L’ita­liano

Arena Kombë­tare Tirana

Vom faschis­ti­schen Erbe zum urbanen Zukunfts­pro­jekt: In Tirana ist mit der Arena Kombë­tare ein Stadion entstanden, das weit mehr kann als Fußball. Zwischen histo­ri­scher Fassade, 100-Meter-Turm und leben­digen Stadt­räumen wird Archi­tektur hier zum Motor einer ganzen Metro­pole.

Entwurf:

Archea Asso­ciati

Stadt­bau­stein

Als Benito Musso­lini 1939 Alba­nien besetzen ließ, war Tirana kaum mehr als eine Klein­stadt. In kürzester Zeit verän­derte sich das Erschei­nungs­bild der Stadt jedoch grund­le­gend, maßgeb­lich geprägt durch den floren­ti­ni­schen Archi­tekten Gherardo Bosio. Mit Projekten wie dem monu­men­talen Boule­vard, dem heutigen Dësh­morët e Kombit, legte er die Grund­lage für das moderne Stadt­zen­trum. Auch das ursprüng­liche Natio­nal­sta­dion, später nach dem alba­ni­schen Wider­stands­kämpfer Qemal Stafa benannt, entstand in diesem Kontext.

Heute steht an glei­cher Stelle ein völlig neu gedachtes Bauwerk: die Arena Kombë­tare. Sie ist nicht nur Stadion, sondern ein multi­funk­tio­nales Stadt­bau­stein – ein Symbol für den archi­tek­to­ni­schen und urbanen Wandel Alba­niens.

Die Planung stammt von Archea Asso­ciati.

Trans­for­ma­tion mit Respekt vor der Geschichte

80 Jahre nach dem Bau des Vorgänger-Stadions standen die Planer vor dem Werk eines Archi­tekten aus ihrer eigenen Stadt Florenz. Das Stadion aus der Nach­kriegs­zeit wurde mit Ausnahme des monu­men­talen Eingangs voll­ständig abge­tragen. Die histo­ri­sche Fassade blieb erhalten und wurde in einem aufwän­digen Verfahren Stein für Stein doku­men­tiert, restau­riert und in den Neubau inte­griert. Diese Methode der soge­nannten Anasti­losis verbindet Vergan­gen­heit und Gegen­wart auf präzise und respekt­volle Weise.

Das Stadion folgt einer thea­ter­ähn­li­chen Typo­logie mit drei Tribünen, inspi­riert von klas­si­schen Amphi­thea­tern und Stadien wie „La Bombonera“ in Buenos Aires. Die Zuschauer rücken so nahe wie möglich ans Spiel­feld, es entsteht eine inten­sive Atmo­sphäre.

Der Turm

Mit rund 22.000 Sitz­plätzen erfüllt das neue Stadion inter­na­tio­nale UEFA-Stan­dards. Die eigent­liche Inno­va­tion liegt im Konzept: Statt eines reinen Sport­baus entstand ein leben­diger Hybrid aus Arena, öffent­li­chem Raum und kommer­zi­eller Infra­struktur.

Der über 100 Meter hohe Turm, der ein Hotel beher­bergt, ist nicht nur das Wahr­zei­chen des Stadions, sondern der ganzen Stadt. Ergänzt wird das Ensemble durch Einzel­handel, Gastro­nomie, Büros und öffent­liche Plätze – ein Nutzungsmix, der das Gebäude ganz­jährig akti­viert.

Die Öffent­lich­keit

Ein zentraler städ­te­bau­li­cher Gewinn liegt in der Rück­ge­win­nung öffent­li­cher Flächen durch groß­zü­gige Plätze und Aufent­halts­be­reiche.

Die Gebäu­de­form mit konkav geschwun­genen Fassaden öffnet sich bewusst zur Stadt und schafft neue urbane Räume mit Cafés, Bars und Treff­punkten. Die Arena Kombë­tare ist damit Teil des alltäg­li­chen Lebens, und das nicht nur an Spiel­tagen.

Die Gebäu­de­hülle mit rund 30.000 m² Fassa­den­fläche ist geprägt von roten und schwarzen Elementen – eine Refe­renz an die alba­ni­schen Natio­nal­farben. Über 3.200 verti­kale Lamellen struk­tu­rieren die Fassade. Ihre Gestal­tung wurde von tradi­tio­nellen Texti­lien inspi­riert.

Inves­ti­tion in die Zukunft

Mit einem Gesamt­vo­lumen von rund 80 Millionen Euro wurde das Projekt in nur drei Jahren reali­siert. Finan­ziert wurde es größ­ten­teils privat, unter­stützt durch den alba­ni­schen Fußball­ver­band. Neben der sport­li­chen Nutzung sind insbe­son­dere die kommer­zi­ellen Funk­tionen entschei­dend für den lang­fris­tigen Betrieb.

Die Arena Kombë­tare ist Impuls­geber für die Aufwer­tung eines zuvor vernach­läs­sigten Stadt­teils und stei­gert nach­haltig dessen Attrak­ti­vität. Sie ist ein schönes Beispiel dafür, wie Archi­tektur, Stadt­ent­wick­lung und Iden­tität inein­an­der­greifen können – und wie aus einem Ort der Vergan­gen­heit ein Motor für die Zukunft wird.

Projekt­daten

(Links sind unter­stri­chen)

Planer

Archea Asso­ciati
Marco Casa­monti, Laura Andreini, Silvia Fabi, Giovanni Polazzi

Bauherr

FSHF
Rr. Liman Kaba, Nd 5
Hyrja 1
Njësia Admi­nis­tra­tive 5
Kodi Postar 1019
Tirana
Alba­nien

Eröff­nung
2019
Adresse

Arena Kombë­tare Tirana
Sheshi Italia 1
Tiranë
Alba­nien

Text

Johannes Bühl­be­cker
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