Die Zukunft des Sports

Die Zukunft des Sports

Die Zukunft des Sports

Fünf Thesen von Trendforscherin Anja Kirig

Wie sieht die Zukunft des Sports aus? Was wird Bewegung für die Menschen in einigen Jahren bedeuten? Anja Kirig beschäftigt sich seit 2004 für die Zukunftsinstitut GmbH als Zukunfts- und Trendforscherin mit den großen gesellschaftlichen Entwicklungen. Beim ISPO Digitize Summit Ende Juni in München stellte sie ihre fünf Thesen vor.

1. Der Sport muss zum Menschen kommen, nicht der Mensch zum Sport

„Sport ist immer mehr zu einer Frage der Zeit geworden“, erklärt Kirig. „Das bedeutet aber auch, dass sich die Sphären Arbeit und Freizeit immer mehr vermischen.“ Daraus folge auch die Überlegung, wie man den Sport in die Arbeit bringen könne.

Yoga-Kurse in der Mittagspause sind längst keine Seltenheit mehr, sondern dein Teil der Zukunft des Sports. Spektakulärer sei die Idee einer Boulderhalle als Coworking-Space. „Während die einen im gemeinsamen Büro sitzen, klettern andere nebenan an einer Wand entlang“, sagt Kirig. „Die Menschen wollen zeit- und ortsunabhängig bleiben – auch beim Sport“, sagt Kirig.

2. Vom Verein zur informellen Sport-Community

„Es lässt sich feststellen, dass sich die Gesellschaft vom Verein zur informellen Sport-Community entwickelt“, sagt Kirig. „Es gibt eine Sehnsucht nach neuen Gruppen, nach einem neuen Wir-Gefühl.“

Dies sei besonders bei den Mid-Agern, also der Gruppe von arbeitenden 40- bis 50-Jährigen, ausgeprägt. Diese Gruppe steht wegen Beruf und Familie besonders unter Zeitdruck, eine zusätzliche Verpflichtung in einem Sportverein kommt daher nicht infrage. „Sie fühlen sich von flexiblen Sportclub-Mitgliedschaften besonders angesprochen“, meint Kirig.

3. Technik gehört zum Training

Technik gehört immer öfter zum Training als Hilfsmittel dazu. „Ich würde sogar noch weitergehen: Technik wird zu unserem Trainer“, sagt Kirig. Die rasante Entwicklung von Wearables stelle den Sport schon heute auf den Kopf. „Smarte Kleidung kann zum Beispiel Bewegungen beim Yoga korrigieren“, sagt Kirig. Wer auf der ISPO Munich 2018 war, kennt viele solcher Beispiele aus der Zukunft des Sports.

Doch was vor einiger Zeit noch als Spielerei einiger Technikfreaks galt, ist heute in der breiten Masse angekommen. „Technik erreicht nun auch die Hobbysportler“, sagt Kirig. Experten erwarten, dass sich der jährliche Absatz von Smart Watches bis zum Jahr 2022 auf 84,1 Millionen nahezu verdoppelt.

Der nächste Schritt: Nach der Bekleidung werden nun auch immer mehr Spielgeräte wie Basketbälle oder Fußbälle intelligent.

4. Sport findet in real-digitalen Welten statt

„Die Barrieren zwischen real und digital werden sich mehr und mehr auflösen“, ist Anja Kirig überzeugt. Bereits 2016, auf dem Höhepunkt des Pokémon-Go-Hypes, hätten sich Laufgruppen gebildet, die gemeinsam nach den virtuellen Figuren jagten.

Augmented Reality wird im Sport eine größere Rolle spielen, genauso wie E-Sports selbst. „Das macht vor keiner Altersschicht halt“, sagt Kirig und nennt das Beispiel der „Silver Snipers“, einer Gruppe von Rentnern, die als Team auf Counterstrike-Events antreten. „Sport und E-Sports kennen kein Alter“, sagt Kirig.

5. Sport ist Lebensgefühl – zwischen Slow, Extrem und Selbstdarstellung

„Sport ist mehr als Leistung, sondern Stützpfeiler unserer Zivilgesellschaft – vielleicht sogar ein Grundrecht“, sagt Kirig. Jede Form der Bewegung eines jeden Menschen – mit Hilfe einer Maschine oder ohne – habe seine Berechtigung.

Und das ist doch eine wunderbare Nachricht. Denn dies ist es, worauf sich alle einigen können: auf die Freude an Bewegung. Die hat immer Konjunktur.

Der ROFLcopter

Der ROFLcopter

Das Stadion der Zukunft

Jedenfalls aus der Sicht von 1962

Dieser Text erschien zuerst auf den sehr geschätzten Seiten von „11 Freunde.de„.

Die Zukunft, unendliche Weiten

Wir schreiben das Jahr 1962 und in England grübelt sich ein Mann namens Arthur Greenwood einen rauchenden Kopf über die Zukunft des Fußballstadions. Wie wird sie wohl aussehen, die Arena von Morgen? Er grübelt, ehe er schließlich Gewissheit hat. So und nicht anders! Und weil Zukunftsthemen immer sexy sind, druckten findige Journalisten ab, was Mr. Greenwood sich so unter seinem Seitenscheitel zusammengedacht hatte. Zum Glück!

Denn dank eines Reddit-Users ist dieses Zeitdokument nun wieder ans Tageslicht gekommen. Was die Frage aufwirft: Was davon ist tatsächlich Wirklichkeit geworden? 11FREUNDE hat die Visionen eines uns nicht näher bekannten Engländers geprüft, unter anderem auch, weil er einen weißen Kittel trägt.

 

FIBRE GLASS SLIDING ROOF COLLECTS RAIN FOR USE IN DRY PERIODS

Ein Dach, das Regenwasser sammelt? Bingo. Gibt es in Brasilien, wo fast alle Stadien für die WM 2014 auch in Sachen ökologischer Nutzen fit gemacht wurden. Gibt es selbst in der englischen Provinz. Zum Beispiel bei den Forest Green Rovers. Aber gut, Regenwasser sammeln ist das kleine ABC des großen Zukunftsforschers. Da muss mehr kommen. Zum Beispiel:

 

ROOM FOR HELICOPTERS TO LAND ON ROOFS

Helikopter-Landeplätze auf Tribünendächern? Was Franz Beckenbauer wahrscheinlich für eine ganz ausgezeichnete Idee hielte, hat sich so dann doch nicht eingestellt. Aber was ist nicht ist, kann ja noch werden. Schließlich gibt es etwa in Cardiff zumindest schon einen Helikopterlandeplatz in unmittelbarer Nähe zum Stadion. Und da die Schere zwischen Arm und Reich bekanntlich immer größer und größer wird, und mithin also bestimmt auch die Heliktoper-Dichte unter den Dekadenz-Ultras dieser Welt, kann das nur eine Frage der Zeit sein. 

 

REFEREE SITS IN BOX SUSPENDED OVER PITCH

Ein Schiedsrichter, der über den Dingen schwebt? Spötter mögen meinen, so mancher Unparteiische sei dieser Vision zumindest qua Selbstverständnis schon bedenklich nahe gekommen. Zyniker mögen anmerken, dass damit doch einzig der Video-Referee gemeint sein könne. Und wäre das nicht eine gute Idee? Den Video-Schiri zumindest als Hologramm über dem Spielgeschehen kreisen zu lassen? Denn was nützt der Unmut aller Fans, wenn er sich nicht explizit gegen jemanden richten kann? Also: Handeln, DFL.

 

FLOODLIGHTS SUSPENDED FROM SLIDING ROOF ARE DIRECTLY OVER PITCH

Check. Der gute alte Flutlichtmast hat schließlich längst ausgedient. Was schade ist, denn das Wort Flutlichtmast klingt einfach verdammt gut. Viel besser zum Beispiel als das schnöde, einfache Flutlicht. Weil der Suffix -Mast einfach alles besser macht. Zum Beispiel: Da-Mast.

 

CORNER BUILDINGS HOUSE BOYS FOR TRAINING AND EDUCATION

In die Stadionarchitektur integrierte Nachwuchsakademien sind ebenfalls längst Standard. Respekt, Mr. Greenwood, sie alter Augur jugendlicher Ausbeutung. 

