Clubhaus des Boulodrome Marcel-Cachin

Ein Spiel für die Seele

Boule ist die schönste Art, einen Nachmittag zu vertrödeln.
Papazian (französischer Philosoph)

Es gibt zwei Arten von Spielern:

Die einen spielen, um sich zu treffen, die anderen treffen sich, um zu spielen.

Das Club­haus des Boulo­drome Marcel-Cachin im nörd­li­chen Pariser Vorort Saint-Ouen (50.000 Einwohner) stammt von Parc Archi­tectes, Paris.

Boulo­drome ist eine ambi­tio­nierte Bezeich­nung für einen Boule­platz, wie er in den fran­zö­si­schen Pétanque-Hoch­burgen in fast jedem Ort zu finden ist.

Pétanque ist ein soge­nannter Präzi­si­ons­sport für zwei Mann­schaften mit Kugeln, der in Deutsch­land vor allem als Boule bekannt ist.

Da dieser Sport in Frank­reich ausge­spro­chen populär ist, handelt es sich bei den Boulo­dromes meist um vereins­ei­gene Anlagen.

Architekt

Parc archi­tectes
17 rue Rampo­neau
F — 75020 Paris

Bauherr

Ville de Saint-Ouen

Die Spieler können sich auch ausruhen und die Partien anderer Leute unter besten klimatischen Bedingungen kommentieren.

Mit einer Fläche von 85 m² liegt das recht­eckige, aus Holz gebaute Club­haus des Boulo­drome Marcel-Cachin zurück­hal­tend entlang der Straße und öffnet sich zu den Plätzen. Es beher­bergt zwei Mehr­zweck­räume (Bar und Versamm­lungs­raum) und Sani­tär­an­lagen.

Außerdem bietet es über­dachte Außen­be­reiche, eine vor allem in heißen Sommern hilf­reiche Einrich­tung.

Das Gebäude zeichnet sich vor allem durch seine zwei gegen­über­lie­genden Gesichter aus.

Zur Straße hin inter­pre­tiert das Club­haus des Boulo­drome Marcel-Cachin das Thema Zaun neu – und Zäune sind in dieser vorstäd­ti­schen Umge­bung allge­gen­wärtig. 

Die Stra­ßen­fas­sade wirkt wie gefaltet und verleiht dem Gebäude ein reli­ef­ar­tiges Erschei­nungs­bild. Die Geome­trie dieser Falt-Fassade kehrt sich im Dach sozu­sagen um und zeichnet eine Silhou­ette von Pult­dä­chern.

Auf der den Boule-Plätzen zuge­wandten Seite bietet das Dach einen groß­zü­gigen Über­stand. Der spendet nicht nur Schatten und schützt vor Regen. Er beher­bergt auch eine Reihe von Gemein­schafts­bänken, die, wie das die Archi­tekten nennen, die „ortho­go­nale Morpho­logie des Gebäudes betonen“.

Die Spieler können sich hier ausruhen und die Partien anderer Leute unter besten klima­ti­schen Bedin­gungen kommen­tieren. Die Beleuch­tungs­an­lage auf der Dach­un­ter­seite ermög­licht es, die Spiele auch nach Einbruch der Dunkel­heit fort­zu­führen – und zu kommen­tieren.

Standort

Boulo­drome Marcel-Cachin
8 rue Marcel Cachin
F — 93 400 Saint-Ouen

Eröffnung

2015

Die gesamte Konstruktion besteht aus vorgefertigten Holzteilen. Diese Entscheidung reduzierte die Baukosten und den ökologischen Fußabdruck erheblich.

Das Club­haus des Boulo­drome Marcel-Cachin ist als Leicht­bau­kon­struk­tion konzi­piert, da es auf wenig trag­fä­higem Boden steht, nämlich der Aufschüt­tung einer früheren Müll­de­ponie.

Die gesamte Konstruk­tion besteht aus vorge­fer­tigten Holz­teilen. Diese rigoros durch­ge­hal­tene Entschei­dung redu­zierte sowohl die Baukosten als auch den ökolo­gi­schen Fußab­druck des Projekts erheb­lich. Gleich­zeitig wurde die Bauzeit auf gerade einmal vier Monate redu­ziert.

Die Innen­räume wurden unbe­han­delt belassen. Bänke, Türen und Fens­ter­läden fügen sich bündig in die Fassade ein, die aus demselben Holz gefer­tigt wurde.

Ein Zweckbau mit Seele.

Fotos

Thomas Lang

Text

Johannes Bühl­be­cker
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