Get on the floor

Die BasketBar in Utrecht

Die BasketBar in Utrecht gilt als Meilen­stein im Sport­stät­tenbau: Ein hybrides Konzept aus Café, öffent­li­chem Raum und Basket­ball­feld zeigt, wie Sport zum Motor urbaner Begeg­nung werden kann. Entworfen im Kontext des Master­plans der Univer­sität von OMA, steht die Anlage exem­pla­risch für den damals einge­läu­teten Para­dig­men­wechsel: weg von isolierten Sport­flä­chen, hin zu viel­sei­tigen urbanen Gele­gen­heiten für Begeg­nungen.

Entwurf:

NL Archi­tects

Verdich­tung und Inte­gra­tion

Mit der BasketBar auf dem Campus der Univer­sität Utrecht entstand im Jahr 2003 ein Projekt, das bis heute als Refe­renz für die Erwei­te­rung des Sports in die Gesell­schaft, den inte­gra­tiven Sport­stät­tenbau, gilt.

Der Campus De Uithof entwi­ckelte sich damals von einer mono­funk­tio­nalen Univer­si­täts­land­schaft zu einem verdich­teten, urbanen Gefüge. Ziel des Master­plans von Rem Kool­haas (Office for Metro­po­litan Archi­tec­ture) war es, Funk­tionen zu bündeln, Frei­räume zu stärken und eine echte „Campus City“ zu schaffen.

Die BasketBar über­nahm darin eine Schlüs­sel­rolle: Sie war kein Solitär, sondern sozialer Knoten­punkt – eine infor­melle Mitte für Studie­rende, Forschende und Besu­cher.

Der Entwurf stammt von NL Archi­tects.

 

Offen­heit statt Fest­le­gung

Das Projekt kombi­niert auf wenigen Quadrat­me­tern mehrere Nutzungen zu einem räum­lich wie program­ma­tisch radi­kalen Ensemble:

  • ein in den Boden abge­senktes Café
  • eine groß­zü­gige, orga­nisch geformte Aufent­halts­land­schaft („Orange Pool“)
  • ein Basket­ball­feld auf dem Dach

Diese Über­la­ge­rung erzeugte eine völlig neue Typo­logie. Das Café selbst ist abge­senkt – Besu­cher betreten es quasi „über die Theke“. Diese unge­wöhn­liche Drama­turgie schafft unge­wohnte Inti­mität und gleich­zeitig visu­elle Offen­heit zum öffent­li­chen Raum. Inspi­riert von klas­si­schen Raum­kon­zepten wie der American Bar von Adolf Loos entstand ein Ort, der Rückzug und Urba­nität verbindet.

Der angren­zende „Pool“ fungiert als multi­funk­tio­nale Zone: Terrasse, Amphi­theater, Skate­fläche und barrie­re­freier Zugang verschmelzen zu einem inklu­siven Aufent­halts­raum. Hier zeigt sich eine der großen Stärken des Projekts: Nutzungs­of­fen­heit statt Fest­le­gung.

Sport als soziale Infra­struktur

Das eigent­lich ikoni­sche Element seiner Zeit befindet sich jedoch auf dem Dach: das Basket­ball­feld. Ursprüng­lich nicht Teil der Aufga­ben­stel­lung, entwi­ckelte es sich zur prägendsten Idee des Projekts.

Basket­ball wurde bewusst gewählt, weil es eine nied­rig­schwel­lige, flexible und urbane Sportart ist. Das Spiel­feld wird zur Bühne: sichtbar, öffent­lich, ein Ort für Perfor­mance und Begeg­nung. Die Trans­pa­renz des Mittel­punkts in Form einer Glas­fläche zwischen Court und Café verstärkt die Verbin­dung zwischen Sport und sozialem Leben.

Damit wird Sport nicht sepa­riert, sondern inte­graler Bestand­teil des Alltags. Die BasketBar zeigte früh, was heute als Leit­bild gilt: Sport­flä­chen als soziale Infra­struktur.

Auszeich­nung und Wirkung

Bereits kurz nach ihrer Fertig­stel­lung im Jahr 2003 wurde die BasketBar mit dem renom­mierten Riet­veld-Preis ausge­zeichnet. Das Projekt über­zeugte nicht nur archi­tek­to­nisch, sondern vor allem durch seine gesell­schaft­liche Rele­vanz.

Mit Baukosten von rund 1,2 Millionen Euro und einer vergleichs­weise kleinen Fläche gelang hier ein Projekt mit über­pro­por­tio­naler Wirkung: ein Modell für die Verbin­dung von Sport, Archi­tektur und urbanem Leben.

Gegen­wart und Zukunft

Mehr als zwei Jahr­zehnte lang war die BasketBar, später als „The Basket“ bekannt, ein zentraler Treff­punkt auf dem Campus: Ort für Mittags­pausen, Feiern, Quiz­abende und spon­tane Begeg­nungen.

2024 schloss der Betrieb, doch das Projekt ist nicht am Ende: Die Stadt hat die Anlage inzwi­schen als „Young Monu­ment“ unter Schutz gestellt.

Geplant ist eine Sanie­rung und Reak­ti­vie­rung im Zuge der Weiter­ent­wick­lung des Campus und der umlie­genden Gebäude.

Damit bleibt die BasketBar nicht nur ein Stück Geschichte der Sport­ar­chi­tektur, sondern wird hoffent­lich bald wieder, was sie vor allem war: lebendig.

Projekt­daten

(Links sind unter­stri­chen)

Planer

NL Archi­tects
Van Hall­straat 294
1051 HM Amsterdam
Nieder­lande

Bauherr

Univer­si­teit Utrecht Huis­ves­ting

Eröff­nung
2003
Adresse

BasketBar
Genevelaan 8
3584 CC Utrecht
Nieder­lande

Text

Johannes Bühl­be­cker
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