 

CENTRE CIRCLE TURNS TO SHOW CRICKET PITCH, GYM AND BOXING RING, AND SWIMMING POOL

Auch hier: check! Die Multifunktionsarena ist (leider?) Stadion gewordene Realität. Nur das mit dem Swimming Pool kam dann doch nicht. Dafür gibt es Biathlon, Stockcar-Rennen und PUR-Konzerte in den Fußballtempeln dieser Welt. Doch zumindest mit PUR war 1962 wirklich nicht zu rechnen. Glücklichere Zeiten.

 

ELECTRONIC RAY IS BROKEN WHEN BALL CROSSES LINES, AND FLASHES LIGHT IN REFEREE’S BOX

Klingt fancy und meint nichts anderes als die Torlinientechnik. Dieser Mr. Greenwood aber auch!

 

SEATING ACCOMODATION FOR 250,000

Wie sagt man so schön: Ja gut, äh. Das aktuell größte Stadion der Welt steht in Pjöngjang, heißt »Stadion Erster Mai« und fasst 114.000 Plätze. Es folgen der Melbourne Cricket Ground (100.024) und das Camp Nou (99.354). Warum die Stadien nicht längst in Richtung der Viertel-Million gehen, darüber kann nur spekuliert werden. Daher hier eine willkürlich schwache These: Vermutlich will das einfach niemand putzen.  

 

FOUR TIER STAND

Auch die übereinander gestapelten Tribünen sind Wirklichkeit geworden. Die Alternative sieht aber auch aus wie das Olympiastadion, an dessen Sitzplatz-Peripherie man fast schon in Brandenburg angekommen scheint. So etwas will man nicht. Nicht einmal in Berlin.

Was bringt mir Social Media?

Was bringt mir Social Media?

Grundausstattung

Was bringt mir Social Media?

Mittlerweile ein wichtiges Werkzeug für das Bauhandwerk: Social Media und die Digitalisierung. Welche Vorteile smarte, digitale Lösungen unter anderem in der Kundenansprache bringen, erklärt uns Eric Sturm im Gespräch anlässlich der Fachmesse „DACH+HOLZ International“, die vom 20. bis 23. Februar in Köln stattfand. Dipl.-Ing. Eric Sturm, Architektur-Blogger aus Berlin, referierte dort über Social-Media-Marketing für Handwerksbetriebe.

 

Herr Sturm, Sie sind seit 15 Jahren als Blogger im Bereich Architektur und Bauen aktiv. Wie sind Sie dazu gekommen?

Meine Architektur-Diplomarbeit im Jahr 2000 hieß „unternull.de – ein Schwimmbad unter dem Alexanderplatz“. Ich habe dafür nicht nur Pläne gezeichnet und Modelle gebaut, sondern auch meine erste Website gestaltet. Die kam super an, erstaunlicherweise auch bei den Medien, vom Lokalfernsehen und -radio über Tageszeitungen bis hin zur BILD-Zeitung. Da habe ich gemerkt: Architektur interessiert die Leute, wenn man sie gut verständlich und mit tollen Bildern im Netz präsentiert.

 

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie mit Social Media gemacht?

Spontan fallen mir eigentlich nur positive Dinge ein: Als ich mich 2007 selbständig gemacht habe, kamen via XING die ersten Kundenkontakte und Aufträge. Bis heute nutze ich die Plattform gerne für das digitale Networking. Via Twitter hole ich mir seit zehn Jahren Fachinformationen, entdecke interessante Leute, Firmen oder Themen. Instagram ist für mich eine super Inspirationsquelle in Sachen Architektur. Und über Facebook kann man bestens mit alten Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben, finde ich. Auf allen Plattformen veröffentliche ich natürlich auch selbst, zum Beispiel Bilder von fertiggestellten Websites oder Seminartermine. Eine bessere und günstigere Werbeform als Social Media kann ich mir gar nicht vorstellen. 

 

Warum empfehlen Sie, soziale Netzwerke aktiv zu nutzen? Wie können sie davon profitieren?

Alle Dienstleister leben von ihrem guten Ruf – oder neudeutsch ausgedrückt: von ihrem Image. Und das Bild, das Interessenten oder Kunden von einem Betrieb haben, wird heutzutage eben auch im Internet geprägt, weil sich viele Kunden zuerst online informieren. Eine Website gehört also als Grundausstattung unbedingt dazu und wer ein bisschen mehr tun will, sollte auch die eine oder andere Social Media-Plattform nutzen. Das lohnt sich übrigens auch jetzt, wo die Auftragsbücher wegen des Baubooms voll sind: Ein moderner Betrieb, der im Netz sympathisch rüberkommt, findet leichter gute Mitarbeiter, als ein Handwerker, der nur in einem Branchenbuch steht! 

 

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Autor

Eric Sturm
Webdesigner, Blogger und Fachjournalist
Dipl.-Ing. Eric Sturm
Senefelderstraße 9
D-10437 Berlin
Das Interview erschien zuerst hier.

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Fotograf

Foto Eric Sturm:
Fred Wagner, WWS Film BERLIN
Alle anderen Bilder:
pixabay

Wie viel Fachwissen ist für Social Media notwendig?

 Eigentlich recht wenig, denn die Plattformen sind inzwischen so „laientauglich“, dass jeder, der ein Smartphone (zum Fotografieren) und einen Computer hat, einfach loslegen kann. Kleiner Tipp: Einsteiger sollte nicht gleich die eigene Unternehmensseite auf Facebook oder Twitter anlegen. Zum „Üben“ macht es Sinn, erst mal ein privates Profil anzulegen und die verschiedenen Funktionen auszuprobieren. Ganz wichtig auch: Erst mal gucken, was die anderen so machen, also die Wettbewerber aus der eigenen Branche. 

 

Welche Kanäle und Aktivitäten lohnen sich? Wie viel Zeit und Geld kostet das?

Kurze Antwort: An Facebook kommt (noch) niemand vorbei, da sollte man unbedingt vertreten sein. Instagram ist super, wenn man jüngere Leute erreichen will und gutes Bildmaterial hat. Und Twitter ist optimal, um Politiker, Verbandsleute und vor allem Journalisten zu erreichen. Zum Thema Kosten: Ein paar Stunden pro Monat und – wenn man einen Dienstleister beauftragt – ein paar Hundert Euro muss man dafür natürlich schon investieren. Aber ich finde, es lohnt sich. Und man kann vielleicht an einer anderen Stelle sparen, zum Beispiel bei den Stellenanzeigen in den klassischen Medien. 

 Ist es für Betriebe oder Firmen ratsam, seine Kunden und Follower durch Social Media hinter die Kulissen blicken zu lassen, zum Beispiel mit Werkstattbildern und Impressionen vom Arbeitsalltag?

Solche Sachen finde ich super und sie kommen meistens am besten an. Natürlich wird jeder Betrieb seine eigene Strategie entwickeln: Die einen wollen als besonders innovativ wahrgenommen werden und posten auch mal technische Details, die anderen setzen vielleicht einen Schwerpunkt auf die Personalgewinnung, da steht dann mehr das Team im Vordergrund. Aber grundsätzlich gilt: Eine gute Mischung von „Hochglanz-Bildern“, zum Beispiel von neuen Projekten, und dem Blick hinter die Kulissen ist optimal. 

 

Wo erhalten wir fachliche Unterstützung beim Thema Social Media?

Natürlich bei Webdesignern wie mir! (lacht). Aber man muss auch nicht gleich zu einer Agentur oder einem Berater gehen. Um einen Überblick zu bekommen, rate ich zu einem Seminarbesuch. Institutionen wie die örtliche Handwerkskammer oder die Volkshochschulen bieten dafür gute Schulungen und Vorträge an. Übrigens sind auch die Seminare der Architektenkammern, wo ich meine Seminare halte, für Nicht-Mitglieder offen. Nach so einem Seminar hat man das erforderliche Grundlagenwissen und kann mit Social Media loslegen! 

Herr Sturm, besten Dank für das Gespräch! 

 

Sportivity

Sportivity

Der Sport muss zum Menschen kommen

Sportivity: Warum Sport und Bewegung neu gedacht werden müssen

Sport beschäftigt uns

Die guten Nachrichten zuerst: Sport beschäftigt uns im Alltag, wie selten zuvor. Er ist ein Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts, zu dem jeder eine Position bezieht. Sport oder Sportivity ist Thema bei Partys, definiert das Körperideal in der Vorstandsetage, prägt die Mode und ist Dauerthema in den Medien – ob aufgrund eines Sportereignisses, Tipps zur Gesundheit oder dem nicht enden wollenden Lamentieren über die bewegungsfaule Gesellschaft. Fakt ist, dass 75 % der Zentraleuropäer laut Umfragen gerne mehr Sport betreiben würden.

