestandort eine neue Perspektive.
Hundert Jahre weiter
Seit 1925 wird in Bernsdorf unter freiem Himmel gebadet. Als Ersatz für die inzwischen geschlossene alte Schwimmhalle erhielt dieser Standort ein neues Hallenbad. Die Aufgabe ging damit über zusätzliche überdachte Wasserfläche hinaus: Schul- und Vereinssport, Wettkämpfe und öffentliches Baden sollten zusammenfinden und das bestehende Freibad zu einem ganzjährig nutzbaren Badestandort ergänzen.
Den Neubau beschloss der Chemnitzer Stadtrat im Jahr 2016. Zwei Jahre später gewannen CODE UNIQUE Architekten den Realisierungswettbewerb. Das Preisgericht würdigte neben der Einbindung in die Landschaft ausdrücklich die Möglichkeit, Sport- und Freizeitbereich getrennt zu betreiben.
Im September 2024 eröffnete das Hallenbad, im Juni 2025 folgte das sanierte Freibad. Zum hundertjährigen Bestehen war der Standort damit räumlich und funktional neu aufgestellt. Die wichtigste Neuerung liegt allerdings weniger im Kalender als im Belegungsplan: Das Haus kann mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen.
Aus dem Gelände gewachsen
Die polygonale Gebäudeform folgt dem Grundstück, die Höhenstaffelung dem Raumprogramm. Zur Bernsdorfer Straße liegt der niedrige Foyer- und Umkleidetrakt, dahinter erheben sich die beiden Badehallen. Graue Klinkerriemchen an den geschlossenen Wandflächen und ein umlaufendes Glasband verbinden die unterschiedlich hohen Gebäudeteile.
Der Vorplatz nutzt den alten Baumbestand. Eine breite Treppe mit Sitzstufen überwindet den Geländeunterschied und führt zum Eingang unter dem auskragenden Dach. Die Straßenbahnhaltestelle liegt unmittelbar in der Nähe. Der Weg ins Bad ist damit auch für Schulklassen und Vereinsgruppen gut angebunden.
Im Inneren wird die Topografie zum Bestandteil der Raumaufteilung. Gastronomie und Liegebereich liegen etwas oberhalb der Badeplatte, bereits auf dem Niveau des Freibads. Stufen und eine Rampe verbinden die Ebenen. Auch die Wärmebänke in der Wettkampfhalle vermitteln zwischen den unterschiedlichen Höhen und dienen zugleich als Zuschauerplätze. Aus dem Geländeversprung entstehen nutzbare Raumkanten.
Parallel statt nacheinander
Das Raumprogramm verteilt sich auf drei Bereiche: Foyer und Umkleiden, Freizeithalle und Wettkampfhalle. Diese Ordnung erlaubt gemeinsame Wege, ohne sämtliche Nutzer in denselben Betrieb zu zwingen.
Die Wettkampfhalle bietet ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen, ausgelegt für Schwimmen und Wasserball. Regie- und Lagerräume sind unmittelbar zugeordnet. Bei Veranstaltungen lässt sich die Halle vom Freizeitbereich abtrennen. Für Schulen, Vereine und Öffentlichkeit ist das ein handfester Vorteil: Unterschiedliche Nutzungen lassen sich räumlich organisieren, statt sie ausschließlich über die Uhrzeit auseinanderzuhalten.
In der Freizeithalle liegen Lehrschwimmbecken, Sprungbecken und Kinderplanschbecken. Das Lehrschwimmbecken bietet mit Wassertiefen zwischen 60 und 135 Zentimetern einen eigenen Bereich für Unterricht und Kurse. Drei-Meter-Plattform und Ein-Meter-Brett erhalten ein separates, 3,80 Meter tiefes Sprungbecken. Wer Schwimmen lernt, muss also nicht nebenbei den Sprungbetrieb verfolgen.
Gastronomie und Ruhezone besetzen gegenüberliegende Ränder der Halle. Ihre erhöhte Lage schafft Überblick und etwas Abstand zum Geschehen am Wasser. Der zentrale Aufsichts- und Erste-Hilfe-Raum ermöglicht den Blick auf alle Innenbecken. Zwei barrierefreie Übergänge, aus der Wettkampfhalle und dem Gastronomiebereich, stellen die Verbindung zum Freibad her.
Mehr als nur ein Durchgang
Das Foyer ist als Aufenthaltsbereich angelegt. Große Innenverglasungen geben den Blick auf die Becken frei; nach außen öffnet sich der Raum zum Freibad. Wer auf den Nachwuchs wartet, sitzt damit nicht vor verschlossenen Türen.
Die Gastronomie erreicht von ihrer Position aus das Foyer, den Familienbereich und die Freibadseite. Ein großes Raummöbel bündelt Schließfächer, Automaten, Informationsvitrinen und Sitzplätze und schirmt zugleich Toiletten und Nebenräume ab. Dahinter beginnt die nachvollziehbare Abfolge aus Föhnplätzen, Umkleiden und Duschen. Gruppen erhalten eigene Umkleiden; Wechselkabinen und eine barrierefreie Umkleide ergänzen das Angebot.
Die Materialwahl unterstützt diese räumliche Ordnung. Anthrazitgraue Steinzeugfliesen im wilden Verband und Sichtbeton bilden die durchgehende Grundlage. Türkisfarbene Mosaike markieren den Planschbecken-, Gastronomie- und Duschbereich.
Über den großen Wasserflächen liegen weiß lackierte Gitterrostdecken, die für Wartungsarbeiten begehbar sind. Holzlamellen prägen dagegen Foyer, Umkleiden sowie Planschbecken- und Gastronomiebereich. Die unterschiedlichen Deckensysteme geben den Räumen ihren jeweiligen Charakter und halten zugleich Platz für technische Installationen frei. Gestaltung und Wartungszugang sind hier gemeinsam geplant.
Was wir hier lernen
-
Die Trennung von Sport- und Freizeitbetrieb gehört in den Grundriss. In Bernsdorf schaffen zwei abtrennbare Hallen die Voraussetzung dafür, unterschiedliche Nutzergruppen parallel unterzubringen.
-
Höhenunterschiede lassen sich in das Raumangebot einarbeiten. Erhöhte Ruhe- und Gastronomiebereiche, Sitzstufen und Wärmebänke nutzen die Topografie und vermitteln zum Freibad.
-
Aufenthalt beginnt vor der Zugangskontrolle. Ein Foyer mit Einblicken, Sitzplätzen und Gastronomie gibt auch Begleitpersonen und Wartenden einen Platz im Bad.
Pläne











