Spiel ohne Grenzen
Die KuKuk Box Aqaba

Spielcontainer & Skatpark in a Box
Bauherr & Betreiber
Spielcontainer
- Kletterstrukturen mit Zugang zur Dachebene
- Rutsche
- Kriech- und Durchgänge
- Podeste und Rückzugsbereiche
- Balancier- und Bewegungselemente
- Spielangebote für Kindergarten- und jüngere Schulkinder
Skatepark in a Box
- Mobile Rampen und Skateelemente
- Variabel aufstellbarer Parcours
- Skateboards
- Stunt-Scooter
- BMX-Räder
- Helme
- Hand‑, Ellenbogen- und Knieschützer
- Halterungen und Lagerflächen für Geräte und Ausrüstung
Adresse
SOS Children’s Village Aqaba
G2W5+RW8, Street 15
JO – 77110 Aqaba
Jordanien
Eröffnung
2026
Fotos
Text
Johannes Bühlbecker
More Sports Media
Zwei Container, ein nächtlicher Kraneinsatz und viele neue Möglichkeiten: Die KuKuk Box Aqaba ergänzt das SOS-Kinderdorf um Spielangebote für jüngere Kinder und einen mobilen Skatepark für die Größeren. Zugleich soll sie das Dorf stärker für die Nachbarschaft öffnen.
Beispielhaft, nicht nur in Krisengebieten.
Vier Länder, ein Golf
Eine nie ganz spannungsfreie Umgebung
Aqaba liegt am nördlichen Ende des gleichnamigen Golfs und an einem geografisch bemerkenswerten Punkt. Jordanien, Israel, Ägypten und Saudi-Arabien treffen hier auf engstem Raum zusammen. Die jordanische Hafenstadt ist Ferienort, Handelsplatz und Sonderwirtschaftszone. Zugleich sind die politischen Spannungen und Konflikte der Region nie besonders weit entfernt – beim Aufbau der Box waren sie sogar in Form von Raketeneinschlägen spürbar.
Gerade in einem solchen Umfeld kann die Bedeutung des Spiels kaum hoch genug eingeschätzt werden. Spielen schafft Momente der Unbeschwertheit und gibt Kindern und Jugendlichen ein Stück Alltag zurück. Es hilft ihnen aber auch, Erfahrungen zu verarbeiten, eigene Fähigkeiten zu entdecken, Regeln auszuhandeln und Vertrauen zu anderen aufzubauen. Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention beschreibt Spiel, Erholung und Freizeit deshalb ausdrücklich als Kinderrecht. Die KuKuk Box Aqaba übersetzt dieses Recht ziemlich handfest in Rampen, Rutschen und Kletterelemente.
Finanziert wurde das Projekt durch “SOS Kinderdörfer International“.



Ein ausgezeichnetes Kinderdorf
Das SOS-Kinderdorf Aqaba wurde 1991 eröffnet. Der palästinensisch-jordanische Architekt Jafar Tukan und sein Büro Jafar Tukan & Partners entwarfen ein Ensemble aus zweigeschossigen Häusern, schattigen Höfen, Gärten, Wegen und gewölbten Durchgängen. Die Architektur greift regionale Bauformen und Materialien auf, ohne daraus eine historisierende Kulisse zu machen.
Gemeinschaftlich nutzbare Einrichtungen wie Kindergarten, Sporthalle, Laden und Apotheke liegen am Rand der Anlage und sind auch zur Nachbarschaft orientiert. Das Kinderdorf sollte von Beginn an Schutz bieten, ohne sich von der Stadt abzuschotten. Für diese Verbindung von sozialem Konzept, lokaler Bautradition und zeitgemäßer Architektur erhielt das Projekt 2001 den Aga Khan Award for Architecture.
Heute bietet die Anlage nach Angaben der Projektbeteiligten Platz für etwa 100 Kinder in Familiengruppen und sogenannten Safe Houses. Die beiden neuen Container führen den Gedanken der Öffnung weiter.


Die beiden Boxen
Unterschiedliche Nutzergruppen, verschiedene Angebote
Der erste Container ist eine klassische KuKuk Box für jüngere Kinder. Kletterstrukturen führen hinauf auf das Dach, hinzu kommen Rutsche, Kriechgänge, Podeste sowie Möglichkeiten zum Balancieren, Verstecken und freien Spielen. Auf der kleinen Grundfläche des ehemaligen Schiffscontainers entsteht so ein erstaunlich vielschichtiger Spielraum.
Der zweite Container enthält einen kompletten Skatepark. Mobile Rampen werden herausgenommen und zu wechselnden Parcours zusammengestellt. Im Inneren lagern Skateboards, Stunt-Scooter und BMX-Räder neben Helmen, Hand‑, Ellenbogen- und Knieschützern. Nach dem Betrieb verschwindet alles wieder sicher in der Box. Ordnung ist auch hier hilfreich.
Der Spielcontainer wird vor allem von den Kindergartenkindern genutzt, der Skatepark richtet sich an ältere Kinder und Jugendliche. Seine Elemente lassen sich immer wieder neu kombinieren und an unterschiedliche Fähigkeiten anpassen. Damit stehen nicht zwei gleiche Container nebeneinander, sondern zwei aufeinander abgestimmte Angebote für verschiedene Altersgruppen.



