Und alles fließt

Das Hirschbachbad in Aalen

Architekten

4a Architekten

Bauherr

Stadt Aalen

Betreiber

Stadtwerke Aalen

Ausstattung & Besonderheiten

  • In den Hang gestaffeltes Kombibad mit begrünten Dachflächen und Terrassen
  • 25-Meter-Sportbecken, Lehrschwimmbecken mit Hubboden und Sprungbecken
  • 50-Meter-Freibadbecken, Freizeit- und Kinderbecken
  • Rund 60 Meter lange Röhrenrutsche und weitere Innen- und Außenrutschen
  • Saunalandschaft mit Panoramasauna, Dampfbad und Außentauchbecken
  • Fachwerkträger mit bis zu 40 Metern Spannweite
  • Photovoltaik, Solarabsorber und Wärmerückgewinnung
Adresse

Hirschbachbad Aalen
Hirschbachstraße 68
D – 73431 Aalen

Eröffnung

2025

Text

Johannes Bühlbecker
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Das Hirschbachbad Aalen wächst aus dem Hang heraus: Seine gestaffelten Baukörper verbinden Hallenbad, Freibad und Sauna mit der Landschaft. Was mühelos wirkt, beruht auf einer präzisen Abstimmung von Wegen, Tragwerk und Technik.

Das Tal als Ausgangspunkt

Ein Bad, das aus seinem Ort entsteht

Im Hirschbachtal wird seit mehr als 130 Jahren gebadet. Mit dem Neubau des Hirschbachbads Aalen bekommt diese Geschichte einen neuen Ort. Das Gelände fällt zum Tal hin ab; 4a Architekten nehmen diese Bewegung auf und staffeln das Gebäude entlang des Hangs. Dachflächen, Terrassen und Freibadbereiche setzen die Höhenlinien fort. Vom gegenüberliegenden Hang zeigt sich das Bad als zusammenhängende Anlage, deren Größe durch die Gliederung der Baukörper und die begrünten Übergänge aufgefangen wird.

Diese Entscheidung trägt das ganze Projekt. Der Hang bestimmt, wo Gäste ankommen, wie sich Innen- und Außenräume verbinden und welche Ausblicke sich aus den Badehallen öffnen. Er schafft geschützte Bereiche und verlangt zugleich eine Konstruktion, die tief im Gelände bestehen kann. Architektur, Freiraum und Tragwerk folgen hier derselben Idee. Die Leichtigkeit, mit der sich das Bad heute in das Tal einfügt, ist das Ergebnis ihrer gemeinsamen Planung und sorgfältigen Ausführung.

„Das Hirschbachtal war für uns nicht nur der Standort, sondern der Ausgangspunkt des Entwurfs. Unser Ziel war es, das große Raumprogramm des Kombibads so in die Topografie einzubetten, dass die landschaftliche Qualität und die wichtige Frischluftschneise des Tals erhalten bleiben. Deshalb entwickelt sich das Gebäude mit seinen Geschossen, begrünten Dachflächen und Terrassen aus dem Hang heraus und verzahnt Innen- und Außenräume miteinander.“

Ein Weg, viele Möglichkeiten

Die räumliche Ordnung macht Vielfalt erlebbar

Hallenbad, Freibad und Sauna treffen im Hirschbachbad auf unterschiedliche Gäste und Tagesabläufe. Eine Schulklasse kommt mit einem festen Zeitplan, eine Familie bleibt für einen langen Badetag, andere ziehen ihre Bahnen oder suchen Ruhe. Der gemeinsame Eingang gibt ihnen einen klaren Ausgangspunkt. Von dort führen die Wege in die jeweiligen Bereiche: Schulen und Vereine nutzen eigene Sammelumkleiden und Wartezonen, während auf der Badeebene Umkleiden und Sanitärräume für die weiteren Gäste liegen. Aufzüge und stufenlose Verbindungen erschließen die wesentlichen Angebote.

Die Organisation bleibt beim Rundgang spürbar, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sichtbezüge helfen bei der Orientierung; Große Glasflächen holen das Tal bis an die Wasserflächen heran. Innen liegen Sport-, Lehrschwimm- und Sprungbecken neben den Bereichen für Freizeit, Kinder und Rutsche. Draußen folgen das 50-Meter-Becken, weitere Wasserangebote und Liegewiesen der Geländebewegung. So entsteht aus vielen Nutzungen ein gemeinsames Bad, in dem jeder seinen eigenen Rhythmus finden kann.

Gebaute Leichtigkeit

Hinter offenen Räumen steckt präzise Arbeit

Wer durch die Badehallen blickt, nimmt zuerst Licht, Wasser und Landschaft wahr. Damit diese Offenheit möglich wird, überspannt ein Fachwerkträger den Versatz zwischen zwei Dachhöhen von bis zu 40 Metern. Auf der Hangseite müssen die rückwärtigen Geschosse Erddruck aufnehmen; Ortbetonbohrpfähle sichern die Gründung. Das Tragwerk löst damit Anforderungen, die im fertigen Bad kaum sichtbar sind, und ermöglicht zugleich die großzügigen, übersichtlichen Räume.

