Mitten im Dorf

Frontón Maeztu in Aguilar de Codés

Archi­tekten

VERNE Arqui­tec­tura
Víctor Larripa Artieda, Javier Martínez Labeaga, Daniel Ruiz de Gorde­juela Tell­echea
Calle Larra­bide 15, bajo
E – 31005 Pamplona

Bauherr

Ayun­ta­mi­ento de Aguilar de Codés
Plaza de la Iglesia 1
E – 31228 Aguilar de Codés

Ausstat­tung & Beson­der­heiten

  • Das abge­senkte Pelo­ta­spiel­feld lässt sich auch für Dorf­feste und gemein­same Essen nutzen.

  • Ein öffent­li­cher Platz mit Land­schafts­blick ergänzt die Halle um eine Außen­fläche für Aufent­halt und Veran­stal­tungen.

  • Eine zum Platz öffnende Bühne, Umkleiden und Lager­flä­chen erwei­tern das Nutzungs­an­gebot.

  • Beton­fer­tig­teile, Sand­stein, ein Holz­trag­werk und Corten­stahl­la­mellen prägen die Konstruk­tion und Gestal­tung.

Adresse

Frontón Maeztu
Calle la Cuesta 2
E – 31228 Aguilar de Codés

Eröff­nung

2024

Text

Johannes Bühl­be­cker
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Eine Pelot­a­halle, ein Dorf­platz und eine Bühne: Der Frontón Maeztu bringt Sport und Dorf­leben unter ein Dach und vor die Tür. Mit einem abge­senkten Spiel­feld, einer stei­nernen Stra­ßen­fas­sade und einer offenen Seite zur Land­schaft findet er seinen Platz im histo­ri­schen Orts­kern.

Sport und Dorf­leben

In Aguilar de Codés, einem kleinen Ort in Navarra am Fuß der Sierra de Codés in Spanien, sollte eine Sport­stätte entstehen, die auch bei Dorf­festen und gemein­samen Essen funk­tio­niert. Die Gemeinde wünschte sich außerdem einen öffent­li­chen Platz mit einer kleinen Bühne sowie Umkleiden und Lager­flä­chen. VERNE Arqui­tec­tura und Alejandro Maortua haben daraus ein zusam­men­hän­gendes Ensemble entwi­ckelt, dessen Räume sich ergänzen und unter­schied­lich nutzen lassen.

Im Mittel­punkt steht ein Frontón, eine Spiel­stätte für baski­sches Pelota. Seine großen, geschlos­senen Wand­flä­chen bestimmen den Bau ebenso wie der Wunsch, ihn in die klein­tei­lige Umge­bung einzu­fügen. Auf dem Grund­stück stand zuvor ein bereits verfal­lenes herr­schaft­li­ches Wohn­haus. Der Neubau sollte an dessen Erschei­nungs­bild erin­nern und das alte Wappen aufnehmen. Eine unge­wöhn­liche Aufgabe für eine Sport­halle, aber eine nach­voll­zieh­bare Forde­rung an diesen Standort.

Mit dem Hang

Das Grund­stück fällt von der Calle Mayor im Norden zur Calle La Solana im Süden stark ab. Die Planung nutzt diesen Höhen­un­ter­schied, um die Halle teil­weise in den Hang einzu­betten. Zur Dorf­straße bleibt ihre Höhe dadurch etwa im Maßstab des früheren Hauses. Das notwen­dige Raum­vo­lumen liegt zum Teil unter dem Stra­ßen­ni­veau.

Südlich schließt ein öffent­li­cher Platz an, der zugleich als Aussichts­punkt über die Land­schaft dient. Zwischen Platz und tiefer liegendem Spiel­feld nimmt eine Tribüne den Gelän­de­ver­sprung auf. Der Zugang liegt seit­lich unge­fähr auf Höhe des Platzes.

Ein nied­riger, quer zur Halle ange­ord­neter Gebäu­de­flügel fasst den Außen­raum. Er beher­bergt Umkleiden und den Bühnen­raum. Auf seiner Rück­seite liegen der Umklei­de­zu­gang und eine Zufahrt zur Halle. So entstehen aus dem steilen Grund­stück gut mitein­ander verbun­dene Bereiche für Sport, Aufent­halt und Veran­stal­tungen.

