Bewe­gung!

Die “Grüne Dicke­bank” in Watten­scheid

Planer

Ahner Land­schafts­ar­chi­tektur
Schloss­straße 7
D‑15711 Königs Wuster­hausen

Sitz­po­deste

LiF GmbH & Co. KG
Brand­strömstr. 6
D‑49716 Meppen

Bauherr

Stadt Bochum
Referat für Sport und Bewe­gung
Vikto­ria­straße 14 c
D‑44777 Bochum

Ausstat­tung
  • Gesamt­fläche: rund 19.800 m²
  • Asphal­tierter Rund­kurs mit Stra­ßen­mar­kie­rungen und Boden­mo­del­lie­rungen
  • Pump­track, Jumpline, Scoo­t­er­loop und Lauf­rad­track
  • Multi­funk­ti­ons­fläche für  Verkehrs­er­zie­hung, Veran­stal­tungen und Rolla­tor­trai­ning
  • Geräte- und Lager­con­tainer
Beson­der­heiten
  • Erhalt des Sport­stand­ortes bei gleich­zei­tiger Öffnung für neue Nutzer­gruppen
  • Ange­bote für Kinder, Jugend­liche, Erwach­sene und ältere Menschen
  • Verbin­dung von Roll­sport, Verkehrs­er­zie­hung und Fahr­si­cher­heits­trai­ning
  • Neben­ein­ander von öffent­li­chem Bewe­gungs­park und Fußball
Adresse

Dicke­bank­straße 27
D‑44866 Bochum

Eröff­nung

2026

Fotos

Ahner Land­schafts­ar­chi­tektur
Stadt Bochum
More Sports Media

Pläne

Ahner Land­schafts­ar­chi­tektur

Text

Johannes Bühl­be­cker
More Sports Media

Wo früher Fußball gespielt wurde, rollen heute Lauf­räder, BMX-Räder, Scooter und Inliner. Die Grüne Dicke­bank in Watten­scheid macht aus einem nicht mehr genutzten Groß­spiel­feld an der Grenze zwischen Wohn­quar­tier und Gewer­be­ge­biet eine öffent­lich zugäng­liche Sport- und Frei­zeit­an­lage. Pump­track, Jumpline und Verkehrs­übungs­flä­chen treffen dabei auf rund 100 neue Bäume, Blüh­wiesen und ein zukunfts­fä­higes Entwäs­se­rungs­kon­zept nach dem Prinzip der Schwamm­stadt.

Hier rollt nicht nur der Ball

Die Umge­stal­tung ist nicht als Verdrän­gung des Vereins­fuß­balls zu verstehen, sondern als sinn­volle Neuord­nung

Die Geschichte dieses Ortes beginnt nicht mit der Grünen Dicke­bank, sondern (wie so  oft im Ruhr­ge­biet) mit dem Fußball. Über viele Jahre war das Rasen­spiel­feld inner­halb der Rund­lauf­bahn die sport­liche Heimat von Schwarz-Weiß Watten­scheid 08. Der Verein gehört zur Dicke­bank­straße und hat hier über Jahr­zehnte Fußball­ge­schichte geschrieben, und das durchaus auch in den besseren Kreisen der Watten­scheider Fußball­bühne.

Inzwi­schen konzen­triert sich der Vereins­be­trieb auf die östliche Hälfte der Sport­an­lage. Dort wurde der frühere Aschen­platz im Jahr 2023 in ein Kunst­stoff­ra­sen­spiel­feld umge­wan­delt. 

Die Umge­stal­tung ist deshalb nicht als Verdrän­gung des Vereins­fuß­balls zu verstehen, sondern als sinn­volle Neuord­nung: SW Watten­scheid 08 verfügt über einen zeit­ge­mäßen und belast­baren Kunst­ra­sen­platz, die frei gewor­dene Fläche wurde einem sehr viel brei­teren Publikum zur Verfü­gung gestellt .

Die Zeiten ändern sich, der Rund­kurs auch

Aus der früheren Rund­lauf­bahn wurde ein Parcours für alles, was rollt

Ein Groß­spiel­feld ist groß, aber nicht auto­ma­tisch viel­fältig. Es ist meist auf einen Sport, feste Mann­schaften und orga­ni­sierte Zeiten zuge­schnitten. Die rund  20.000 m² große Grüne Dicke­bank kehrt dieses Prinzip um. Sie ist täglich verfügbar, kostenlos zugäng­lich und auch offen für Menschen, die keinem Verein ange­hören.

