Badstue til folket
Die Trosten Sauna in Oslo
Ausstattung & Besonderheiten
- schwimmende Sauna als Teil des Saunadorfs Sukkerbiten
- erste universell zugängliche schwimmende Sauna Norwegens
- Saunaraum für bis zu 24 Personen und zwei Rollstühle
- Umluftsystem zur gleichmäßigen Wärmeverteilung auf allen Sitzhöhen
- öffentlich zugängliches Amphitheater für rund 50 Personen
- direkter Zugang zum Oslofjord
Adresse
Trosten Sauna
Nylandsveien 28, 0150 Oslo, Norwegen
Eröffnung
2024
Text
Johannes Bühlbecker
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Mit der Trosten Sauna hat estudio Herreros im Oslofjord eine schwimmende Sauna gebaut, die Saunakultur, öffentlichen Stadtraum und konsequente Barrierefreiheit miteinander verbindet. Das kompakte Gebäude liegt ausgerechnet vor dem Munch Museum, das vom selben spanischen Architekturbüro entworfen wurde.
Vom Treibholz zum Saunadorf
Das Saunadorf ist Teil der Transformation des ehemaligen Osloer Containerhafens
Die Geschichte der Trosten Sauna beginnt acht Jahre vor ihrer Eröffnung. 2016 gründete sich die gemeinnützige Oslo Badstuforening aus einer ungewöhnlichen Mischung von Künstlern und Diplomaten des Eisbadeclubs des norwegischen Außenministeriums. Ihre erste Sauna Måken bauten die Beteiligten selbst aus Treibholz, das sie in Bjørvika gefunden hatten.
Aus diesem improvisierten Floß entwickelte sich eine Bewegung. Saunieren und Eisbaden wurden in Oslo zunehmend populär, aus Måken wurde ein ganzes schwimmendes Saunadorf. Die Trosten Sauna ist dessen architektonisch ambitionierte Weiterentwicklung und war bei ihrer Eröffnung 2024 bereits die 19. Sauna des Vereins. Allein 2023 zählte die Oslo Badstuforening rund 15.000 Mitglieder und 250.000 Besuche. Das Motto ist bis heute erfreulich unkompliziert: „Badstue til folket“, Sauna für die Menschen.
Auch städtebaulich steht diese Entwicklung in einem größeren Zusammenhang. Das Saunadorf liegt an der Mündung des Akerselva und ist Teil der Transformation des ehemaligen Osloer Containerhafens. Entlang des Fjords entstand eine rund sieben Kilometer lange Hafenpromenade mit Wegen zum Spazieren, Laufen und Radfahren, Aufenthaltsflächen, Stränden und Badeplattformen. Die Saunen erweitern diesen öffentlichen Raum aufs Wasser.


Munch’s baby
Die gestaffelte Sitzlandschaft übersetzt damit die soziale Funktion der Sauna nach außen
Für Trosten kehrte estudio Herreros an einen bestens bekannten Ort zurück. Das spanische Büro hatte wenige Meter entfernt bereits das 2021 eröffnete Munch Museum geplant. Während der Bauzeit bekam die kleine Sauna deshalb den Spitznamen „Munch’s baby“.
Der Vergleich passt zumindest hinsichtlich der Verwandtschaft, weniger beim Maßstab. Trosten ist ein kleines, aber bewusst eigenständiges Gebäude mit markanter Silhouette und kräftig grün beziehungsweise türkis schimmernder Aluminiumhaut. Im Inneren finden bis zu 24 Personen Platz.
Zum Programm gehören außerdem eine eigene Badeterrasse mit direktem Zugang zum Fjord und ein außenliegendes Amphitheater für rund 50 Personen. Dieses bleibt öffentlich zugänglich und macht Trosten auch unabhängig vom Saunabetrieb zu einem Treffpunkt am Wasser. Die gestaffelte Sitzlandschaft übersetzt damit die soziale Funktion der Sauna nach außen und schafft einen kleinen Zuschauerraum mit Fjord und Stadt als Kulisse.