 

„Megatrends“ generieren neue Sportmotive

Hintergrund für den derzeit radikalen Wandel der Sportgesellschaft in Richtung Sportivity sind „Megatrends“ wie etwa Gesundheit, Individualisierung, Konnektivität, New Work, Sicherheit oder Urbanisierung. Diese großen Umwälzungen unseres Alltags schaffen neue soziokulturelle Entwicklungen und generieren veränderte Bedürfnisse bei den Menschen. Diese Transformation zur „Sportivity“ moduliert die Motive des Einzelnen für die Auseinandersetzung mit Sport:

  • Sport bleibt Unterhaltung und Event, bei dem sich der einst passive Fan mehr und mehr aktiv einbringt und zum co-aktiven Zuschauer wird.
  • Sport ist eine Frage des Images, ein Mittel zur Selbstdarstellung und lässt damit Sportmuffel zu Sportstylisten werden.
  • Bewegung ist eine Form der Zustandsregulation des Einzelnen, wenn sie dem Ausgleich und Wohlbefinden dient.
  • Sport ist mehr denn je Verpflichtung zum Zwecke der Gesunderhaltung und wird dadurch zum Thema der Arbeit.
  • Sport bleibt wichtig als verbindendes Element für Gemeinschaft, das neue Wir-Gefühl wird jedoch anders als einst erzeugt.
  • Sport hat natürlich auch das Ziel der Verbesserung, des Gewinnens, insbesondere dann, wenn neue Techniken Leistungen ermöglichen, die vorher nicht denkbar waren.
  • Und Sport hat den Thrill und Adrenalinkick als Motiv, wodurch die Grenzen verschoben werden und das Nichtgedachte ausprobiert wird.

 

Sportivity: Neue Qualitäten des Sports erfordern neue Bedingungen für Sport

Die verbindenden Elemente dieser Bedürfnisse und Motive der Menschen an den Sport basieren auf drei Werten: Leistung, Identität und Lebensenergie. Die Kombination dieser drei Qualitäten bildet die Grundpfeiler der Sportivity und die Voraussetzung für die funktionierende Zivilgesellschaft der Zukunft. Um das zu erreichen, müssen unter Berücksichtigung der Megatrends und ihrer Auswirkungen auf die Sportmotive der Menschen jedoch neue Bedingungen geschaffen werden, unter welchen Sport zukünftig möglich wird.

 

Die Autorin

ANJA KIRIG
ANJA KIRIG
Anja Kirig ist seit 2005 als Trend- und Zukunftsforscherin tätig. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Themen Tourismus, Sport, Freizeit, Neo-Ökologie, Gesundheit, Ernährung und neue Geschlechterrollen. Im Fokus stehen dabei soziokulturelle Entwicklungen, deren Auswirkungen auf Lebensstile und die sich daraus entwickelnden neuen. Bedürfnisstrukturen. Die Politologin lebt und arbeitet in Stuttgart.

Der Sport muss zum Menschen kommen, nicht der Mensch zum Sport

Wir leben in einer Zeit, in der Orts- und Zeitflexibilität in jedem Aspekt unseres Alltags umsetzbar sein muss. Die großen Trendentwicklungen wie etwa Mobilität, Globalisierung und Konnektivität erfordern und ermöglichen, dass wir von überall aus arbeiten, einkaufen, kommunizieren können. Diesen Ansprüchen muss auch der Sport gerecht werden, indem er dem Konsumenten ein Höchstmaß an Flexibilität ermöglicht. Umfragen zeigen schon heute, dass ein Großteil der Europäer Sport zu Hause oder unterwegs zwischen zwei Orten betreibt. Der Sport der Zukunft muss den Menschen dort erreichen, wo dieser sich aufhält.

 

Sport ist eine Aufgabe der Arbeit

Und damit werden Sport und Sportivity auch zu einer der großen Aufgaben der Arbeitswelt. Die Integration der Bewegung in den Berufsalltag muss ähnlich konsequent verfolgt werden wie Sportangebote im Bildungssystem gefordert werden. Denn die große Lücke der Nichtsportler ist genau hier zu finden. Mit Eintritt in die Berufstätigkeit sinkt die Aktivitätsphase rapide ab, steigt erst wieder in der Rente an. Arbeit als Hinderungsgrund für Sport wird von rund jedem Zweitem genannt. Dabei geht es nicht nur um gesundheitliche Qualitäten, sondern auch um die Förderung eines innovativen und kreativen Arbeitsgeistes. Hierbei muss auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen Rücksicht genommen und ihm genügend Selbstverantwortung für Zeiten und Intensität übertragen werden. Wichtig ist vor allem, dass Sport als bezahlter Teil der Arbeit und nicht als eine Extraleistung nach Feierabend angesehen wird.

 

Standorte und Destinationen benötigen eine Sport-Infrastruktur

Eine funktionierende Sport-Infrastruktur trägt auch zum Erfolg einer ganzen Destination bei. Die nachfolgenden Generationen haben hohe Ansprüche an Arbeits- und Lebenswelten. Der Zugang zu Sportmöglichkeiten muss hier gegeben sein. Auch hier ist wieder zu beachten, dass die Palette der Sportbedürfnisse abgedeckt wird und sowohl die Flexibilität, wie auch die Einbindung in die Unternehmenskultur garantiert ist.

 

Sportivty fordert Sportvereine heraus

Das Bedürfnis nach Flexibilität hat in den letzten Jahren Individualsportarten populär gemacht. Doch die Sehnsucht nach Gemeinschaft bleibt, und kombiniert mit neuen digitalen Möglichkeiten haben sich über soziale Netzwerke neue, informelle Sportgruppen etabliert. Unabhängig von Vereinen lässt es sich spontan und ohne weitere Verpflichtungen gemeinsam trainieren. Die Unkompliziertheit von Gemeinschaften, denen man jederzeit beitreten und sie auch wieder verlassen kann, ist ein wichtiges Kriterium. Die Konnektivität trägt hier maßgeblich zu neuen Trainingsverbänden bei, fordert aber auch auf anderer Ebene noch die Vereine in ihren alten Strukturen heraus. Auch weil Technik immer mehr zum Trainer wird: Etwa durch „Wearables“, die künftig nicht mehr nur am Handgelenk sitzen, sondern sich im Ball, am Körper oder sogar im Körper befinden werden.

 

Amagar Bakke, Aha-Effekte und Atmosphäre

Ein Gespräch mit Anja Kirig

Erzählen Sie uns von Ihren Lieblings-Sportanlagen.

Amager Bakke (Bild links) fasziniert mich. Alle Konzepte, in denen Work-Life-Blending möglich ist, wo die Arbeit zum Sport oder der Sport zur Arbeit kommt. Für die Bevölkerung niederschwellig und am besten kostenlos nutzbare Sportanlagen, die von Vereinen wie inoffiziellen Sportgruppen gleichermaßen genutzt und gepflegt werden.

 

Welche Architekten und Gebäude haben Sie nachhaltig beeindruckt?

Ästhetisch ansprechende, gleichzeitig multifunktional nutzbare Gebäude, die sich am besten noch mit den Bedürfnissen der Zeit anpassen.

 

Was und wen halten Sie für die Trends und Trendsetter der Branche?

Neues Arbeiten, Individualisierung, Konnektivität, Mobilität und klar: ein neues Gesundheitsverständnis.

 

Welches Buch sollten Architekten in dieser Branche gelesen haben?

Architekten sollten sich ständig mit den zukünftigen Bedürfnissen und Trendentwicklungen der Gesellschaft auseinandersetzen. Gute Anregungen und Aha-Effekte kommen häufig aus fachfremder Literatur. Das geht mir oft ganz ähnlich.

 

Was ist/war Ihr Lieblingslied beim Schreiben?

Ich höre grundsätzlich keine Musik beim Arbeiten, mag aber den „urban Sound“ um mich herum: Menschen auf den Straßen, Busse, mitunter auch der Geräuschpegel eines Cafés. Ich schätze die Atmosphäre von Büchereien ebenso wie das Arbeiten in Zügen.