Das zentrale Element der Grünen Dicke­bank ist ein 3,50 Meter breiter, asphal­tierter Rund­kurs, der in etwa dem Verlauf der früheren Lauf­bahn folgt. Stra­ßen­mar­kie­rungen, Kreu­zungen, Kurven und kleine Boden­mo­del­lie­rungen machen ihn zugleich zur Bewe­gungs- und Verkehrs­übungs­strecke.

Kinder lernen hier Laufrad- und Fahr­rad­fahren, während Schulen, Verkehrs­wacht oder andere Insti­tu­tionen die Anlage für Schu­lungen nutzen können. Auch Fahr­si­cher­heits­trai­nings mit Fahr­rä­dern und E‑Bikes sowie Rollator-Trai­nings sind möglich. Das Motto „Rollen, Fahren und Gleiten“ umfasst also unter­schied­liche Alters­gruppen und Mobi­li­täts­formen.

Zwischen Laufrad und Pump­track

Viel­falt gehört zu den Stärken des sport­li­chen Ange­bots

Inner­halb des Rund­kurses liegen die einzelnen Sport­an­ge­bote. Ein Lauf­rad­track und ein Scoo­t­er­loop richten sich vor allem an jüngere Kinder. Die rund 450 m² große Multi­funk­ti­ons­fläche kann für Verkehrs­er­zie­hung, Fahr­rad­schu­lungen, Roll­schuh­ver­an­stal­tungen und weitere tempo­räre Nutzungen einge­setzt werden.

Pump­track und Jumpline bieten anspruchs­vol­lere Stre­cken für BMX-Räder, Scooter und Inliner. Die Ange­bote sind räum­lich vonein­ander abge­setzt, bleiben aber über den Rund­kurs und zusätz­liche Wege mitein­ander verbunden. Vorbe­halts­flä­chen ermög­li­chen eine spätere Ergän­zung um weitere Spiel- oder Scoo­ter­an­ge­bote.

Bewe­gung und Aufent­halt

Pump­track und Jumpline bringen Bewe­gung, Bänke und Sitz­stufen machen die Anlage zum Treff­punkt

Die Grüne Dicke­bank ist nicht nur als Sport­fläche ange­legt. Sitz­stufen mit Holz­auf­lagen, Beton­bänke, Fahr­rad­ständer und klei­nere Aufent­halts­be­reiche ergänzen die Bewe­gungs­an­ge­bote. Viele Sitz­plätze liegen in unmit­tel­barer Nähe der einzelnen Parcours und ermög­li­chen eine gute Über­sicht über die Anlage.

Ein Gerä­te­con­tainer bietet Stau­raum für die unter­schied­li­chen Nutzungen. Er wurde vom Künst­lerduo Farb­ef­fekt mit einem groß­for­ma­tigen Graf­fiti gestaltet und damit auch optisch in die Anlage einge­bunden.

Die verschie­denen Bereiche können unab­hängig vonein­ander und zu unter­schied­li­chen Zeiten genutzt werden. Kinder­ta­ges­stätten und Schulen finden hier ebenso passende Ange­bote wie Kinder, Jugend­liche, Erwach­sene und ältere Menschen. Schon bei der Eröff­nung im Mai 2026 zeigte sich, dass diese Viel­falt auch tatsäch­lich ange­nommen wird.

Sitz­in­seln im Grünen

Frei­raum für Mensch und Baum

An drei Stellen der Grünen Dicke­bank grup­pieren sich drei Sitz­po­deste von LiF Frei­raum­ob­jekte um jeweils einen Baum. Die groß­zü­gigen Öffnungen in der Mitte sind dabei ganz bewusst deut­lich größer als die heutigen Baum­stämme. Sie lassen den Bäumen genü­gend Raum zum Wachsen und sorgen dafür, dass Podest und Baum auch lang­fristig mitein­ander funk­tio­nieren. Gleich­zeitig verän­dert sich der Charakter der Sitz­plätze mit den Jahren: Je größer die Kronen werden, desto mehr natür­li­chen Schatten werden sie den darun­ter­lie­genden Flächen spenden.

