Zwischen Wald und Wasser

Forest Pool in Liberec

Es gibt Projekte, die vor allem durch ihre Archi­tektur beein­dru­cken. Und es gibt Projekte, deren eigent­liche Stärke in der Geschichte liegt, die sie erzählen. Der Forest Pool im tsche­chi­schen Liberec gehört eindeutig zur zweiten Kate­gorie. Hier entstand nicht einfach ein neues Funk­ti­ons­ge­bäude für ein Freibad – viel­mehr wurde ein seit Jahr­zehnten iden­ti­täts­stif­tender Ort durch das Zusam­men­spiel von bürger­schaft­li­chem Enga­ge­ment, intel­li­genter Holz­ar­chi­tektur und öffent­li­cher Unter­stüt­zung wieder zu einem leben­digen Treff­punkt.

Entwurf:
Mjölk archi­tekti

 

Lesní koupa­liště

Am Zusam­men­fluss zweier Bäche, am Rand des Villen­vier­tels Lidové sady in Liberec, liegt das „Lesní koupa­liště“ – der Forest Pool. Einge­bettet zwischen jahr­hun­der­te­alten Fichten gehört das Naturbad seit Gene­ra­tionen zum kollek­tiven Gedächtnis der Stadt. Das Wasser gilt als außer­ge­wöhn­lich kalt, die Lage als einzig­artig.

Die Geschichte reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Während des Zweiten Welt­kriegs wurde das Bad teil­weise mili­tä­risch genutzt, blieb aber gleich­zeitig ein beliebter Ort der Naherho­lung. Nach mehreren Erwei­te­rungen verfiel die Anlage zuneh­mend. 2007 wurde sie geschlossen, 2010 zerstörte ein Brand das ehema­lige Betriebs­ge­bäude. Ledig­lich die Beton­fun­da­mente blieben erhalten. Erst ab 2016 begann eine schritt­weise Wieder­be­le­bung des Geländes, bevor das Naturbad 2018 wieder für Besu­cher geöffnet werden konnte.

Archi­tektur beginnt mit Eigen­in­itia­tive

Den entschei­denden Impuls setzte 2020 das von Mjölk archi­tekti gegrün­dete Bürger­pro­jekt Lesní koupa­liště. Statt auf große Förder­pro­gramme zu warten, über­nahmen die Archi­tekten gemeinsam mit zahl­rei­chen Frei­wil­ligen selbst den Betrieb der Anlage.

Mangels finan­zi­eller Mittel entstanden zunächst provi­so­ri­sche Möbel, einfache Gastro­no­mie­ein­rich­tungen und erste Verbes­se­rungen in Eigen­leis­tung. Parallel wurden Planungen entwi­ckelt, Förder­mittel bean­tragt und private Spenden gesam­melt. Ein wesent­li­cher Teil der Finan­zie­rung kam schließ­lich über den Bürger­haus­halt der Stadt Liberec zustande. Nachdem 2022 die Bauge­neh­mi­gung erteilt worden war, begann der eigent­liche Neubau. Als das Budget erneut knapp wurde, half schließ­lich eine einma­lige finan­zi­elle Unter­stüt­zung der Stadt, das Projekt bis zur Eröff­nung 2025 fertig­zu­stellen.

Schlichtes Gebäude, große Wirkung

Der Neubau versteht sich bewusst nicht als archi­tek­to­ni­sches State­ment, sondern als funk­tio­nales Rück­grat des gesamten Natur­bades.

Auf einer Fläche von ledig­lich 320 m² entstand eine leichte Holz­kon­struk­tion, deren Geome­trie den vorhan­denen Beton­fun­da­menten folgt. Die Archi­tekten kombi­nierten CLT-Massiv­holz­platten mit einer leichten Holz­rah­men­kon­struk­tion. Darin inte­griert sind Lager­flä­chen, Sani­tär­an­lagen, Bistro, Sauna und Aufent­halts­räume.

Beson­ders prägend ist das weit auskra­gende Dach auf einer fili­granen Stahl­kon­struk­tion. Es schützt Besu­cher glei­cher­maßen vor Sonne und Regen und schafft einen groß­zü­gigen halb­öf­fent­li­chen Außen­raum. Duschen, Umkleiden und Schließ­fä­cher liegen voll­ständig unter diesem Dach und bleiben dadurch eng mit der umge­benden Land­schaft verbunden.

Weniger Archi­tektur, mehr Land­schaft

Die Gestal­tung verzichtet bewusst auf gestal­te­ri­sche Effekte. Die weiß gestri­chenen Fassaden mit ihren rhyth­mi­schen Rund­bögen greifen klas­si­sche Motive öffent­li­cher Frei­bäder auf, wirken dabei jedoch zeitlos und selbst­ver­ständ­lich.

Von weitem tritt das Gebäude fast voll­ständig hinter den hohen Nadel­bäumen zurück. Erst beim Näher­kommen entfaltet sich die Qualität der offenen Archi­tektur: Die groß­zü­gigen Über­da­chungen, die trans­pa­renten Über­gänge zwischen Innen- und Außen­be­reich und die direkte Bezie­hung zum Wasser schaffen eine Atmo­sphäre, die eher an einen geschützten Wald­pa­villon als an ein klas­si­sches Freibad erin­nert.

Ein Freibad für alle Jahres­zeiten

Mit der neuen Infra­struktur gewinnt der Forest Pool deut­lich an Funk­tio­na­lität. Neben Umkleiden, Sani­tär­be­rei­chen und Gastro­nomie sorgt insbe­son­dere die inte­grierte Sauna dafür, dass das Gelände künftig weit über die Sommer­mo­nate hinaus genutzt werden kann.

Weitere Entwick­lungs­schritte sind bereits vorge­sehen: Kinder­spiel­be­reiche mit Wasser, terras­sierte Sitz­stufen sowie zusätz­liche Sport- und Frei­zeit­an­ge­bote sollen die Anlage lang­fristig ergänzen. Das Projekt versteht sich ausdrück­lich nicht als abge­schlos­sene Baumaß­nahme, sondern als konti­nu­ier­li­cher Entwick­lungs­pro­zess – für die und mit den Menschen, die Forest Pool nutzen.

Projekt­daten

(Links sind unter­stri­chen)

Planer

Mjölk archi­tekti
Marie Vondrá­ková

Bauherr

Stadt Liberec
Městské lesy Liberec

Eröff­nung
2025
Adresse

Lesní koupa­liště
U Koupa­liště 536
460 14 Liberec-Ruprech­tice
Tsche­chien

Fotos

Boys­Play­Nice

Text

Johannes Bühl­be­cker
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Pläne

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