Sicherheit und Qualität werden zu Kernthemen

Technische Innovationen bringen mehr Menschen zum Sport, erhöhen die Sicherheit, stellen aber gleichzeitig auch mögliche Gefahren dar. Technik braucht Qualität, genauso wie Trainer neue Qualitäten mitbringen müssen, wenn sie auf Kunden treffen, die innovativ trainieren möchten. Zusätzlich bedarf es Ideen, wie auch Individualsportarten ein Höchstmaß an Sicherheit bieten können. Denn gerade durch den vereinfachten Zugang, beispielsweise zu Wasser- oder Bergsport erhöht sich die Nachfrage nach Sicherheit und Qualität in Ausrüstung und Unterweisung, auch mit Hilfe digitaler Methoden.  

Kommunikation richtet sich an Lebensstile und nicht an Zielgruppen

Wichtig für die Zukunft des Sports ist, dass in der Sportgesellschaft nicht mehr äußere Faktoren wie Alter, Herkunft oder Geschlecht maßgeblich sein dürfen, sondern der Mensch in seinem jeweiligen Lebensstil angesprochen werden muss. Das verbindende Element zwischen der 70-jährigen Rentnerin, dem homosexuellen Familienvater, der syrischen Studentin und dem blinden Unternehmer ist die Leidenschaft für Fußball, Klettern oder Schwimmen.  

Perspektive

Das Phänomen Sport war noch nie so komplex und mehrdimensional, wie es sich in der Gesellschaft des fortschreitenden 21. Jahrhunderts präsentiert. Sport zeigt sich in seiner Ausübung sehr paradox, vereint in der Praxis aber auch scheinbare Widersprüche. So lässt sich einerseits eine Vereinfachung wie auch Professionalisierung beobachten; es findet sowohl eine Verlangsamung wie auch Extremisierung statt und parallel zur Sehnsucht nach mehr Selbstbestimmung im Sport, steigt der Wunsch nach mehr Sicherheit. Andere Aspekte wiederum, etwa On- und Offline, Individuum und Gemeinschaft, Passivität und Aktivität sowie Freizeit und Arbeit vermischen sich, gehen ineinander über und stellen dadurch die „alte“ Sportkultur vor große Herausforderungen und sogar in Frage. Die Sportgesellschaften der Zukunft sind aber auch eine Chance für Kultur, Gemeinschaft, Bildung und Arbeit, wenn rechtzeitig auf die Phänomene reagiert und der Zugang zur Sportivity ermöglicht wird.

Eye-Tracking in der Architektur

Eye-Tracking in der Architektur

Game-Changing

Eye-Tracking in der Architektur

Form follows brain function

Während sich viele Architekten noch immer an den Satz „Form follows function“ klammern, könnte „Form follows brain function“ das Motto heutiger Werbetreibender und Automobilhersteller sein. Die setzen zunehmend Hightech-Werkzeuge einsetzen, um verborgene menschliche Verhaltensweisen zu verstehen und ihre Produkte entsprechend zu gestalten – ohne jemals unsere Erlaubnis einzuholen.

Biometrische Werkzeuge wie ein EEG (Elektroenzephalogramm), das Gehirnwellen misst, eine Mimik-Analyse-Software, die unseren sich ändernden Ausdrücken folgt, und das Eye-Tracking, das es uns ermöglicht, „unbewusste“ Augenbewegungen aufzuzeichnen, sind bereits heute in der Werbung und Produktentwicklung allgegenwärtig. Mit Eye-Tracking bezeichnet man das Aufzeichnen der hauptsächlich aus Fixationen (Punkte, die man genau betrachtet), Sakkaden (schnellen Augenbewegungen) und Regressionen bestehenden Blickbewegungen einer Person. Als Eyetracker werden Geräte und Systeme bezeichnet, die die Aufzeichnung vornehmen und eine Analyse der Blickbewegungen ermöglichen. Das Eye-Tracking wird als wissenschaftliche Methode in den Neurowissenschaften, der Wahrnehmungs-, Kognitions- und Werbepsychologie, im Produktdesign und der Leseforschung eingesetzt.

Was passiert, wenn man biometrische Messungen wie das Eye-Tracking auf die Architektur anwendet? Mehr als wir erwartet haben….

Wir haben seit 2015 vier Pilotstudien durchgeführt, die sich mit Gebäuden in Stadt und Vorort (New York City, Boston, Somerville und Devens, MA) beschäftigen – und wir sind der Meinung, dass diese Technologien unser Verständnis der Wirkung von Architektur auf die Menschen gehörig durcheinanderwirbeln.

Wir können schon jetzt menschliche Reaktionen vorhersagen, zum Beispiel, ob Menschen außerhalb eines neuen Gebäudes verweilen oder sofort die Flucht ergreifen wollen. (Mehr über unsere erste Eye-Tracking-Studie in der Titelgeschichte des Planning Magazine, Juni 2016.)

Sehen Sie, wie wir Gebäude sehen. Hier sind drei unerwartete Erkenntnisse aus dem Eye-Tracking in der Architektur.

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Fotos

Ann Sussman
(unless otherwise noticed)

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Vielen Dank an

  • Common Edge (hier erschien der Artikel zuerst)
  • Boston’s Institute for Human-Centered Design
  • The Devens Enterprise Commission
  • Prof Justin B. Hollander und Hanna Carr ‘20, Tufts University
  • Dan Bartman, City of Somerville Planning Department
  • Für „game-changing technological tools“: iMotions und 3M VAS

1. Menschen ignorieren leere Fassaden

Menschen neigen überhaupt nicht dazu, auf große, leere Dinge oder Flächen zu blicken, zum Beispiel auf Fassaden ohne Funktion oder auf sich wiederholende Glasfassaden. Dafür sind unsere Gehirne nach 3,6 Milliarden Jahren Evolution einfach nicht geschaffen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass uns große, leere und nichtssagende Dinge selten getötet haben. Oder anders ausgedrückt: Unsere heutige moderne Architektur gibt es noch nicht lange genug, um unsere Verhaltensweisen und unser zentrales Nervensystem zu beeinflussen, das sich über Jahrtausende entwickelt hat, um unser Überleben in freier Wildbahn zu sichern. Aus der visuellen Perspektive des Gehirns könnten leere oder blanke Flächen genauso gut nicht vorhanden sein.

Das Bild oben zeigt zwei Ansichten der NYCs Stapleton-Bibliothek: eine mit den vorhandenen Fenstern rechts und links, eine ohne sie (mit Photoshop retuschiert). Die leuchtend gelben Punkte stellen „Fixationen“ dar, die zeigen, wo die Augen in einem 15-Sekunden-Intervall ruhen, die Linien dazwischen sind die „Sakkaden“, die der Bewegung zwischen den Fixierungen folgen. Im Durchschnitt bewegten die Zuschauer ihre Augen 45-mal pro Testintervall, mit wenig bis keiner bewussten Anstrengung. Im Bild links, ohne Fenster, ignorierten die Testteilnehmer das Äußere mehr oder weniger, abgesehen von der Türöffnung. Dies ist bei dem Bild rechts nicht der Fall.

Die Fotos darunter zeigen Heat Maps, die die Betrachtungsdaten mehrerer Personen zusammenfassen. Diese Karten leuchten am hellsten, wo die Menschen am meisten hinsahen. Sie deuten darauf hin, wie wichtig eine strukturierte Fassade sind, denn diese fixiert unsere Blicke und sorgt für Kontrastbereiche. Danach suchen unsere Augen, darauf bleiben unsere Blicke haften. Immer wieder stellten unsere Studien fest, dass Gebäude mit gelochten Fenstern (oder symmetrischen Bereichen mit hohem Kontrast) ins Auge fallen und solche ohne Fenster nicht.

2. Fixation schafft Interesse

Warum ist es wichtig, wo Menschen unbewusst hinschauen? Das ist die ultimative Frage. Im Laufe unserer Forschung haben wir uns ein kognitives Mantra angeeignet: „Fixation schafft Interesse.“ Wir haben gelernt, dass unbewusste, versteckte Sehgewohnheiten (wie eben das Fixieren) darüber bestimmen, wohin unsere Aufmerksamkeit geht – und das ist enorm wichtig.

Warum? Unbewusste Fixierungen lenken bewusstes Handeln und Verhalten. Kein Wunder, dass Honda und GM diese Technologie nutzen. Kein Wunder, dass die Werbetreibenden das auch tun. Sie wollen wissen, wo wir hinsehen und wo wir suchen. Auf diese Art und Weise wollen sie unser Verhalten steuern und sicherstellen, dass ihre Anzeige die gewünschte Aufmerksamkeit erregt, und diese dementsprechend gestalten und platzieren.