Stein und Erin­ne­rung

Die tragenden Wände bestehen aus groß­for­ma­tigen Beton­fer­tig­teilen, die im Inneren sichtbar bleiben. Außen sind sie mit acht Zenti­meter starken Platten aus Floresta-Sand­stein bekleidet. Unter­schied­liche Formate und eine kräf­tige verti­kale Struktur geben der Ober­fläche eine raue Beschaf­fen­heit. Der Stein stellt eine Verbin­dung zu den Häusern sowie den erhal­tenen mittel­al­ter­li­chen Mauern und Türmen des Ortes her.

Auch die Glie­de­rung der Straßen- und Eingangs­fas­sade erin­nert an das Vorgän­ger­ge­bäude. Lage und Propor­tionen seiner Fenster werden durch Vertie­fungen in der Stein­be­klei­dung aufge­griffen. Dahinter erscheint aller­dings die geschlos­sene Beton­wand. Für das Pelo­ta­spiel werden diese Wand­flä­chen gebraucht; die Erin­ne­rung an das Wohn­haus bleibt trotzdem lesbar.

Nur an der Stelle der früheren Haustür öffnet sich die Fassade tatsäch­lich. Dort erlaubt ein Fenster den Blick von der Straße auf das tiefer liegende Spiel­feld. Wer wissen möchte, was drinnen passiert, muss also nicht erst den Eingang suchen.

Offen zur Land­schaft

Während die Dorf­seite von Stein und geschlos­senen Flächen geprägt ist, öffnet sich die Südseite mit Holz und Corten­stahl zum Platz und zur Land­schaft. Ein großes Fach­werk aus Brett­schicht­holz trägt die Südfas­sade. Es lagert an seinen Enden sowie am Anschluss des quer stehenden Neben­flü­gels auf. Zusätz­liche Stützen zwischen Halle und Platz werden dadurch vermieden.

Am mitt­leren Auflager liegt eine kleine Zuschau­er­loge, die vom Platz aus eben­erdig erreichbar ist. Sie ermög­licht auch Menschen mit einge­schränkter Mobi­lität einen Zugang zum Zuschauen.

Am Holz­fach­werk hängen große Rahmen mit verti­kalen, Z‑förmig gekan­teten Corten­stahl­la­mellen. Sie filtern die Sonnen­ein­strah­lung und lassen Tages­licht in den Spiel­raum. Dieselben Elemente bilden die zum Platz gerich­tete Fassade des Neben­flü­gels. Dort lassen sie sich öffnen, sodass der dahin­ter­lie­gende Raum bei Festen als Bühne genutzt werden kann.

Corten­stahl findet sich außerdem an Rinnen, Abde­ckungen und weiteren Baude­tails. Seine Verwen­dung konzen­triert sich auf die zum Außen­raum orien­tierte Seite. Zur Dorf­straße bleibt der Sand­stein bestim­mend.

Der Frontón Maeztu gewinnt seine Qualität aus dieser Verbin­dung: Das abge­senkte Spiel­feld schafft Raum für den Sport, der Platz erwei­tert das Angebot für das Dorf, und die Bühne macht aus einer Neben­funk­tion einen Anlass zum Zusam­men­kommen. Dass dabei auch der Blick in die Land­schaft frei bleibt, dürfte selbst an spiel­freien Tagen will­kommen sein.

Was wir hier lernen

  • Ein sorg­fältig entwi­ckelter Gebäu­de­schnitt kann das große Volumen einer Sport­halle mit dem Maßstab eines histo­ri­schen Orts­kerns verein­baren. In Aguilar de Codés über­nimmt der Höhen­ver­sprung zugleich die räum­liche Verbin­dung zwischen Spiel­feld, Tribüne und Dorf­platz.

  • Mehr­fach­nut­zung wird durch konkrete räum­liche Ange­bote erleich­tert. Eine sich zum Platz öffnende Bühne, Umkleiden, Lager­flä­chen und eine Zufahrt schaffen dafür bessere Voraus­set­zungen als ein allge­mein gehal­tener Anspruch an Flexi­bi­lität.

  • Die Erin­ne­rung an einen Vorgän­gerbau lässt sich durch Mate­rial, Propor­tionen und Fassad­en­glie­de­rung fort­führen. Hier bleiben zugleich die konstruk­tiven und funk­tio­nalen Anfor­de­rungen der neuen Nutzung erkennbar.

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