Mehr Wasser

Trai­nings­schwimm­halle Groß­feld­sied­lung in Wien

Mit der Erwei­te­rung des Kombi­bads Groß­feld­sied­lung setzt die Stadt Wien einen wich­tigen Baustein ihrer Bäder­stra­tegie 2030 um. Ziel des Programms ist es, die Schwim­m­in­fra­struktur einer wach­senden Metro­pole auszu­bauen, mehr Kapa­zi­täten für den Schul- und Vereins­sport zu schaffen und gleich­zeitig bestehende Anlagen nach­haltig zu moder­ni­sieren. Die neue Trai­nings­schwimm­halle im 21. Wiener Gemein­de­be­zirk zeigt exem­pla­risch, wie sich funk­tio­nale Anfor­de­rungen, archi­tek­to­ni­sche Qualität und ressour­cen­scho­nendes Bauen mitein­ander verbinden lassen.

Entwurf:
illiz archi­tektur ZT

 

Zwei Brücken schaffen ein neues Ensemble

Anstatt einen eigen­stän­digen Solitär zu errichten, entwi­ckelte das Wiener Büro illiz archi­tektur einen kompakten, drei­ge­schos­sigen Erwei­te­rungsbau, der auf einer bereits versie­gelten Park­platz­fläche entsteht und über zwei frei­tra­gende Brücken mit dem Bestands­ge­bäude verbunden ist. Diese über­nehmen weit mehr als eine reine Erschlie­ßungs­funk­tion: Sie verknüpfen Alt- und Neubau zu einem zusam­men­hän­genden Ensemble, entflechten die Besu­cher­ströme und ermög­li­chen eine barrie­re­freie Verbin­dung zwischen dem neuen Foyer und der bestehenden Kassen­zone.

Zwischen beiden Baukör­pern entsteht eine begrünte Gasse, die die Wege zum Hallen- und Sommerbad bündelt und Besu­cher intuitiv zum neuen Haupt­ein­gang führt. Gleich­zeitig schaffen die Brücken span­nende Blick­be­zie­hungen zwischen den verschie­denen Ebenen und machen den Weg durch das Gebäude zu einem räum­li­chen Erlebnis.

Glas­fas­sade

Eine groß­zü­gige Glas­fas­sade prägt den ersten Eindruck. Dahinter öffnet sich ein licht­durch­flu­tetes, drei­ge­schos­siges Foyer, dessen skulp­tural wirkende Treppe den Blick unmit­telbar auf die Becken­ebene im Ober­ge­schoss lenkt. Von hier aus erschließt sich die gesamte Anlage mit ihren unter­schied­li­chen Funk­ti­ons­be­rei­chen.

Foyers, Warte­zonen, Brücken und Schwimm­hallen sind dabei visuell mitein­ander verwoben und schaffen eine klare Orien­tie­rung.

Becken

Herz­stück des Neubaus ist ein 25 x 12,5 Meter großes Trai­nings­be­cken, das vor allem dem Schul- und Vereins­sport dient. Mit der zusätz­li­chen Wasser­fläche reagiert Wien auf den stei­genden Bedarf an Schwimm­aus­bil­dung und Trai­nings­mög­lich­keiten.

Außer­halb der reser­vierten Zeiten steht das Becken auch der Öffent­lich­keit zur Verfü­gung und ergänzt damit das Angebot des bestehenden Kombi­bads erheb­lich. Seit Herbst 2024 befindet sich die neue Trai­nings­schwimm­halle im regu­lären Betrieb.

Trag­werk

Den Charakter der neuen Schwimm­halle bestimmt ein klar ables­bares Holz­trag­werk, das hinter einer raum­hohen Glas­fas­sade sichtbar bleibt. Umlau­fende, geflieste Sitz­bänke fassen den Becken­um­gang ein und dienen zugleich als konstruk­tives Auflager für die schlanken Holz­stützen.

Helle Holz­ober­flä­chen und geome­trisch abge­stimmte Fliesen in Weiß- und Grau­tönen schaffen eine freund­liche, ruhige Atmo­sphäre, die den sport­li­chen Charakter der Halle unter­streicht.

Bestand und Neubau wachsen zusammen

Parallel zum Neubau wurde auch die bestehende Schwimm­halle umfas­send moder­ni­siert. Ein neues, höheres Dach verbes­sert die Raum­wir­kung des Mehr­zweck­be­ckens deut­lich. Über seit­liche trans­lu­zente Licht­bänder gelangt blend­freies Tages­licht bis an die Wasser­ober­fläche. Gleich­zeitig wurden Eingangs­be­reich, Umkleiden und Sani­tär­an­lagen moder­ni­siert, sodass die gesamte Anlage funk­tional und gestal­te­risch aufge­wertet wurde.

Archi­tektur mit nach­hal­tigem Anspruch

Auch gestal­te­risch knüpft der Neubau an den Bestand an. Eine weit auskra­gende Dach­scheibe aus Holz sowie umlau­fende Ober­licht­bänder nehmen charak­te­ris­ti­sche Elemente des bestehenden Bades auf und inter­pre­tieren sie zeit­gemäß neu. Beson­ders markant ist die vorge­la­gerte begrünte Stahl­kon­struk­tion, deren Rank­pflanzen das Gebäude umhüllen und den tech­ni­schen Baukörper in eine leben­dige Fassa­den­land­schaft verwan­deln.

Das nach­hal­tige Gesamt­kon­zept setzt sich auch in der Gebäu­de­technik fort. Eine Photo­vol­ta­ik­an­lage auf dem begrünten Dach, ener­gie­ef­fi­zi­ente Haus­technik sowie die ressour­cen­scho­nende Holz­kon­struk­tion tragen dazu bei, den ökolo­gi­schen Fußab­druck des Gebäudes zu redu­zieren.

Für diesen ganz­heit­li­chen Ansatz erhielt die Trai­nings­schwimm­halle die klima­aktiv-Gold-Auszeich­nung, wurde mit dem wienwood25 – Holz­bau­preis Wien ausge­zeichnet, für den Öster­rei­chi­schen Staats­preis Holzbau 2026 nomi­niert und schaffte es auf die Top-40-Short­list der EUmies Awards 2026

Vorbild für die Weiter­ent­wick­lung kommu­naler Bäder

Mit einer Nutz­fläche von rund 2.110 m² und einer Brut­to­ge­schoss­fläche von 2.550 m² entstand inner­halb von knapp zwei Jahren Bauzeit ein beispiel­haftes Projekt für die behut­same Weiter­ent­wick­lung bestehender Sport- und Frei­zeit­an­lagen. Die Trai­nings­schwimm­halle Groß­feld­sied­lung zeigt, wie zusätz­liche Wasser­flä­chen geschaffen werden können, ohne neue Flächen zu versie­geln oder den Bestand zu verdrängen.

Statt­dessen entstand ein stim­miges Ensemble, in dem Alt und Neu funk­tional, räum­lich und archi­tek­to­nisch mitein­ander verbunden werden – ganz im Sinne einer nach­hal­tigen und zukunfts­fä­higen Bäder­ent­wick­lung.

Projekt­daten

(Links sind unter­stri­chen)

Planer

illiz archi­tektur ZT GmbH
Getrei­de­markt 1/11
A‑1060 Wien

Bauherr

Stadt Wien, MA 44 – Bäder

Eröff­nung
2024
Adresse

Trai­nings­schwimm­halle Groß­feld­sied­lung
Oswald-Redlich-Straße 44
A‑1210 Wien

Fotos

Hertha Hurnaus
Köst­ler­gasse 3/9
A‑1060 Wien

Text

Johannes Bühl­be­cker
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