Und was ist mit der Architektur? 
Eye-Tracking kann uns helfen, die Sekundenbruchteile von Erfahrungen zu entwirren, die unser Verhalten Gebäuden gegenüber auf eine Art und Weise bestimmen, die wir vielleicht nie realisieren werden. Um zu sehen, welche Aufschlüsse unser Verhalten zulässt, nehmen wir die Szene oben; links ist der Davis Square in Somerville, MA, ein dichtes Wohnviertel in der Nähe von Cambridge, wo viele Colleges und Geschäfte angesiedelt sind. Rechts im Bild ist eine Photoshop-Version der gleichen Szene zu sehen. Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 300 Personen bei Vorträgen gefragt, wo sie lieber stehen und auf einen Freund warten: vor einem leeren Gebäude oder vor einem Gebäude mit dem bunten Matisse-ähnlichen Wandbild. Erstaunlicherweise – ohne jede Rückkoppelung – warten ausnahmslos alle Befragten lieber vor dem Wandbild. 

Warum ist das so?
Eyetracking liefert einige interessante Antworten. Das Wärmebild zeigt an, dass das Wandbild Fixpunkte bietet, auf die wir uns konzentrieren können. Diese geben uns eine Art von Bindung, die wir mögen und die wir vielleicht brauchen; ohne diese Verbindungen wissen die Menschen anscheinend nicht, wohin sie gehen sollen. Diese Macht der Fixpunkte ist erstaunlich, aber offensichtlich. Sie treibt unseren Erkundungsgeist voran, ob in Anzeigen oder in der Architektur.

3.Menschen suchen Menschen – immer

Die wichtigste Erkenntnis, die uns unsere Eye-Tracking-Studien in Bezug auf Architektur bescherte, hat ironischerweise nichts mit Gebäuden zu tun: Menschen suchen zuallererst nach Menschen. Wir sind eine soziale Spezies, unsere Wahrnehmung ist relational. Mit anderen Worten: Sie wurde für die Wahrnehmung anderer Menschen entwickelt. Eye-Tracking-Studien belegen dies immer wieder. Ja, Architektur ist wichtig, aber aus der Sicht unseres Gehirns sind Menschen wichtiger. Egal, wo sie sind.

Wir sahen diesen Blick auf Bostons berühmten Copley Square mit seiner historischen Trinity Church (ca. 1877) und dem ebenso historischen Hancock Tower (ca. 1976), der kürzlich den Besitzer wechselte und heute 200 Clarendon heißt (siehe Bilder oben). Im Jahr 2015 zeigte der Turm eine temporäre Kunstinstallation eines Mannes, der auf einem schwimmenden Lastkahn steht. Raten Sie mal, wo die Leute gesucht haben.

Wenn Sie sich für die kleine Silhouette des Mannes entschieden haben, haben Sie Recht. Richardsonian Romanesque, ein Architekturstil der Neuromanik, hat seinen Reiz, aber wenn es um menschliche Körper geht, dann ist es das, worauf Ihr Gehirn sich konzentrieren möchte – das zeigt der rötlichste Bereich auf dem Wärmebild sehr deutlich. Dort guckten die Leute hin, den Rest des Glasturms würdigten sie kaum eines Blickes – er bietet einfach kein Futter, jedenfalls nicht aus der 3,6 Milliarden Jahre alten Perspektive unseres Gehirns.

Was lernen wir daraus?
Die Evolution ist real und wir sind Teil des Prozesses. Das Eye-Tracking von Architektur zeigt uralte Algorithmen, die uns leiten, obwohl wir sie nicht wahrnehmen. Humane Architektur berücksichtigt unsere tierische Natur und unsere bemerkenswerte Geschichte. Unsere Vorfahren lernten auf die harte Tour, ihre Umgebung sofort nach Kontrasten und anderen Lebewesen, insbesondere Gesichtern, abzusuchen, und sie gaben diese arterhaltenden Eigenschaften an uns weiter. Diese Verhaltensweisen werden nicht so schnell verschwinden.

Das stehen wir also: Moderne Menschen, denen wir mit modernster Technik nachweisen, dass sie auf die Silhouette eines Menschen 35 Etagen über uns glotzen. Das hat nicht allzu viel Sinn. Es sei denn, wir berücksichtigen unsere Herkunft und Evolution – und den Überlebenskampf, den wir offenbar auch heute noch zu kämpfen haben.

Ann Sussman

Ann Sussman ist Autorin, Architektin und Forscherin auf dem Gebiet der Biometrie. Ihr Buch „Cognitive Architecture, Designing for How We Respond to the Built Environment“ (2015), gemeinsam mit Justin B. Hollander verfasst, gewann 2016 den EDRA-Preis für Forschung.
Weitere Informationen: annsussman.com. Blog: geneticsofdesign.com.

FÜNF ANTWORTEN
  1. Erzählen Sie uns von Ihren Top 5 Sportanlagen.
    Es gibt eine Arena, die schon immer Teil meines Lebens war: das Kolosseum in Rom!  Meine Mutter fand einen Druck von Piranesi, als ich ein Kind war und wir in Europa lebten; wir brachten ihn mit uns in die Vereinigten Staaten zurück, wo sie ihn ins Wohnzimmer hängte. Heute schmückt dieser Druck mein Esszimmer. Bei der Beantwortung dieser Frage wird mir klar, dass ein 2.000 Jahre altes Amphitheater das Gebäude ist, das ich mir am häufigsten angesehen habe!
  2. Welche Architekten und Gebäude haben Sie nachhaltig beeindruckt?
    Das andere Gebäude, das einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, ist Palladios Villa Rotunda oder Villa Capra in Italien. Ich habe mich in sie verliebt, als ich Architektur studiert habe. Ich habe sogar Palladios Pläne zu einem lokalen Bäcker gebracht, damit er sie auf meine Hochzeitstorte bringt! Dieses Gebäude beeinflusste das Design unzähliger anderer Bauten auf der ganzen Welt, auch in den USA, auch das Weiße Haus. Und die palladische Fassade des Hauses des amerikanischen Präsidenten ist heute auf jeder -Note. Ich konnte nicht verstehen, warum ein Landgut, das für einen pensionierten Vatikan-Kleriker im 16. Jahrhundert entworfen wurde, die amerikanische Demokratie repräsentieren könnte! Also haben wir die Villa ausfindig gemacht – und eine faszinierende Antwort erhalten: In der prä-attentiven Verarbeitung (die ersten 3-5 Sekunden, in denen man etwas betrachtet), suggeriert die Villa ein Gesicht!  Und wegen der Verkabelung unseres Gehirns kann uns kein anderes Bild so packen – und kein anderes Muster wird das jemals tun.
  3. Was und wen halten Sie für die Trends und Trendsetter der Branche?
    Zu den wichtigsten Trends in der Architekturbranche gehört die Nachhaltigkeit, das Design zur Förderung der menschlichen Gesundheit und des Wohlbefindens sowie neue Erkenntnisse in der Kognitionswissenschaft, die uns zu verstehen helfen, was unser Gehirn sehen soll. Weitere Informationen zu letzteren finden Sie auf unserer Website: geneticsofdesign.com.
  4. Welches Buch sollten Architekten in dieser Branche gelesen haben?
    Ich muss das Buch empfehlen, das ich zusammen mit dem Tufts University Professor Justin B. Hollander, geschrieben habe: Cognitive Architecture, Designing for How We Respond to the Built Environment (Rutledge, 2015), und eines von einem Nobelpreisträger für Neurowissenschaftler über die Gründe, warum Kunstwerke entstehen: Eric Kandel, The Age of Insight (2012).  Es gibt auch ein gutes kleines Einführungsbuch von Oxford University Press.
  5. Was ist/war Ihre Lieblingsmusik beim Entwerfen?
    Das Summen eines kleinen Cafés; das Murmeln der Menschen, die reden und das Klirren der Kaffeetassen ist irgendwie sehr beruhigend und bringt mich dazu, das Beste zu denken.

Janice M. Ward 
ist Schriftstellerin, Designerin, Bloggerin und MINT-Befürworterin. Gemeinsam mit Ann Sussman ist sie Autorin der Titelstory der Juni 2016-Ausgabe des Planning Magazine: Mit Eyetracking und anderen biometrischen Tools helfen sie Planern, gebaute Umgebungen zu gestalten. Mehr Infos unter acanthi.com und geneticsofdesign.com.

