Kultur goes Acker

EVE Music Hall

Eine Musik­halle für 4.000 Besu­cher mitten in der kroa­ti­schen Agrar­land­schaft? Mit der EVE Music Hall wagt BIG ein unge­wöhn­li­ches Expe­ri­ment. Der skulp­tu­rale Neubau soll Kultur, Kongresse und Festi­vals in eine Region bringen, die bisher kaum als kultu­reller Hotspot bekannt ist.

Entwurf: BIG 

Zwischen Feldern und Fabriken

Wer die spek­ta­ku­lären Entwürfe von BIG kennt, erwartet sie eher in Metro­polen als in der Provinz. Doch die neue EVE Music Hall entsteht weder in Kopen­hagen noch in London oder Dubai, sondern in Čepin – einer Gemeinde mit rund 9.000 Einwoh­nern im land­wirt­schaft­lich geprägten Osten Kroa­tiens.

Gerade dieser Kontrast macht das Projekt so bemer­kens­wert.

Mit der EVE Music Hall soll in der Region Slavo­nien ein neuer kultu­reller Anzie­hungs­punkt entstehen. Der rund 10.000 Quadrat­meter große Komplex umfasst eine Musik­halle, einen Kongress­be­reich, Ausstel­lungs­flä­chen, Gastro­nomie und Veran­stal­tungs­flä­chen auf dem Dach. Knapp 4.000 Besu­cher finden im Gebäude Platz, bei Frei­luft­ver­an­stal­tungen sollen es sogar bis zu 25.000 Menschen sein. Die Eröff­nung ist für Anfang 2027 geplant.

Kultur als Motor

Hinter dem Projekt steht der kroa­ti­sche Unter­nehmer Marko Pipunić, Eigen­tümer der Agrar­gruppe Žito. Dass ausge­rechnet in einer Region, die vor allem für Land­wirt­schaft und Lebens­mit­tel­pro­duk­tion bekannt ist, ein Kultur­zen­trum dieser Größen­ord­nung entsteht, ist alles andere als selbst­ver­ständ­lich. Während vergleich­bare Projekte meist in Groß­städten und mit öffent­li­cher Förde­rung reali­siert werden, setzt die EVE Music Hall auf private Initia­tive und den Anspruch, Kultur als Motor regio­naler Entwick­lung zu nutzen.

Form follows Kontext

Auch archi­tek­to­nisch greift BIG diesen unge­wöhn­li­chen Kontext auf. Statt eines einzelnen Gebäudes entwarfen die Archi­tekten zwei eigen­stän­dige Baukörper, die aus der flachen Land­schaft aufzu­steigen scheinen. Die Fassaden sind mit regio­nalem Kalk­stein verkleidet und fallen in weichen Kurven bis zum Boden herab. Die Form erin­nert an einen geöff­neten Bühnen­vor­hang und verweist auf die Veran­stal­tungen im Inneren.

Doch die Archi­tektur erzählt noch eine zweite Geschichte. Die geschwun­genen Hüllen stehen im Kontrast zu den geraden Linien der umlie­genden Felder und Wirt­schafts­flä­chen. BIG beschreibt die Halle als „musi­ka­li­schen Ausbruch am Hori­zont der slavo­ni­schen Felder“ – als bewusstes Zeichen dafür, dass hier etwas Uner­war­tetes entsteht.

Zwischen den beiden Volumen liegt das zentrale Foyer. Geschwun­gene Holz­kon­struk­tionen über­spannen den Raum wie ein Zelt aus Massiv­holz, während spie­gelnde Ober­flä­chen Licht und Land­schaft reflek­tieren. Die Besu­cher bewegen sich dabei zwischen zwei Welten: draußen die Weite der Agrar­land­schaft, drinnen die Atmo­sphäre eines Kultur­hauses.

Viel­sei­tig­keit gibt den Ton an

Die größere der beiden Hallen dient als Veran­stal­tungsort für Konzerte und Musik­pro­duk­tionen, während die klei­nere Halle Kongresse, Präsen­ta­tionen und Ausstel­lungen aufnimmt. Beide Bereiche können unab­hängig vonein­ander betrieben werden. Ergänzt werden sie durch Außen­flä­chen für Festi­vals und Open-Air-Veran­stal­tungen.

Auch in der Kultur kommt es also, wie bei den Bauten für den Sport, auf die Multi­funk­tio­na­lität an.

Wahr­zei­chen und Ambi­tion

Ob die Vision aufgeht, wird sich nach der Eröff­nung zeigen. Schon heute steht die EVE Music Hall jedoch für eine unge­wöhn­liche Idee: Statt Kultur dorthin zu bringen, wo sie ohnehin erwartet wird, entsteht hier ein kultu­reller Anzie­hungs­punkt mitten auf dem Land.

Die spek­ta­ku­läre Archi­tektur von BIG dient dabei nicht nur als Wahr­zei­chen, sondern als sicht­barer Ausdruck dieser Ambi­tion.

Projekt­daten

(Links sind unter­stri­chen)

Planer

BIG (Bjarke Ingels Group)

Bjarke Ingels, João Albu­querque, Igor Russo, Stefani Fachini De Araujo Team: Agata Anna Budzik, Camila Anto­nella Mina, Carlos González Acedo, Carlo Basile, Deniz İpek Karataş, Domi­nika Kłopotek, Elias Lont, Eleni Kanel­lo­poulou, Emma Lomas, German Otto Boden­bender, Giuseppe Laudante, Javier Moran, Jeroni Mach, Julia Salman, Juan Carpio, Kamil Murgrabia, Laurens Boeve, Leticia Evelyn Soares Porto, Lorena Trinidad, Lorenzo Farchione, Luca Ronda­nini, Marco Dell’Agli Valletti, Maria Fran­cisca Parreira, Maria Sivakov, Michele Archetti, Nir Leshem, Noemi Mastalli, Ole Elkjær-Larsen, Olivia Sarrà Gómez, Rodrigo Igle­sias Murrieta, Tejas­wini Challa

Bauherr

Žito Group; Marko Pipunić

Eröff­nung
2027
Rende­rings

BIG (Bjarke Ingels Group)

Text

Johannes Bühl­be­cker
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