Laue Nächte in Aqaba
Der Aufbau der KuKuk Box
Die Container wurden weitgehend vorgefertigt und per Schiff nach Jordanien transportiert. In Aqaba mussten sie nur noch an ihre vorgesehenen Standorte gehoben und fertig montiert werden. Das klingt zunächst unkompliziert, wäre da nicht das örtliche Klima gewesen.
Bei Tagestemperaturen von bis zu 45 Grad wurde der Kraneinsatz kurzerhand in die Nacht verlegt. Der Autokran traf gegen halb eins ein und platzierte die beiden Container bis etwa drei Uhr morgens. Mit rund 30 Grad war es dann geradezu angenehm, zumindest nach den Maßstäben dieses Projekts.
Am folgenden Tag schloss das Team die Montage ab. Bereits am Abend konnten die Kinder die neuen Angebote mit einem Malworkshop und einer kleinen Eröffnungsfeier übernehmen.
Einladend
Der Skatepark als Treffpunkt
Der Skatepark soll nicht allein den Kindern des SOS-Kinderdorfs zur Verfügung stehen. Auch Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft dürfen den Parcours und die Ausrüstung nutzen. Die KuKuk Box Aqaba wird damit zu einer weiteren Schnittstelle zwischen dem geschützten Wohnen im Dorf und der umgebenden Stadt.
Gerade Skateboarding, BMX und Scooterfahren eignen sich für solche Begegnungen. Die Aktivitäten funktionieren weitgehend ohne gemeinsame Sprache. Rampen werden zusammen aufgebaut, Geräte weitergegeben, Bewegungen beobachtet und Tricks voneinander gelernt. Aus Sport entsteht Kontakt, ohne dass zuvor ein Begegnungsprogramm erklärt werden muss.
Damit knüpfen die Container unmittelbar an die Architektur des Kinderdorfs an. Auch sie grenzen einen sicheren Ort ab, bleiben aber offen genug, um Gemeinschaft über die eigenen Bewohner hinaus zu ermöglichen.



Ein Kreis schließt sich
Die KuKuk Box passt überall hin
Am Anfang der KuKuk Box stand der Wunsch, einen Spielplatz für Krisengebiete zu errichten – damals für den Gazastreifen. Gesucht wurde eine Lösung, die sich weitgehend vorfertigen, per Schiff transportieren und auch unter schwierigen Bedingungen mit überschaubarem Aufwand aufbauen lässt. Aus dieser Idee entstand ein System, das Transportbehälter, tragende Grundstruktur, Spielobjekt und sicheren Lagerraum miteinander verbindet.
Seitdem ist viel passiert. Die KuKuk Box ist längst nicht nur in Krisengebieten zu Hause. Sie steht an Schulen und Kindergärten, auf öffentlichen Plätzen, in Parks und bei sozialen Einrichtungen. Mit dem Projekt in Aqaba schließt sich dennoch ein Kreis. Die Box kehrt in eine Region zurück, für deren besondere Anforderungen sie ursprünglich entwickelt wurde, und verbindet dort Spiel, Bewegung und Begegnung.
Standardisiert ist allerdings nur die Box. Was Kinder und Jugendliche daraus machen, bleibt erfreulich unberechenbar. Die Bedeutung solcher Freiräume steht dagegen ziemlich eindeutig fest, in Aqaba ebenso wie überall sonst auf der Welt.

Was wir hier lernen
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Standardisierte Frachtcontainer ermöglichen Spiel- und Bewegungsangebote an sehr unterschiedlichen Orten. Sie lassen sich weitgehend vorfertigen, international transportieren und mit überschaubarem Aufwand aufbauen.
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Die feste Hülle schützt Spielgeräte, mobile Rampen und Schutzausrüstung. Damit eignet sich das Konzept für Krisenregionen ebenso wie für Schulen, Kindergärten, Parks und öffentliche Plätze.
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Die Box gibt den Rahmen vor, ohne das Spiel festzulegen. Kletterelemente und veränderbare Parcours lassen Raum für unterschiedliche Altersgruppen, Fähigkeiten und Formen der Aneignung.
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Spielcontainer können geschützte Einrichtungen zur Nachbarschaft öffnen und über gemeinsames Spielen und Bewegen Kontakte schaffen, für die es zunächst keine gemeinsame Sprache braucht.
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Die technischen und logistischen Vorteile sind wichtig. Entscheidend bleibt jedoch, dass ein vergleichsweise kompaktes System Kindern und Jugendlichen nahezu überall auf der Welt einen eigenen Freiraum eröffnen kann.