FÜNF ANTWORTEN
  1. Erzählen Sie uns von Ihren Top 5 Sportanlagen.
    Ich wurde in Boston geboren, also zieht es mich in den Fenway Park, der als eines der 10 wichtigsten historischen nordamerikanischen Stadien gelistet ist. Es ist der lokale, sentimentale Favorit.
  2. Welche Architekten und Gebäude haben Sie nachhaltig beeindruckt?
    Zu unserem 20. Hochzeitstages besuchten mein Mann und ich Frank Lloyd Wright’s Falling Water. Atemberaubend. Nicht bequem nach heutigen Maßstäben, aber erstaunlich. Stellen Sie sich ein 5.300 m² großes Haus vor, das über einem Wasserfall mit Gewächshaus und einer Treppe gebaut wurde, die hinunter zu einem Bach führt.
  3. Was und wen halten Sie für die Trends und Trendsetter der Branche?
    Architektur sollte mit dem technologischen Wandel Schritt halten. Nicht nur die Gebäudetechnik. Design-Schulen sollten Initiativen aus den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen, Mathematik (STEM), einschließlich Neurowissenschaften, Biologie, Informatik und biometrische Werkzeuge integrieren, um menschenzentrierte, datengesteuerte Umgebungen zu entwickeln.
  4. Welches Buch sollten Architekten in dieser Branche gelesen haben?
    Die Technik entwickelt sich so schnell, dass ich dazu tendiere, Online-Inhalte in Websites, Blogs und Magazinen zu lesen. Zwei Favoriten sind Architectural Record und Dwell. „The Hidden Life of Trees: What They Feel, How They Communicate“ von Peter Wohlleben ist das Buch, das ich gerade genieße.
  5. Was ist/war Ihre Lieblingsmusik beim Entwerfen?
    Während des Schreibens höre ich oft Bach, Eliot Fisk oder Andre Segovia. Sanfte, instrumentale Musik ohne Ablenkung.

Bundesförderprogramm für Sportinfrastruktur

Bundesförderprogramm für Sportinfrastruktur

Ist das Pflichtaufgabe oder kann das weg?

Der DOSB fordert Bundesförderprogramm für Sportinfrastruktur

Das Kernthema auf der FSB

Deutschland hat neben Straßen, Brücken und Schulen auch seine Sportstätten jahrelang vernachlässigt. Der DOSB fordert ein Bundesförderprogramm zur Modernisierung der maroden Sportstätteninfrastruktur (kurz: Bundesförderprogramm für Sportinfrastruktur). Die Situation der Sportstätten war deshalb auch das Kernthema, das der DOSB auf der Internationalen Fachmesse für Freiraum, Sport- und Bäderanlagen (FSB) vom 7. bis 10. November in Köln in den Fokus rückte.

Die (Teil-) Sperrungen von Autobahnbrücken rücken regelmäßig ins Scheinwerferlicht. Doch das Thema ist eigentlich viel größer, denn nicht nur Straßen und Brücken sind marode, sondern auch weite Teile der baulichen Infrastruktur für die Daseinsvorsorge der Bürgerinnen und Bürger wie z.B. Versorgungsnetze, Schulgebäude und eben auch Sportstätten. „Es ist erstaunlich, dass sich Deutschland mit erheblichen Versäumnissen in einem Bereich abzufinden scheint, welches das renommierte DIFU-Institut (Deutsches Institut für Urbanistik) gar als `Leistungen zur Existenzsicherung´ definiert: Schließungen von Schwimmbädern, Unterricht in Containern sowie unzumutbare sanitäre Schulanlagen gehören zum Alltag“, sagt Walter Schneeloch, DOSB-Vizepräsident Breitensport und Sportentwicklung.

Wie in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge ist es vor allem Aufgabe der Kommunen, Sportstätten zu sanieren bzw. zu modernisieren, zu bauen und finanziell zu fördern. Doch die Kommunen sind strukturell unterfinanziert – eine aufgabengerechte Anpassung der Finanzverfassung lässt seit Jahren auf sich warten. „Schuldenbremsen mögen verfassungsrechtlich sinnvoll sein, haben sich aber zu Investitionsbremsen entwickelt. Haushaltssicherungskonzepte und die staatliche Finanzaufsicht höhlen das kommunale Selbstverwaltungsprinzip aus, zumal Sportstättenförderung als freiwillige Aufgabe abklassifiziert und damit zur Disposition gestellt wird“, sagt Andreas Klages, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Sportentwicklung im DOSB. Juristen in Regierungspräsidien würden häufig nach dem Prinzip entscheiden: Ist das Pflichtaufgabe oder kann das weg? Das Problem des Sanierungs- und Modernisierungsstaus im Bereich der Sportstätten sei damit zu einer grundsätzlichen und politischen Frage geworden.

fa-

Textautor

Walter Schneeloch
DOSB
Vizepräsident Breitensport und Sportentwicklung
Vizepräsident des LSB Nordrhein-Westfalen

Kaputte Schulturnhallen

Es braucht eine nationale Allianz zur Verbesserung der Modernisierung von Deutschlands Infrastruktur  – und hier insbesondere seiner Sportstätten: ein Bundesförderprogramm für Sportinfrastruktur. Walter Schneeloch sagt: „Wenn selbst in Zeiten einer soliden Wirtschaftsentwicklung und guter Steuereinnahmen, geringen Zinsen und einer klaren Problemanalyse Bund und Länder sich nicht zu einer nationalen Kraftanstrengung zur Förderung der Sportinfrastruktur durchringen können, ist es schlecht um unser Land bestellt. Man sollte sich schlicht nicht damit abfinden, dass unsere Kinder in kaputten Schulturnhallen unterrichtet oder Schwimmbäder nur deswegen geschlossen werden, weil kein Geld für die Sanierung vorhanden ist!“

Dabei ist eins klar: Ohne ein nachhaltiges finanzielles Engagement des Bundes, der wiederholt auf ungeplante Steuermehreinnahmen in beträchtlicher Höhe blicken kann, sind die Engpässe nicht aufzulösen. Es ist zu hoffen, dass der Bund in der Legislaturperiode 2017-2021 ein Bundesprogramm zur Förderung der Sportinfrastruktur (Bundesförderprogramm für Sportinfrastruktur) im Umfang von jährlich mindestens 500 Millionen Euro auflegt. Der DOSB hat hierzu in seinen Wahlprüfsteinen ein eigenes Kapitel aufgenommen: http://www.dosb.de/de/organisation/wir-ueber-uns/bundestagswahl-2017/

 

DOSB, Landessportbünde und DFB auf der FSB

Am Messestand stellten neben dem DOSB auch die Landessportbünde (LSB) aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Württemberg sowie erstmals der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ihre Themen vor. Auch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft und der Deutsche Sportausweis waren dabei.

Der DOSB informierte über die Vielfalt von Sporträumen in Deutschland und darüber, wie Sportstätten durch Sanierungsstau bedroht sind. Der Sportdachverband und die Landessportbünde zeigten gute Beispiele, wie Klima- und Ressourcenschutz bei Neubau, Modernisierung und Sanierung von Sportstätten gelingen kann. Außerdem präsentierte der DOSB das Internetportal für nachhaltige Sportstätten, „Green Champion 2.0“. Das Programm am DOSB-Messestand wurde durch zahlreiche Fachveranstaltungen begleitet.

Der Deutsche Fußball-Bund stellte seine Publikationen aus dem Sportstättenbereich vor: So veröffentlichte der DFB kürzlich das aktualisierte Kompendium „Sportplatzbau & -erhaltung“ in fünfter, komplett neu überarbeiteter Auflage. Die Veröffentlichung bündelt das Fachwissen auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum auf einzigartige Weise.

fa-

Textautor

Andreas Klages
DOSB
stv. Geschäftsbereichsleiter Sportentwicklung
Ressortleiter Breitensport, Sporträume

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Fotograf

Bilddatenbank des LSB NRW

Bauen mit Social Media

Bauen mit Social Media

Auch Architekten brauchen Likes

Bauen mit Social Media

von Katie Dabbs

Digitalisierte Biester

Wir haben uns zu digitalisierten Biestern entwickelt, die in Sekundenschnelle persönliche Statements senden können. Bilder, Posts, Einladungen und Tweets: Wir sind in der Lage, Meinungen und Ideen – Halbgares wie Vollwertiges – im Handumdrehen zu verbreiten. Wir kommunizieren täglich mit einem Publikum, das wir zum Teil kennen, zum Teil aber auch nicht. Wir posten Selfies, folgen unterschiedlich prominenten Menschen oder bekunden unsere Liebe zu einem bestimmten Donut-Shop. Die Public Relations Managerin Katie Dabbs macht sich Gedanken darüber, wie sich diese Entwicklungen auf Architektur und Design auswirken: Bauen mit Social Media.  