Auch gestal­te­risch passen die orga­nisch geformten Podeste gut in den Park. Ihre farbigen HPL-Ober­flä­chen greifen die kräf­tige Farb­welt der Grünen Dicke­bank auf und bieten eine ange­nehm glatte, robuste und pfle­ge­leichte Sitz­fläche. So entstehen keine klas­si­schen Park­bänke, sondern drei kleine Aufent­halts­in­seln, die Bäume, Möblie­rung und Frei­raum­ge­stal­tung mitein­ander verbinden. Und während der Park grüner wird, wächst der Komfort gleich mit.

Grün braucht Zeit

Umfang­reiche Neupflan­zungen und die Versi­cke­rung vor Ort machen die Anlage zu einem Baustein der Schwamm­stadt

Rund 100 neue Bäume, Strauch­pflan­zungen und Blüh­wiesen sollen die frühere Sport­fläche zu einer grünen Oase zwischen Wohn­be­bauung und Gewer­be­ge­biet entwi­ckeln. Beson­ders im Norden bilden die Gehölze eine räum­liche Abgren­zung zu den angren­zenden, mäßig attrak­tiven  Gewer­be­flä­chen. Bäume in der Nähe der Sitz­be­reiche werden künftig für zusätz­li­chen Schatten sorgen.

Noch sind viele Pflan­zungen jung. Der land­schaft­liche Charakter und die Beschat­tung werden sich deshalb erst in den kommenden Jahren voll­ständig entwi­ckeln. Die Sport­an­ge­bote sind unmit­telbar nutzbar, während die grüne Struktur mit der Zeit an Wirkung gewinnt.

Trotz der für den Roll­sport notwen­digen Asphalt­flä­chen folgt die Anlage den Grund­sätzen der Schwamm­stadt. Das anfal­lende Regen­wasser kann in den angren­zenden Grün- und Wiesen­flä­chen diffus versickern.Teile des vorhan­denen Bodens und des ausge­bauten Tennen­ma­te­rials wurden für die Gelän­de­mo­del­lie­rung wieder­ver­wendet.

Eine adap­tive und tier­freund­liche Beleuch­tung ermög­licht die Nutzung in den Abend­stunden und berück­sich­tigt zugleich die neu geschaf­fenen Vege­ta­ti­ons­flä­chen.

Sport, neu verteilt

Die Grüne Dicke­bank ersetzt den Vereins­sport nicht, sie ergänzt ihn um einen öffent­li­chen und kommerz­freien Ort der  Bewe­gung

Die Grüne Dicke­bank zeigt, wie ein nicht mehr benö­tigtes Groß­spiel­feld umge­nutzt werden kann, ohne den Vereins­sport vom Standort zu verdrängen. Watten­scheid 08 nutzt weiterhin den benach­barten Kunst­ra­sen­platz. Die frühere Rasen- und Leicht­ath­le­tik­fläche steht nun Menschen offen, die unab­hängig von Vereins­mit­glied­schaft oder festen Trai­nings­zeiten Sport treiben und sich bewegen möchten.

Die alte Struktur bleibt dabei in Teilen erkennbar. Die Rund­lauf­bahn wird zum Verkehrs- und Bewe­gungs­kurs, während auf dem ehema­ligen Spiel­feld unter­schied­liche Parcours, Übungs­flä­chen und Aufent­halts­be­reiche entstehen. Aus einer auf wenige Sport­arten ausge­rich­teten Anlage ist so ein viel­seitig nutz­barer Bewe­gungs- und Begeg­nungsort geworden.

Was bleibt hängen?

  • Nicht mehr benö­tigte Groß­spiel­felder können zu öffent­li­chen Bewe­gungs­räumen umge­staltet werden, ohne den benach­barten Vereins­sport zu verdrängen.
  • Eine räum­liche Staf­fe­lung nach Alter, Erfah­rung und Geschwin­dig­keit erleich­tert die gleich­zei­tige Nutzung durch unter­schied­liche Gruppen.
  • Auch Sport­an­lagen mit größeren Asphalt­flä­chen können nach dem Prinzip der Schwamm­stadt funk­tio­nieren, wenn das Regen­wasser vor Ort zurück­ge­halten und versi­ckert wird.
  • Sitz­plätze, Bäume, Beleuch­tung und gut einseh­bare Bewe­gungs­flä­chen machen aus einzelnen Sport­an­ge­boten einen gemein­samen Aufent­haltsort.
  • Vorhan­dene Struk­turen müssen bei einer Umnut­zung nicht voll­ständig verschwinden, sondern können mit neuen Funk­tionen weiter­ent­wi­ckelt werden.

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