Auch im Ausbau entsteht die räumliche Qualität durch das Zusammenspiel vieler Beiträge. Dachfugen und Oberlichter bringen Tageslicht tief ins Gebäude. Robuste Oberflächen halten dem Badealltag stand, akustisch wirksame Decken mildern die Geräuschkulisse, und Verglasungen bewahren den Bezug zum Freiraum. Die erzfarbene Gebäudehülle nimmt Aalens Bergbaugeschichte auf. Innen geben ruhige Flächen den Wasserwelten Raum, während gezielte Farben besonders den Kinder- und Rutschenbereich prägen. Konstruktion, Hülle und Ausstattung erzählen dabei keine getrennten Geschichten. Gemeinsam schaffen sie die Atmosphäre, die Gäste erleben.

Für jeden Tag gemacht

Strom erzeugen, Wärme nutzen

Ein öffentliches Bad braucht ständig Energie: Pumpen bewegen und reinigen das Wasser, Lüftungsanlagen halten die feuchte Luft in Bewegung, die Becken müssen beheizt werden. Das Energiekonzept des Hirschbachbads kommt ganzheitlich daher: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt Strom, und Solarabsorber nutzen die Sonne, um das Wasser der Freibadbecken zu erwärmen. Die Wärmerückgewinnung macht Wärme aus dem Betrieb erneut nutzbar - effiziente Wärmetauscher übertragen sie zwischen den technischen Kreisläufen.

Die Anlagen erfüllen damit verschiedene Aufgaben, greifen aber in dieselbe Bilanz ein: Sie verringern den Strom- und Wärmebedarf, der von außen gedeckt werden muss. Zusammen mit der kompakten Organisation und den langlebigen Oberflächen gehört diese Technik zur Idee des Hauses. Das Hirschbachbad ist nicht allein für den Blick über das Wasser entworfen, sondern auch für - den Betrieb.

Bäder als Architekturaufgabe

Über die Architekten

4a Architekten beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Planung von Sport-, Freizeit- und Thermalbädern. Dabei versteht das Stuttgarter Büro Bäder nicht als isolierte Funktionsgebäude, sondern als öffentliche Orte, in denen Sport, Freizeit und Erholung mit Aufenthaltsqualität und einem starken Bezug zum jeweiligen Standort zusammenkommen. Das Portfolio reicht vom Freizeitbad Stegermatt in Offenburg über das F.3 in Fellbach und die Therme Lindau bis zu aktuellen Projekten wie dem Main Bad Bornheim in Frankfurt und dem Kombibad Herzogenried in Mannheim. 

Beim Hirschbachbad wird diese Haltung besonders im Umgang mit der Landschaft sichtbar. Statt das umfangreiche Raumprogramm als großen Solitär in das Tal zu setzen, entwickelten 4a Architekten den Baukörper aus der vorhandenen Topografie. Begrünte Dächer, Terrassen und Freibereiche führen die Landschaft über und entlang des Gebäudes weiter. Gleichzeitig organisiert der Entwurf sehr unterschiedliche Anforderungen vom Schul- und Vereinssport über Familien- und Freizeitangebote bis zur Sauna unter einem gemeinsamen architektonischen Dach.

Was wir hier lernen

  • Die Hanglage wird zur Stärke, wenn Gebäude, Freiraum und Tragwerk gemeinsam entwickelt werden.
  • Ein Bad für viele Nutzergruppen braucht klare Wege, damit Sport, Freizeit und Erholung zugleich Platz finden.
  • Die Qualität des Entwurfs zeigt sich im Alltag: in robusten Oberflächen, guter Akustik und zuverlässig abgestimmter Technik.

    Weitere Projekte von 4a Architekten

    Main Bad Bornheim, Frankfurt
    Aktuelles Sport- und Erlebnisbad mit Saunalandschaft. Interessant ist unter anderem die kompakte Organisation: Wegen schwieriger Bodenverhältnisse liegt die Technik im Erdgeschoss und die Badehalle darüber.
    Projekt bei 4a Architekten

    Freizeitbad Stegermatt, Offenburg
    Sport-, Freizeit- und Saunabad im Bürgerpark. Architektur und Landschaft werden über große Glasflächen, auskragende Dächer und die Gliederung in Sport, Freizeit und Wellness miteinander verzahnt.
    Projekt bei 4a Architekten

    Familien- und Freizeitbad, Fellbach
    Sportbad, Erlebnisbereich und Saunawelt werden in einer fließenden Gebäudeform zusammengeführt, deren Gestaltung aus dem Landschaftsraum und den Weinbergstrukturen am Kappelberg entwickelt wurde.
    Projekt bei 4a Architekten

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