Sauna ohne Barrieren
Wärme steigt nach oben, weshalb die höheren Sitzbänke die heißeren Plätze sind. Pech gehabt?
Trosten wurde als erste schwimmende Sauna Norwegens konsequent nach den Prinzipien des Universal Design entwickelt. Zwei Rollstühle können gleichzeitig im Saunaraum Platz finden. Dafür lassen sich Teile der unteren Sitzbank einschieben.
Damit allein wäre das eigentliche Problem einer Sauna jedoch noch nicht gelöst. Wärme steigt nach oben, weshalb die höheren Sitzbänke die heißeren Plätze sind. Für Menschen, die auf der unteren Ebene bleiben müssen, wäre eine formal barrierefreie Sauna deshalb noch lange nicht gleichwertig nutzbar.
Elektrische Ventilatoren wälzen die warme Luft im Raum um und sorgen auch im unteren Bereich für ausreichende Temperaturen. Hinzu kommen beheizte Außenflächen, Handläufe und ein automatischer Türöffner. Auch die erste Reihe des Amphitheaters ist für Rollstuhlnutzer zugänglich. Barrierefreiheit betrifft hier also nicht nur Erschließung und Bewegungsflächen, sondern die eigentliche Funktion des Gebäudes.


Vorgefertigt und weitergedacht
„Trosten“ ist das norwegische Wort für Drossel, und die verbindet
Auch die Konstruktion folgt einem ungewöhnlichen Ablauf. Die Holzstruktur wurde zunächst in einem Trockendock außerhalb des Osloer Zentrums montiert und anschließend auf eine vorgefertigte schwimmende Betonplattform gesetzt. Dort wurden Fassade und Innenausbau fertiggestellt. Erst danach wurde das komplette Bauwerk über das Wasser zu seinem Standort am Sukkerbiten geschleppt und dort verankert. Dadurch konnte das bereits intensiv genutzte Saunadorf während der Bauphase weitgehend ungestört weiterbetrieben werden.
Die Tragstruktur besteht aus zertifiziertem Holz. Im Innenraum kommen großformatige Terrazzoplatten zum Einsatz, deren Masse zugleich zur Wärmespeicherung beiträgt. Die Außenhaut besteht aus recyceltem, anodisiertem Aluminium. Besonders interessant sind die verwendeten Profile: Sie wurden ursprünglich für Bordwandsysteme von Lastwagen entwickelt und für die Trosten Sauna einer neuen Verwendung zugeführt.
Auch der Name verweist auf eine Verbindung zwischen Herkunft und Standort der Architekten. „Trosten“ ist das norwegische Wort für Drossel. Der Zugvogel wandert zwischen der Iberischen Halbinsel und Nordeuropa und steht damit sinnbildlich für die Verbindung zwischen dem spanischen estudio Herreros und Oslo. Seine jährliche Rückkehr gilt in Norwegen traditionell als gutes Zeichen.


Was wir hier lernen
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Barrierefreiheit ist erst dann erreicht, wenn nicht nur der Zugang, sondern auch die eigentliche Nutzung gleichwertig möglich ist. In der Trosten Sauna gehört deshalb die Wärmeverteilung genauso zum Universal Design wie Türen, Handläufe und Bewegungsflächen.
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Auch kleinere Freizeitbauten können wichtige Bausteine des öffentlichen Raums sein. Das frei zugängliche Amphitheater macht die Sauna auch für Menschen nutzbar, die gar nicht saunieren wollen.
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Vorfertigung kann an intensiv genutzten Standorten weit mehr leisten als nur Bauzeit zu sparen. Die weitgehende Fertigstellung im Trockendock hielt die Eingriffe im bestehenden Saunadorf gering.
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Wiederverwendung muss nicht unsichtbar bleiben. Die ursprünglich für Lkw entwickelten Aluminiumprofile prägen als neue Außenhaut den architektonischen Ausdruck von Trosten.
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