Norman Foster vs Bjarke Ingels

Die Tage des Zeichenbretts, der glitzernden handgefertigten Modelle und der Hardcover-Referenzmappen sind vorbei. Es gibt 3D DruckOculus Rift, gerenderte Videos und Social Media. Ein Beispiel: Rupert Murdochs Medienunternehmen 21st Century und Fox beauftragen nicht etwa den 80-jährigen Sir Norman Foster mit der Planung ihres vierten und letzten Wolkenkratzers, sondern den jungen Parvenu Bjarke Ingels. Für die Vanity Fair und ihren Autor Paul Goldberger ist dies „mehr als ein ödipales Grummeln in der Architekturwelt. Es sagt viel aus über die Welt der Medien, und nicht nur über Murdochs Medien.“ Als PR-Managerin, die ihre kurze bisherige Karriere in Architekturbüros verbracht hat, ist es meine Aufgabe, das Entstehen eines Gebäudes in den Medien abzubilden. Das Handwerk, die Materialien, die Methoden, die Technik, das Teamwork, die Partnerschaften, die Manpower. Mit Social Media haben wir ein mächtiges Werkzeug, das die verbraucher- und konsumorientiertem Unternehmen sofort genutzt haben. Bauen mit Social Media holt nun auf.

 

Kim Kardashian kennt den Weg

„Twitter wurde für einen Moment mein Google“, sagte immerhin die Social-Media-Monarchin Kim Kardashian in einem kürzlich veröffentlichten Interview. Sie hatte ihre 34,7 Millionen Anhänger interviewt und nach Filmbewertungen, Restaurants und dem richtigen Rosaton einer Parfümflasche befragt. So trivial ihre Fragen auch erscheinen mögen: Die Geschichte zeigt ihr spezielles Talent, in Sekundenschnelle wertvolle Markt- und Markeneinblicke zu sammeln. Auch in der Architektur spielt die öffentliche Meinung eine immer wichtiger werdende Rolle. Vorschriften, Kontrollen und gesellschaftliche Entwicklungen können den Verlauf eines Bauprojekts erheblich beeinflussen, vor allem im Bereich der öffentlichen Architektur (denken Sie an Kongresszentren, Stadien, Museen oder Flughäfen). Für die geplante Erweiterung der Frick Collection in Manhattan sollte ein wertvoller Garten weichen. Der öffentliche Aufschrei war enorm und wurde durch die sozialen Medien sehr schnell öffentlich. Den Verantwortlichen blieb keine andere Wahl: Sie entwarfen sehr schnell einen neuen Plan, der den geliebten Garten schonte und auf die Sorgen der Öffentlichkeit reagierte.

Stellt Euch dar!

Die öffentliche Meinung ist mächtig. Die Umsetzung öffentlicher Bauprojekte dauert Jahre, verschlingt Tausende von Arbeitsstunden und viel Geld – und hat erhebliche Auswirkungen auf die Gemeinschaft, für die es entsteht. Öffentliche Architektur beeinflusst also das Leben der Menschen nachhaltig, im Guten wie im Schlechten. Planer und Architekten müssen das wissen und berücksichtigen, heute mehr als je zuvor. Es ist für Architekten und Designer unmöglich, jeden Störfall vorauszusehen, den ihr Projekt verursachen könnte. Umso wichtiger ist es daher, auf die öffentliche Meinung zu achten, bevor diese bedrohlich wird. Dies gilt natürlich auch und besonders für öffentliche Auftraggeber: Sie wollen, dass ihre Planer und Designer in den öffentlichen Dialog treten, um Missverständnissen vorzubeugen und Nutzerwünsche rechtzeitig berücksichtigen zu können. Wenn dieser Dialog jederzeit nachprüfbar (weil öffentlich) ist, umso besser. Architekten wie Bauherren müssen ihre kreativen Prozesse und Entscheidungen darstellen und den öffentlichen Dialog suchen und führen. Die späteren Nutzer sollten von Beginn an „im Boot“ sein und Wünsche äußern können – dann können sie auch nachher nicht sagen, sie hätten von nichts gewusst. Hier kommt Bauen mit Social Media ins Spiel. Nie war es einfacher, die Meinungen kritischer Massen von Menschen zu sammeln, zu analysieren und auch zu beeinflussen. Die Nutzer sozialer Medien drücken sich bisweilen ungefiltert aus, übertreten Grenzen und sind polemisch. Direkte und ehrliche Stimmungen und Strömungen gibt es aber immer, frei Haus und ohne teure und wenig aussagekräftige Umfragetools.

 

Auch Architekten brauchen „Likes“

Architekten und Designer können und müssen Social Media nutzen. Unser Beruf verlässt sich seit langem auf Daten, Umfragen und andere Parameter, um den Einfluss von Architektur zu messen. Jetzt können wir das Bauen mit Social Media nutzen, um Meinungen und Kritiken über Entwürfe und fertiggestellte Bauten zu erfahren. Instagram und Facebook bieten das Feedback der Community in Form eines „like“ oder Kommentars, Pinterest bietet Pins. Bauen mit Social Media hat die Macht, die Tage der mühsamen Datenerhebung zu beenden: Es gibt zu jedem Thema eine Gruppe. Sie benötigen eine Meinung zu einem Material, das Sie in Betracht ziehen? Eine Fassaden-Option, die Sie einem Kunden vermitteln wollen? Sie wollen verstehen, wie die Nutzer mit ihren Räumen interagieren? Stellen Sie Ihren Anhängern, Fans und Followern Fragen. Lassen Sie sie reagieren. Vermitteln Sie Meinungen. Planen Sie voraus.

 

Verstand und Herz

Der wohl meistgesuchte Architekturfotograf ist Iwan Baan. Für Top-Stars wie Rem Koolhaas, Zaha Hadid und Herzog & de Meuron ist er geradezu unentbehrlich. Seine Fotos werden sofort und exklusiv an Zeitschriften und Zeitungen verteilt. Seine Social-Media-Strategie ist meiner Meinung nach die beste der Designbranche: In seinem Instagram-Account verzichtet er komplett auf seine ausgefeilten Hochglanzbilder und offenbart eine andere Seite der Architektur. Seine Fotos führen uns hinter die Kulissen: an Orte, die er besucht hat, zu Menschen, denen er auf seinen Reisen begegnet ist, und natürlich auch zu den Gebäuden, die er fotografiert hat. Alles anders, alles ohne Glanz. Verstand trifft Herz, Mensch verbindet sich mit Architektur. Mein Gefühl sagt mir, dass dies der Weg der Zukunft ist. So werden wir auch Gebäude bauen. Wir werden unsere Fans befragen, das Publikum hereinlassen, ihre Temperatur messen, sie mit ihren Gebäuden verbinden, bevor sie gebaut werden, und sie bereits i beim Entwurf mit auf die Reise nehmen. So werden wir diesen vielschichtigen und unglaublich nuancierten Prozess letztlich einfacher machen. Mehr Information führt zu fundierteren Entscheidungen. Wir werden die Reaktionen in Echtzeit messen, bevor wir weitermachen. Unser Publikum wird uns leiten.

Reform der SALVO

Reform der SALVO

© LSB NRW: Mädchenmannschaft

More Sports!

Die Reform der Sportanlagenlärmschutzverordnung SALVO ist in Kraft

Vor wenigen Tagen trat die Reform der Sportanlagenlärmschutzverordnung (SALVO) in Kraft. Sie gibt dem Sport mehr Rechtssicherheit und ermöglicht mehr sportliche Aktivität, auch in verdichteten urbanen Räumen. Daher profitiert der gesamte Sport vom neuen Immissionsrecht, insbesondere die innerstädtischen Sportvereine.

