Everybody dance now
Sport- und Kulturzentrum Marie-José Pérec und Joséphine Baker

Zwischen Sporthalle, Kulturzentrum, Stadion, Tennisplätzen und BMX-Bahn entstand in der bretonischen Gemeinde La Bouëxière ein Gebäude, das mehr sein will als eine neue Wettkampfstätte: Das Sport- und Kulturzentrum Marie-José Pérec und Joséphine Baker verbindet bestehende Einrichtungen zu einem neuen öffentlichen Mittelpunkt – und nutzt Architektur als Instrument der Stadtentwicklung. Das Ergebnis ist ein markanter Bau mit textilem Dach, öffentlicher Promenade und einer überraschenden räumlichen Dramaturgie.
Das fehlende Puzzleteil
Die Gemeinde La Bouëxière suchte nach einer Halle, die regionale Sportveranstaltungen aufnehmen kann und zugleich neue Räume für Kultur und Begegnung bietet. Der Standort am Rand des Ortskerns liegt unmittelbar neben dem bestehenden Pierre-de-Coubertin-Sportkomplex und dem Kulturzentrum André-Blot. Weitere Freizeiteinrichtungen befanden sich zwar in unmittelbarer Nähe, waren jedoch räumlich voneinander getrennt.
Für das Planungsteam von Onze04 Architectes war dies vor allem auch eine städtebauliche Chance. Anstatt lediglich eine neue Halle zu errichten, entwickelten die Architekten ein Konzept, das die vorhandenen Einrichtungen miteinander vernetzt und den gesamten Bereich zu einem zusammenhängenden Sport- und Kulturcampus weiterentwickelt.


Die Promenade durchs Gebäude
Ausgangspunkt des Entwurfs ist ein geplanter Fußweg, der ein benachbartes Wohngebiet mit dem Kulturzentrum verbinden sollte. Die Architekten verschoben dessen Verlauf und machten ihn zu einer Promenade und zur zentralen Entwurfsidee.
Diese neue Promenade durchquert das Sport- und Kulturzentrum Marie-José Pérec & Joséphine Baker und teilt es in zwei eigenständige Baukörper. Nördlich liegt die große Mehrzweckhalle, südlich befinden sich Squash- und Tanzräume. Der Weg verläuft auf zwei Ebenen durch das Ensemble und schafft ungewöhnliche Blickbeziehungen.
Auf der oberen Ebene führt ein öffentlicher Umgang direkt zu den oberen Tribünenrängen der Sporthalle. Dort entsteht ein Belvedere, das Besuchern bereits vor dem Betreten der Halle Einblicke in das sportliche Geschehen ermöglicht. Auf der unteren Ebene gelangen Besucher unmittelbar in das Foyer und die gemeinschaftlich genutzten Bereiche des Zentrums. Das Gebäude wird damit nicht nur Zielpunkt, sondern Teil des öffentlichen Raums.


Zwei Baukörper, zwei Klimastrategien
Die unterschiedlichen Nutzungen verlangten nach unterschiedlichen räumlichen und energetischen Lösungen. Die Architekten reagierten darauf mit zwei konstruktiv klar unterscheidbaren Gebäudeteilen.
Der kompakte südliche Baukörper beherbergt die beheizten Bereiche mit Tanzsaal, Squashraum und Nebenfunktionen. Die große Mehrzweckhalle hingegen wird von einer textilen Membran überspannt. Vier nach innen gezogene Hochpunkte prägen die charakteristische Dachlandschaft und verleihen dem Bau seine unverwechselbare Silhouette.
Die Geometrie des Membrandachs unterstützt zugleich das Raumklima. Durch die besondere Form wird die Halle in den Sommermonaten natürlich gekühlt. So verbindet die Konstruktion architektonische Identität mit funktionalen und energetischen Vorteilen.


Eine Laterne für die Gemeinschaft
Besonders eindrucksvoll wirkt das Gebäude nach Einbruch der Dunkelheit. Dann verwandelt sich die weiße Membranhülle in eine große leuchtende Laterne. Das Sport- und Kulturzentrum Marie-José Pérec & Joséphine Baker wird zum weithin sichtbaren Orientierungspunkt und unterstreicht seinen Charakter als öffentlicher Treffpunkt.
Dieser symbolische Aspekt ist kein Nebeneffekt, sondern Teil des Entwurfsgedankens. Das Zentrum soll Sport, Kultur und Gemeinschaft sichtbar machen – und einen Ort schaffen, der über seine eigentliche Nutzung hinaus Identität für die Gemeinde stiftet.

Sport, Kultur und große Namen
Benannt wurde das Ensemble nach zwei außergewöhnlichen Persönlichkeiten: der französischen Sprintlegende Marie-José Pérec und der Tänzerin, Sängerin und Bürgerrechtsaktivistin Joséphine Baker.
Die Namensgebung spiegelt die doppelte Funktion des Gebäudes wider. Sport und Kultur erhalten hier nicht nur gleichberechtigt Platz, sondern werden räumlich und symbolisch miteinander verbunden.
Ein überaus zukunftsfähiges Projekt.

Projektdaten
(Links sind unterstrichen)
Planer
Onze04 Architectes
8 bis, rue de Mayence
44000 Nantes
Frankreich
Bauherr
Ville de La Bouëxière
Eröffnung
2025
Adresse
Sport- und Kulturzentrum Marie-José Pérec & Joséphine Baker
10 Rue Jean Langlais
35340 La Bouëxière
Frankreich
Fotos
Juan Cardona
Text
Johannes Bühlbecker
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