Die Probleme der alten SALVO

Die bis dato geltenden Ruhezeiten der „alten“ SALVO und Beschwerden der Anwohner hatten immer wieder dazu geführt, dass Sportvereine die Zahl ihrer Jugendmannschaften begrenzen mussten und keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen konnten. Darüber hinaus wurde die Nutzung von Sportanlagen durch die geltenden Ruhezeiten beschränkt. Dies verhinderte auch die wohnortnahe Neuerrichtung von Sportanlagen. Sie wurden in Außenbereiche verdrängt. Kommunen und Sportverbände wie DOSB und DFB forderten daher seit vielen Jahren die Modernisierung der SALVO und damit den Interessensausgleich zwischen Sportaktivität und Immissionsschutz.

Die Ziele der neuen SALVO

Sport hat wichtige soziale, integrative und gesundheitliche Funktionen. An der Ausübung von Sport bestehen nicht nur private, sondern – insbesondere an der Ausübung von Breiten- und Jugendsport – auch öffentliche Interessen. Die neue SALVO verfolgt daher diese Ziele:

  • Die Förderung wohnortnaher Sportausübung durch Neuregelung der Ruhezeiten 
  • Die bessere rechtliche Absicherung des Sportbetriebs auf Anlagen, die bereits vor 1991 genehmigt oder zulässigerweise ohne Genehmigung errichtet worden sind
  • Die Neuregelung der Immissionsrichtwerte für urbane Gebiete Fußballplatz genutzt werden. Nach der alten Ruhezeitenregelung ist vom Mittelpunkt des Spielfeldes zum angrenzenden allgemeinen Wohngebiet ein Mindestabstand von ca. 150 Metern erforderlich. Aufgrund der Neuregelung kann der Mindestabstand auf bis zu ca. 85 Meter reduziert werden.
© LSB NRW
Autor

Andreas Klages DOSB stv. Geschäftsbereichsleiter Sportentwicklung Ressortleiter Breitensport, Sporträume

Fotos

Bilddatenbank des LSB NRW

© LSB NRW

Was ist neu?

Die Modernisierung der SALVO verzichtet auf eine grundsätzliche Neukonzeption der Verordnung und verbleibt in der bestehenden Struktur: Sie verbindet Richtwerte mit Ruhezeiten, Gebietskategorien und weiteren Kriterien.

  • Für Sportstätten variieren die Richtwerte nun zwischen 65 Dezibel und 35 Dezibel, je nachdem, ob die Sportanlage in einem Gewerbe-, Wohn- oder Kurgebiet liegt und zu welcher Zeit gespielt oder trainiert wird. Im neuen „Urbanen Gebiet“ darf es mit 45 bis 63 Dezibel nun etwas lauter sein als in sogenannten Kern- oder Wohngebieten.
  • Die Immissionsrichtwerte für die abendlichen Ruhezeiten sowie die Ruhezeiten an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 15 Uhr wurden nun an die tagsüber geltenden Werte angepasst und so um 5 Dezibel erhöht.

Mit diesen Änderungen wird der Zeitraum, in dem Sportanlagen in den Ruhezeiten ohne eine Überschreitung der Immissionsrichtwerte genutzt werden können, verlängert. Wenn eine Sportanlage bisher wegen ihrer Nähe zur Wohnbebauung beispielsweise innerhalb der abendlichen Ruhezeiten nur 40 Minuten genutzt werden konnte, so ist aufgrund der Neuregelung eine Nutzung während der gesamten zweistündigen Ruhezeit zulässig. Die vorgesehene Absenkung des Lärmschutzniveaus während der Ruhezeiten am Mittag und Abend um 5 dB führt zu einer moderaten Mehrbelastung der Nachbarschaft von Sportanlagen durch Lärm. Darüber hinaus bleibt das Lärmschutzniveau nachts unberührt. Die Abstände zwischen Sportanlagen und heranrückender Wohnbebauung können in etwa halbiert werden. Dies verdeutlicht folgendes Beispiel: Ausgangsfall ist die Errichtung eines Fußballplatzes neben einem angrenzenden allgemeinen Wohngebiet. Während der gesamten Ruhezeiten am Abend sowie an Sonn- und Feiertagen zusätzlich am Mittag soll der Fußballplatz genutzt werden. Nach der alten Ruhezeitenregelung ist vom Mittelpunkt des Spielfeldes zum angrenzenden allgemeinen Wohngebiet ein Mindestabstand von ca. 150 Metern erforderlich. Aufgrund der Neuregelung kann der Mindestabstand auf bis zu ca. 85 Meter reduziert werden.

Alfons Hörmann
Alfons Hörmann

Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

„Diese Reform macht Deutschland sportfreundlicher und fördert wohnortnahen Sport. Leider ist man nicht allen unseren Vorschlägen gefolgt. Insbesondere die fehlende Kinderlärmprivilegierung ist eine Sollbruchstelle. Warum Kinder auf Bolzplätzen anderes behandelt werden als auf sonstigen Sportanlagen, bleibt ein wenig erfreuliches Rätsel.“
© LSB NRW

Der Altanlagenbonus bleibt

Der Sportbetrieb auf Anlagen, die bereits vor 1991 genehmigt oder zulässigerweise ohne Genehmigung errichtet worden sind, ist nun rechtlich besser abgesichert. Mit der Konkretisierung des sogenannten Altanlagenbonus wird gewährleistet, dass der Sportbetrieb auch bei Umbauten und Nutzungsänderungen und einer leichten Überschreitung der Lärmschutzwerte aufrechterhalten werden kann. Der Altanlagenbonus wird anhand einer Auflistung von Maßnahmen, die den Bonus in der Regel nicht in Frage stellen, näher konkretisiert („Positivliste“). Damit kann zum Beispiel der Umbau eines Hartplatzes zu einem Kunststoffrasenplatz stattfinden, ohne dass deutlich reduzierte Lärmschutzgrenzen geltend werden. Rechtlich verunsicherte Kommunen hatten in der Vergangenheit immer wieder die Nutzung von Fußballplätzen nur deswegen eingeschränkt und sogar untersagt, weil ein neuer Oberflächenbelag aufgetragen wurde. Ein unrühmliches Beispiel hierfür lieferte etwa die Geschichte des FC Teutonia Hamburg, die es sogar in einige Satiresendungen schaffte. Ein Behördenstreit hatte dazu geführt, dass den Hamburger Fußballern das Betreten ihres neuen Kunstrasens nahezu komplett verboten wurde. Bei bestehenden Anlagen, die vom Altanlagenbonus profitieren, ergeben sich darüber hinaus deutlich geringere Abstände (als bei Neubauten), die anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls ermittelt werden müssen. Bei einer typisierenden Betrachtung kommen Abstände zwischen Spielfeldrand und Wohnbebauung von ca. 30 Metern in Betracht. Die städtebaulich erstrebte Verdichtung von Innenstädten wird hierdurch begünstigt, zugleich werden die Nutzungsmöglichkeiten der Sportanlagen gewahrt.  

Urbane Gebiete

Die neue SALVO regelt darüber hinaus die Immissionsrichtwerte für urbane Gebiete. Durch Artikel 2 Nummer 3 des Gesetzentwurfs zur Umsetzung der Richtlinie 2014/52/EU im Städtebaurecht und zur Stärkung des neuen Zusammenlebens in der Stadt wurde in der Baunutzungsverordnung eine neue Baugebietskategorie „Urbane Gebiete“ eingeführt. Für diese Gebietskategorie enthält die Sportanlagenlärmschutzverordnung bisher keine Immissionsrichtwerte; dies wurde entsprecht angepasst.

Reinhard Grindel
Reinhard Grindel

Präsident des Deutschen Fußballbundes

„Für viele Fußballvereine, die Kunstrasenplätze gebaut haben, bedeutet die Reform mehr Trainingszeiten und einen erweiterten Spielbetrieb am Wochenende. Die unmögliche Situation, dass in großen Städten Vereine Aufnahmestopps für Kinder und Jugendliche erlassen mussten, kann damit zumindest teilweise überwunden werden. Dass Kinderlärm bei Kindertagesstätten weitgehend erlaubt, auf Fußballplätzen jedoch weiterhin eingeschränkt werden soll, ist gleichwohl unverständlich – hier erwartet der organisierte Sport, dass dieses Bürokratiehemmnis bei den nächsten Koalitionsverhandlungen endgültig beseitigt wird.“

Die SALVO zum DOWNLOAD.

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